Reisetagebuch

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Bilder

2016-05-01

01. Tag: 114 Kilometer; 575 Höhenmeter; 342 Meter max. Höhe
Strecke: Köln (10:15 Uhr) – Dortmund (19:00 Uhr)
Wetter: vormittags bewölkt, ab Mittag sonnig, 16°

Um 10:00 Uhr sollte es losgehen, als die Räder rollen, ist es eine Viertelstunde später. Das Verzurren der Taschen, anbringen des losen Geraffels wie Zelt in Rollbeutel in LKW-Plane, Ersatzreifen, Trinkflaschen, Proviantbeutel und Fahrradschloss erfordert noch ein wenig Übung. Ob das Verabschiedungskomitee bestehend aus Harald, einem Nachbarn, und Gabi, einer Freundin von Ute, meiner Frau, sich langweilt? Ich hoffe, nicht all zu sehr. Zumindest bekommen sie ja etwas geboten. Sieht vielleicht für sie so ähnlich aus wie eine neue Folge von Mister Bean. Doch was soll's. Am Ende zählt das Ergebnis. Was mich weniger begeistert? Das Navi verweigert mir die Karte. Sehe nur den Rhein – aber keine Straßen. Sieht aus wie die Basiskarte, mit den Autobahnen und größeren Schnellstraßen. Dabei bilde ich mir ein, so sorgfältig gewesen zu sein, beim Kopieren der Karten. Waren schließlich zwei. Festland Europa entlang der Routen in Deutschland, Dänemark und Spanien sowie Island. Zwischenzeitlich Umbenennen der Islandkarte, damit die von der Festland Europa nicht überschrieben wird – eigentlich kein großes Potential für Fehlgriffe. Aber irgendetwas will nicht so richtig. Egal. Erst mal Loskommen. Bis Leverkusen finde ich auch ohne elektronische Hilfe. Durch Opladen hindurch wäre es dann aber schon sinnig, auch Straßen zu sehen.
Während Harald vor der Haustür Lebewohl sagt, geleitet mich Gabi noch den Rhein entlang bis Porz, dann habe ich nur noch Ute an meiner Seite. Sie will im Tanzbrunnen, halbwegs gegenüber des Doms, einen Blumenmarkt besuchen. Der Abschied von ihr fällt schon schwerer. War zwar alles absehbar, ist dann aber doch ein komisches Gefühl, sie für drei Monate allein zurück zu lassen. Noch eine kräftige Umarmung, ein Abschiedskuss und noch einer, dann aber los. Und hinter der nächsten Kurve kurz anhalten und schauen, ob ich das Navi nicht doch dazu bewegen kann, mir Straßen und Wege nicht länger vorzuenthalten. Habe Glück. Es klappt. Einmal die Speicherkarte kurz raus und wieder rein – hatte wohl ein Kontaktproblem. War schon froh, dass sich mit der neuen Halterung am Rad das Gerät nicht nach jeder kleinen Erschütterung von selbst ausschaltete. Bislang war das nie ein Thema gewesen. Da ruhte die Elektronik auf dem Deckel der Lenkertasche. Die fehlt aber nun. Und jetzt noch Softwareprobleme? Nein Danke!
Von der Zoobrücke aus auf den Auenweg, ab Mühlheim noch ein Stück den Rhein entlang, das Bayer Gelände umfahren, in Leverkusen vorbei am Topos, der Musikkneipe, in der nach dem Tanz in den Mai gerade wieder klar Schiff gemacht wird. Kurzes Hallo zur Dame des Hauses, wobei ich meine Zweifel habe, ob sie mich auf die Schnelle einordnen kann. Formentera ist das verbindende Element, aber sie sieht wahrscheinlich mehr Gesichter als ich. Dass ich auf dem Weg nach Opladen ausgebremst werde? Unwesentlich. Ein Volkslauf. Viele der Jogger scheinen schon nicht mehr viel mit zu bekommen, was um sie herum passiert. Nur noch Laufen. Und Atmen. Wird es mir in ein paar Stunden ebenso ergehen? Nur dass ich pedaliere, anstatt die Füße nacheinander auf den Boden zu setzen? Vermag es noch nicht zu beurteilen. Erst einmal Kurbeln und noch registrieren, was im Blickfeld liegt. Oder hinter mir, wenn ich in einen der Spiegel schaue.
