Dirk Prüter

Einmal Formentera, immer Formentera?

Leben im Paradies? Wer wünscht sich das nicht. Dirk Prüter entdeckt für sich einen solchen Flecken Erde. Der Ort seiner Sehnsüchte? Formentera. Ibizas kleine Schwester. Die Insel im westlichen Mittelmeer lockt mit karibischen Stränden, kultigen Bars und Restaurants sowie dem Gefühl, die Uhren ticken dort langsamer. Wie viele seiner Leidensgenossen bewundert der Wahlkölner all jene, die eines Tages das Ticket für die Rückreise verbrannten. Eine Bleibe am Ort der Begierde sein Eigen nennen zu dürfen? Ein Traum. Das Schicksal meint es gut mit ihm. Nach einigen Jahren zieht er das große Los. Ein Hirngespinst wird Wirklichkeit. Der Beginn eines Aussteigerdaseins? Irgendwie schon – doch wie so häufig im Leben: Manches kommt anders als gedacht.

Eine Sammlung von Anekdoten, Erlebnissen und Eindrücken zum Schmunzeln, Mitleiden, Nachdenken und Träumen.

Erhältlich für 12,80 € zzgl. Versandkosten als Taschenbuch beim Autor und im Buchhandel sowie für 8,99 € als E-Book.

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Leseprobe

1986 – das erste Mal

Willkommen auf der Insel

„Die neu'n Bleichgesichter – tach aber auch.“

„Hallo. Tja, da sieht man, wer arbeitet.“ Rüdiger. Er muss es wissen.

„Un' wat is' mit ihm? Gehört der Schwatte mit zu Euch?“

Der braun Gebrannte deutet auf mich.

„Student.“ Rüdiger lacht. „Da sieht man, wem es gut geht.“

Ich muss schmunzeln. Gut, ganz unrecht hat Rüdiger nicht. Auch wenn erst zwei Semester hinter mir liegen, in der Zeit habe ich bereits eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass man die weniger spannenden Vorlesungen besser im Freibad anstatt im Hörsaal verbringt. Bleibt auf dem Pelz natürlich nicht ganz ohne Folgen. Nicht auszuschließen aber, dass auch auf den zehn Kilometern mit dem Rad morgens hin zur Schule und Nachmittags zurück der eine oder andere UV-Strahl die Haut traf. Und Ute? Und Birgit? Unsere Freundinnen teilen Rüdigers Teint. Fallen zu viele Sonnenstrahlen in Küchen und Büros, stimmt irgend etwas nicht, doch dafür gibt es keine Anzeichen.

„Und Sie? Schon länger hier?“, Rüdiger ist in seinem Element.

„So is'es. Unsere zwei Wochen sind morgen 'rum. Woll, Gitte? Gott sei Dank. Lange genuch hier gewesen. Vielleicht sollten'wa demnächst bei neuen Urlaubszielen ers' ma' nur eine Woche buchen. Sind'se auch das erste Ma' hier?“

„Mhm, drei Wochen.“

„Na klasse. Glückwunsch. Hauptgewinn. Drei Wochen? In dem Loch? Auf der Insel? Prost Mahlzeit! Uns sehn' die hier nich' wieder.“

Von den beiden haben wir offensichtlich keine hilfreichen Hinweise zu erwarten. Trotzdem versuchen wir es. Diesmal sieht sich Gitte veranlasst, unsere Frage zu beantworten.

„Strände? Kla' gibt's die. Nur – wer bewegt sich hier schon freiwillig bei der Affenhitze. In der Sonne. Wir sind froh, dass wa' diesen Schattenplatz am Pool hier ergattert ham'. Könn'se ab morgen übernehmen. Müssen'se nur früh genug aufstehen. Und 'nen Handtuch auf die Liegen werfen. Sonst macht sich hier nämlich 'nen anderer breit. Warten'se aber ab, dass Victor den Pool sauber gemacht hat, bevor'se da reingehen. Morgens, da is' noch alles voller Viecher im Wasser. Sehn'se dann aber schon. Die ganze Nacht is' das Licht an im Becken. Kriegen die nich' geregelt. Wie mit'm Essen. Dat könn'se auch vergessen in Spanien.“

Die Statur der beiden lässt anderes vermuten, erklärt sich jedoch umgehend.

„Morgen Abend, woll' Herbert, wenn wa' Zuhause sind, da kommt bei uns ers'ma' lecker wat auf'n Tisch. Wat hält'ze von Eisbein mit Sauerkraut.“

Läuft Herbert bei dem Gedanken das Wasser im Munde zusammen, bleibt uns fast die Spucke weg. Auch kulinarisch spielen unsere Gegenüber in einer anderen Liga. Einen Anlauf wagen wir dennoch.

„Gibt es sonst noch was, das Sie uns empfehlen könnten?“

„Näh – da is' nix. Wenn'se wat wissen wollen, fragn'se Victor.“

„Victor?“

„Ja, den ham'se bestimmt schon kennen gelernt. Victor is' hier dat Mädchen für alles. Victor macht die Rezeption, Victor reinigt den Pool, Victor macht das Frühstück, mixt Cocktails, brät Hamburger, verleiht die Räder und wat weiß ich nich' noch.“

 

Victor

Kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Was das Allround-Talent angeht, so liegen Herbert und Gitte richtig. Wir lernten Victor in der Tat bereits kennen, nur blieb uns sein Name bis dahin fremd. Der Mann, an den uns unsere Reiseleiterin übergab, nachdem wir unsere Koffer aus dem Bus wuchteten, der uns vom Hafen hierher fuhr. Geschätzt nicht viel älter als wir, ähnlich rundlich wie unser Empfangskomitee am Pool, die Haare so schwarz wie Hose und Schuhe, anders als das Beinkleid jedoch kurz. Trotz hochgekrempelter Ärmel klebte das Hemd auf Brust und Rücken, Schweißperlen standen auf der Stirn – kaum verwunderlich bei dreißig Grad, solange kein Ventilator oder eine Klimaanlage für ein wenig Zirkulation sorgen. Uns erging es trotz luftigerer Kleidung kaum anders. Der Preis, kann oder will man sich keine Unterkunft leisten, die mit derlei Gerätschaften ausgestattet ist. Überflüssig zu erwähnen, dass „unser“ Hotel über keine derartige Annehmlichkeiten verfügt. Doch zurück zu Victor.

Aus einem leicht aufgedunsenem Gesicht schauten uns zwei müde Kulleräuglein an. Irgendwie stimmig. Der Mann hatte das Temperament einer Schlaftablette. Große Worte schienen nicht sein Ding. Statt eines herzlichen Willkommens der emotionslose Tausch von Ausweispapieren gegen Zimmerschlüssel. Für Ute und mich begleitet von dem Hinweis, dass wir uns noch einen Augenblick gedulden müssten. Das Zimmer sei noch nicht fertig. Für uns kein Problem. Wofür hat man Freunde? Sahen wir uns Zuhause häufig genug täglich, kann man sich auch im Urlaub schon mal vorüber gehend ein Bad teilen. Blöd lediglich, wenn die Brille dabei auf der Keramik unter einem zerbricht. Ob Victor das Stück Plastik selbst ersetzte? Keine Ahnung. Die Reaktion auf die Schadensmeldung unterschied sich jedenfalls kaum vom ersten Kontakt – leidenschaftslose, knappe Worte.

