Reisetagebuch

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Bilder

2018-07-28

16. Tag: 35 Kilometer (Gesamt: 826); 890 Höhenmeter; 179 Meter max. Höhe
Strecke: Dalen (08:00) – Nähe Lunde (15:30)
Wetter: unterschiedlich bewölkt/Gewitter, 25°

Zu ungewöhnlich früher Stunde reißt uns das Smartphone aus den Träumen. Halb sechs. Genau auf die Minute. Exakt so, wie wir den Wecker gestellt hatten. Eine Planänderung erfordert Opfer. Um früh aus den Federn zu kommen verzichteten wir schon auf den Anblick der Mondfinsternis, so sie denn überhaupt so hoch im Norden zu sehen gewesen wäre. Unser Ziel: anstatt auf der Radroute Zwei noch 15 Kilometer dem Ufer des Bandak zu folgen, den nächsten Hügel 250 Meter mit zwölf Prozent Steigung hochzuklettern, gut zwanzig Kilometer den nächsten See abzuradeln, den Vråvatn, und über den dann nur noch 120 Meter hohen Hang an das ursprüngliche Gewässer zurück zu kehren, soll es einfacher vonstatten gehen. Über das Wasser. Belastet die Reisekasse zwar um gute hundert Euro, erfordert das Aufstehen zu für uns unchristlicher Stunde, erspart aber Utes geschundenen Knien den Zuhause geplanten Abschnitt.
Um halb neun soll der Ausflugsdampfer über den Telemarkkanal ablegen, um viertel nach acht sollen wir uns einfinden, um viertel nach acht stehen wir am Anleger. Bereits am Abend zuvor machten wir uns entsprechend schlau und erfuhren, dass zudem die Gepäcktaschen von der Rädern abzunehmen seien. Unsere Vehikel würden auf das Dach des Achterdecks gehievt. Von Hand. Da müsse man es nicht schwerer machen als es ist. Hatten wir in der Form auch noch nicht. Was in Dalen beim Einsteigen noch mit Unterstützung eines Flaschenzugs funktioniert, ist beim Aussteigen zwei Stunden später nicht mehr möglich. Ein Vordach am Anleger in Kviteseid verhindert den Gebrauch der Technik.
Das Schiff ist ohnehin ein Exot. 111 Jahre hat die Henrik Ibsen bereits auf dem Buckel. Entsprechend sieht sie aus. Roter Plüsch im Salon, viel Holz, Bordüren unter der Decke sowie dergleichen mehr. Dass man 1907 schon auf den gleichen Stühlen saß, ist zu bezweifeln, wirkt aber stilecht. Überhaupt interessant die Vorstellung, wer auf dem Boot bereits alles eine Runde drehte. Tourismus im frühen zwanzigsten Jahrhundert sah bestimmt deutlich anders aus als 2018. An eine Fahrradmitnahme wird bei der Jungfernfahrt noch niemand gedacht haben. Weniger groß dürfte der Unterschied für die Gäste des Dalen Hotels gewesen sein. Dem Haus ist anzusehen, dass es aus einer anderen Epoche stammt. Die Ausflügler karrt man zum Anleger, wie man es wahrscheinlich schon immer tat – in einem Bus, der aus der Anfangszeit der Automobilisierung stammt. Ganz anders hingegen das Publikum, das den Kahn entert, als wir ihn verlassen. Eine Horde Jungvolk, viele in Cowboyklamotten, nicht wenige alkoholisiert, mit kilowattstarker Beschallungsanlage im Schlepptau. Ebenso unwahrscheinlich wie wir, dass man sie in früheren Tagen an Bord begrüßte.
Ebenso wie unsere erste Etappe bleibt es auch in anderen Belangen ungewöhnlich. Am vertrautesten ist noch die Strecke. Obwohl es an Ufern entlang geht, es bleibt eine Berg- und Talfahrt. Selten mit mehr als fünfzig Meter Höhenunterschied am Stück, nicht aber unbedingt förderlich hinsichtlich Utes Allergie gegen die Abschnitte ohne Gefälle. Was mich auf jeden Fall nach noch nicht einmal vierzig Kilometern überrascht ist das angebliche Maß erklommener Anstiege. Ob das Navi tatsächlich richtig gezählt hat? Ich habe meine Zweifel, doch für einen gesunden Appetit ist gesorgt.
Anders verhält es sich mit dem Verkehr. Minutenlang haben wir Ruhe, fahren mal vorbei an glattem Fels, mal an mehr oder weniger dichtem Bewuchs, ohne dass jemand an uns vorbeizieht.
Wasser haben wir hingegen nicht nur in Ufernähe. Hingen die Wolken bereits während der Fahrt über den See tief, so reichen sie nach dem Umstieg auf unser wohlvertrautes Fahrzeug tiefer. Einmal kommen wir gerade aus einem Tunnel, halten an einem Rastplatz ein kurzes Pläuschchen mit zwei Pedalisten aus Belgien, da trennt uns ein Gewitter. Kurz aber heftig. Eine Viertelstunde lang verkriechen wir uns unter Bäume, dann ist die Wolke über uns hinweg gezogen. Während Ute sich einige Kilometer weiter aus ihrer nassen Regenpelle schält, durchpfeift der Fahrtwind bei mir die triefenden Textilfasern. Bei nächster Gelegenheit fallen einzelne dicke Tropfen vom Himmel. Ignoriere ich sie, streift Ute sich abermals ihre entsprechende Jacke und Hose über. Kaum ist sie soweit, ist der Schauer vorbei.
Konstanter ist der Wind. Schätzten wir es zu Beginn unserer Reise, dass er aus dem Süden blies, erschwert er uns nun das Vorankommen.
15 Kilometer vor Lunde lassen wir es gut sein mit der Radelei. Ein Campingplatz an einem Hang lockt, am Fuße liegt der See, die nächste Regenwolke naht. Gelingt uns der Zeltaufbau trocken, so stehen wir alles andere als windgeschützt. Erstmals setze ich so gut wie alle Heringe, anschließend bette ich mich zur Siesta, während die Gattin zur Dusche schreitet. Wach werde ich kurz vor ihrer Rückkehr. Die Sonne verwandelt die Schlafstätte zur Sauna. Da hilft nur eines: ab in den See. Herrlich. Vor allem aber erfrischend.
Für den Abend sind ergiebige Regenschauer sowie Gewitter angekündigt. Die Prognose scheint zu stimmen. Schafft es die Wäsche auf der Leine gerade noch zu trocknen, so verziehen wir uns ab acht in eine uns angebotene Hütte. Während es draußen donnert, stürmt und prasselt, entstehen diese Zeilen und kocht das Abendessen. Bis zum folgenden Vormittag soll sich nur wenig ändern. Irgendwie kommt es uns entgegen. Können wir am nächsten Morgen den Wecker schweigen lassen und etwas Außergewöhnliches machen. Ausschlafen.



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