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Reisetagebuch

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2015-08-18

9. Tag: 83 Kilometer (Gesamt: 936); 1231 Höhenmeter, 891 Meter max. Höhe
Strecke: Ellighofen (Nähe Lech; 09:00 Uhr) - Oberpinswang (Österreich - Lech; 18:15 Uhr)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, Nachmittags Regen, 17°

Zwar versteht man unter einem Kaltstart etwas anderes, aber das ist der Begriff, der mir an diesem Dienstag Morgen immer wieder durch den Kopf schießt. Die Nacht trug ich erstmalig die lange Unterwäsche im Schlafsack, die Temperatur dürfte sich um 10° bewegt haben, und ich starte das erste Mal in Turnschuhen und mit langer Hose. Starten? Na ja, ich versuche den Moment so weit wie möglich hinaus zu zögern, mir das noch klamme T-Shirt sowie langärmlige Trikot überzuziehen, doch irgendwann ist soweit alles gepackt, dass nur noch die Wäsche von der Leine fehlt.
Im nächsten Ort dann ein weiterer Versuch des Selbstbetrugs - hoffen, dass in einer Bäckerei bei einem Frühstück im Stehen die Klamotten trocknen. Klappt natürlich nicht, aber wenig später, an einer Tankstelle, auf einer Bank in der Sonne, wiederhole ich das Spielchen. Diesmal ist der Beweggrund allerdings eher ein anderer. An den Zapfsäulen gibt es Papiertücher, die ich gebrauchen kann, da nach zwei Tagen Nassfahrt die Kette knarzt und quitscht. Eine Ölung ist fällig. Hätte ich allerdings gewusst, was mir ein paar Stunden später widerfährt, ich hätte mir die Mühe sparen können.
Zunächst aber gibt es ein weiteres Problem zu beheben. Das Laden der jüngsten Daten in das Internet wollte nicht so recht. Auch an diesem Morgen versuche ich es wiederholt an mehreren Orten, doch immer wieder kommt es zu Blockaden. Vor einem McDonalds versuche ich erfolglos, mich des dortigen WLAN's zu bedienen, doch auch dies schlägt fehl. Anscheinend benötigt man ein Kennwort, was mir aber keinen Gang in die Burger Braterei wert ist. Letztendlich hilft nur Geduld und Spucke, beziehungsweise Energie, das mobile Datennetz einfach aktiviert zu lassen, dann stellt sich der gewünschte Erfolg ein.
Bei zeitweise aufgeklartem Himmel kurbele ich weiter gen Süden. Mal liegt der Lech zur Linken, mal geht es durch Wälder, dann wieder Wiesen und Felder. 35 Kilometer vor Füssen sind sie dann zu erkennen: zunächst nur schemenhaft, dann immer klarer - Höhenzüge der Alpen. Auch die Strecke passt sich mehr und mehr dem an, was vor mir liegt. Es wird hügeliger. Ich bilde mir aber ein, dass die vergangenen Tage nicht spurlos an mir vorüber gegangen sind. Nun mag es natürlich auch daran liegen, dass der Grad der Steigungen überschaubar bleibt, aber ich habe den Eindruck, bei dem einen oder anderen Anstieg wäre ich noch Tage zuvor abgestiegen und hätte geschoben. So aber kommen die kleinen Gänge zum Einsatz, ich scheue mich nicht mehr, weiterhin in klammen Klamotten zu strampeln, wenngleich es nun eine andere Feuchtigkeit ist, die in den Textilien steckt.
Auf einer Bergwiese genieße ich bei einem Zweitfrühstück die wärmenden Strahlen der Sonne. Es ist herrlich, das Müsli weg zu löffeln, auf die Berge zu schauen und über sich größere blaue Löcher zwischen den Wolken zu wissen.