„Kein Problem, reparieren wir.“

Ich weiß zwar nicht, wie häufig derlei vorkommt, für den Rezeptionisten jedoch schien es die alltäglichste Sache der Welt. Nun ja – für uns sollte es nicht bei der einen Überraschung bleiben.

 

Vamos a la playa oder wo bitte geht’s zum Strand

Nach einer ersten Abkühlung im Pool und dem diskreten Rückzug von den Platzhirschen am Beckenrand beschließen wir, entgegen derer Warnung, am helllichten Tage in Augenschein zu nehmen, wie es um die karibischen Strände bestellt ist, mit denen die Reiseprospekte lockten. Einige Kilometer sahen wir bereits, als wir von Ibiza aus kommend mit der Fähre auf Formentera zusteuerten. Vielversprechend, doch sicherlich nicht der einzige Abschnitt dieser Art auf der Insel.

Unvorbereitet, ohne Karte, ohne Ortskundigen und ohne mit internet- oder navigationsfähigen Smartphones ausgestattet zu sein, probieren wir unser Glück. Weltweites Datennetz, Satellitennavigation, mobile Kommunikationstechnik? Stecken in den Kinderschuhen. Wir schreiben das Jahr 1986. Der Einsatz von Funktelefonen ist beschränkt auf das Auto. Und das nicht ohne Grund. Die Apparaturen kosten mehr als manches Fahrzeug. Zudem sind die Geräte aufgrund ihrer Größe, ihres Gewichts und ihres Energiebedarfs in keinster Weise geeignet, herumgetragen zu werden. Das Geraffel füllt einen Rucksack. Andere Technologien sind noch weiter davon entfernt, von jedermann genutzt zu werden. Meine ersten Programmiererfahrungen unter akademischer Anleitung im Informatikstudium machte ich auf Lochkarten. Die Anmerkung eines Professors dazu: nimmt man ein dutzend ausgestanzter Kartons und klebt sie zusammen, hat man einen preiswerten Lampenschirm. Doch ich schweife ab. Wie bereits erwähnt, uns zieht es zum Strand, wir wollen uns in die Fluten stürzen und wir haben keine Ahnung, welcher Weg uns dorthin führt.

Mit so etwas wie natürlichem Orientierungssinn bewegen wir uns vor die Tür unseres Hostals Lago Dorado – das Hotel am güldenen See. Die vor uns in der Abendsonne entsprechend schimmernde Lagune westlich des Hafens mag für den Name unserer Unterkunft Pate gestanden haben. Von unserem Balkon aus in dem zweigeschossigen Gebäude, da vermittelt das Gewässer in der Tat einen romantischen Eindruck. Unmittelbar davor stehend jedoch verblasst der Schimmer einstweilen. Strand? Einen schmalen Streifen Sand, ja, den gibt es. Tropisches Flair? Unsere Vorstellungen diesbezüglich waren andere. Zum Baden taugt die Lagune jedenfalls nicht. Wir laufen, laufen und laufen, doch Badesachen wie Knie bleiben trocken. Am anderen Ufer, Richtung Hafen, dümpeln Boote im Wasser. Wir sind die einzigen, die durch die weitläufige Pfütze staksen. Der Boden ist stellenweise morastig und fällt nur minimal ab. Logische Konsequenz? Der Ausflug ist ebenso schnell beendet wie er begann. Sollte sich bestätigen, was wir am Pool aufschnappten?

Der nächste Anlauf führt uns zunächst zurück in die Hände von Victor. Wie könnte es anders sein. Ein fahrbarer Untersatz muss her. Aus dem Reiseprospekt blieb hängen, dass das bevorzugte Verkehrsmittel für den Urlauber auf Formentera das Fahrrad sei. Ich habe damit kein Problem, meine Mitreisenden ebenso wenig, und zum Glück wissen wir ja auch bereits, an wen wir uns zu wenden haben.

Wenig später sind wir mit rustikalen Drahteseln ausgestattet. Wir mieten sie zunächst für eine Woche. Strand, die Zweite: Vier klapperige Räder holpern über eine staubig steinige Piste. Auf den Gepäckträgern rappeln mit Seilen festgezurrte Holzkisten, darin die Taschen mit unseren Badeutensilien. Noch immer knallt die Sonne. Die Ausdehnung der Insel in groben Zügen vor unseren geistigen Augen kurbeln wir gen Norden. Im Hintergrund zeichnen sich Höhenzüge Ibizas ab. In dieser Richtung müsste das Meer am nächsten sein. Wir strampeln ein kurzes Stück, dann geht es nicht mehr weiter. Zumindest nicht mit dem Rad. Die Straße beziehungsweise der Weg wird zu einem steinigen Trampelpfad, der sich nicht nur windet, sondern ebenso mal rauf wie wieder runter führt, insgesamt jedoch eher ansteigt. Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit dann liegt die Küste vor uns. Wir sind leicht enttäuscht. Es sieht anders aus, als wir es uns vorstellten. Wie wir später lernen sollen, heißt die Ecke Punta de Sa Pedrera. Puntas gibt es auf Formentera einige. Alle sind felsig, alle erheben sich mehr oder minder schroff und alle ragen in das Meer. Die Punta de Sa Pedrera bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Wohin wir schauen, unsere Blicke fallen auf eine zerklüftete Mondlandschaft. Ansonsten ist es wie an der Lagune: keine Menschenseele, die sich irgendwo tummelt. Weder in den Klippen, noch im Meer. Überhaupt – um nasse Füße zu bekommen, müssten wir klettern. Oder springen. Paradiesische Strände? Hier mit Sicherheit nicht. Werden auch wir bereuen, uns für diese Insel entschieden zu haben?

Versuch Nummer drei, uns in die Fluten zu stürzen, führt uns zunächst zurück Richtung Hotel, dann an diesem vorbei zur Inselhauptstraße. Der Weg Richtung Hafen ist nicht zu verfehlen, der Rest schnell gefunden. La Savina, der Ort, in dem wir nach der Überfahrt mit der Fähre wieder festen Boden betraten, ist überschaubar. Kommt man über die Straße, liegt links „unsere“ Lagune, die abends goldene. Auf der Karte trägt sie den Namen Estany des Peix. Geradeaus, hinter der Mole, erstreckt sich das Meer beziehungsweise in knapp zwanzig Kilometern Entfernung Ibiza. Bleibt an sich nur noch der Weg nach rechts. Folgt man diesem, landet man nahezu unweigerlich am Strand. Zwar ist auch dieser nicht wer weiß wie breit, auch hier gibt es Flecken, die scharfkantiges Gestein offenbaren, doch immerhin zieht er sich, es gibt sandige Abschnitte und man gelangt so weit in das Wasser, dass man schwimmen oder schnorcheln kann. Wagt man sich noch weiter heraus, kann man nicht mehr stehen.

Schnell sind die Handtücher ausgebreitet und wir genießen, worauf wir uns gefreut haben: in der Sonne zu schmoren und, sobald wir zu verbrennen drohen, in das nicht all zu sehr kühlende Nass zu flüchten. Sanft wogt es hin und her. Was jedoch ebenso klar ist wie das Wasser: wir müssen uns die Insel strukturierter erschließen. Ein Plan muss her. Noch besser: ein Reiseführer. Im Idealfall einer, der unsere Sprache spricht und mit uns im Schlepptau die Orte abklappert, die man als Greenhorn kennen sollte.

