Reisetagebuch

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2013-05-22

26. Tag: 29 Kilometer (Gesamt: 1811)

Entsprechend unserer Einladung zum Frühstück ertönt unser Wecker um 07:30 Uhr. Auch wenn wir auf unseren Isomatten im Schlafsack auf dem Fußboden geschlafen haben, so fühle ich mich ausgeschlafener als im Hotel die Nacht zuvor - keine stickige Luft, keine Geräusche, die uns störten, nicht zu warm und nicht zu kalt.
Mit mediterraner Pünktlichkeit beziehungsweise 20 Minuten Verspätung erscheinen wir bei kurz nach 09:15 Uhr unserer Gastgeberin. Der Tisch ist reichlich gedeckt, die Auswahl erschlagend, so dass es uns fast peinlich ist, nicht von allem probieren zu können. Bei Rührei und Speck nippen wir am Tee und unterhalten uns mit der Dame, die sich bereits am Vorabend so für uns eingesetzt hat. Wir berichten über unsere Tour, unterhalten uns über Unterschiede zwischen unseren Heimatländern und die anderthalb gemeinsamen Stunden vergehen wie im Flug. Gerne hätten wir das Beisammensein ausgedehnt, doch wieder haben wir ebenso ein Tagesziel vor Augen. Kurz bevor wir uns verabschieden werfen wir noch einen gemeinsamen Blick auf die vor uns liegende Etappe und ich sehe meine letzten Tagebucheinträge dank der Übersetzung von Google auf Schwedisch (nur um es nachvollziehbar zu halten: ist Deutsch als Sprache im Browser eingestellt, so erscheint keine Möglichkeit zur Auswahl der Sprache). Ich erfahre, dass grammatikalisch nicht alles korrekt ist, aber für jemanden, der des Deutschen nicht mächtig ist, wird zumindest ansatzweise verständlich was wir erlebt haben, wobei ich Google wahrscheinlich entgegen kommen würde, wenn ich die Sätze nicht so verschachteln und mich ein wenig gewählter ausdrücken würde.
Um kurz nach 11:00 Uhr hängen dann die Taschen wieder an den Rädern, im Supermarkt erstehe ich noch ein paar Brötchen für den Tag, dann verlassen wir Åsarp in nördlicher Richtung; was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, wir werden unser Ziel, den Ort Hjo am Vättern See, nicht erreichen. Zunächst jedoch radeln wir unbekümmert weiter über den kilometerweit geradeaus verlaufenden Radweg und unterhalten uns über die Gastfreundschaft, die uns zuteil wurde. In Anbetracht der Wetterprognose und des grauen Himmels an diesem Vormittag haben wir uns direkt die Regenjacken angezogen, doch bis auf einen zwischenzeitlich leichten Sprühregen bleiben wir von Schauern verschont. Der Wind schiebt uns an, und so benötigen wir für die letzten 10 Kilometer der letzten Etappe des Vortags auf dem Navi nur eine halbe Stunde. Auch die nächsten 10 Kilometer lassen wir zügig hinter uns und erreichen die nächste Stadt, Falköping, gegen 12:30 Uhr. Wir bummeln ein wenig durch die Fußgängerzone, schießen ein paar Fotos, dann geht es über einen kurzen aber steilen Anstieg aus der Stadt heraus. Während Ute absteigt und schiebt, schaltet sie irgendwie den elektronischen Wegweiser auf dem Lenker aus und als sie es bemerkt, stehe ich bereits an der nächsten Straßenkreuzung und finde die Ursache für das Geräusch am Hinterrad, welches mich schon seit einigen Tagen irritierte. Ein metallischer Gegenstand auf einer Speiche rutscht entsprechend der Bewegung des Rades rauf und runter, und was ich zunächst für eine Feder halte, dessen Herkunft ich mir nicht erklären kann, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Metallring, der an den Speichennippel an der Felge fest umschließen sollte. Verwundert schaue ich mir das Hinterrad genauer an, und was ich zunächst um die Speichennippel herum für Dreck halte, stellt sich als Risse heraus, nachdem ich mit den Fingern darüber wische.
Risse in der Felge!