Nach einigen Straßenzügen dann der Beginn der Balkantrasse. So langsam wird es warm. Der Himmel ist blau, die langärmelige Jacke eindeutig zu dick. Also runter mit dem Ding und Weste an. Luftiger rollt es sich anschließend über den Asphalt der einstigen Bahntrasse. Der Abschnitt bis Burscheid ist mir noch noch nicht bekannt, dann folgt bekanntes Terrain. Gut, vertraut ist etwas anderes, aber zwei Mal war ich die Strecke bereits gefahren. Einmal mit dem Treckingbike, das andere Mal mit dem Liegedreirad. Mit dem Gepäck hinter mir wird es jedoch nicht einfacher. Runter ja, aber bei Anstiegen hat die Ausrüstung das Bestreben, mich dorthin zurück zu ziehen, wo ich gerade her komme. Im Remscheid überlege ich kurz, an der Eisbude auf der Straßenkreuzung eine kurze Pause einzulegen, verwerfe den Gedanken aber ebenso schnell. Soll ja eine Low-Budget Tour werden. Also lieber die nächste Bank in ruhigerer Umgebung abwarten, und eines der Brötchen einverleiben. Die nächste Bank liegt aber zu sehr im Schatten, die übernächste ist bereits belegt, und so zieht sich nicht nur die Strecke, sondern auch das Gefühl im Bewegungsapparat. Schließlich dann aber doch ein sonniges Plätzchen, sogar noch bevor
ein Krampf einsetzt.
Wie schon zweimal bewundert dann das Stück nach Wuppertal. Gerade noch in Remscheid ein hässliches Gewerbegebiet, und kaum ist man durch einen Tunnel, steht ein Schild „Naturschutzgebiet“ am Wegesrand, das seinem Namen alle Ehre macht. Auf abschüssiger Piste lässt sich das Tal genießen, in dem man von der nur unweit verlaufenden Autobahn nicht mitbekommt, stattdessen ein Bach plätschert und die Vögel zwitschern. Oberbarmen ist das abermals Kontrastprogramm. Nicht deutlich attraktiver als das Remscheider Gewerbegebiet, dazu jedoch mehr Verkehr. Zum Glück ist es nicht weit bis zur nächsten stillgelegten Bahntrasse, auf der sich bei dem schönen Wetter zahlreiche Spaziergänger, Inline-Skater und andere Radler tummeln. Fast schon Volksfeststimmung. Hier und da wird gepicknikt, gegrillt – wieder andere schaffen es dem Anschein nach sogar erfolgreich, sich zu entspannen. Dösen in der Sonne. Auf sanften Anstiegen geht es den nächsten Hügel empor, Strecke statt Steigung, es geht ein paar hundert Meter durch den Schee-Tunnel, dann heißt es: runter von der Nordbahntrasse, rauf auf die nächste, deren Name mir nicht bekannt ist, Richtung Witten. Ganz bis dorthin klappt es zwar nicht auf alten Schienenwegen, einige Kilometer Landstraße schließen sich an, und die Beine werden so langsam lang und länger. Dass es in Witten von der Ruhr aus zunächst wieder ein Stück aufwärts geht macht die Sache nicht leichter, dann geht es über den Rheinischen Esel weiter. Wieder ein Stück Bahntrasse. Auf Dortmunder Stadtgebiet verdrängen schließlich Erinnerungen an die Jugend die müden Knochen, als das Froschloch auf dem Weg liegt. Was es zum Natur Freibad macht, weiß ich nicht, der Hügel die Löttringhauser Straße hinauf bringt mich aber auch rasch wieder auf vorherige Gedanken zurück, und viel weiter weg hätte das letztendliche Ziel der ersten Tagesetappe dann auch nicht liegen dürfen – die Wohnung meiner Eltern. Die beiden erwarten mich ebenso wie Jens, mein Bruder. Ich brauche mich gar nicht großartig bemerkbar zu machen, da stehen sie schon auf dem Balkon und heißen mich Willkommen. Ob ich derartig aus dem letzten Loch pfeife? Abermals keine Ahnung. Will nur noch zügig das Gepäck rüber reichen, genieße Dusche, Abendessen sowie Kaltgetränke. Statt Tagebuchschreiben wird noch ein wenig in trauter Runde gequatscht und noch vor Mitternacht, ohne, dass wir dem Kölner Tatort Duo bei der Arbeit zugeschaut hätten, endet der erste Reisetag. Anstrengend, aber mit erreichtem Ziel.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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