 

Inselrundfahrt

Die Gelegenheit zu einer Erkundungstour bietet sich uns bereits am nächsten Vormittag. Als verfüge der Reiseveranstalter über seherische Fähigkeiten. Schon bei der Ankunft versäumte er es nicht, uns zum Begrüßungscocktail im Hotel einzuladen. Dorthin, wo wenig zuvor gefrühstückt wurde. Eine Mitarbeiterin des Touristikunternehmens heißt uns nochmals herzlich auf Formentera willkommen. Sie stellt sich uns als Sabine vor. Schön für sie. Für uns bleibt sie Miss Neckermann. Miss Neckermann trägt die Uniform des Arbeitgebers, ist geschätzt höchstens 30, für den Fall der Fälle in einem Büro am Hafen erreichbar, hat aber ebenso zweimal die Woche eine kurze „Sprechstunde“ im Hotel. Praktisch.

Bei einem Glas Sangria gibt sie uns in einstudierten Sätzen einen kurzen Abriss über Geschichte, Land und Leute, was wo auf der Insel zu finden ist und was es mit dem Ordner auf sich hat, der neben der Rezeption ausliegt. Für uns am wichtigsten: die Liste derer, die abreisen beziehungsweise wann und wo sich die Genannten zur Abholung einzufinden haben. Am besten mal zwei bis drei Tage, bevor es soweit ist, hinein schauen. Dann folgt, worum es eigentlich geht – verkaufen. Wie könnte es anders sein. Wir erhalten Rabatte, wenn wir über Miss Neckermann Autos oder Motorroller mieten, zudem hat der Reiseveranstalter ein halbes Dutzend Veranstaltungen im Programm. Auf Wunsch direkt buchbar, für weniger Kurzentschlossene jedoch auch jederzeit während der Sprechstunde in der Unterkunft oder im Büro. Das Angebot reicht von der Piratenfahrt, einem Bootsausflug um die Insel, bis zum Vergnügungstrip auf das Nachbareiland. Wahlweise Ibiza bei Nacht oder Bummel durch die Altstadt tagsüber.

Ein Kennenlernen der entfernteren von Wasser umgebenen Landmasse scheidet kategorisch aus. Uns reicht der Überblick darüber, wo wir gelandet sind. Der Möglichkeiten dazu gibt es zwei: eine halbtägige Tour mit dem Bus sowie eine ganztägige Offerte unter dem Titel „Jeep-Safari“. Die Namensgebung verfehlt ihre Wirkung nicht. Busrundfahrt? Hört sich ein wenig bieder an. Vielleicht was für Kulturinteressierte im gesetzteren Alter. Jeep-Safari? Klingt in unseren Ohren nach Spaß, Action und Abenteuer für Junge und jung Gebliebene. Wozu wir uns entscheiden? Welch eine Frage!

Zwei Tage später ist es soweit. Nicht ganz preiswert, das Vergnügen, insbesondere für den schmalen Geldbeutel eines Studenten, der sich erst unlängst zuvor das Taschengeld für den Urlaub erarbeitete, doch wir sollen die Investition nicht bereuen. Zunächst jedoch schauen wir verwirrt drein. Miss Neckermann fährt in einem Fahrzeug vor, das komisch aussieht. Anstatt des martialisch anmutenden Gefährts, mit dem Männer in tarnfarbenen Kampfanzügen fern ab von Straßen durch unwegsames Gelände brettern, kommt sie mit einem offenen, orangenen Auto daher das aussieht, als entstamme der Entwurf der Hand eines Dreijährigen. Länglicher, viereckiger Kasten, unten dran vier Räder, oben drauf ein leicht schräger Strich. Die Windschutzscheibe. Fehlen an sich nur noch ein paar verstrahlt lachende Blumenkinder. Letztere lassen nicht lange auf sich warten.

Argwöhnisch beäugen wir das Vehikel. Das Innenleben wirkt weniger unbekannt. Irgendwo um das Lenkgestänge herum ein paar Drähte, im Fußraum darunter die drei Pedale, Kupplung, Bremse und Gas, nicht weit davon entfernt der Griff der Feststellbremse, ziemlich mittig daneben zwischen Fahrer und Beifahrer eine Revolverschaltung. Wie die gesamte Ausstattung ist alles minimalistisch, schmucklos und funktional. Verkleidungen, Verzierungen, jeglicher Hauch an Komfort? Nichts dergleichen. Luxus. Überflüssiger Schnick-Schnack. Sucht man eine Armlehne, bleibt einem der Oberschenkel des Sitznachbarn. Gut hat es, wer hinten rechts sitzt. Er kann Grußhand wie zugehörige Elle auf dem Reservereifen ablegen.

Nicht großartig anders aus sieht es unter der Motorhaube. Rüdiger als gelernter KFZ-Mechaniker lässt es sich nicht nehmen, einen Blick unter die Frontklappe zu werfen. Was er sieht ist aufgeräumt und überschaubar. Als er den Deckel wieder zuschlägt, klappert Kunststoff auf Kunststoff. Rosten kann schlimmstenfalls das Fahrwerk.

„Quasi eine Ente. Ein 2CV.“

Mit seiner Einschätzung liegt er richtig. Die Kreation stammt aus dem Hause Citroën. Seine Erbauer verliehen ihm die Bezeichnung Méhari. Renndromedar. Nun ja. Besser als Gepard. Das wäre vermessen. Letztendlich ist die Höchstgeschwindigkeit aber auch nicht das Thema. Wir sind weder angetreten, um möglichst schnell von A nach B zu gelangen, noch wäre es bei dem Fahrkomfort ein Vergnügen.

Unsere Exkursionsflotte besteht aus sieben Wüstenflitzern. Nach und nach sammeln wir deren Besatzungen ein an ihren Unterkünften. Als wir vollständig sind, haben wir Glück. Miss Neckermann quetscht sich zu uns in den Wagen und wir bilden die Speerspitze des Konvois. Profitieren tun wir davon in zweifacher Weise. Der erste Pluspunkt erschließt sich uns unmittelbar: wir können deutlich mehr vom Wissen der Inselkundigen absaugen als unsere Verfolger. Der zweite Vorteil wird erst nach und nach sichtbar – im wahrsten Sinne des Wortes. 1986 sind die meisten kleineren Wege noch nicht asphaltiert. Statt dessen sind sie Staub bedeckt. Wirbelt der auf, hinterlässt er eine Wolke, die sich erst langsam wieder setzt. Für uns gut zu beobachten im Rückspiegel. Beziehungsweise wenn wir anhalten. Mit jedem Stopp, den wir einlegen, wird es offensichtlicher. Die Position innerhalb unseres kleinen Verbandes ist quasi von den Windschutzscheiben der Fahrzeuge ablesbar. Ebenso von den Gesichtern und Oberteilen der Fahrzeuginsassen – wir sind reichlich auf Staub- und Holperpisten unterwegs.

