Reisetagebuch

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Bilder

2015-08-13

4. Tag: 92 Kilometer (Gesamt: 411); 921 Höhenmeter, 497 Meter max. Höhe
Strecke: Unter-Schwarz (Fulda; 08:15 Uhr) - Altengronau (Sinn; 18:15 Uhr)
Wetter: sonnig, 32°

Nachts werde ich wieder einmal wach und bilde mir ein, jemand mache sich an dem Rad zu schaffen. Doch als ich aus dem Zelt heraus luge ist alles in bester Ordnung. Die Wäscheleine hängt weiterhin am Gepäckträger, niemand zu sehen. Auch als um 06:30 Uhr der Wecker tönt steht weiterhin der Drahtesel vor der „Tür“ - war also nur ein böser Traum.
Vergessen, den Absatz des Vortages zu löschen? Nee, gleiches Phänomen, schon seltsam. Trotz des bislang mit Abstand besten Zeltplatzes. Zwar sind auch hier Straße wie Bahnlinie wahrzunehmen, doch das Rauschen der Fulda übertönt die Zivilisationsgeräuschkulisse. Auch die ersten Kilometer fallen leicht. Bei blauem Himmel und Temperaturen, die die Windbreaker-Weste zügig auf den Gepäckträger verbannen, komme ich entlang des Flusses gut voran. Irgendwo am Wegesrand entdecke ich einen Wohnmobil Stellplatz, auf dem ich auch gut untergekommen wäre, inklusive Bademöglichkeit, hier an einem kleinen See. Ein Stück später lockt ein idealer Schattenplatz zur Frühstückspause, ist jedoch von einem Ehepaar mit Tochter belegt. Die drei sind ebenfalls mit dem Rad unterwegs, kommen aus Erfurt und haben gerade die ersten Kilometer nach einer Anreise mit der Bahn von Fulda (diesmal der Stadt) aus hinter sich. Entgegen meiner Beteuerungen, dass es schon noch woanders ein ruhiges Plätzchen zum Müsli Löffeln gibt, besteht man jedoch darauf, dass ich mich setze. Entsprechend wird die Rast kurzweilig und ich erfahre, dass die Familie im Vorjahr die Werra beradelte sowie einige andere kürzere Abschnitte entlang von Flüssen auch nicht unbekannt sind. Nach einer knappen halben Stunde setzt jeder seinen Weg fort; die Thüringer Richtung Norden, ich Richtung Süden.
Zehn Kilometer weiter erreiche ich die Stadt, die den Namen des Flusses trägt. Zu meinem Unverständnis führt der Radfernweg, dem ich folge, nicht an den Sehenswürdigkeiten des Ortes vorbei, so dass ich mal wieder vom Kurs abweiche. Der Dom ist kaum zu übersehen, das Schloss ebenso wenig, und ein paar Schlenker durch die Gassen des barocken Stadtkerns sind mir ebenfalls zusätzliche Abwege wert.
Am Ortsrand fällt mir dann siedend heiß ein, dass es da noch einen Tagesbericht zu Versenden gibt, davon ausgehend, dass es in der touristisch erschlossenen Kleinstadt keine Probleme mit dem Mobilfunknetz gibt. Und richtig, Minuten später sind die Daten dorthin unterwegs, wo sie für andere lesbar werden.
Der sich anschließende Abschnitt der Route gestaltet sich „anspruchsvoller“. Die Röhn macht deutlich, dass sie zu den Mittelgebirgen zählt, was ein stetes Auf und Ab zur Folge hat. Die Hügel sind zwar nie besonders hoch, aber bei hochsommerlichen Temperaturen bleiben sie nicht spurlos. So lege ich nach einer weiteren Stunde in Eichenzell an einem Eiscafé die nächste Pause ein, gebe mir dort die Kugel, beziehungsweise lasse gleich zwei davon in die Waffel pressen, und nutze zudem die Gelegenheit, einen Supermarkt anzusteuern - die Abstände entsprechender Verpflegungsmöglichkeiten nehmen deutlich zu.
Anderthalb Stunden später bin ich fertig. Nicht mit dem, was ich mir für den Tag vorgenommen habe, sondern mit den Kräften. Also erneut anhalten. Da diesmal die Sitzgelegenheit im Schatten fehlt, kommt der Klappstuhl zum Einsatz. Nicht die komfortabelste Variante für eine Siesta, aber erst mal raus aus der Sonne und ein wenig die Augen schließen. Die Vorstellung, dass sich auf diese Art und Weise Probleme aussitzen lassen, erfüllt sich nicht. Anschließend geht es in munterer Berg- und Talfahrt weiter. Immer wieder halte ich an, wo ich jemanden vor der Haustür entdecke, und lasse mir die Trinkflaschen mit Wasser füllen, ohne dass man mich abweist. Zum Spätnachmittag hin verquatsche ich mich ein weiteres Mal. Ein Getränkemarkt liegt auf dem Weg, der Verkäufer hat gerade nichts besseres zu tun, und so philosophieren wir genüsslich über Geschmacksvorteile von Glasflaschen gegenüber Plastikflaschen, der Selbstbedienung an Flüssen und dergleichen mehr. Und überhaupt, entlang der Sinn, die sich zwischen den Hügeln her schlängelt, sollte sich irgendwo ein Schlafplatz finden.
Ein wenig enttäuscht, dann aber doch nicht so richtig den überzeugenden Flecken zu entdecken, bleibe ich stehen, als ich an einem Freibad vorbei komme. Ob ich für die Nacht dort zelten könne? Nicht direkt, aber den Zaun entlang gelange ich an einen Unterstand, vor dem Kneipp Becken, und dort könne ich mich breit machen. Zum Duschen könne ich gerne zurück kommen, die Toiletten des Schwimmbades stehen mir auch zur Verfügung, und bereits vor wenigen Tagen hätten auch zwei Herren aus Köln dort genächtigt. 78 Jahre sollen sie alt gewesen sein. Hört sich respektvoll an, was die Dame der Badeanstalt da von sich gibt, doch mein Bestreben ist es, möglichst zügig das Zelt aufzubauen, da es sich von Osten her immer weiter zu zieht und auch schon entferntes Gewittergrollen zu vernehmen ist. Die Behausung steht gerade, da fallen die ersten Tropfen. Im Schwimmbad nebenan werden die Gäste der Becken verwiesen, während ich den Schauer unter der Dusche abwarte. Zwar fehlt es an warmen Wasser, doch nachdem der erste Schwall überwunden ist, ist gegenüber der Campingdusche, dem Bad in der Fulda oder dem Pendant auf dem Campingplatz, auf dem ich zwei Tage zuvor residierte und die Anleitung erst bemerkte, nachdem ich mich abtrocknete, kein gravierender Unterschied zu spüren.
Anschließend bekoche ich mich das erste Mal selbst, Chili-sin-Carne aus der Dose, dann stelle ich fest, dass auch hier Zug- und Straßenlärm nicht fehlen, während die Finger über die Tastatur fliegen und es für eine Korrekturlesung zu spät wird.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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