Reisetagebuch

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Bilder

2018-07-31

19. Tag: 47 Kilometer (Gesamt: 959); 561 Höhenmeter; 119 Meter max. Höhe
Strecke: Porsgrunn (10:45) – Larvik (16:45)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, 28°

Regnet es in der Nacht noch, so trocknet die Sonne nach dem Aufstehen das Zelt bereits wieder. Nicht nur aus dem Grund lassen wir uns mit dem Zusammenpacken Zeit. Wir haben es nicht eilig. Nachbarn helfen uns dabei, das keine Langeweile aufkommt, die verbleibenden Kilometer sollten uns vor keine unüberwindbaren Hindernisse stellen und überhaupt – es soll der letzte Tag aus eigener Kraft werden. Einar, die gute Seele, vor dessen Haus unser Wagen steht, lud uns ein, die Nacht bei ihm zu verbringen, und für den folgenden Tag ist eine Fähre zurück nach Hirtshals gebucht. Utes Luftmatratze hat eine Beule, Stege im Innern haben sich aufgelöst und sie hat keine Lust, weitere Nächte im Zelt zu verbringen – ob in Oslo, Schweden, Dänemark oder wo auch immer. Einen Tag später, bereits Morgens um sieben, sollten wir spätestens einchecken, um acht hieße es dann: diese Norwegenreise wird zur Erinnerung.
Kaum brechen wir auf, werden wir jedoch noch einmal mit dem konfrontiert, was uns seit dem Beginn der Tour begleitete: Anstiege. Vom Campingplatz aus dürfen wir direkt wieder kraxeln. Knapp 125 Meter Höhe auf zweieinhalb Kilometer. Ein Abschiedsgeschenk hinsichtlich des Streckenverlaufs ist dem Anschein nach nicht vorgesehen.
Nach einer nicht weniger steilen Abfahrt bekommen wir bestätigt, dass wir uns die Hügel nicht nur einbilden. Hinter einer 360 Kehre, wir unterqueren die gerade zuvor noch gefahrene Kurve durch eine kurze Unterführung, stoßen wir auf zwei Schweden mit ihren Rädern. Sie stehen am Wegesrand und verleiben sich eine handvoll Nüsse nach der anderen ein. Dem Bekunden nach sind die ersten 25 Kilometer ihrer Runde absolviert, für die sie eine Woche haben, doch die Beine seien bereits lang. Irgendwie beruhigend, nicht alleine zu stehen mit seinen Empfindungen.
Für uns folgt das mittlerweile vertraute Zickzackmuster im Höhenprofil, ohne dass die Landschaft sonderlich attraktiv ist. Viel Wald, gelegentlich ein Blick auf einen Fjord, häufiger als bislang Häuser, auf der Straße jedoch ständig vorbeirauschende Autos. Hatten wir sie tags zuvor noch auf Armlänge neben uns, so bewahren uns Radwege zwar zum Abschluss davor, haben aber auch ihre Tücken. Absenkungen im Bordstein, wenn Straßen kreuzen, lassen um Felgen, Speichen sowie Schrauben bangen, außerdem fangen sie regelmäßig ebenso unvermittelt an wie sie enden.
Darüber hinaus dürfen wir feststellen: Campingplätze gibt es entlang der Küste reichlich. Auf einigen ist vor lauter eng stehender Wohnwagen allerdings weder Grün dazwischen noch ein Strand zu sehen.
Ebenso nur begrenzt reizvoll für das Auge: Steinbrüche. Die Gegend ist dem Hörensagen nach bekannt für den Granit, der hier geschnitten wird.
Einen interessanteren Eindruck auf uns hinterlässt Stavern. Der Ort liegt in der Bucht, in der auch Larvik sich befindet, und erinnert uns an Nordseedörfer, wie wir sie kennen: eine Flaniermeile mit Außengastronomie, Souvenirläden und Boutiquen, kleiner Strand, ein ebensolcher Anleger für die Bötchen, die frischen Fang heran karren. Ärgern wir uns einerseits, uns eine halbe Stunde zuvor den Bauch vor einem Supermarkt vollgeschlagen zu haben, anstatt verbliebene Kronen für ein Fischgericht auszugeben, so freuen wir uns über die Holzbank, auf der wir vor Wind geschützt eine Siesta einlegen.