Im Zick-Zack-Kurs geht es kreuz und quer über die Insel. Alle paar Minuten bleiben wir irgendwo stehen. Zum einen haben wir Miss Neckermann nicht exklusiv für uns gepachtet, zum anderen weiß sie zu allem etwas zu erzählen. Irgendwie will der Tag schließlich ausgefüllt sein. Vor dem größten Feigenbaum der Insel bekommen wir zu hören, warum dessen lebende Äste mit toten abgestützt werden, an einer Natursteinmauer erfahren wir, dass diese in ihrer ursprünglichen Form ganz ohne Kitt und Mörtel erbaut werden, an anderer Stelle wird unser Augenmerk darauf gerichtet, dass Ziegen mit zusammen gebundenen Beinen umher laufen, um sie an weiteren Ausflügen zu hindern. Die beiden Leuchttürme, die an exponierten Stellen stehen? Natürlich bieten auch sie Anlass zu Worten und Erstaunen. Der eine inspirierte Jules Verne und findet sich in einem seiner Romane wieder, an dem anderen spazieren wir herum und lernen die Welt von innen kennen. Zwar geht unser Ausflug im Ausflug nicht gleich runter bis zum Mittelpunkt der Erde, wohl aber unter die Oberfläche unserer Planeten. Neben dem Leuchtturm befindet sich eine Höhle. Dass uns diese in die Sonnenwelt führt? Nicht ganz, doch immerhin schimmert am anderen Ende das Tageslicht. Nach kurzem Durchschreiten des natürlichen Gewölbes stehen wird eine Etage tiefer auf einem Felsvorsprung. Etliche Meter unter uns nagen die Wellen am Gestein. Der Anblick? Imposant. Wie lange wir gebraucht hätten die Stelle zu finden ohne darauf gestoßen zu werden? Schwer zu sagen. Insofern: schon nicht verkehrt, unsere Kennlerntour über die Insel.

Für eine Mittagspause halten wir vor der Salzmühle. Wo einstmals „weißes Gold“ gemahlen wurde, diniert nun hin und wieder der spanische König. An dem Tag, an dem wir in das Restaurant einfallen, ist ein Tisch exklusiv für uns gedeckt. Seine Majestät scheinen sich ebenso wie andere Prominenz anderswo herum zu treiben. Der Bootsanleger steht leer. Doch was soll's – können wir uns voll und ganz dem widmen, was man uns serviert.

Es beginnt mit einer hellen Pampe, die diverse Tontöpfchen füllt. Wären selbige leer, wir hätten sie für Aschenbecher gehalten. Als auch noch Brot gereicht wird, klärt uns Miss Neckermann auf.

„Wer es nicht kennt, sollte es probieren. Die Creme vor Euch nennt sich Allioli. Sie ist aus Knoblauch, Olivenöl und Salz zubereitet. Man streicht sie auf das Brot.“

Wagen wir uns zunächst nur zaghaft an die mediterrane Spezialität, schwindet nach ersten Happen die anfängliche Zurückhaltung. Der Dip ist köstlich. Nicht anders verhält es sich mit dem Hauptgang: in Meerwasser gekochte Kartoffeln zu frischem Fisch vom Grill. Für uns gibt es keinen Grund, Gerichten aus der Heimat hinterher zu trauern. Am wenigsten Eisbein mit Sauerkraut.

Der „Nachtisch“ enttäuscht uns ebenso wenig. Er wird in flüssiger Form gereicht. Ein Chupito – in Deutschland geläufig als ein Kurzer. Ein Pinnchen mit Hierbas. Was übersetzt für Kräuter oder Gräser steht ist in der dargereichten Form ein Likör. Dass drin ist was drauf steht? Blöde Frage. Sicher. Viel wichtiger aber: die geschmackliche Note des Insel typischen Gebräus. Bezüglich der Verkostung ergeht es uns ähnlich wie mit der Allioli. Zunächst jedoch bleibt es bei einem Gläschen.

Dem Essen folgt ein paar hundert Meter weiter die Einführung in landesübliche Rituale: es ist Zeit für die Siesta – die Mittagsruhe. Es sei keine Schande, sie schlafend oder dösend zu verbringen. Die Gepflogenheit bedarf kaum weiterer Worte. Wir zelebrieren sie am Strand. Handtuch auspacken, Klamotten vom Leibe, alle Viere von sich strecken, Augen schließen – herrlich. Wir mögen lediglich mit der Sonne aufpassen. Sowohl das ständig laue Lüftchen als auch Bewölkung seien trügerisch. Man fange sich schnell einen Sonnenbrand ein. Für manch einen kommt der letzte Hinweis zu spät. Es dauert nicht lange, dann ist man eingenickt, weilt im Reich der Träume.

Nachdem auch das Nachmittagsprogramm absolviert ist, sind wir vollumfänglich informiert. Wir sind eingeweiht in die Grundlagen von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang, wir tauchten ab in die Geschichte, wissen am Ende des Tages, dass bereits die Römer Formentera für sich entdeckten, sich die Salzgewinnung in den Salinen nicht mehr lohnt, warum man einst Maurentürme und Wehrkirchen errichtete, wie es dazu kam, dass in der Crimson Höhle oben in der Steilküste der Hochebene La Mola ein Schaufelbagger vor sich hin rostet, wo wir einen Arzt finden, wo Boutiquen und wo Diskotheken, das Es Pujols das touristische Zentrum der Insel ist, in San Francisco die Verwaltung sitzt, das in El Pilar einmal wöchentlich ein Hippiemarkt stattfindet und es auf dem gesamten Eiland nur eine Tankstelle gibt. Selbst der Besuch eines Friedhofs kommt nicht zu kurz. Strände? Kein Thema mehr. Wir klappern sie ab. Alle. Die lang gezogenen Illetas und Llevante im Norden, den Migjorn im Süden wie auch einige der kleinen malerischen Buchten dazwischen. Als absoluten Geheimtipp verkauft uns Miss Neckermann Caló d´es Mort. Dort, wo der Migjorn ausläuft und sich die Mola langsam erhebt, zwischen den Felsen, zimmerten sich, wie andernorts auch, Fischer eine Hand voll Unterstände für ihre Boote. Das Besondere hier: Man hangelt sich entlang eines in der Wand befestigten Kabels und über in den Stein gehauene Stiegen hinunter, dann breitet sich zur Rechten ein schmaler Sandstreifen aus, ausreichend groß für Frau und Kinder derer, die hinaus aufs Wasser ziehen. An mancher Stelle bleibt zwischen Felswand und Wasserkante gerade so viel Platz, dass ein ausgebreitetes Handtuch nicht nass wird. Wer in den Vormittagsstunden kommt und Glück hat, erhascht sogar noch eine Zeit lang etwas von dem Schatten, den die steilen Wände werfen. Irgend jemand aus unserer Gruppe konnte die Empfehlung dem Anschein nach allerdings nicht für sich behalten. Jahre später liegt in der kleinen Bucht ein Badelaken neben dem anderen.

 

Unterwasserwelt mit Nebenwirkungen

Hochmotiviert steigen wir am Morgen nach unserer Jeep-Safari auf die Räder. Zu wissen wie es aussieht, wohin wir starten, verleiht Flügel. Jedenfalls beim Aufbruch. Unser Ziel: die Cala Saona, eine andere Bucht in der Nähe unserer Herberge. Wir entscheiden uns für den etwas längeren Weg. Ein kürzerer verläuft parallel zur Küste, führt über Holperpisten und hat einige Kreuzungen. Der längere führt über die Inselhauptstadt, fünf Kilometer über Asphalt und ist quasi nicht zu verfehlen. Zweimal rechts abbiegen, der Beschilderung folgen und schon ist es geschafft. Schon? Nun ja, wären da nicht die beiden Hügel. Der erste, langgestreckt, vor San Francisco, der zweite dahinter. Weniger hoch, dafür aber deutlich weniger langgestreckt. Man könnte auch sagen steiler. Zwei Spaßbremsen. Die Begeisterung bei meinen Mitstreitern für das Verkehrsmittel schwindet. Für mich unverständlich, letztendlich aber gleichgültig – Jahre später sollen wir noch ganz andere Strecken aus eigener Kraft bewältigen.

