Reisetagebuch

2013-04-...
2013-05-...
2013-06-...
2013-07-...
2013-08-01
2013-08-02
2013-08-03
2013-08-04
2013-08-05
2013-08-06
2013-08-07
2013-08-08
2013-08-09
2013-08-10
2013-08-11
2013-08-12
2013-08-13
2013-08-14
2013-08-15
2013-08-16
2013-08-17
2013-08-18
2013-08-19
2013-08-20
2013-08-21
2013-08-22
2013-08-23
2013-08-24
2013-08-25
2013-08-26
2013-08-27
2013-08-28
2013-08-29
2013-08-30
2013-08-31
2013-09-...
Bilder

2013-08-15

111. Tag: 65 Kilometer (Gesamt: 8044)
Strecke: Nähe Pamplona (09:45 Uhr) - Lizarra (18:15 Uhr)
Wetter: sonnig, max. 32°

Obwohl mein Wecker nicht früher geht als am Vortag, gelingt es mir an diesem Donnerstag, eine Stunde eher loszukommen. Das Zelt ist nicht gar so Tau benetzt, den Kaffee gibt es diesmal frisch für 1,20 Euro, doch ansonsten unterscheidet sich der erste Morgen in Spanien nicht sehr vom letzten in Frankreich. Es ist noch recht frisch, laut Internet Wettervorhersage gerade mal 14°, und es dauert seine Zeit, bis die Sonne am blauen Himmel sich breit macht.
Entsprechend ziehe ich mir zunächst einmal die Windbreaker Weste über das T-Shirt, als ich mich auf den Weg nach Pamplona begebe. Die Strecke ist nicht sonderlich anstrengend, führt überwiegend über einen Radweg, und eine knappe Stunde später stehe ich vor der hiesigen Kathedrale. Die Zahl der Touristen hält sich, wie auch in den engen Gassen der Altstadt, noch in Grenzen. Ich irre mal wieder durch eine Altstadt, habe meine Probleme mit dem GPS Signal, bevor ich kurz vor 12:00 Uhr die Stadt in südwestlicher Richtung wieder verlasse – dem nächsten Hügel entgegen. Bei der Vorbereitung der Tour hat es mir ein Monument auf einem Gipfel angetan, das ich nun aus der Nähe betrachten möchte. Dass der Weg dorthin derartig steinige und steil ist, das ich gezwungen bin, das Rad zu schieben, nehme ich in Kauf. Obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits dem Windbreaker entledigt, rennt mir der Schweiß in Strömen. Den wandernden Pilgern geht es nicht viel besser, nur dass sie im Gegensatz zu mir gänzlich auf Fahrtwind verzichten müssen. Ein zu Fuß entgegen kommender Spanier rät mir von dem Weg ab. Es werde noch schlimmer, auch die Abfahrt mit dem Rad sei kein Vergnügen auf dem losen Geröll, und es gäbe einen Weg, der den Höhenzug ein Stück unterhalb des Monumentes überquert, das ohnehin die Strapazen nicht wert sei. Unbelehrbar halte ich an meinem Vorhaben fest und bleibe zwischenzeitlich keine 10 Schritte weiter stehen, so sehr nimmt mich das Schieben des Rades mit. Der Hinweis meines Ratgebers, das es auf dem anderen Weg an einer sehenswerteren Kirche vorbei geht, haut mich nicht vom Hocker. Es lagen bereits zahlreiche Gotteshäuser auf dem Weg, und bis auf unterschiedliche Stilrichtungen sahen sie für mich ähnlich aus, da sind die Figuren aus Eisen doch mal eine Abwechslung.
Starte ich auf 440 Metern, so befinde ich mich auf dem Gipfel knapp zwei Mola höher – laut Navi sind es 756 Meter. Einigen Anderen, die sich dort hinauf gekämpft haben, stehen die Anstrengungen ähnlich im Gesicht geschrieben. Italiener zu Fuß, Landsleute mit dem Rad, eine spanische Familie – alles haben sie recht nasse T-Shirts und das Bedürfnis, sich im spärlichen Schatten auszuruhen. Während ich den Rechner auspacke und mir anschaue, welchen Verlauf der asphaltierte Weg hinunter nimmt, gibt es aber auch hartgesottenere Zeitgenossen, die ohne anzuhalten weiterziehen. Ein paar Moutainbiker erfreut sich an der Offroad Strecke, springt mit den Rädern Felsen rauf und runter, zwei Brasilianer bleiben auch nur für ein Foto stehen, dann geht es die Holperpiste abwärts. Ein italienischer Pilger, der neben mir die Beine ausstreckt, kann es nicht fassen, als er mich am Bildschirm sieht. Ob ich hier arbeiten würde, will er wissen. Ich kläre ihn darüber auf, dass ich nur als Tourist unterwegs bin. Und als solcher sehe ich mich nicht daran gebunden, dem Pilgerpfad auf den Meter genau zu folgen. Wir kommen ein wenig ins Gespräch, und als ich dem Mann nach und nach erzähle, woher und wohin es mich treibt, will er sofort seinen Job mit mir tauschen. Er habe nur knapp drei Wochen Zeit, sein Knie bereitet ihm zuweilen beim wandern Schwierigkeiten, und von Burgos aus will er mit dem Zug nach Santiago-de-Compostela reisen. Einmal mehr wird mir bewusst, was ich mit dieser Reise erleben darf, wünsche ihm noch einen „buen camino“ und setze meinen Weg Berg abwärts fort – über den Asphalt, ein Weg, der etwas länger ist als die Holperpiste, mich aber mutmaßlich deutlich schneller an die Stelle führt, an dem der zuvor geplante Weg auf die Straße trifft, die ich mit über 50 Stundenkilometern herunter rausche, als hätte es nie Probleme mit Hinterradfelgen gegeben; als ich im Tal ausrolle, ist das T-Shirt wieder trocken. Lediglich ein paar weiße Ränder in der Baumwolle dokumentieren, dass es auch schon anders aus sah, doch es sollen nicht die letzten für den Tag bleiben.
Am Ende sind 871 Meter Anstieg zurück gelegt, und trotz zwischenzeitlichem Nickerchen im Schatten fühle ich mich ausgelaugter als am Vortag. Beim Aufbau des Zeltes auf dem Campingplatz mit Animationsprogramm und 20 Euro Übernachtungspreis haut es mich fast aus den Schlappen, als ich aus der Hocke hochkomme. Entsprechend lasse ich es geruhsam angehen, setze mich, nachdem das Refugium steht, auf eine Bank und verdrücke zunächst einmal den Rest des Stangenbrots vom morgendlichen Einkauf. Da der Tag Feiertag ist, stieß ich unterwegs nur auf geschlossene Supermärkte und bin Abends auf das Restaurant des Campingplatzes angewiesen, um weitere Kalorien und Kohlenhydrate wieder zuzuführen.
Gegen 23:00 Uhr bringe ich die zwischenzeitlich erfassten Daten ins Internet, klappe den Rechner wieder zu, und bin gespannt, wie weit ich am folgenden Tag kommen werde.



Bericht zurück
2013-08-14
Seitenanfang
2013-08-15
Bericht vor
2013-08-16



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit ist leider nichts geplant, die Liste unter Vorträge wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung und ich würde mich freuen, Sie persönlich kennen zu lernen!




Zum "mitnehmen"

Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!