Reisetagebuch

2015-08-...
2015-09-01
2015-09-02
2015-09-03
2015-09-04
2015-09-05
2015-09-06
2015-09-07
2015-09-08
2015-09-09
2015-09-10
2015-09-11
2015-09-12
2015-09-13
2015-09-14
2015-09-15
2015-09-16
2015-09-17
2015-09-18
2015-09-19
2015-09-20
2015-09-21
2015-09-22
Bilder

2015-09-22

44. Tag: 14 Kilometer (Gesamt: 4115); 69 Höhenmeter; 36 Meter max. Höhe
Strecke: Dénia (16:30 Uhr) - Formentera (22:15 Uhr)
Wetter: sonnig, 28°

Dienstag - die Radelei ist an sich geschafft, wenngleich Formentera, das Ziel meiner Reise, noch nicht erreicht ist. Gute 100 Kilometer fehlen noch, da aber weder ein Tunnel noch eine Brücke zwischen Festland und Insel besteht, bleibt nur die Passage mit der Fähre, und die legt erst gegen 17:30 Uhr ab. Entsprechend verlasse ich das Bett zu Zeiten, zu denen ich, wenn ich zuvor früh dran war, bereits über Asphalt rollte.
Erneut frühstücke ich das, was sich noch in der rechten Vorderradtasche, meiner Küche, befindet - noch einmal Gewicht reduzieren und Platz schaffen, für die allerletzten Kilometer. Anschließend wird kräftig umsortiert. Was langärmeliges will ich diesmal griffbereit haben, für die abendliche Schifffahrt, und an den PC will ich ebenfalls herankommen können, ohne Spanngurte lösen zu müssen.
Nachdem das Hotel verlassen ist und das Rad wieder bepackt auf der Straße steht, suche ich mir ein schattiges Plätzchen, um die Eindrücke des vergangenen Tages festzuhalten. Hoffte ich auf eine Bank in einem Park, unter einem Baum, so finde ich mich gegen Mittag auf einer Liege unter einem Schirm am Strand wieder - um 11 Euro erleichtert, dafür mit Meerblick und der Option auf Abkühlung im salzigen Nass, wovon ich flüchtig Gebrauch mache. Schon mal Einstimmung auf das, was in den nächsten Tagen häufiger folgen sollte; zumindest bis zum Wochenende macht der Wetterbericht Dénias Hoffnung und ich gehe mal davon aus, dass das insulare Klima sich nicht deutlich von dem des Festlands unterscheidet.
Für sentimentale Gedanken ist es irgendwie der falsche Ort, den ich mir ausgesucht habe. Zu viele Menschen um mich herum, zu viel Ablenkung, dazu immer mal wieder aufblicken, ob nicht jemand Gefallen an dem findet, was da am Rad zu finden ist. Die Mundharmonika auspacken, um ihr ein paar möglichst melodische Töne zu entlocken, traue ich mich nicht. Die Leute - ich will ja niemandem akustisch auf die Füße treten.
Um 15:30 Uhr streife ich mir den Sand von der Haut, schlüpfe wieder in meine Anziehsachen und suche noch einmal einen Supermarkt, um nicht halb verhungert auf das Schiff zu steigen. Steigen? Na ja, nicht ganz. Mit dem fahrbaren Untersatz darf ich mich am Rande der wartenden Autos einreihen und über die Rampe rollend im Bauch des Dampfers verschwinden. Fünf Decks über dem Rad finde ich einen Platz für mich, auf dem Sonnendeck. Anfangs ist es noch ruhig, dann lässt sich eine Gruppe junger Spanier nieder. Sie sind in Partylaune. Nicht so ganz einfach, dabei die Konzentration zu behalten, während zum zweiten Mal an diesem Tag der Rechner auf meinen Oberschenkeln liegt und ich diese Zeilen in die Tastatur klopfe. Einfacher ist es da schon, mit Stöpseln in den Ohren Beth Hart zu lauschen - better than home. Auch wenn der Titel des Albums auf eine Autofahrt gemünzt sein dürfte, er gefällt mir, spricht mir irgendwie aus der Seele. Nicht, dass ich falsch verstanden werde - ich lebe gerne mit Ute zusammen, fühle mich auch Zuhause nicht unwohl, aber diese Auszeit, sie hat was, und geht es nach mir, mir fallen da direkt zwei mehrwöchige Touren ein, mit denen ich bei nächster Gelegenheit diese Form des Reisens fortsetzen könnte.
