Reisetagebuch

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2015-09-05

27. Tag: 97 Kilometer (Gesamt: 2625); 1310 Höhenmeter; 194 Meter max. Höhe
Strecke: Ventimiglia (08:15 Uhr) - Nähe Cannes (19:30 Uhr)
Wetter: sonnig, 26°

Der Samstag Morgen beginnt mit einer Frühsportübung auf leeren Magen: quasi einmal die Mola empor, Formenteras gut 150 Meter über dem Meer gelegene Hochebene. Zum Glück ist auf der Küstenstraße noch nicht viel los. Hoffte ich, in einem der letzten italienischen Dörfer meiner Reise noch auf einen Supermarkt oder ein Lebensmittelgeschäft zu stoßen, so werde ich eines Besseren belehrt. Ohne einen Blick um die Ecke gibt es nichts. Nach dem Passieren der Grenze werde ich auf französischer Seite fündig, komme in Menton an einer Boucherie vorbei, die geöffnet hat. Un Baguette, sil vous plaît, und wenn es geht, auch noch ein paar Scheiben Käse dazu, et Fromage. Es geht, hat aber seinen Preis. Sechs Euro - so etwas hatte ich befürchtet. Dafür gab es auf der anderen Seite der Grenze das Doppelte.
Bei einer ersten Fahrt über die Strandpromenade an der Côte D'Azure stelle ich fest, dass sich diese nicht deutlich unterscheidet von denen, über die ich bereits vor vier Jahren weiter südwestlich rollte. Kiesstrand, Promenade, Küstenstraße, Restaurants, Bars, Souvenirläden, Hotels; lediglich die Berge im Hintergrund gab es nicht. Nach einem halben Stangenbrot noch einen Cappuccino von der Burgerbraterei mit dem großen, gelben M, dann setze ich die Fahrt fort. Auch wenn die maximale Höhe an diesem Tag überschaubar bleibt, Höhenmeter bleiben mir bis Nizza nicht erspart. Mal einhundert Meter, mal zweihundert, mal irgend etwas dazwischen.
Monaco erreiche ich nach gut 15 Kilometern. Auch hier eine muntere Berg- und Talfahrt. Meine vorbereitete Route hilft mir nur als grobe Orientierung weiter. Überall sind Baustellen, Straßen gesperrt, und ganz so wie beabsichtigt mag ich auch nicht in jede Einbahnstraße falsch herum einbiegen, wie geplant. Ist doch schwer was los, auf der Straße, und darüber hinaus sehe ich an jeder Ecke Herren in Uniform, die Motorrad- wie Autofahrer abkassieren; sieht so aus, als müssten die Ordnungshüter ihr Salär selbst eintreiben. Da möchte ich mit meiner Reisekasse keinen Beitrag leisten. Am Vortag schrieb ich noch etwas von den Reichen und Schönen, zwischen denen ich mich tummeln wollte. Erstere sind wohl am ehesten daran auszumachen, dass sie teurere Autos fahren, als ich sie mir leisten könnte. Alles, was Rang und Namen hat, ist zu sehen, wenngleich die Kennzeichen sich nicht auf Monaco beschränken, sondern halb Europa vertreten ist und die Anzahl der bereiften Unterlegkeile auffallend ist. Hinsichtlich der Gutaussehenden bin ich enttäuscht. Entweder hocken die alle in ihren Appartements und schicken nur die Haushälterinnen einkaufen, jetten sonst wo über den Planeten, oder sie sind einfach nur Gerüchte. Ich bilde mir zumindest ein, mich mit meinem Aussehen nicht verstecken zu müssen.