Schnell vergessen sind die Anstrengungen, als wir vom Parkplatz aus unter Bäumen auf die Bucht schauen. Ein Anblick, der uns immer wieder einen Schauer über den Rücken jagt. Der breite Sandstrand, die roten Klippen, das glitzernde Meer, im Hintergrund Es Vedra, die mystische Felseninsel im Westen Ibizas – Idylle pur.

Wenig später tummeln wir uns in den Fluten. Ebenfalls ein Traum. Im Wasser lässt es sich stundenlang aushalten. Genau das, was wir tun. Leider nicht ganz folgenlos. Einstweilen aber genießen wir. Erst planschend und schwimmend, dann schnorchelnd. Am Fuße der steil abfallenden Felsen eine Welt für sich: an den Steinen kleben Seeigel, irgendwo huschen Krebse umher, manches mal tauche ich ein in einen Fischschwarm. Wie lange ich mit dem Kopf unter Wasser dümpele? Ziemlich lange. Gefühlt eine kleine Unendlichkeit, gemessen wahrscheinlich eine knappe Stunde.

In der Sonne liegend anschließend das Gefühl, Karussell zu fahren. Eine Nachwirkung der sanften Wogen zuvor. Harmlos. Deutlich unangenehmer wird es tags drauf. Zunächst habe ich ein gelegentliches Ziehen in den Ohren, rasch entwickelt es sich zu einem beißenden Schmerz. Als ich beim Essen kaum noch den Mund auf bekomme, kraftvolles Kauen zur Tortur wird und ich bei unscheinbarsten Kieferbewegungen das Gesicht verzerre, glaube ich nicht mehr länger daran, dass von alleine geht, was von alleine kam. Ich besinne mich des Hinweises von Miss Neckermann, wo ein Arzt zu finden ist. Für Doktor Luis ist der Fall klar. Kommt vom Schwimmen oder Tauchen. Bakterien im Wasser siedelten um in den Gehörgang, entzündeten sich und peinigen mich. Sein Rat: fortan mit dem Kopf nicht mehr in die Fluten eintauchen und dreimal täglich die Tabletten schlucken, die er mir verordnet, bis die Packung leer ist. Verfehlen tun die Penicillinbomben ihre Wirkung nicht. Bereits am nächsten Tag brauche ich nicht mehr in der Speisekarte danach zu schielen, was mich beim Kauen zusammen zucken lassen könnte.

 

Alles hat seinen Preis

Eine Fahrt zum Arenals Strand der Insel entwickelt sich zwar nicht zur Zerreißprobe unserer Freundschaft, offenbart aber grundsätzlich unterschiedliche Geschmäcker. Ich bin begeistert. Die gut zehn Kilometer entsprechen in etwa meiner Strecke zur Schule. Anstatt jedoch vom morgendlichen beziehungsweise nachmittäglichem Berufsverkehr entlang der B1 in Dortmund in Abgase gehüllt zu werden, weht uns auf Formentera frische Luft um die Nase. Herrlich, der Fahrtwind bei dünnen Klamotten auf der Haut. Zudem das Flimmern über dem Asphalt in der lang gezogenen Ebene, nachdem der zweite Hubbel in der Landschaft überwunden ist, das Meer zur Rechten wie zur Linken nur ein paar hundert Meter weit auseinander – toll. Leider sehen Ute sowie Rüdiger und Birgit die Sache anders. Man schwitzt, man lechzt nach Wasser, man sehnt die Ankunft herbei. Der Strand ist klasse, da sind wir uns einig, in den Wellen zu toben ein Vergnügen, die Kurbelei dorthin jedoch – grenzwertig. Ganz zu schweigen davon, dass die Strecke irgendwann schließlich auch in umgekehrter Richtung zurückzulegen ist oder es ganz nett wäre, auch Abends „mal eben schnell“ noch irgendwo hin zu fahren, ohne ein weiteres Mal in die Pedale treten zu müssen.

Es dauert nicht lange, da darf ich mich einem Mehrheitsentschluss beugen. Drei zu eins – klare Sache. Eine Entscheidung, über die ich Jahre später die Augen verdrehen, die Nase rümpfen und den Kopf schütteln soll. Einstweilen jedoch wird nach einer Woche umgesattelt: Viktor erhält seine vier Räder zurück, Miss Neckermann die Order, zwei Motorroller zu arrangieren. Kaum sind die in Empfang genommen, wird Formentera kleiner. Die Strecke zum Strand, an dem auf einem kleinen Hügel eine Piratenflagge weht, ist in Nullkommanichts zurück gelegt. Brandet es dort zu sehr oder verderben Quallen den Badespaß, wird kurzerhand umdisponiert. Kostet ja kaum etwas. Ein paar Minuten Knattern, eine Portion Fahrtwind, eine Tasse voll Sprit und schon ist das andere Ende der Insel erreicht. Fortan alles kein Hexenwerk mehr. Ebenso Abends. Ein wenig auf der Promenade flanieren in Es Pujols, in Boutiquen stöbern, in ein Restaurant setzen? Kein Thema. Rauf auf die Feuerstühle und ab geht die Post. Was mich dennoch und nicht nur im Nachhinein stört? Es gibt nichts umsonst. Alles hat seinen Preis. Nicht nur den monetären. Der ist leicht zu beziffern. Die Roller zu mieten kostet uns etwa doppelt so viel wie die Drahtesel. Hinzu kommen die Peseten für das Tanken. Nicht die Welt, aber immerhin und zugleich die Brücke zu den nicht quantifizierbaren Kosten.

Die Tankstelle liegt unweit unserer Unterkunft. Wie von der Jeep-Safari in Erinnerung, die einzige auf der Insel. Jedenfalls 1986. Erst Jahre später kommt eine zweite hinzu. Die Zapfsäulen stehen quasi unmittelbar neben der Hauptstraße, die sich über das Eiland zieht. Schräg gegenüber mündet die Piste ein, an der nur wenige hundert Meter entfernt unsere Herberge liegt. Mit der Einmündung einher geht ein leichter Anstieg. Das Asphaltband liegt etwas höher als der holperige Camino. Wahrscheinlich so viel, wie es das Anlegen einer glatten Fahrbahn erfordert: Teer, Tragschicht, Unterbau – irgendwo muss das Material schließlich bleiben und genau das wird es sein, was mich Nerven kostet. Jedenfalls dann, wenn es für uns los geht. Die Kreuzung entwickelt sie sich zu einem Ort, der Gefühlsregungen hervor ruft. Zunächst in Form von Gelächter. Nach einigen Tagen schlägt die Heiterkeit um in Mitleid, wenig später in Verständnislosigkeit. Der Abzweig schräg gegenüber der Tankstelle auf die Inselhauptstraße offenbart, dass es mit meinen Künsten am Gaszug nicht sonderlich weit her ist. Was auf Heimwegen kein Thema ist, entwickelt sich nach dem Aufbruch zum Lotteriespiel wenn es darum geht, den Höhenunterschied zu überwinden. Dummerweise gilt es, ihn beim Abbiegen zu bezwingen. Da die Inselhauptstraße die Vorfahrt hat und häufig genug einigermaßen belebt ist, ist es nicht ungeschickt, das Manöver zügig zu vollziehen. Vereinfacht ausgedrückt: schnelles Anfahren am Berg ist gefragt. Was die Abfolge der Handgriffe anbelangt, so ist die Sache sonnenklar. Gas geben, Kupplung kommen lassen, Bremse lösen, Gas durchziehen. Für Rüdiger als geübten Motorradfahrer nicht das geringste Problem. Für mich ohne entsprechende Erfahrungen in der Ebene ebenfalls kein großes Ding, gegenüber der Tankstelle hingegen eine echte Herausforderung. Möglicherweise dürfte ich in Deutschland noch nicht einmal ein Fahrzeug wie das geliehene führen. Die Frage, die sich statt dessen jedoch stellt, ist: wie oft lasse ich die Karre absaufen, bevor es weiter geht? Das Unterfangen kostet häufig genug Zeit, Geduld und Nerven.

