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Reisetagebuch

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Bilder

2015-09-11

33. Tag: 100 Kilometer (Gesamt: 3236); 550 Höhenmeter; 72 Meter max. Höhe
Strecke: Villeneuve-Lès-Maguelone (09:45 Uhr) - Nissan-Lez-Ensérune (18:00 Uhr)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, 24°

An diesem Morgen ist es um 07:00 Uhr noch grau. Dass ich trotzdem eine gute Stunde später alles auf dem Rad habe, dafür sorgen erneut die kleinen Vampire, die zunächst das Zelt, später mich belagern. Ein paar hundert Meter weiter, am Strand, dort, wo die Duschen stehen und ich bereits am Vorabend mein Abendessen vertilgte, mache ich mich dann wieder breit, um morgendliche Hygiene und das Frühstück nachzuholen sowie die Wäsche noch etwas trocknen zu lassen.
Dank letztendlich zweimaligem Taschen Packen geht es schließlich entsprechend später los, doch die nächste Verzögerung schließt sich direkt an. Standen Ute und ich vor vier Jahren bereits an einer Stelle, an der ein Schild die Durchfahrt zwischen zwei Seen und einem Kanal untersagte, wir uns letztendlich aber über das Verbot hinweg setzten und auf diesem Weg Frontignan beziehungsweise Sète, die nächste Stadt, erreichten, so zögere ich diesen Morgen keinen Moment, die Beschilderung zu ignorieren. Ist ja auch nicht das erste Mal auf dieser Tour, dass ich die Straßenverkehrsordnung großzügig zu meinen Gunsten auslege. Nach anderthalb Kilometern diesmal aber das böse Erwachen. Der Weg versinkt im Schlamm, ich muss absteigen und schieben. Als nach einigen hundert Metern keine Besserung in Sicht ist und mir entgegen kommende Kanalschiffer auf meine Frage hin mitteilen, dass sich auch weiterhin nichts ändert, kehre ich um. Am Ausgangspunkt angekommen befreie ich das Rad erst einmal notdürftig von den Matschklumpen, die die Räder blockieren, sich über den Bremsen angesammelt haben und mir an den Schuhen kleben. Nun weiß ich, dass der Italiener, den ich Tags zuvor traf, nicht in einer Zementfabrik gearbeitet hat, sondern genau diesen Weg genommen haben muss. Sein Rad, der Anhänger, die Ausrüstung und seine Anziehsachen sahen nicht anders aus als der Dreck, den ich abkratze, nur seinen Händen nach hat er keinen Ast genommen, um die Spuren zu beseitigen, sondern ohne Hilfsmittel zugelangt.
Der Umweg außen herum, um den Étang-de-Vic, kostet mich etwa 15 Kilometer. Die anfängliche Euphorie, auf einen gut ausgebauten Radweg zu stoßen, schwindet schnell, und ich lande doch, wie befürchtet, auf einer stärker befahrenen Landstraße. In Sète selbst hingegen finde ich ruhigere Pfade, fahre diesmal ein Stück den Hügel hoch, bekomme damit etwas vom Zentrum der Stadt zu sehen, ansonsten folgen bekannte Weg den Strand entlang, durch Agde sowie entlang des Canal-du-Midi. Ebenfalls an einer bereits aufgesuchten Bar am Kanal lege ich eine Pause ein, doch anstatt Quiche oder Salat gibt es diesmal nur Flüssignahrung - die Küche hat um 15:00 Uhr geschlossen. Trotzdem, das Radler tut gut, und Santana, die während der Viertelstunde dort laufen, sind auch immer wieder gerne gehört.
Wie schon in Sète, bleibt diesmal auch Bezier nicht unbesichtigt. Die ausgearbeitete Route führt dieses Mal durch die Stadt hindurch, anstatt davor abzuknicken, und indem ich dem „Petit-Tren“ folge, der Bimmelbahn, die Touristen an den Sehenswürdigkeiten vorbei fährt, bleiben auch mir diese nicht verborgen; nichts bahnbrechendes, aber immerhin - man hat es mal gesehen.
