Reisetagebuch

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2013-05-21

25. Tag: 74 Kilometer (Gesamt: 1782)

Da wir diesen Morgen kein Zelt abbauen müssen und wir uns am Frühstücksbuffet im Hotel den Bauch vollschlagen können, beginnen wir den Tag um 07:30 Uhr. Eine gute Stunde später stehen wir ziemlich alleine im Speisesaal und ich frage mich, wo all die Gäste sein sollen, die für ein angeblich ausgebuchtes Haus gesorgt haben sollen. Dienten sie lediglich der Preistreiberei, oder sind es Frühaufsteher; von den zahlreichen Tischen sind nur zwei weitere belegt und das Personal ist damit beschäftigt, bereits sorgfältig ausgerichtete Pfeffer- und Salzstreuer neu zurecht zu rücken. Nach zwei Brötchen stellen wir fest, dass uns die reichhaltige Auswahl auch nicht richtig weiterhilft, sondern lediglich die Auswahl verkompliziert. Ohne schlechtes Gewissen bereiten wir jeder noch ein Brötchen für den Tag vor, dann sehen wir zu, dass wir das Hotel verlassen, wie wir es betreten haben – mit dem Gepäckwagen voller orange farbiger Packtaschen.
Bei bewölktem Himmel fahren wir noch einmal die Strecke unseres Verdauungsspaziergangs ab und verlassen Borås auf der Suche nach einem Supermarkt und der Stelle, an der wir unsere Route fortsetzen können. So verstreichen die ersten 60 Minuten beziehungsweise 5 Kilometer, und es ist fast 11:45 Uhr, als wir die Stadt über einen Hügel bergauf verlassen. Die ersten Kilometer verlaufen noch entlang einer Straße, dann knickt ein Radweg links ab und nur Augenblicke später haben wir die Natur für uns allein. Um uns herum ist es saftig grün, die Vögel zwitschern und von überall her plätschern Bäche. Es herrscht eine himmlische Ruhe, und zur Vervollständigung des Hochgefühls dringen auch noch Sonnenstrahlen durch das Geäst der Bäume. Bei nur geringen Höhenunterschieden lernt die Kette wieder die mittleren Ritzel der Zahnräder kennen, und gegen 14:00 Uhr stoßen wir nach 35 gefahrenen Kilometern auf eine Pizzeria an einer Tankstelle. Entsprechend der Erfahrungen der letzten Tage nutzen wir die Gelegenheit für eine warme Mahlzeit, auch wenn die äußeren Umstände nicht gerade einladend sind. Vor der Tür haben zwei Männer, deren Lieferwagen mit offener Tür hinter ihnen steht, den Tisch in ein Schlachtfeld verwandelt. Reste ihrer Mahlzeit sowie leere Gläser lassen kaum Platz für uns, doch nach dem Aufgeben unserer Bestellung bequemt sich der Wirt, die Spuren unserer Vorgänger zu entfernen, ohne es dabei zu übertreiben; ein nasser Lappen hätte dem Tisch gut getan.
Die Portion, die wir anschließend serviert bekommen, ist allerdings ebenso dimensioniert, dass wir schließlich trotz vorangegangener Anstrengungen kapitulieren. Gesättigt und schläfrig wechseln wir schließlich die Straßenseite und breiten uns auf Holzbänken aus, um das Essen in Ruhe ein wenig sacken zu lassen. Um kurz nach 15:00 Uhr dränge ich Ute zum Aufbruch, und 20 Minuten später rollen die Räder wieder. Der Weg verläuft unverändert stellenweise kilometerweit geradeaus, nur die Sonne lässt uns im Stich. Die Stadt Ulricehamn erreichen wir noch im Trockenen, doch anstatt nach 45 Kilometern gegen 16:00 Uhr auf dem dortigen Campingplatz das Zelt aufzuschlagen, radeln wir weiter und bekommen eine halbe Stunde später die erste Dusche. Das zwischenzeitliche Unterstellen brechen wir irgendwann ab, da sich die Regenwolke festgesetzt zu haben scheint. So setzen wir unseren Weg mit der Kapuze über dem Helm fort, bis wir gegen 18:15 Uhr die Nase voll haben und uns nach einer Unterkunft umschauen. Ein angesprochener älterer Herr auf der Straße kann uns aufgrund bestehender Sprachbarrieren nicht weiterhelfen, er spricht nur Schwedisch, wir lediglich Deutsch, Englisch und Spanisch, womit sich keine gemeinsame Basis ergibt, doch im Supermarkt von Åsarp stoßen wir auf hilfreiche Unterstützung. Der nächste Campingplatz sei zwei schwedische Meilen entfernt, in Falköping. Die Stadt liegt zwar auf unserer Route, doch die Entfernung entspricht 20 Kilometern, was uns eindeutig zu viel ist. Ich erkundige mich nach einer „bed and breakfast“ Unterkunft, und erlebte ich bislang die Schweden als äußerst zurückhaltend, vielfach fand unser Gruß auf der Straße keine Erwiderung, so muss ich bei dieser Gelegenheit meine Einschätzung grundlegend revidieren. Bedienung und Kundschaft bemüht sich rührend, uns zu helfen, die Besitzerin des Ladens greift wiederholt zum Telefon, doch alle Bemühungen sind umsonst. Die eine Unterkunft ist noch geschlossen, die nächste wird gerade renoviert, alles weitere bekomme ich aufgrund mangelnder Sprachkenntisse nicht mit. Schließlich erhalte ich von der Betreiberin des Supermarktes das Angebot, in der nebenan gelegenen Kirche zu nächtigen und wir einigen uns zunächst darauf, unser Zelt auf der Wiese vor dem Gotteshaus aufzuschlagen und im Bedarfsfall auf die Toilette der Dame zurück zu greifen, die ihre Wohnung auf der Rückseite des Geschäftes hat. Als ein anderes Gemeindemitglied dann offeriert, doch lieber in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses Quartier zu beziehen und auch die Möglichkeit zur Benutzung der Dusche in Aussicht stellt, ist für Ute die Entscheidung gefallen. Wir dürfen unsere Matratzen in einem Spielzimmer für Kinder ausbreiten, Toilette und Dusche befinden sich nebenan, und auch die Benutzung der Küche sei kein Problem. Von der Supermarktbetreiberin erhalten wir später noch Bettzeug angeboten sowie eine Einladung zum Frühstück am nächsten Morgen, und ich habe Schwierigkeiten, ein paar Kronen für die Benutzung von Strom und Wasser loszuwerden, wie wir es auch auf einem Campingplatz bezahlt hätten. Mir ist klar, dass sich das Entgegenkommen nicht mit Geld bezahlen lässt, doch es wäre mir unangenehm gewesen, für die praktizierte Nächstenliebe keinen Obolus erbracht zu haben. Ebenso hoffe ich, dass für die Kirchensteuer, die ich zahle, auch wenn ich nicht an Gott glaube, anderen Menschen im Bedarfsfall ähnlich geholfen wird.
Während in den Räumlichkeiten über uns ein Chor probt, genießen Ute und ich die jüngsten Eindrücke unserer Reise, die uns mit Sicherheit in Erinnerung bleiben werden, und halten unsere virtuellen Verfolger auf dem Laufenden, bis wir müde in die Schlafsäcke kriechen.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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