Reisetagebuch

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2013-05-15

19. Tag: 50 Kilometer (Gesamt: 1366)

An diesem Morgen werde ich ohne Wecker wach. Ich weiß nicht, ob die Schafsscheisse um uns herum Halluzinationen verursacht oder woran es liegt, Drogenerfahrungen zum Vergleich habe ich zumindest keine, aber irgendwie hatte ich krude Träume. Das letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich an einer Autobahnbrücke über dem Meer in einen abendroten Himmel schaukele, und dabei so hoch schwinge, dass ich plötzlich senkrecht abstürze. In der Nacht gingen mir zudem Dinge durch den Kopf, welchen Preis ich für ein Hotelzimmer gezahlt hätte, und welchen Sinn unsere Tour macht. Das interessante dabei sind die Aspekte, die im normalen Alltag untergehen. Was ist mir wichtig, worauf kann ich verzichten. Ich finde zwar keine allumfassende Antwort, bin aber trotzdem dankbar dafür, aus der Not heraus in dieser Situation, wild vor den Toren der Hauptstadt Dänemarks kampierend, diese Gedanken anstellen zu können. Wie wird es uns in London und Paris ergehen? Werden wir dort auch die Gelegenheit haben, einfach im Grünen unser Zelt aufzuschlagen, oder hindern uns dort Ordnungshüter?
Was den Luxus anbelangt, so stört mich eigentlich nur, dass ich ungeduscht im Schlafsack liege, ansonsten vermisse ich wenig. Hinsichtlich des Preises für ein Hotelzimmer ist es natürlich einfach, die Kreditkarte zu zücken und selbst horrende Beträge zu unterschreiben, aber ist das die Sache wert?
Wie auch immer, als ich schweißgebadet aus meinem Absturz erwache, scheint die Sonne bereits auf unser Schlafgemach und das Getöse um uns herum ist nicht weniger geworden. Wir packen unsere Siebensachen, putzen die Zähne auf der Wiese, begnügen uns mit einer Katzenwäsche aus einer der am Vorabend im Hotel erstandenen Wasserflaschen und machen uns kurz nach 10:00 Uhr auf in die Richtung, aus der wir die letzten Meter gekommen waren. Unsere erste Anlaufstelle ist die Bettenburg mit den 700 Zimmern. Für den stolzen Preis des Wassers zum Gesicht waschen bilde ich mir ein, das es uns zusteht, dort die Toilette benutzen zu dürfen. Wir fragen zwar nicht explizit nach, ich stelle lediglich kommentarlos die leeren Wasserflaschen auf den Empfangstresen, doch uns hindert auch niemand an dem Gang zu den gewissen Örtlichkeiten. Eine Viertelstunde später setzen wir erleichtert unseren Weg in die Innenstadt Kopenhagens fort. Zunächst geht es weiter durch Grünanlagen, und Ute hat schon Angst, nichts von der Stadt zu Gesicht zu bekommen. Irgendwann jedoch lichtet sich das Grün um uns herum und wir gelangen über Radwege entlang der Straßen ins Zentrum. Vorbei geht es an diversen Museen, am Tivoli Vergnügungspark und an verschiedenen Prunkbauten, bevor wir an einer Straßenecke ein Café entdecken. Wir genehmigen uns zum verspäteten Frühstück jeweils einen Kaffee beziehungsweise Tee sowie eine Portion Rührei mit Schinken und einem wenig Garnitur für 25 Euro und denken lieber nicht über den Preis nach. Vor uns drängt sich der Verkehr, über uns strahlt weiterhin die Sonne und erwärmt die Luft auf gut 20 Grad. Wir beobachten das Treiben um uns herum und genießen es, einfach nur zu sein. Nichts und niemand treibt uns, und unser Dasein scheint auch keinen zu stören, so dass wir davon ausgehen, dass unsere Ausdünstungen sich in Grenzen halten. Nach knapp einer Stunde geht es weiter kreuz und quer durch die Metropole, vorbei an dem, was ich als Sehenswürdigkeiten während der Vorbereitung auserkoren habe. Was uns dabei auffällt: überall sind Baustellen. Darüber hinaus ist die Menge und Vielfalt an Fahrrädern bemerkenswert. Am meisten beeindrucken uns die zumeist dreirädrigen Lastenvelos, in denen Kinder oder schweres Gut transportiert wird, sowie Gestelle, in denen die Drahtesel übereinander geparkt werden; dass nahezu überall für Pedalisten eigene Fahrspuren und Ampeln existieren, versteht sich von selbst.
Den Abschluss unserer Stadtrundfahrt bildet das Schieben unserer Räder über eine Flaniermeile, an der vor Straßencafes ein Werbespot gedreht wird und Musiker versuchen, den Vorbeilaufenden ein paar Kronen zu entlocken, bevor wir an einem Kai noch der kleinen Meerjungfrau einen Besuch abstatten. Dann verlassen wir Kopenhagen, überlegen am nahe nur wenige Kilometer außerhalb gelegenen Campingplatz Charlottenlund, ob wir dort den Tag ausklingen lassen wollen, entscheiden uns dann aber dagegen. 15:30 Uhr ist uns doch noch etwas früh, und so radeln wir weiter, bis wir an einem Yachthafen vorbeikommen, wo wir windgeschützt ein Mittagessen genießen. Die bestellten Fischfilets erinnern mich an die Dänemark Urlaube mit meinen Eltern während meiner Kindheit oder Jugend, ansonsten lerne ich das Land mit dem Rad von einer anderen Seite kennen.
Der weitere Weg nach Nivå, dem gesetzten Tagesziel, führt uns anschließend wieder ein wenig von der Küste ab, zieht sich durch ein Waldgebiet an Bahngleisen entlang und wartet mit einigen Hügeln auf. Kurz vor dem Ende werden wir in akzentfreiem Deutsch von einem anderen Radler angesprochen, dem wir bereits in Kopenhagen aufgefallen waren. Er ist Däne und auf dem Heimweg von der Arbeit, und wir unterhalten uns während der Fahrt eine Weile, bevor sich unsere Wege trennen. Wir genehmigen uns kurz vor dem Ziel wieder an der Ostsee noch ein Eis, geraten mit jungen dänischen Männern ins Gespräch, die dort gerade in den Feierabend starten und erfreuen uns an den wärmenden Sonnenstrahlen.
Um 18:45 Uhr sind schließlich auch unsere letzten Kilometer absolviert. Während Ute sich der Wäsche widmet, reduziere ich das Maß meiner Gesichts- und Kopfbehaarung. Anschließend gibt es unter freiem Himmel noch eine letzte Mahlzeit für den Tag – Salat mit Laugenstangen.
Den Tagesabschluss bilden wieder mal die Beantwortung von E-Mails sowie Aufzeichnungen der Erlebnisse, die wir in einem Aufenthaltsraum rückenfreundlich sitzend in die Tastaturen unserer Rechner tippen.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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