Reisetagebuch

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Bilder

2018-07-17

5. Tag: 67 Kilometer (Gesamt: 302); 1198 Höhenmeter; 1068 Meter max. Höhe
Strecke: Nähe Dagali (08:30) – Nähe Haugastøl (19:15)
Wetter: von allem etwas, 23°

Hatten wir uns am Vorabend Wasser gewünscht, so erhalten wir an diesem Tag Wasser. Schon der erste Blick aus dem Zelt zeigt – der strahlend blaue Himmel, den wir zuvor hatten, ist einstweilen Vergangenheit. Wir löffeln gerade wohl betucht unser Müsli, da trommeln erste Tropfen auf den Stoff. Hört sich meist immer schlimmer an, als es ist. Rechtzeitig zum Abbau unseres Lagers ist die Wolke auch bereits über uns hinweg gezogen, andere sitzen uns jedoch im Nacken.
Zunächst allerdings ist unser Augenmerk auf etwas anderes gerichtet. Wir erreichen eine Grenze. Keine imaginäre Linie, von Menschen gezogen, sondern eine natürliche. Ab gut tausend Meter wachsen keine Bäume mehr, nur noch niederes Gestrüpp. Und weil es so eindrucksvoll ist, dürfen wir dies an diesem Dienstag gleich viermal bewundern. Zwischenzeitlich geht es ebenso steil zweihundert Meter wieder hinab, wie anschließend hinauf. Einmal davon steht sechs Prozent Gefälle am Straßenrand, einmal sieben Prozent, bei einem weiteren Mal fehlt ein entsprechender Hinweis. Weniger anstrengend ist das Erklimmen allerdings auch nicht.
Die erste Talfahrt führt uns nach Dagali – ein Tal, durch das der Fluss strömt, den wir ab Larvik begleiteten. Den Numedalslågen. Kaum ist der Anstieg bewältigt, im Nordwesten thront in einiger Entfernung majestätisch ein höherer Schnee bedeckter Gipfel, zeichnet sich bereits aus dem Süden ab, dass wir nicht mehr lange trocken bleiben sollen. Es grollt bedrohlich und die tief hängenden Wolken sind schneller als wir. Auf der nächsten Schussfahrt werden wir eingeholt, auch wenn sich schnell die fünf in die Zehnerstelle der Geschwindigkeitsanzeige schiebt. Im Nu sind wir durchnässt.
Bei nur noch leichtem Regen geht es anschließend Richtung Geilo aufwärts. Angenehm überrascht bin ich, als mir aus einem Fahrzeug mit Dresdener Kennzeichen, das mich überholt, ein nach oben gerichteter Daumen aus dem Seitenfenster gereckt wird. Wenig später kommt mir der Wagen entgegen, überholt erneut und bleibt schließlich auf dem Seitenstreifen vor mir stehen. Eine Frau, ein paar Jahre jünger als wir, strahlt uns an. Auf dem Dach ihres Autos steht ein Fahrrad.
„Kann ich Euch 'was Gutes tun? Ich kenne die Strecke. Die Hügel sind nicht schlecht. Wenn Ihr wollt, ich hätte zwei hartgekochte Eier anzubieten.“
Die Dresdenerin weiß, wovon sie spricht und was gut tut. Ihr Angebot nehmen wir gerne an. Während Schalen auf dem Straßenrand landen und Inhalte in Mägen, wird gequatscht. So leid es mir tut, nach einigen Minuten dränge ich zum Aufbruch.
„Sei mir bitte nicht böse, aber wir wollen zusehen, zügig bis Geilo zu gelangen. Dort gibt es eine Pizzeria, die bis drei ein all-you-can-eat Menü anbietet. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.“
Unserer Gegenüber kommt es entgegen. In Shorts und einer dünnen Regenjacke aus DDR Zeiten beginnt sie bereits zu frösteln. Wir wünschen uns gegenseitig noch eine schöne Tour, dann gibt sie Gas und wir ächzen leicht gestärkt den Hügel weiter empor.
Das Angebot der Restaurantkette kommt uns genau recht: Pizza und Salat bis zum Abwinken. Mit knapp fünfzig Euro einschließlich jeweils zwei großen Krügen Muntermacher sind zwar nicht geschenkt, doch für hiesige Verhältnisse auch keine Überraschung.
Gute zwanzig Kilometer und etliche Höhenmeter weiter wird Ute erneut nahezu schwach. In Haugastøl lockt vor dem Einstieg in den Rallarwegen ein Hotel. Wäre das Zimmer nicht zu teuer, wir würden uns um eine Erfahrung bringen. Glücklicherweise erfahren wir jedoch, dass nur noch in einem 8-Bett-Zimmer etwas frei ist. Dann lieber doch eine weitere Nacht im Zelt.
Die ersten Kilometer Rallarvegen führen uns weg von der Straße. Die Ruhe tut gut, die Landschaft zwischen Gipfeln, Bahngleisen und Seen wunderschön. An einem Rastplatz machen wir uns breit. Der Flecken bietet fast alles, womit auch ein kommerzieller Campingplatz überzeugt: wir haben eine Sitzgelegenheit und ein Plumpsklo, die Bahn fährt nahezu durch das Zelt und auch auf Elektrosmog müssen wir nicht verzichten. Sendemasten stehen direkt hinter den Gleisen. Im Gegensatz dazu dürfen wir jedoch Schneefelder am Hang gegenüber genießen, dem Geläut der Schafe mit Glocken um den Hals lauschen, ein Bad im See nehmen und verfolgen, wie die Sonne hinter den Gipfeln versinkt, während Wolken anderswo über einen Kamm fallen. Dass später nochmals dunkele Wolken herauf ziehen lässt befürchten, dass wir uns auch abermals nicht über mangelndes Wasser beklagen müssen.



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