Reisetagebuch

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Bilder

2013-09-26

153. Tag: 23 Kilometer (Gesamt: 11413); 166 Höhenmeter, 128 Meter max. Höhe
Strecke: Xàbia (11:00 Uhr) – Formentera (19:30 Uhr)
Wetter: sonnig, 28°

Nach kurzer aber geruhsamer Nacht bei Maggie und Horst in deren Haus in Xàbia ist es der Wecker, der um 08:00 Uhr daran erinnert, dass das Ziel der Reise noch nicht ganz erreicht ist. Mit dem Angebot meiner Gastgeber, mir nach dem Frühstück noch ein wenig die Gegend zu zeigen und mich anschließend zum Hafen zu fahren, bringe ich deren Tagesablauf ein wenig durcheinander, denn sie brauchen mich nicht lange zu überreden, es anzunehmen. Wir fahren ein paar Aussichtspunkte um Balcón-Al-Mar mit dem Auto an, gehen ein paar Schritte, werfen einen Blick auf malerische Buchten entlang der Steilküste, machen Halt am Leuchtturm des Capo-de-la-Nau, dann ist es Zeit, mit dem Rad im Kofferraum und bei umgeklappter Rücksitzbank nach Dénia zu starten; von Maggie verabschiede ich mich entsprechend am Haus, während Horst hinter dem Lenkrad mehr oder weniger die Strecke fährt, die ich mir für den Rückweg zum Hafen ausgearbeitet hatte.
Den Entschluss, mich die knapp 19 Kilometer chauffieren zu lassen, bereue ich nicht. In engen Kurven geht es die Ausläufer des Montgo auf 200 Meter steil hinauf und auf der anderen Seite ebenso wieder hinunter. Nicht, dass ich mir die Strecke nicht zugetraut hätte, aber das Potential, die Fähre nach Ibiza zu verpassen, wäre ungleich größer gewesen. Und wie ärgerlich wäre es, ausgerechnet in dieser Situation aufgrund einer Panne oder zu knapp bemessener Zeit dem Schiff hinterher schauen zu müssen. So erreichen wir entspannt den Hafen ohne in Bedrängnis zu geraten. Ich verabschiede mich von Horst, kann nicht mehr tun als mich abermals nur zu bedanken für all das Entgegenkommen und anzubieten, mich mit dem Angebot eines Aufenthalts auf Formentera zu revanchieren, wohl wissend, dass ich den Luxus eines eigenen Bades, dem Anstellen einer Waschmaschine im Bedarfsfall und vieles mehr nicht bieten kann.
Es dauert noch eine Weile bevor das Boarding beginnt. Wie am Flughafen werden alle Gepäckstücke der Reisenden durchleuchtet, bei mir beschränkt man sich darauf, einen Blick in eine der am Vorderrad angebrachten Low-Rider sowie in die Lenkertasche zu werfen, dann darf ich an der Schlange vorbei über die Fahrzeugrampe auf das Schiff, das pünktlich um 12:30 Uhr ablegt und überpünktlich knapp vier Stunden später in San Antonio auf Ibiza die Luken wieder öffnet. Während der ruhigen Überfahrt sitze ich auf dem obersten Außendeck im Heck, die Sonne über mir, den Fahrtwind um die Ohren, und tippe den Reisebericht des Vortages zusammen. Dabei stelle ich fest, dass ich auf der Terrasse bei Maggie und Horst beim Fotografieren ein wenig zu voreilig auf den Auslöser gedrückt habe. Gerne hätte ich auch Maggie mit in meine Bildersammlung im Internet aufgenommen, die sich solch eine Mühe gegeben hatte, doch das Foto, auf dem sie zu sehen ist, ist derartig unglücklich geworden, dass ich es niemandem zumuten will.
Für die 16 Kilometer vom Hafen in San Antonio auf Ibiza zu dem der Inselhaupt auf der anderen Seite des Eilandes benötige ich eine knappe Stunde. Der Weg die 128 Meter hoch zur höchsten Stelle des dazwischen befindlichen Hügels ist weniger anstrengend als erwartet. Die ersten Kilometer aus dem Ort heraus habe ich die Straße für mich allein, nachdem ich einen Schwerlasttransporter mit einer Yacht auf dem Anhänger, hinter dem sich alles staut, überholt habe. Mit dem Ziel nahezu vor Augen muss ich einige Male Tränen unterdrücken, dann geht alles ganz schnell und es bleibt keine Zeit für sentimentale Momente. Von der Altstadt aus kommend rolle ich den Kai entlang, sehe an der ersten Fähre das Schild, dass diese um 18:00 Uhr ablegt – in einer halben Stunde. Beim nächsten Boot wird gerade die Gangway eingeklappt und die Leinen los gemacht, bei einem weiteren am Anleger direkt vor dem Hafengebäude schickt man sich ebenfalls an, dies zu tun. Ich gebe der Dame an Bord ein Handzeichen, mich noch mitzunehmen, und Augenblicke später bin ich an Bord.