Kurz vor Füssen liegt ein Fahrradverleih nebst -werkstatt am Wegesrand. Vom Fachmann lasse ich den Luftdruck kontrollieren, eine einfache Standpumpe mit Manometer ist nicht zur Hand, nur der Schlauch nebst Messgerät, der am Kompressor angeschlossen ist, und der gerät nicht in des Laien Zugriff. Gut, mag Sinn machen, schnell sind bei zu unbedachtem Hantieren Schlauch, Mantel, Felge und vielleicht noch mehr gesprengt, aber es gibt dem Profi auch die Gelegenheit, Geld zu generieren. Mit einer Kettenmesslehre stellt er fest, das ein Wechsel sinnvoll wäre; wohin ich den noch wolle? Über die Alpen? Noch 3000 Kilometer weit? Na dann aber zur Rettung des Ritzelpaketes schleunigst eine neue Kette drauf! Und was macht man, als verunsicherter Halbwissender? Man folgt dem Rat des Experten.
Ob so etwas denn schnell und unkompliziert machbar ist? Ganz so einfach geht es zwar nicht, aber wenn ich eine halbe Stunde Zeit investiere, dann würde da was gehen. Entsprechend überbrücke ich einen Teil im gegenüber gelegenen Imbiss, verleibe mir eine warme Mahlzeit ein und lasse meinem Körper isotonischen Saft zukommen - nee, keine Ahnung, wie es um die Substanz des alkoholfreien Hefeweizens bestellt ist.
Anschließend noch ein wenig warten, assistieren, philosophieren und Erkundigungen nach den vor mir liegenden Kilometern einholen, dann ist der Drahtesel wiederhergestellt - mit neuer Kette. So viel zu dem Öl, das ich mir hätte sparen können, doch ich bilde mir ein, ich hätte am falschen Ende gespart, hätte ich auf die paar Tropfen verzichtet.
Kaum drehen sich die Räder wieder, beginnt es zu regnen. Ergiebig. Es dauert nicht lange, da bin ich ein weiteres Mal nass bis auf die Haut und beginne zu frösteln. Vor den nahen Bergen scheint die Luft bereits deutlich abgekühlter zu sein, was die Bereitschaft zur nächsten Investition begünstigt. Den Kauf eines Fleece Pullis. Füssen ist diesbezüglich bestens ausgestattet, hat neben historischen Gebäuden auch Sportartikel Läden zu bieten, kostet neben Geld aber ein weiteres Mal Zeit. Der Verkäufer gibt sich große Mühe mit mir, interessiert sich für den Einsatzzweck und dem, was ich noch so vor habe, und ehe ich der Stadt den Rücken kehre, ist es 17:00 Uhr.
Entsprechend gesammelter Empfehlungen bleibe ich meinem ursprünglichen Plan treu, wähle den längeren Weg über die Grenze rüber nach Österreich, der zusätzliche Höhenmeter mit sich bringt, dafür aber weitere Sehenswürdigkeiten liefert: Schloss Hohenschwangau, einen näheren Blick auf Schloss Neuschwanstein sowie den Alpsee. Busladungsweise werden die Touristen heran gekarrt, es wuseln Scharen ostasiatischer Besucher umher, die sogar auf ihnen vertraute Schriftzeichen treffen, wenn es darum geht, Souvenirs oder Fressalien an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen, ich komme aber auch dazu, mein Spanisch anzuwenden; kostenloses Sprachtraining beim Smalltalk mit einer Gruppe Iberer, die zwei Tage später vor dem Kölner Dom stehen wollen.
Es folgen schließlich die letzten Höhenmeter des Tages, die Wolken wollen nicht aufreißen, es regnet immer wieder, und ich tauche ein in die Bergwelt. Im Bestreben, nicht bibbernd den ersten Abend zwischen den Felsen zu verbringen, entschließe ich mich, mich mit einer Nacht unter festem Dach für die bisherigen Anstrengungen zu belohnen. Für die 60 Euro, die man mir abknöpft, bin ich zwar auch schon drei Tage lang ausgekommen, aber der Tag hat ohnehin bereits fast ein Wochenbudget gekostet. So finden diese Zeilen vom Stuhl hinter dem Fenster aus ihren Weg in das Tagebuch, wobei ab 21:00 Uhr selbst die Wolken in den Bergen von der Dunkelheit verschluckt werden.



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