Zehn Kilometer nach dem spätmittäglichen Erwachen ist es dann geschafft. Wir erreichen den Ausgangspunkt unserer Reise. Schwimmbad, Kulturhaus, Bahnhof und was die Stadt noch alles zu bieten hat lassen wir links und rechts von uns liegen, ebenso das Fährterminal, von welchem wir 16 Stunden später ablegen sollten. Statt dessen überqueren wir den Lågen, den Fluss, dem wir vor zweieinhalb Wochen aufwärts folgten, halten uns im nächsten Kreisverkehr links, biegen dann rechts ab und sehen uns in den Straßen, die wir ehrfürchtig bereits mit dem Auto erklommen. Noch einmal geht es zwei kurze aber knackige Hügel empor. Hätten wir zu Anfang der Tour aus eigener Kraft hier hoch gemusst, ich wäre wahrscheinlich abgestiegen. Während Ute genau das tut und es gemächlicher angehen lässt, bilde ich mir nach den gut 12.000 bewältigten Höhenmetern ein, mir etwas beweisen zu müssen und kurbele weiter.
Um die Ecke biegend werde ich erstaunt angesprochen. Es ist wohl eher ungewöhnlich, in der Seitenstraße am Ortsrand Reiseradler anzutreffen. Ob ich einen Campingplatz suche? Oder ob ich mich einfach nur mal so umschauen wolle? Die andere Frage, ob ich mich verfahren hätte, spricht man nicht laut aus. Lachend verneine ich und kläre das ältere Ehepaar auf, was mich zu ihnen hinauf bewegt. Dass sie einen netten Nachbarn hätten. Der es mir gestattete, unseren Wagen vor seinem Haus zu parken, während wir Teile des Landes mit dem Rad erkundeten. Mittlerweile taucht auch Ute leicht außer Atem auf. Selbst das Schieben kostete Kraft. Einar – ja, der war erst vorhin auf einen Kaffee hier. Und letzte Woche habe er die Kirschen vom Baum geerntet. Ein netter Kerl. Wir quatschen noch ein wenig, die verständnislosen Minen weichen, dann treten wir auf die letzten Meter in die Pedalen.
Einar begrüßt uns wie bei unserer ersten Begegnung – als seien wir jahrelange gute Bekannte. Kaum stehen wir einander gegenüber, fallen erste dicke Tropfen vom Himmel. Die dicken Wolken, die uns seit unserem Mittagsschläfchen verfolgten, entleeren sich. Augenblicke später beginnt es zu prasseln und so setzt es sich über den Rest des Tages hinweg fort. Kurze Zeit nach uns erscheint Linda auf der Bildfläche, Einars Lebensgefährtin. Sie kommt von der Arbeit und startet in ihre einmonatige Auszeit vom Job. Ein rundum perfektes Timing. Überlegten wir zunächst, uns bei den beiden mit einer Einladung zu einem Essen auswärts zu revanchieren, so kommen uns unsere Gastgeber zuvor. Einar tischt auf. Bei einem leckeren Abendmahl lassen wir die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren und ein vergnüglicher Abend nimmt seinen Lauf, dessen einziger Haken es ist, dass wir ihn nicht all zu spät enden lassen wollen. Die Nacht ist kurz, die Heimfahrt mit dem Wagen lang. Wie aber auch immer - es kommt keine Gelegenheit auf, wehmütig Gedanken nachzuhängen, dass die Reise ihr Ende gefunden hat. Ein schöner Abschluss.

PS: Danke! Danke all denen, die uns während unserer Tour schrieben, zuhörten, uns unterhielten oder mit Rat und Tat unterstützten.



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