 

Kampf der Titanen

Bekleckere ich mich als Rollerfahrer nicht gerade mit Ruhm, gibt es andere Gelegenheiten, bei denen ich glänzen kann – oder muss. So öffnen wir eines Abends die Tür unseres Zimmers und entdecken auf einer der Bettdecken ein Monster. Ein flugfähiges. Augen groß wie Untertassen. Mindestens. Jedenfalls in der ersten Schrecksekunde. Es sitzt nur da und erwartet seine Beute – Ute und mich. Die Rache der Hotelangestellten dafür, dass wir Tage zuvor die Stromversorgung lahm legten? Einer von uns beiden hatte in einer der Nächte zuvor den Schalter einer Nachttischlampe betätigt. Nach dem Funkenflug beziehungsweise Lichtbogen ging im Zimmer nichts mehr. Jedenfalls nichts, was auf elektrische Energie aus dem Hausnetz angewiesen war. Am Morgen, im Tageslicht, dann die Erkenntnis, dass wir Glück gehabt hatten. Das Stromkabel war um den Schnurschalter herum entzweit. Der Kurzschluss muss die Sicherung ausgelöst haben. Als wir mit Rüdiger und Birgit am Frühstückstisch auf das Thema zu sprechen kamen, entfachten wir ein Lauffeuer. Es begann mit Birgit.

„Und ich habe mich schon gewundert, warum bei mir vorhin der Fön nicht mehr funktionierte.“

Kaum ausgesprochen, macht das Thema an den Nachbartischen die Runde. Hier streikte ebenfalls der Haartrockner, dort der Rasierer, beim Nächsten schwieg der Weltempfänger. Wenig später war der Schaden behoben. Victor musste die Sicherung gewechselt oder den Automaten wieder eingeschaltet haben. Nun aber dieses Ungeheuer in unserem Schlafgemach. Gibt es einen kausalen Zusammenhang?

Zunächst wird der Viererrat einberufen. Als erstes wollen sich unsere Freunde ein Bild von der Situation machen. Ich schließe die Tür auf, öffne sie vorsichtig einen Spalt, da werde ich ins Zimmer gestoßen und die Tür hinter mir zu gezogen und verriegelt. Verrat. Vom Flur her erhalte ich Anweisungen.

„Mach platt das Vieh. Oder schmeiß es raus.“

Alter Falter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die drei auf der sicheren Seite haben gut reden. Auf Formentera, so belehrte uns Miss Neckermann, gäbe es keine für Menschen gefährlichen Tiere. Weder zu Lande, noch zu Wasser, geschweige denn in der Luft. Keine Schlangen, keine Mörderhaie, keine fleischfressenden Flugsaurier, vor denen man sich fürchten müsse. Nur Eidechsen. Kleine. Und eben solche Vögel und Fische. Und sie alle täten nichts. Unsere Erfahrungen in den wenigen Tagen sind andere. Überall lauert der Tod. Quallen warten nur darauf, uns beim Baden mit ihrem Nesselgift zu lähmen, zu was Kakerlaken in der Lage sind wollen wir besser gar nicht wissen und welcher Bedrohung aus der Luft wir ausgesetzt sind erfahren wir, als wir uns eines Abends unbekümmert und leicht bekleidet auf die Terrasse des Restaurants setzen, das direkt neben unserem Hostal liegt. Wundern wir uns beim Betreten des Lokals darüber, warum die anderen Gäste bis zum Hals verhüllt vor Tischen sitzen, so eilen wir nach wenigen Minuten zurück auf unsere Zimmer, um ebenso Arme und Beine zu bedecken. Bei untergehender Sonne schwirren Myriaden kleiner Insekten über die Lagune. Vampire. Einige von ihnen haben es auf unser Blut abgesehen und fallen über uns her. Mistviecher, diese Moskitos.

Doch zurück zu der ungleich größeren Bedrohung, der ich ausgeliefert bin. Ob es gleichfalls einen Stachel hat, Feuer speien kann oder ich mich fürchten muss vor seinen Kauwerkzeugen? Ich habe keine Ahnung. Was ich sehe, sieht jedenfalls fies aus. Gesichtszüge wie ein Urzeitwesen, Körper schwarzgrau wie die Nacht, die zusammen gefalteten Flügel nicht viel heller, allerdings unheilvoll gemustert. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Was tun? Ich bin gelernter Elektroniker, angehender Informatiker, aber kein Drachentöter. Bin weder im Besitz eines Flammenwerfers noch eines Maschinengewehrs. Noch nicht einmal einen Staubsauger habe ich zur Hand. Ich überlege. Lässt sich Haarspray als Waffe einsetzen? Brennt es, wenn ich ein Feuerzeug in den Sprühnebel halte? Ich schaue ins Bad. Glück gehabt. Ute hat keinen Frisurfestiger dabei, ich kenne dergleichen ohnehin nur aus der Werbung. Laufe ich zumindest keine Gefahr, unsere Unterkunft abzufackeln. Mein suchender Blick fällt jedoch auf etwas anderes. Deutlich harmloser, aber dem Anschein nach Zweck erfüllend. Ein Wasserglas. Was als Zahnputzbecher gedacht ist muss sich erproben, ob es auch für den Kampf geeignet ist. Im Zeitlupentempo nähere ich mich mit der Waffe in der Hand dem Eindringling. Als ich auf eine Armlänge an ihn heran gedrungen bin, ein blitzschneller Handgriff. Glas über das Tier. Der Überraschungsangriff sitzt. Ehe der Falter weiß, wie ihm geschieht, sitzt er in der Falle. Mich attackieren oder Reißaus nehmen? Ist nicht. Der Rest ist ein Kinderspiel. Ich schiebe eine Postkarte unter das Glas, das Insekt zeigt erstmals, das es noch lebt: es lässt sich auf den Karton bugsieren. Anschließend geht es an die frische Luft. Wofür hat man einen Balkon. Dort werfe ich das Vieh über die Brüstung. Möge es jemand anderen in Angst und Schrecken versetzen. Zu guter Letzt gebe ich Entwarnung, schildere meiner künftigen Braut sowie den Trauzeugen den Schlachtverlauf in allen Einzelheiten und bin stolz auf mich: auch ich bin zu etwas zu gebrauchen.

