Reisetagebuch

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Bilder

2013-08-09

105. Tag: 96 Kilometer (Gesamt: 7539)
Strecke: Bayas (10:15 Uhr) - Bordeaux (18:30 Uhr)
Wetter: leicht bewölkt, 22 - 25°

Mein Wecker ist auf 07:15 Uhr gestellt, doch bei dem nebligen Wetter habe ich einige Anlaufschwierigkeiten. Auch eine Stunde später hat sich diesbezüglich nicht viel getan. Erst um 09:00 Uhr, meinen Frühstückskaffee und das trockene Brot habe ich zu diesem Zeitpunkt bereits weg, klart es auf. Die Zwischenzeit nutze ich unter anderem, um mir ein Hotelzimmer in Bordeaux zu buchen. Die 80 Kilometer bis dorthin sollten kein Problem darstellen, und der Campingplatz ist mir zu weit außerhalb des Zentrums gelegen, als dass ich von dort aus Abends ein wenig durch die Straßen bummeln könnte.
Als ich um 10:00 Uhr an der Rezeption stehe um meine Übernachtung zu zahlen, hat der Platzwart einige Überraschungen für mich parat. Für den Stellplatz will er doch nur 10 Euro haben, und als er mich fragt, was mein nächstes Ziel sei, teilt er mir auf meine Antwort hin mit, dass die Stadt doch nur 40 Kilometer weit entfernt liege. Abends messe ich die Distanz in der elektronischen Karte noch einmal nach und stelle dabei fest, das seine Angabe sich bestenfalls auf die Luftlinie beziehen kann, meine Route aber nichts desto trotz einige Schlenker macht, von denen man den einen oder anderen hätte abkürzen können.
Trotz Start bei Sonnenschein habe ich zwischendurch immer wieder Bedenken, ob meine Lederhose die richtige Wahl für den Tag ist. Vereinzelt stehen am Himmel graue Wolken, von denen ich nicht weiß, was ich von ihnen halten soll. Letztendlich habe ich aber Glück und brauche weder meine Entscheidung bereuen, noch muss ich das gute Stück tagelang trocknen.
Weniger erfolgreich ist meine erste Einkehr in einem Supermarkt. In einem kleinen Dorf, in dem ich mich traue, das Rad nverschlossen vor der Tür stehen zu lassen, stehe ich mit einer Banane und einer Flasche Wasser an der Kasse, suche nach Kleingeld, bekomme den Betrag aber nicht zusammen und reiche der Dame mir gegenüber einen 50 Euro Schein. Heftiges Debattieren. Ich interpretiere den Wortschwall dahingehend, dass sie kein Wechselgeld hat, oder nicht bereits alles beim ersten Kunden lassen will. Nach kurzem hin und her gebe ich auf, bekomme auch die Banane nicht für das Klimpergeld, das ich habe, und bringe die Sachen zurück ins Regal.
Ebenso habe ich meine Probleme in Saint-Émilion. Hier ist es nicht der Einkauf, der in die Hose geht, als vielmehr der Weg, den ich fahre. Anstatt, wie es die Route vorsieht, eine Einbahnstraße falsch herum zu durchfahren, folge ich ausnahmsweise den Straßenschildern, die mich steile und enge Kopfstein gepflasterte Gassen rauf und runter führen. Entschädigt werde ich lediglich damit, dass ich mehr von dem kleinen Weinort sehe, als es sonst der Fall gewesen wäre. Führte mein Weg bislang durch weitläufige Anbaugebiete, so gibt es hier einen Laden neben dem anderen, in dem die Besucher sich mit den Erzeugnissen der Region eindecken können.
Anders sieht es in Libourne aus. An einer Ampel halte ich neben einem Holzkohlegrill, auf dem Würstchen brutzeln. Außerdem klingt Musik herüber. Neugierig bleibe ich stehen, schiebe meinen fahrbaren Untersatz auf einen kleinen Platz und erstehe eine Portion dessen, was da auf der Holzkohle garte; dazu eine Portion Kartoffelstäbchen und die Klänge aus ein paar Meter Entfernung. Stilistisch fällt es mir schwer, die Musik einem Genre zuzuordnen, insofern betrachte ich es als Jazz – irgendwas Ruhiges, ohne Gesang. Nach einem Titel jeweils kräftiger Applaus, und nach einigen Minuten strömen Menschen durch ein Tor. Ich staune nicht schlecht, was da an Publikum für einen Freitag Mittags unterwegs ist; wie ich an anderer Stelle feststelle, findet dieser Tage ein Straßenfest statt.