Ich kann es nicht fassen und mein Vertrauen in den fahrbaren Untersatz ist erschüttert. Was passieren könnte, wenn auf einer unebenen steilen Talfahrt das Material nachgibt, mag ich mir lieber nicht vorstellen. Mir ist zum Heulen zumute. War mir bereits vor Tagen an Utes Hinterrad ein leichter Seitenschlag aufgefallen, so stellen wir auch bei ihr bei einem genaueren Blick fest, dass das Hinterrad von gleichartigem Verschleiß befallen ist; zwar nicht in dem Umfang, wie bei meinem Rad, aber nachdem der Lack, der bereits leicht an den entsprechenden Stellen abblättert, von der Felge abgekratzt ist, werden die Risse deutlich. Wir kehren um und wenden uns an ein paar Leute, die in der Wohngegend vor dem Kamin in ihrem Wintergarten sitzen. Ein älterer Herr kommt auf uns zu und wir erkundigen uns, ob er es Englischen mächtig sei, oder der deutschen Sprache, und in unserer Muttersprache erfahren wir, dass er diese bevorzugen würde. Ob es in Falköping oder der näheren Umgebung ein Fahrradgeschäft gäbe, wollen wir wissen. Der Mann versucht uns einen Weg zu erklären, verschwindet kurz im Haus, und kehrt mit einem Stadtplan aus dem Tourismusbüro zurück. Ein von unserer morgendlichen Gastgeberin erhaltenes ähnliches Exemplar hatte ich nur Minuten zuvor in einem Papierkorb entsorgt, doch alles kein Problem, wir können den Plan behalten und erhalten neben entsprechenden Hinweisen markiert, wohin wir uns zu wenden haben.
Die Hälfte der Strecke ist uns bereits bekannt. Es ist der Weg, den wir gerade zuvor gekommen sind. Ein paar Minuten später haben wir den Laden gefunden und erfahren von fachkundigem Personal, dass ein Radwechsel angebracht sei. Problematisch sei lediglich, dass man für mein Rad mit der Scheibenbremse keinen passenden Ersatz habe. Ich gebe zu Verstehen, dass meines Erachtens doch ein Austausch der Felge ausreichend sein sollte, doch man will mich nicht verstehen oder ist anderer Ansicht; neben der neuen Felge seien auch neue Speichen sinnvoll. Es geht hin und her, die Spezialisten überlegen, ob man ein zum Verkauf stehendes neues Fahrrad „ausschlachten“ kann, doch irgendwie kommen wir nicht weiter. Der Fachmann, der Räder anfertigt, was auch immer mein Gegenüber damit meint, ist gerade nicht greifbar, und so ziehen wir nach einer Stunde unverrichteter Dinge wieder ab, um in der Zwischenzeit etwas zu essen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau zu halten. Dass wir heute noch die Räder repariert bekommen, glauben wir nicht mehr. Nachdem wir den Preis für einen Stellplatz auf dem Campingplatz am anderen Ende der Stadt hören, entscheiden wir uns, nach Alternativen zu suchen. Wir Radeln zurück in das Ortszentrum und wenden uns an das Fremdenverkehrsamt. Letztendlich fällt unsere Wahl auf ein Motel, das sich nicht weit vom Fahrradgeschäft entfernt befindet. Der Preis für Übernachtung und Frühstück ist zwar auch nicht gerade der, den wir für die täglichen Ausgaben kalkuliert haben, doch im Moment plagen mich andere Sorgen und Frustration macht sich breit. Sollte unser Abenteuer aufgrund eines Materialschadens ein vorzeitiges Ende finden? Erinnerungen an das Pärchen, das wir in Bremen kennen lernten und die ihr Rad den Sonntag selbst neu einspeichen wollten, werden wach. Ich weiß mir im Moment nicht selbst zu helfen, sehe mich den Profis ausgeliefert.
Nach dem Mittagessen in einer Konditorei, einer Lasagne aus der Mikrowelle, die unsere Laune leider auch nicht aufbessern kann, suchen wir das Motel auf, verstauen das Gepäck im Zimmer und Radeln zurück zum Fahrradladen. Dort erfahren wir, dass der Spezialist sich weiterhin nicht gemeldet hat, doch ein weiterer Anruf lässt Hoffnung keimen. Wir vereinbaren, die Räder in der Werkstatt zu lassen, um sie am nächsten Morgen hoffentlich repariert um 10:00 Uhr zurück zu erhalten. Zu Fuß kehren Ute und ich zu unserer Unterkunft zurück und wir sind uns einig, dass wir bei mittlerweile blauem Himmel lieber woanders unterwegs wären. Nach der Dusche setze ich mich noch ein wenig draußen in die Sonne, verfasse einen Teil dieser Zeilen, später versuchen wir es mit einem Abendessen in der Raststätte an der Schnellstraße, in der wir auch unser Zimmer haben, und lassen den Abend hängenden Kopfes in dem Bewusstsein ausklingen, wie schnell die Stimmung umschlagen kann.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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