Auf der kleinen Katamaran Fähre sind die leichten Wellen mehr zu bemerken als auf dem deutlich größeren Dampfer, der mich zuvor beförderte. Trotzdem würde ich auch diese Passage noch als ruhig bezeichnen. Nach dem Ablegen melde ich mich kurz bei Claus und Edeltraut, einem älteren Ehepaar, das ich vor Jahren mal auf der Insel kennen gelernt hatte. Sie sind bereits seit dem Vortag wieder vor Ort und wollten mich in Empfang nehmen, aufgrund der dann aber doch schneller als erwarteten Ankunft bin ich es, der auf die beiden am Hafen wartet. Ich hatte mich für 19:00 Uhr angekündigt, habe aber fast eine Stunde früher formenterensischen Boden unter den Füßen. Während wir kurze Zeit später an einem Tisch vor dem Hafengebäude sitzen und jüngste Neuigkeiten bei Bier und Radler austauschen, klingelt das Telefon. Es ist Hajo, mit dem ich zusammen unsere Frauen nach unserer Ankunft in Frankreich mit einem Treffen überraschte, der mir gratulieren will, davon ausgehend, dass ich mein Ziel erreicht haben sollte – perfektes Timing!
Ute, die mich an sich als erstes beglückwünschen wollte, erreicht mich, als ich La Sabina, Formenteras „Hafenstadt“, gerade verlassen will und darauf warte, die Kreuzung zu überqueren, die auf die Inselhauptstraße führt. Kaum ist das Gespräch beendet und ich bin von der Hauptverkehrsader wieder ab, um auf ruhigerer Strecke nach San Francisco zu gelangen, hupt ein mich überholender Kleintransporter und es winkt eine Hand aus dem Beifahrerfenster. Ich winke zurück ohne zu wissen, ob ich gemeint war oder wem das Signal gelten sollte, da bleibt der Wagen an dem Abzweig stehen, an dem der Weg abknickt, der zu dem kleinen Hostal führt, in dem Ute und ich zusammen mit Freunden unseren ersten Urlaub auf der Insel verbrachten. Ich staune nicht schlecht als mich aus dem Auto heraus Marianne und Walter begrüßen, die in Es Pujols die wet4fun Segelschule betreiben und zu denen ich seit Jahren Kontakt habe. Nach kurzem Hallo am Straßenrand geht es dann weiter zur „Hauptstadt“ Formenteras. Beim Bäcker halte ich noch an, hole mir ein Brot, dann folgt bei untergehender Sonne der Endspurt über die nur einspurig befahrbare Straße entlang der Felder zum Haus. Alles ist so vertraut, so ruhig wie nahezu immer. Im Gegensatz zu den letzten Kilometern auf Ibiza verspüre ich weder Wehmut, dass die Reise zu Ende geht, noch so etwas wie Stolz oder Ergriffenheit, das Ziel erreicht zu haben – es sind einstweilen einfach nur die Beine, der Körper, die ankommen, ohne zu begreifen, das ich fünf Monate unterwegs bin, mehr als 11.000 Kilometer hinter mir liegen und eine Vielzahl von Begegnungen und Eindrücken.
Im Haus finde ich auf dem Tresen in der Küche einen Willkommensgruß von Nick, meinem Sohn. Ein paar Zeilen auf einem Zettel, daneben eine Tüte Chips zur Stärkung sowie einen reichhaltigen Vorrat an Getränken. Den Abend verbringe ich dann in aller Ruhe im Feriendomizil. Die gut gemeinte Mahlzeit gegen den ersten Hunger lasse ich unangetastet, statt dessen besteht mein Abendessen aus einer Dose „Cocido Madrileño“, einem Eintopf, den ich noch im Gepäck mit mir herum schleppe, ursprünglich dazu gedacht, irgendwo abseits eines Campingplatzes zwischen Elche und Dénia geöffnet zu werden. Anstatt auf dem Spirituskocher wird der Inhalt auf der Herdplatte erwärmt, während im Radio auf 105,7 MHz RNE 3, der Musiksender des spanischen Rundfunks läuft. Nach dem Essen schnappe ich mir noch mal den Rechner, freue mich über die E-Mails, in denen ich bereits beglückwünscht werde (vielen Dank all den Absendern für die lieben Zeilen!), beginne mit dem ersten Teil dieses Textes, dann falle ich zur Abwechselung mal wieder vor Mitternacht müde aber glücklich und zufrieden ins Bett, während diverse Ausrüstungsgegenstände darauf warten, ausgepackt, gesäubert und weggeräumt zu werden was unweigerlich deutlich macht, dass die Reise, ein großartiges Erlebnis, von dem ich mir nur wünschen kann, dass es kein einmaliges bleibt, zu Ende ist.




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2013-09-26



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

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