 

Nightlife

Weniger dramatisch die Erlebnisse an anderen Abenden. Häufig genug ziehen wir nach Es Pujols. Mit dem Roller ein Klacks (wäre da nicht dieser kleine Höhenunterschied vor dem Abbiegen auf die Hauptstraße). Keine sechs Kilometer. Vorbei an La Savina, dem Hafen, vorbei an den Salinen, einmal halb um den Stinkesee, den S'Estany Pudent. Dass das „wahre“ Herz der Insel eigentlich in San Fernando schlägt? Wir wissen es noch nicht. Im Jahr unser Inselpremiere folgen wir dem Strom der Badegäste. Regelmäßig sind wir nach einem Tipp zu Gast im Truy, einem Restaurant in einem der Hinterhöfe. Einige wenige Tische drinnen, unter freiem Himmel ein Dutzend draußen. Die mediterrane Küche spricht uns an. Wir lassen uns die Speisekarte rauf und runter schmecken. Selbst an dem Abend, an dem sich Rüdiger und Birgit sowie Ute und ich einmal alleine auf den Weg machen, treffen wir uns dort wieder. Seltsame Zufälle. Vielleicht wäre ein wenig Feinabstimmung angebrachter gewesen, im Grunde genommen aber auch vollkommen unerheblich. Auch in trauter Runde nimmt der Abend seinen harmonischen Lauf.

Überraschend hingegen ein anderer. Wir machen uns auf den Weg mit dem Ziel, eine der beiden Diskotheken im Ort kennen zu lernen. Mit 23 kann man sich das erlauben – reden wir uns jedenfalls ein. Am Abend unseres Besuchs soll ein besonderes Event stattfinden. Es geht um nichts Geringeres als die Wahl der Miss Formentera. Was sich für uns nach großem Glück und Zufall anhört, einem derartigen Ereignis beiwohnen zu dürfen, ist wahrscheinlich eine plumpe Touri-Falle, die alle zwei Wochen zu schnappt. Oder gar allwöchentlich? Egal, wir haken vorsichtshalber nicht nach. Statt dessen bringen wir in Erfahrung, dass der Schönheitswettbewerb gegen Mitternacht startet.

Eine gute Stunde vorher sind wir da. Immerhin gilt es für Ute und Birgit die Konkurrenz abzuchecken. Rüdiger und mir wird Angst und bange. Was, wenn uns ein paar südländische Traumprinzen unsere Mädels ausspannen?

Zum Glück erweist sich unsere Sorge als unbegründet. Weniger, weil sich die beiden vor Mitbewerberinnen fürchten müssten als vielmehr, weil zur angekündigten Stunde keinerlei Anzeichen auf Vorbereitungen erkennbar wären. Es tut sich schlicht und ergreifend nichts. Kein Aufruf, wo sich Aspirantinnen zu melden hätten, kein Hinweis auf den besonderen Programmpunkt – gar nichts. Unbeeindruckt jagt ein Sommerhit den anderen. Auch innerhalb der folgenden Stunde nicht im Entferntesten eine Spur davon, was uns her lockte. Als wir schließlich das Weite suchen, wird unser Erscheinen dennoch honoriert. Eine der großen Fragen des Urlaubs findet seine Antwort: wie schafft es Victor, die Leib gewordene Seele unserer Hotels, alltäglich schlaftrunken mit kleinen Kulleräuglein aufzulaufen? Nachdem sich unsere Wege beim Verlassen des Etablissements nachts um halb zwei kreuzen haben wir nicht nur den Hauch einer Ahnung sondern wissen auch, dass seine Sehorgane leuchten können.

 

Gesprächsstoff liefert ebenso eine andere Begebenheit. Ein anderer Abend, mal nicht in Es Pujols. Wir sind der Ansicht, wir müssten den Besuch eines Restaurants wiederholen, in dem Prominenz anzutreffen sein könnte. Wie wir dank Miss Neckermann wissen, gar blaublütige. Entsprechend machen wir uns auf zur Salzmühle. Eine Entscheidung, die uns nicht enttäuscht.

Das Lokal zu finden ist keine große Herausforderung. Es liegt zwei Kilometer vor den Toren des touristischen Zentrums der Insel. Schon häufiger auf dem Weg zu den Stränden im Norden des Eilandes kamen wir daran vorbei. Parkplatz? Kein Drama. Roller sind außerhalb geschlossener Ortschaften anspruchslos. Sitzplatz? Wir haben Glück. Auch ohne Reservierung. Für unseren Geschmack ist es sogar großes Glück, das uns zuteil wird. Man weist uns einen Tisch mit Meerblick zu. Direkt an der Mauer, hinter der fünf Meter tiefer der Bootsanleger auf hölzernen Beinen im Meer verankert ist. Möglicherweise ein Platz, der Hochwohlgeborenen nicht zugemutet werden kann. Man kann nicht von allen Seiten aus gesehen werden, thront nicht im Mittelpunkt.

Die Speisekarten sind gerade studiert, die Bestellung aufgegeben, wir mit Getränken versorgt, da geschieht es. Wir müssen uns nicht länger mit eigenen Trivialitäten unterhalten. Zwei junge Frauen betreten die Bildfläche. Betreten? Stolzieren. Die beiden sind echte Hingucker. Beine ohne Ende, dezent wackelnder, wohl geformter Po, Oberkörper, Gesicht und Haarpracht nicht minder unattraktiv. Top Kandidatinnen einer jeden Miss-Wahl. Zählten Hochglanz Lifestyle Magazine oder die Regenbogenpresse zu unserer Lektüre, vielleicht wüssten wir sogar, wer da auf High-Heels vorbei schwebt. Bis sich die Schönheiten setzen, kleben alle Augen an ihnen. Wie wir nehmen die beiden an einem Tisch platz, der für vier Gäste eingedeckt ist. Fehlen also potentiell noch zwei. Gut, sonderbar, wäre es anders. Es dauert nicht lange, dann lernen wir auch die männlichen Begleiter kennen. Fast hautnah. Erst eine Hand, dann die andere sowie ein zweites Paar, die Finger uns entgegen gerichtet. Sie greifen über die kantigen Steine der vor uns befindlichen Mauer. Bevor wir in die Ray Bans der zugehörigen Köpfe blicken, funkelt uns eine Rolex an. Nach verdutzten Blicken unsererseits ziehen sich auch Körper und Beine über die Gebäudewand. Die Macker der Grazien. Wäre doch bei den Mädels auch gelacht, wenn man den Weg nimmt, den jeder geht. Der Reaktion anderer Gäste nach jedoch weder der König des Landes sowie ein Adlatus. Weder erhebt sich jemand noch wird applaudiert. Lediglich der Chronograph lässt auf eine gewisse Stellung in der Gesellschaft schließen. Letztendlich schütteln wir standesgemäß den Kopf. Wahrscheinlich nicht unbeabsichtigt.

 

Abschied

Auch wenn wir das Gefühl haben, auf Formentera ticken die Uhren langsamer, die Zeit verfliegt. Zweieinhalb Wochen nach unserer Ankunft lesen wir unsere Namen auf der Abreiseliste. Die unsägliche Seite in dem gefürchteten Ordner unseres Hostals, den wir laut Miss Neckermann nicht aus den Augen verlieren sollten. Dem Blatt entnehmen wir, wann wir uns mit gepackten Koffern vor der Tür unserer Herberge einzufinden haben, wollen wir uns auch den bis dahin verdrängten Teil der gebuchten Pauschalreise nicht entgehen lassen.