So verfliegt die Zeit, die Sonne wärmt auf meinem Wind geschützten Sitzplatz, bis sie kurz vor acht stimmungsvoll im Meer versinkt. Kurze Zeit später zieht es noch einmal die Mitreisenden an die Reling, steuerbord. Die Rauchfahne, die bereits zuvor in Fahrtrichtung sichtbar war, gehört nicht zu einem anderen Dampfer, der unserem voraus fährt, wie zunächst vermutet, sondern stammt von einem Sportboot, das in Flammen steht. Ist das der Grund, weshalb zwei Decks tiefer lauter Schwimmwesten auf dem Boden liegen? Von einer Besatzung ist nichts zu sehen, und so fahren wir in kurzem Abstand an den lodernden Flammen vorbei, die noch eine ganze Weile zu sehen sind.
Ibiza erreichen wir überpünktlich. Als einer der ersten verlasse ich das Schiff, ein anderer Radfahrer kurbelt vor mir über die Rampe auf festen Boden, und noch bevor die Lastwagen und Autos mich überholen, liegen die drei Kilometer zwischen der äußersten Mole und der, von dem die Fähren nach Formentera ablegen, hinter mir. Ein Blick am letzten Kreisverkehr auf die Uhr zeigt 20:58 Uhr. Entsprechend beschleunige ich, rolle an einem Boot vorbei, auf dem keinerlei Aktivitäten festzustellen sind, einem zweiten, von dem gerade die Passagiere an Land strömen, dahinter ein weiteres, an dem man sich anschickt, die Gangway hoch zu ziehen, doch ich habe Glück, man nimmt mich noch mit. Etwas schaukeliger als zuvor geht es weiter. Noch eine kurze SMS an Nick, meinen Sohn, und Judith, dessen Freundin, dass ich ihnen eher zu Leibe rücke als zuvor angenommen, und eine halbe Stunde später nehmen mich die beiden noch am Hafen in Empfang. Herzliche Begrüßung, ein paar Worte, und schließlich die letzten Kilometer auf wieder vertrautem Terrain. Gegenüber der Tankstelle nehme ich den Weg vorbei an Lagune und Hallenbad, rolle über San Franciscos Kirchplatz, sehe, dass dahinter eine Cinema-a-la-fresca, eine Filmvorführung unter freiem Himmel stattfindet, wie während der Saison für diesen Wochentag üblich, dann folgen im Licht des Scheinwerfers die Natursteinmauern rechts und links des schmalen Weges Richtung Es-Mal-Pas, wo das von Nick und Judith geliehene Quad bereits vor dem Ferienhaus steht.
Bis Mitternacht sitzen wir noch auf der Terrasse, dann endet auch der letzte Reisetag. Mir bleiben noch gut zwei Wochen, um mich wieder an die Sesshaftigkeit zu gewöhnen, die Eindrücke und Erlebnisse sacken zu lassen und mich darauf zu freuen, Ute ein paar Tage später in die Arme zu schließen, bevor es schließlich mit dem Flugzeug zurück nach Köln gehen sollte.



Bericht zurück
2015-09-21
Seitenanfang
2015-09-22



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit ist eine Veranstaltung geplant, die Liste unter Vorträge, in der Sie Details zum Wann, Wo und Worüber finden, wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung.
Ich freue mich über Ihren Besuch und bin gespannt darauf, Sie kennen zu lernen!




Werbung in eigener Sache

Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!