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Reisetagebuch

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2015-08-30

21. Tag: 130 Kilometer (Gesamt: 2082); 513 Höhenmeter; 86 Meter max. Höhe
Strecke: Cremona (08:15 Uhr) – Pavia (19:30 Uhr)
Wetter: sonnig, 36°

Als ich aufstehe, hadere ich noch. Abstecher nach Cremona - ja oder nein?
Was mich dazu bewegt sind die Schwärmereien meiner Zelt Nachbarn aus Bregenz; was mich davon abhält: die Wetterprognose. Erneut soll das Thermometer deutlich über 30° steigen, und Morgens ist es da noch am angenehmsten, Kilometer zu machen. Letztendlich gewinnt dann aber die Einsicht, dass es ja nicht nur darum geht, so schnell wie möglich ein Ziel zu erreichen, sondern auch die Attraktionen am Wegesrand, wenn ich denn schon darauf gestoßen werde, eines Blickes wert sind.
Die Fahrt in die Stadt kombiniere ich mit dem Frühstück. Zwar gibt es in dem Café, das ich wähle, noch keine Brötchen, aber ein Croissant und ein süßes Teilchen zum Cappuccino sind schon mal ein Anfang. Im Schatten, mit Blick auf die Spitze der Kathedrale, sonnen beschienen, lasse ich es mir schmecken und drücke anschließend noch ein paar mal auf den Auslöser. Stradivari ist in der Stadt allgegenwärtig, und auch darüber hinaus steht die Geige hoch im Kurs. Ein Museum, Geschäfte, Konzerte - alle widmen sich dem Instrument.
Der anschließende Weg entlang des Pos hingegen bringt auch am vierten Tag nichts Neues. Zahlreiche Italiener sind, wie ich, mit dem Rad unterwegs, manche grüßen nett, anderen bin ich egal - muss sich ja auch nicht jeder für einen Pedalisten mit viel Gepäck interessieren. Entlang des Adda tut es aber doch jemand. Ein Vater ist mit seinem Sohn auf dem Rückweg nach Hause. Wie bei vielen anderen auch hängt ist das T-Shirt des Radlers locker über den Lenker gewickelt - soll der Oberkörper vom Fahrtwind gekühlt werden. Bei mir hingegen flattert weiterhin die Warnweste über den Schultern, darunter die kurzärmelige Funktionswäsche, die Kamera hängt um den Hals, die Lederhose über dem gepolsterten Radlerunterteil, das die Oberschenkel bedeckt; ich bin also klar als Touri erkennbar. Entsprechend werde ich von dem fahrenden Duo angesprochen, wobei Diego, der wahrscheinlich dreijährige Nachwuchs, von allem vor Vaters Oberkörper im Kindersitz langsam weg nickend, nicht viel mit bekommt. Gevatter hingegen ist interessiert, freut sich, seine Deutsch-Kenntnisse, die er als Siemens Mitarbeiter erwarb, anwenden zu können, und so verfliegen quasi die Kilometer bis zum Heimatdorf, wo mich der Mann zum nächsten Brunnen führt.
Überrascht bin ich dann, an einer Schnellstraße, die nach Piacenza führt, an einem Sonntag auf einen geöffneten Supermarkt zu stoßen. Es ist einer dieser Läden, die ich am liebsten meide, doch für diesen Wochentag bin ich froh, mich zum Mittagessen kostengünstig eindecken zu können: ein Stück Pizza aus der Hand, was kaltes zu Trinken, einen Salat sowie ein paar Stücke Ananas zum Nachtisch für ein Picknick am Wegesrand, das nicht lange auf sich warten lässt. Im Schatten unter einem Baum breite ich die Zeltunterlage aus, lasse es mir schmecken, danach die Siesta - so lässt sich des Reiseradlers Leben versüßen. Ich raffe mich gerade wieder auf, da fährt oben auf dem Damm, hundert Meter entfernt von meinem Rastplatz, ein Pärchen mit einem Tandem entlang. An dem Gefährt baumeln ebenfalls einige Packtaschen, hinterdrein rollt ein einspuriger Anhänger, ebenfalls voll beladen. Die beiden winken mir zu, ich winke zurück und erfreue mich dieser kleinen Gesten Gleichgesinnter.
Anders hingegen die beiden Italiener, die mich ein Stück weiter ansprechen. Ihnen ist daran gelegen zu erfahren, was mein Rad gekostet hat, wo ich her komme, und wo es hin geht. Der Hersteller meines Drahtesels ist ihnen ein Begriff, und der eine von ihnen plant auch eine längere Tour als nur die Sonntagsrunde, auf der man sich gerade befindet. Die Konversation erfolgt mit Händen und Füßen beziehungsweise es erweist sich einmal mehr als zweckmäßig, auf das Spanische zurück greifen zu können. Diverse Vokabeln klingen im Italienischen ähnlich, ein klarer Vorteil, wenn meine Gegenüber mit dem Deutschen oder Englischen genau so vertraut sind wie ich mit deren Heimatsprache.
Zerbrach ich mir Morgens noch den Kopf, wie beziehungsweise wo ich die Nacht verbringe, so bemühte ich bei meiner Mittagspause einmal mehr die Technik. Pavia hatte ich als Tagesziel im Hinterkopf, eine Stadt mit 70.000 Einwohnern im Südwesten der Lombardei, südlich von Mailand. Ein Hotel zu passablen Konditionen verspricht, nicht den Abend bei Wasser und Brot verbringen zu müssen, gehe ich davon aus, nicht zum Spätnachmittag einen weiteren geöffneten Supermarkt zu finden. Entsprechend wird kurzer Hand gebucht.
Die Begeisterung über den Erfolg stellt sich jedoch ein, als ich gegen 17:30 Uhr die vierte der 25 Kilometer Etappen beende und die Stadt weitere gute 20 Kilometer entfernt liegt. Hatte ich mich wohl doch um ein Teilstück vertan - aber was hilft's. Ich verlasse den mittlerweile geschotterten Radweg über den Damm, wechsle auf die mäßig befahrene Landstraße, und erreiche Pavia gegen 19:00 Uhr. Bis ich das gebuchte Hotel dann finde, vergeht eine weitere halbe Stunde, während der ich zwei nette, junge, hilfsbereits Damen des Landes sowie zwei Herren in meinem Alter kennen lerne, die es aus der Schweiz mit dem Rad nach Venedig treibt und die sich gerade in der Fußgängerzone in einem Straßenrestaurant stärken. Im Hotel dann muss ich feststellen, dass die Verpflegung mit Radler nicht ganz so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Eine Flat-Rate gibt es nicht, mit auf das Zimmer bekomme ich auch nur ein 0,4 Liter Glas anstatt eines Vielfachen, und zum bequemen Tippen des Reiseberichtes fühle ich mich, wie bereits in Venedig, auf meinem Klappstuhl bequemer aufgehoben als auf der Sitzgelegenheit, die vor dem Schreibtischchen steht.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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