Der Vergänglichkeit des Vergnügens bewusst kosten wir die Dinge aus, die bis dahin einem unbekümmerten Alltag zum Opfer fielen. Wir legen einen Nachmittag am Pool ein. Eine blöde Idee. Dösen, lesen, abkühlen – ohne Sand zwischen den Zehen, ohne salziges Wasser, ohne Sicht auf den Horizont. Kann das der Sinn des betreuten Urlaubens sein? Nach einer Weile beschließen wir: nein – es muss etwas geschehen. Wir siedeln um. Von den Sonnenliegen geht es rüber zum Tresen. Der nächste Fehler. Sommer, Sonne, Meer – was wäre ein Urlaub in Spanien ohne Sangria. Das Glas zur Begrüßung kann nicht alles gewesen sein. Was folgt, dauert nicht lange. Vier Mann, vier trockene Kehlen – eine Karaffe ist schnell geleert. Schmeckt lecker. Geht runter wie nichts, das fruchtig süße Gebräu. Victor hat den Dreh der Mischung raus. Ob er sich für das Trinkgeld erkenntlich zeigen will, er einfach nur seine Ruhe haben möchte oder die Gelegenheit sieht, im Regal mit den Flaschen aufzuräumen – der nachbestellte zweite Liter ist von anderem Kaliber. Bei der Zubereitung schauen wir unserem Universaltalent ein wenig auf die Finger. Vielleicht auch nicht das Schlaueste. Aus diversen Flaschen Hochprozentigem wandern Anteile in das bauchige Tafelgefäß. Nachdem es geleert ist, haben wir die Lampe an – noch weit vor Anbruch der Dämmerung. Es Pujols an dem Abend fällt aus.

Der Ort ist statt dessen die Anlaufstelle unseres letzten Morgens. Wir wollen einmal woanders frühstücken, vielleicht gar einen sanften Übergang zur heimischen ersten Mahlzeit des Tages herbeiführen. Drei Wochen lang trockenes Weißbrot, Schlabberwasser, das uns zwar unter dem Namen Kaffee angeboten wird, dem geschmacklich aber nur mit viel Fantasie nahe kommt, sowie jeden Tag aufs Neue Marmelade in Portionspäckchen mit zwei Monate zurück liegendem Mindesthaltbarkeitsdatum? Wir schieben es auf den einen Stern, mit dem unsere Herberge im Reisekatalog beworben wird. Mehr war für unsere Verhältnisse nicht drin und irgendwo müssen die Relationen gewahrt bleiben. Sicher, Victor hätte das Stangenbrot Morgens aufschneiden können anstatt als letzte Amtshandlung vor Feierabend, doch wer weiß, wie es dann ausgesehen hätte. Das Frühstücksei, dessen Dotter fest, das Eiweiß aber glibberig blieb? Ein Geheimnis, das besser nicht gelüftet wird. Nein, am letzten Morgen, da soll wenigstens der Gaumen seine Freude haben. Das Café unserer Wahl wird das Sa Volta. In der Kurve im Ort gelegen der Platz, an dem das Leben pulsiert. Quasi das Pendant zur Bar Verdera, die Bar des Verderbens in San Fernando, nur halt nicht in der Inselmitte, an der zentralen Kreuzung, sondern im Mittelpunkt des touristischen Treibens.

Der Tisch, den wir erwischen, ist perfekt. Sehen und gesehen werden. Aus Korbstühlen mit Armlehnen schauen wir, wer vorbei flaniert: die früh aufgestandenen Badegäste mit Luftmatratze, Schnorchel und Strandlaken unter dem Arm, die Shopping-Queens und -Kings auf der Suche nach dem Schnäppchen des Tages, die Geschäftsleute, die vom urlaubenden Volk leben. Ein buntes Auf und Ab und Hin und Her. Das Frühstück? Der Hammer! Der Kaffee könnte tatsächlich einer gemahlenen und aufgebrühten Bohne entstammen. Der Saft? Orange, ein wenig wässerig, doch mit Fruchtstückchen. Croissant und Honig – nun ja, lässt sich nicht viel dran falsch machen. Das Brot? Zwei Scheiben. Quadratisch, hell, getoastet. Ei? Unauffällig, wie auch die Scheibe Schinken und Käse. Butter, Marmelade? Ein wenig enttäuschend. Wie in unserem Hotel. Abgepackt. In Kunststoffschälchen mit Metallfolie. Das Besondere jedoch: das Mindesthaltbarkeitsdatum des fruchtigen Brotaufstrichs. Es unterscheidet sich von dem in unserem Lago Dorado. Wie ein irritierter Blick zeigt: es liegt noch weiter zurück in der Vergangenheit. Vielleicht die Folge, dass Formentera eine Insel ist. Abgeschieden vom Festland. Nur vom Nachbareiland auf dem Seewege erreichbar. Da können Wege lang werden.

Wenige Stunden später legen wir die Strecke zurück. Bei einer ruhigen Überfahrt nach Ibiza gibt es nicht den geringsten Anlass, sich die letzten Happen nochmals durch den Kopf gehen zu lassen. Voller Sehnsucht blicken wir zurück auf die Orte, von denen wir Tage zuvor die Perspektive in anderer Richtung genossen: den schmalen Strand östlich des Hafens, von dem aus wir erstmals in das westliche Mittelmeer eintauchten, die Salzmühle, in der wir die Allioli kennen lernten, den Illetas, den Strand, an dem Otto schneller auf das offene Meer trieb als wir dem entsprechend beschrifteten Wasserball folgen konnten, auf die Inselspitze im Norden, an der Formentera nur wenige Meter breit ist und von wo aus wir nach Espalmador stiefelten und ein Schlammbad nahmen. Zwar wurde bereits 1986 davor gewarnt, dass zum unbewohnten Nachbareiland hinüber gefährliche Unterströmungen herrschen könnten, doch als wir durch die Fluten stapften, waren wir nicht allein. Außerdem war der Matschpfuhl eine Empfehlung Miss Neckermanns.

Mit dem Wind in den Haaren und der salzigen Luft in der Nase stehen uns die Tränen in den Augen. Es war eine schöne Zeit. Der Abschied ist ein bisschen wie sterben. Könnte das alles nicht endlos so weiter gehen? Erste Worte unseres Begrüßungskomitees am Pool schwirren uns durch den Kopf.

„Uns sehen die hier nicht wieder.“

Wir müssen schmunzeln. Uns schon. Wir sind uns so gut wie sicher. Ist nur die Frage: Wann ...

 

 

 

Interessiert, wie es weiter geht beziehungsweise ging?

Verrate ich Dir gerne. Im Buch. Du kannst es als Paperback/Softcover bei mir bestellen, im Buchhandel erwerben oder als E-Book auf Dein Lesegerät herunter laden.

 

 

 

Leserstimmen

Dwars schrieb am 9. Dezember 2021 auf amazon.de

Genau so ist die Insel!

Ein wunderbares kleines Buch, in dem der Autor seine ganz persönlichen Erlebnisse auf und um Formentera herum schildert. Wenn man die Insel ein wenig kennt und liebt, findet man viele eigene Eindrücke und Empfindungen wieder.

Die Geschichten verbindet Dirk Prüter auf sympathische Art mit seiner Lebenseinstellung. All das ohne belehrend zu wirken.

Am Ende leidet man fast mit, wenn er den Verkauf der liebgewonnenen Immobilie auf Formentera schildert, auch wenn es natürlich eine freie Entscheidung ist.

Sehr lesenswert!