Reisetagebuch

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2013-06-20

55. Tag: 90 Kilometer (Gesamt: 4000)

Den Wecker haben wir für diesen Donnerstag auf 07:00 Uhr gestellt, doch in unserer Hütte werden wir schon früher wach. Zum einen ist es im Schlafsack warm. Zum anderen sind es die Moskitos, die uns ein wenig den Schlaf rauben. Sie schwirren in Scharen um uns herum, ständig surrt es um die Ohren. Zu guter Letzt ist es ein Alptraum, der mich mit nassem T-Shirt wach werden lässt. Ich träume irgend einen Blödsinn, dass die ganze Tour nur ein Traum ist. Im Unterbewusstsein befinde ich mich im Kreise der Familie in Köln, der Arbeitsalltag kommt auch vor, und denke verzweifelt daran, dass ich doch eigentlich mit dem Rad in Skandinavien unterwegs sein wollte. Wie erlösend mit einem Male die zuvor nervenden Mücken sind!
Als der Wecker tönt, ist es draußen grau und es beginnt zu regnen. Drei Stunden später, als wir uns auf die Räder schwingen, ist der Himmel immer noch stark bewölkt, doch der Regen hat sich gelegt. Bevor wir mit Schweden das Land verlassen, in dem wir gut 2500 Kilometer in 5 Wochen zurück gelegt haben, dabei so viele nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt haben, fahren wir noch einmal die Geschäfte im Ort ab, um letzte Kronen los zu werden. Unter anderem erstehen wir in einem Outdoor Laden Moskito Netze, die wir uns über unsere Helme stülpen können und die Gesichter vor den fliegenden Blutsaugern schützen.
Mit dem Verlassen des Geschäftes setzt der nächste Schauer ein und bedröppelt überqueren wir den Muonio Fluss, um anschließend unsere Reise in Finnland fortzusetzen. An sich ändert sich mit dem Überschreiten der Grenze nicht viel. Auch hier entlang der Straße viele Bäume und es geht weiter rauf und runter. Lediglich die Ortsnamen, die wir auf Hinweisschildern lesen, sind für uns nicht auszusprechen – die meisten Buchstabenfolgen haben mehr Vokale als Konsonanten. Konzentration erfordert zudem das Fahren auf der Straße. Es sind mehr Fahrzeuge unterwegs, es gibt keinen Randstreifen, nur selten einen Radweg, und einige Fahrer überholen uns in einem Abstand, bei dem wir nicht daran denken dürfen, was im Falle eines unbeabsichtigten kurzen Schlenkers geschehen kann.
Nach 30 Kilometern machen wir Halt an einem kleinen Rastplatz. Neugierig gemacht durch ein Schild an der Straße betreten wir eine Holzhütte, in der eine Finnin Souvenirs und ein paar Fressalien anbietet – süße Teigwaren sowie fleischiges von Elch oder Rentier in Dosen. Wir wechseln ein paar Worte, sprechen über das Wetter und wie man Hallo und Danke in Landessprache ausspricht, dann rückt kaufwillige Kundschaft nach über wir gehen wieder.
Vor der Tür fällt mein Blick auf einen Mann, der vor der geöffneten Motorhaube seines VW Bullis herum fuchtelt. Sein Wagen trägt ein spanisches Nummernschild, und als ich mich interessiert nähere, werde ich mit „buenos días“ begrüßt. Ich erwidere den Gruß plappere munter in spanisch weiter; ob der Mann beruflich unterwegs sei oder seinen Urlaub hier verbringe. Er freut sich und ist ganz außer sich, seine Muttersprache zu hören. Ein Wort ergibt das andere, und als Ute dazu stößt, sprechen wir in deutsch weiter. Herr Garcia, wie sollte es anders sein, lebte eine Zeit lang in Münster, ist nun in der Nähe von Malaga Zuhause, wenn er nicht gerade durch Europa tourt, und hielt uns zunächst für finnische Polizisten, die harmlose Touristen drangsalieren. Als der Spanier hört, dass auch vorhaben, quasi an seiner Haustür vorbei zu radeln, gibt er uns seine Adresse, wir revanchieren uns mit unserer Visitenkarte, und dann fährt jeder seiner eigenen Weg weiter. Der unsere führt uns nach weiteren 30 Kilometern nach Enontekiö, wo wir vor einem neuen Wolkenbruch in dem Restaurant einer Tankstelle Schutz suchen. Wir wählen das einzige angebotene Gericht, Schweinekotlett mit Pommes, dazu ein paar Getränke, und dürfen mal wieder in Euro zahlen – knapp 32. Eine gute Stunde später ist die Regenwolke verschwunden, und bei weiterhin bedecktem Himmel machen wir uns auf in den Ort, um uns mit Bargeld und Lebensmitteln zu versorgen. Nach dem Gang in den Supermarkt lernen wir vor der Dorfkirche noch ein paar Franzosen kennen, die in Nordskandinavien ihren Urlaub mit einem Leihwagen verbringen, und in zwei Tagen zum Nordkap wollen, sowie zwei Herren aus Stuttgart, die mit dem Segelflugzeug angereist sind und begeistert von der Perspektive aus der Luft berichten.
Gegen 18:00 Uhr Ortszeit, die Finnen sind der mitteleuropäischen Sommerzeit eine Stunde voraus, setzen wir an zur Schlussetappe für den Tag, um 60 Minuten später mit 4000 Kilometern seit Tourstart auf dem Campingplatz einzutrudeln. Eine Hütte erhalten wir an dem Tag nicht mehr, angeblich sind alle ausgebucht, dafür erwartet uns aber der Zeltaufbau in landestypischem Ambiente, am See und mit Moskitos, und mir wird ein mal mehr klar das wir miterleben dürfen, wie ein Traum Wirklichkeit wird.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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