Reisetagebuch

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Bilder

2013-08-24

120. Tag: 57 Kilometer (Gesamt: 8792)
Strecke: Santiago-De-Compostela (11:45 Uhr) - Bamio (16:45 Uhr)
Wetter: sonnig, stürmisch, 25°

Aufgrund der Nachtschicht sollte mich der Wecker um 09:00 Uhr aus dem Bett schmeißen, doch aufgrund der Aktivitäten im Haus döse ich schon eine Stunde vorher nur noch herum und um 08:30 Uhr hält mich nichts mehr unter der Decke. Das Frühstück im Hotel für 7 Euro ist nichts vom Hocker reißendes, bietet aber alles, wonach mir zumute ist. Brötchen, Croissants, Aufschnitt, Obst, Cornflakes, Joghurt, Kaffee, was will man mehr?
Vor dem Aufbruch rufe ich Ute an und wir nutzen noch ein wenig das Internet des Hotels. Diesmal klappt es, dass wir uns per Skype sehen und sprechen können, und wir tauschen uns über die jüngsten Neuigkeiten aus. Wenig später folge ich ein letztes Mal den gelben Pfeilen in der Stadt – diesmal keine Schotterpisten mehr, nur noch drei Kilometer dem Strom der Pilger folgen, das Rad ein paar Stufen herunter bugsieren, dann stehe ich vor dem zweiten großen Etappenziel dieser Reise, der Kathedrale in Santiago-de-Compostela.
Auf dem Platz vor dem Portal wird fotografiert was das Zeug hält, ankommende Wanderer und Radfahrer geben sich die Hand, fallen sich in die Arme und ich denke mit Wehmut daran, dass ich diesen Moment am liebsten mit Ute geteilt hätte. So halten sich die Emotionen in Grenzen. Zwar entdecke ich in der Menge ein paar Radfahrer, denen ich während der Fahrt schon mal begegnet bin, doch niemanden von denen, die ich näher kennen gelernt hatte.Einem Pärchen, dass gerade die Räder beiseite gestellt hat, biete ich an, auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken, die sie gerade ausgepackt haben – nicht ganz ohne Hintergedanken, und kurz darauf habe auch ich ein Foto von mir. Nachdem die Erinnerungsfotos gemacht sind, spreche ich sie darauf an, wo die beiden kommen. Sie sind in Porto gestartet und wollen mit dem Bus dorthin zurück. Am Montag wartet wieder der Job. Als ich ihnen mitteile, dass ich in der Richtung ihres Startpunktes weiter fahre, raten sie mir davon ab, dem Camino portugues zu folgen. Für Wanderer sei der Weg ok, als Radfahrer müsse man häufig absteigen und das Rad schieben. Komisch, kommt mir nicht ganz unbekannt vor. Die beiden kann ich jedoch beruhigen, mein Weg deckt sich nicht mit dem ihren – zumindest nicht wissentlich.
Nach einer Ölung der Kette meines Vehikels am Rande des Kirchplatzes lasse ich die Kathedrale hinter mir. Zunächst irre ich mal wieder ein wenig durch die engen Gassen, in denen das Navi kein ausreichend starkes Signal von den Satelliten in der Erdumlaufbahn erhält. Die Straßen sind voller Menschen, in den Straßen reihen sich Souvenirläden, Restaurants, und Cafes. Irgendwo stoße ich auf die Schlange derer, die sich mit ihren gesammelten Stempelabdrücken in der Hand das Dokument abholen wollen, das ihnen die Reise dokumentiert, doch auch dort stoße ich auf keinen meiner zeitweisen Begleiter.
Während einige der Pilger die Stadt Richtung Westen verlassen, hin zum Kap-Finisterre, dorthin, wo laut Legende der Leichnam des Jakobus Jüngers nach Spanien gelangte, geht es für mich weiter Richtung Süden, zum Endpunkt der Reise, mehr oder weniger entlang der Küste nach Dénia, um von dort aus nach Formentera überzusetzen. Auch wenn mir vereinzelt Wanderer mit schwerem Gepäck entgegen kommen, so scheint sich mein Weg überwiegend nicht mit dem Pilgerpfad aus dieser Richtung zu decken. Ich folge nun wieder ausschließlich dem roten Pfeil des elektronischen Wegweisers vor mir auf der Lenkertasche beziehungsweise der violetten Linie auf der entsprechenden Kartendarstellung und werde nicht enttäuscht von dem, was ich Zuhause vorbereitet habe. Es geht zwar weiterhin den einen und auch anderen Hügel hinauf, doch die Steigungen sind moderat, der Wind bläst mir in den Rücken, es ist ländlich und die Straßen sind nur wenig befahren. Ohne größere Pausen erreiche ich gegen 14:30 Uhr das Tal, dem entlang ich den Ulla Fluss folge. Anderthalb Stunden später ist es schon schwer auszumachen, ob es sich noch um den Strom oder den Atlantik handelt. Spätestens ab dem Campingplatz soll ich laut Karte das Meer vor mir haben. Im stürmischen Nordwind flitzen Kiter und Surfer über die flachen Wellen, und ich schaue dem Treiben ein wenig zu, bevor ich mich um den Stellplatz für das Zelt kümmere. An der Rezeption verlangt man diesmal 11 Euro, doch dafür gibt es einen Swimming Pool, den ich aufgrund der frühen Ankunft dem sommerlichen Wetter nicht ungenutzt lasse. Etwas erstaunt bin ich bei einem Blick auf das Navi, als ich sehe, dass es während der vier Stunden Fahrt erneut 716 Meter aufwärts gegangen sein soll.
Gegen 21:00 Uhr sitze ich dann bei untergehender Sonne hinter Glas, lasse mir Calamares, Pommes, Spiegelei, Kartoffelsalat und Brot schmecken, den Rechner einstweilen beiseite gelegt. Die Zusammenstellung auf dem Teller ist zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, unter Ensalada mixta hätte ich mir auch etwas anderes vorgestellt, doch in Anbetracht der 7,50 Euro will ich auch nicht nörgeln. Ohnehin bin ich mal wieder dankbar dafür, dass meine Reise an einem Punkt weitergeht, wo sie für viele endet. Noch immer bin ich weder das Radfahren noch das Zelten leid, bin gespannt, was mich in wahrscheinlich zwei Tagen in Portugal erwartet und denke daran, was mittlerweile schon alles zurück liegt und das in Skandinavien die Zeit der hellen Nächte für dieses Jahr auch so langsam zu Ende gehen dürfte.




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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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