Nach knapp 40 Kilometern lege ich auf einer Bank an der Dordogne eine Pause ein. Ein kleiner Imbiss, Rechner auspacken, virtuelle Verfolger auf dem Laufenden halten – schnell ist eine Stunde vorbei und in dem Bewusstsein, dass da noch einmal so viele Kilometer zu absolvieren sind, schwinge ich mich wieder auf das Rad. Es dauert jedoch nicht lange bis ich feststelle, dass sich meine Sorge, was die restliche Fahrtzeit anbelangt, als unbegründet heraus stellt. Abermals ist es ein asphaltierter einstiger Schienenweg, der die Kilometer verfliegen lässt. An den Stellen, an denen eine Straße kreuzt, sind Hindernisse in den Weg gebaut, die zum Abbremsen zwingen, ansonsten gelingt es mir ohne große Anstrengungen, einen Schnitt von gut 20 Stundenkilometern zu halten und ich erreiche die Stadt an der Garonne gegen 18:00 Uhr. Die letzten 10 Kilometer kommen mir vor wie die Fahrt den Rhein entlang von Zuhause in das Zentrum Kölns, nur dass das Ufer hier schlammiger und der Strom braun gefärbt sind und Wegweiser darauf hinweisen, das es noch 65 Kilometer bis Lacanau am Ozean sind. Im Gegensatz zum Rhein fällt zudem auf, dass auf der Garonne keine Berufsschifffahrt unterwegs ist. Lediglich an einem Quai liegen ein paar weiße Ausflugsdampfer oder schwimmende Hotels.
Mein Hotel finde ich Dank eigens dafür erstellter Route ohne Probleme. Es befindet sich im Zentrum von Bordeaux, hat keinen Aufzug zu meinem Zimmer in der zweiten Etage, bietet aber eine Bleibe für mein Rad in einer Rumpelkammer. Nachdem mein Gepäck seinen Weg die Treppen herauf gefunden hat und ich den Schweiß des Tages unter der Dusche abgespült habe, schlendere ich ein wenig durch die Straßen. Den umgehängten Kameras nach sind reichlich andere Touristen unterwegs, es wird flaniert und gebummelt und es herrscht ein lebhaftes Treiben in der Altstadt. Die Bars und Restaurants in den engen Gassen und an den Plätzen sind gut gefüllt, dazwischen Straßenkünstler die versuchen, von dem Geschehen zu profitieren. Nach einem Salat in einem italienischen Restaurant, dessen Speisekarte für mich die geringsten Probleme aufwirft, und einem Eis, bleibe ich bei einem Musiker stehen, der weiß, sein Publikum für sich einzunehmen. Stücke mit la-la-la und sha-na-na zum Einstimmen lassen für einige Momente die Probleme des Alltags vergessen und stimmen spendierfreudig. Auch ich lasse einen Silberling in den Korb fallen und muss mich schließlich beeilen, um 22:00 Uhr im Hotel zu sein, wo ich mich mit Ute zu einer Skype Session über den Haus eigenen Internetzugang verabredet habe. Leider kann die Technik die Erwartungshaltung nicht erfüllen, wir hören und sehen einander nur kurz, dann bricht die Verbindung zusammen und wir belassen es bei einem Gespräch über das Mobilfunknetz. Ihr geht es gut, die Tour hat sie 18 Kilogramm ihres Körpergewichts gekostet und nach und nach werden Nachbarschaft, Freunde, Bekannte und Verwandte aus erster Hand mit Informationen versorgt.
Bis 01:00 Uhr arbeite ich anschließend noch Rückständiges am Rechner ab, dann schließe ich das Fenster, lasse die Geräuschkulisse aus Unterhaltungen, Musik und Verkehr draußen und verkrieche mich zur Abwechselung mal wieder unter eine Bettdecke.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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