Auch den Prinzenpalast auf dem gut 50 Meter hohen Kap hatte ich mir größer und pompöser vorgestellt, von außen. Auf dem Weg nach oben lasse ich mich irgendwo in die Irre lenken, lande dort, wo die Busse parken und gelange über drei Rolltreppen sowie einen Aufzug zu dem Anziehungspunkt, der von weiteren Tagesgästen kräftig umlagert ist. Herunter ist es einfacher, da folge ich einfach einem Rollerfahrer, der möglicherweise gerade zuvor dem Regenten eine Pizza lieferte. Aus der Stadt heraus verfranse ich mich dann kräftig, lande in einem der Tunnel, die ich eigentlich meiden wollte, und strampele anschließend weiter den Hügel hinauf, als nötig, bevor ich feststelle, dass ich den Abzweig vom ausgeschilderten Weg nach Nizza auf den, den ich nehmen wollte, verpasst habe. Also wieder ein Stück zurück.
Auch dass, was ich von Nizza oder später von Cannes sehe, vermag mich nicht zu begeistern. Gut, wer darauf steht, die Filialen der Glitzer und Glamour Welt abzuklappern, der mag hier sein Vergnügen finden, mein Interesse ist anders geartet. Ich freue mich eher über das Gespräch mit dem jungen Pärchen aus Toulouse, dass mit dem Stufentandem entlang der Küste nach Athen reist. Greg und Regine, die Ute und ich in Schweden kennen lernten und die mit dem gleichen Gefährt eine Weltreise unternahmen, kennen sie trotz gleicher Heimat nicht, aber Toulouse ist ja auch nicht gerade ein Dorf.
Zwischen Nizza und Cannes verläuft die Strecke flach, über weite Strecken sogar auf einem regelrechten Radlerhighway, einem gut ausgebauten Radweg, ich entdecke sogar einen Eurovelo 8 Wegweiser, dessen einziges Manko es ist, dass er neben einer Schnellstraße verläuft - nein, es gibt noch einen weiteren Makel, aber der dürfte eher temporärer Natur sein: der Gegenwind, der mich zwei mal fast umpustet.
Einmal kann ich das Rad nicht mehr halten, liege fast am Boden, doch ist die Ursache eine andere. Bei einem Überholmanöver eines Spaziergängerpaares verliere ich im Schritttempo das Gleichgewicht und halte plötzlich den rechten Lenkergriff in den Händen - ohne Lenker dran. Beim anschließenden Versuch, diesen wieder fest zu bekommen, er wird durch eine Schraube im Lenkerhörnchen gehalten, das andere Griffpositionen ermöglichen soll, mache ich Bekanntschaft mit einer alten Weisheit: nach ganz fest kommt ganz lose. Obwohl ich den Schrauber verwende, der mit dem Rad geliefert wurde, überschreite ich wohl das angegebene Drehmoment von 7 Nm und drehe die Schraube zur Hälfte ab. Ärgerlich, und das an einem Samstag Abend. Der Griff rutscht nun vollkommen haltlos auf dem Lenker und ich überlege, ihn komplett weg zu lassen, kann mich aber noch nicht ganz dazu durchringen. Wahrscheinlich muss ich erst einmal richtig damit auf die Nase fallen, aber vielleicht finde ich ja auch zuvor eine Radwerkstatt, die mir weiterhelfen kann. Zumindest weiß ich nun, wofür andere Radler Rohrschellen im Gepäck führen.
Angenehmer als der erste Schaden ist das Bad, das ich im Meer nehme. Der Kiesstrand ist zwar gewöhnungsbedürftig, Formenteras sandige Strände sind mir da lieber, die Süsswasserdusche hingegen ist recht angenehm. Nach dem Gang in die Fluten lasse ich mich noch ein wenig in der Sonne trocknen, was dann aber dazu führt, das ich den ins Auge gefassten Campingplatz erst erreiche, als die Sonne schon fast hinter dem nächsten Hügel abtaucht. Die 20 Euro finde ich schon recht grenzwertig, vom Pool habe ich nichts mehr, aber es ist einigermaßen ruhig, und so sollte es die nächsten Tage, dann wieder durch das Hinterland, auch weiter gehen.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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