Der Weg aus der Stadt heraus gestaltet sich abermals nicht ganz unproblematisch, zumindest dann, wenn man, wie ich, der Versuchung erliegt und neuen Radwegen folgt, anstatt auf der Schnellstraße zu bleiben. Wäre das Ziel nicht Narbonne, sondern Toulouse, könnte die neue Piste einen weiterbringen, so wirft sie mich eher zurück.
In Nissan-Lez-Ensérune knickt meine Route von der D609 ab. Hatte ich zuvor bereits geschaut, wo ich die Nacht über in Narbonne unterkommen könnte, so mache ich vor dem nächsten Hotel halt und erkundige mich nach den Konditionen. 63 Euro, plus 12 Euro für das Frühstück, so ich eines wünsche. Ob es denn nichts preiswerteres gäbe, hake ich nach. Doch, mitten im Ort, für 45 Euro. Hört sich vertretbarer an, und so fahre ich weiter.
Das Hotel erinnert mich stark an Dover, wo ebenfalls im Erdgeschoss eine Kneipe untergebracht war, und Ute und ich darüber ein äußerst einfaches Zimmer hatten. Zwar habe ich hier eine Dusche, anstelle der dortigen Badewanne, doch viel besser ist die Ausstattung nicht. Alles ist mehr als betagt, notdürftig renoviert und lieblos hergerichtet, aber es gibt keine Moskitos, die über mich herfallen. Im Spiegel meiner Absteige sehe ich, dass ich über und über zerstochen bin. Sogar durch zwei Lagen Merinowolle hindurch muss der Rüssel der Biester reichen.
Nach dem Essen in einer neben meiner Unterkunft gelegenen Pizzeria setze ich mich an den Rechner, beginne, die Bilder von der Kamera zu kopieren, das Navi mit den ersten Kilometern Spaniens vertraut zu machen, die ich am Sonntag unter die Räder bekommen könnte, und die ersten Gedanken des Tages fest zu halten, da dringt Musik durch die wenig Schall schluckenden Fensterscheiben. Hört sich gar nicht schlecht an. Eher gut. Und es klingt, als ob sie nicht aus der Konserve kommt. Also noch einmal Schuhe an und schauen, was da wo abgeht. Die Klänge kommen aus der Bar quer über den Dorfplatz. Eine fünfköpfige Band spielt Rock und Pop Klassiker. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich für so etwas begeistern kann. Es muss nicht perfekt sein, ist es auch nicht, zumindest bei den Texten ist man flexibel, aber Stücke wie Hotel-California, Purple-Rain, Streets-with-no-name, Jumpin-Jack-Flash oder Born-to-be-wild kommen an und machen Spaß und bilden ein weiteres kleines Highlight, während auf Formentera ein Gitarrenfestival Musikliebhaber auf den Kirchplatz von San-Fernado ziehen könnte. Zumindest in den vergangenen Jahren wurde Freitags und Samstags von jeweils 22:00 Uhr bis 04:00 Uhr der Platz gerockt. Hier nun lerne ich einen Straßburger Gitarristen kennen, der mich stark an den Anfang des Jahres verstorbenen Felix erinnert, der in seiner Kneipe auf der Insel für gute Laune sorgte. Auch er ist total begeistert, spricht gut deutsch und berichtet jedem anderen, ob er es hören will oder nicht, von demjenigen, den er gerade kennen gelernt hat und der mit dem Rad von Deutschland aus unterwegs ist. Dass er dabei auf zwei Bremer trifft, die das gleiche machen und nach Bordeaux wollen, stört wenig, doch ein weiterer Austausch mit dem Ehepaar fällt dann der Musik zum Opfer - man kann nicht alles haben.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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