Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-04

35. Tag: 61 Kilometer (Gesamt: 2431); 412 Höhenmeter; 374 Meter max. Höhe
Strecke: Selfoss (10:00 Uhr) – Reykjavík (16:30 Uhr)
Wetter: leicht bewölkt, 15°, 4 Bft. S

Mit der fünften Woche endet ein Tag der Gegensätze. Raus aus der Natur, rein in die Zivilisation. Nicht ganz frei von Zwischenfällen. Es beginnt damit, dass der Verkehr auf der Straße immer weiter zunimmt. Trotz Samstag. Oder gerade deshalb? Zieht es viele Einheimische weg von Zuhause, hinaus aus der Metropole?
Sorgte am Vortag eine Horde Pferde für eine Aneinanderreihung von Fahrzeugen, so sind es an diesem Tag ein Polizei- und ein Abschleppwagen am Straßenrand, die die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Grund des Einsatzes ist ein PKW, der in einem Bach neben der Straße liegt. Auf der Beifahrerseite liegend. Sieht aus, als sei er dort entsorgt worden; die Fahrertür liegt nahezu bündig in Höhe der Grasnarbe.
Als nächstes folgt eine Hinweistafel zu den Westmännerinseln. Neben dieser eine Vielzahl weißer Kreuze. Ob es einen Zusammenhang gibt, geht aus der Beschreibung nicht hervor. Ich kann nur mutmaßen, dass die Zahl der Opfer eines Vulkanausbruchs 1973 symbolisiert werden soll. Circa 400 Häuser wurden seinerzeit von Lava und Asche begraben, über Menschenleben lässt man sich nicht aus und ein Schild in Landessprache an einem Gedenkstein erschließt sich mir nicht.
12 Kilometer hinter Selfoss liegt der Ort Hveragerði auf meiner Route. An sich nichts Großartiges, wären da nicht die Gewächshäuser, die Island mit Obst und Gemüse versorgen sowie die erste heiße Quelle, die am Wegesrand liegt. Ich nehme sie aber erst wahr, als ich den gut zwei Mola hohen Hügel empor strample, der die hinter mir liegende Ebene von Reykjavík trennt. Die beiden Richtungsfahrbahnen sind durch Stahlseile voneinander getrennt. Der Seitenstreifen, der mich zum zügiger vorbeifließenden Verkehr auf Distanz hält, ist gesät mit allerlei Kleinteilen, die mich um meine Reifen bangen lässt. Schrauben, Nieten, Kiesel, Scherben – das volle Programm, und davon reichlich. Dass meine Bedenken nicht ganz unbegründet sind, beweist ein Wagen in Gegenrichtung, der ebenfalls auf dem Seitenstreifen unterwegs ist. Ein Rad läuft auf der Felge. Den Reifen hat es erwischt. Bergab ist die Spur, auf der ich mich hoch mühte, nicht mehr breit genug für meinen Dreispurer. Dazu kommt, dass ein Streifen im Asphalt die Fahrer wachrütteln soll, die dem ihnen zugedachten Platz zu entweichen drohen. Alle Hand breit folgt eine ebenso breite Vertiefung in der Fahrbahn, die beim Befahren das Fahrzeug erschüttert. Als ich dem mir folgenden Verkehr auf abschüssiger Piste Platz machen will, haben die Vibrationen zur Folge, dass auch ein Teil meines Vehikels sich am Straßenrand wiederfindet. Der rechte Spiegel samt Halterung verabschiedet sich plötzlich. Nachdem das Teil wieder eingesammelt ist stelle ich fest, dass es eine Schraube zerlegt hat. Sauber abgerissen. Nichts, was das Vorankommen in Frage stellt, aber irgendwie habe ich mich daran gewöhnt, das Geschehen hinter mir sowohl links wie rechts im Auge behalten zu können. Nun denn, verschwindet der Spiegel zunächst in einer der Taschen.
Ebenfalls noch auf der Talfahrt die nächsten dampfenden Erdlöcher. An einem mache ich halt. In einer Pfütze daneben blubbert es, ein nicht weit entfernter Wiesenbach führt Hand warmes Wasser. Weiter abseits verlaufen dicke Rohre, die die Erdwärme in die Hauptstadt Islands leiten.
Kaum kehre ich von meinem Abstecher von der 1 auf diese zurück, werde ich von einer Gruppe Rennradler überholt. Gejohle. Auf der Strecke mit Gefälle kann ich noch mit ihnen mithalten, als es wieder leicht aufwärts geht, lassen sie mich stehen. Schade, wäre ihnen gerne auf hoffentlich weniger verkehrsreicher Piste in die Stadt gefolgt. Zum Glück stelle ich jedoch fest, dass sich die Abende lange Vorbereitung für den Weg in die Inselmetropole gelohnt hat. Über Radwege gelange ich schön durchs Grüne immer weiter gen Zentrum, weiche aber schließlich von der Route ab, nachdem ich in Erfahrung bringen konnte, wo ich nach 14:00 Uhr noch ein geöffnetes Radgeschäft finden kann, das mir mit dem Spiegel weiterhilft. Einer der Schrauber zeigt sich kooperativ, gibt sein Bestes, ich hingegen nutze die Zwangspause, um den festen Sitz von Schrauben sowie den Luftdruck zu überprüfen. Dabei stelle ich fest, dass der Reifen, den ich in Dänemark flicken musste, Luft verloren hat. Ein genauerer Blick auf den Mantel ergibt: da steckt ein Fremdkörper in der Lauffläche. Ein Stein. Also Luft raus, Mantel abziehen, Eindringling entfernen und den Schlauch unter die Lupe nehmen. Dumm nur, dass bei dem nichts zu finden ist. Bin bereits gespannt, wann ich das Prozedere wiederholen kann. Zwischenzeitlich meldet der Zweiradmechaniker hingegen Erfolg. Erklärt mir, er habe improvisiert, solle aber halten. Nun ja, man wird sehen, ob die 20 Euro, die er mir in Rechnung stellt, die Sache wert sind oder ob es eine Anerkennungsprämie für die schnelle und unkomplizierte Hilfe bleibt.
Zwischenzeitlich haben sich die Zeiger der Uhr auf 16:00 Uhr fortbewegt. Entsprechend wird die vage geplante Stadtrundfahrt vertagt, der nächste Supermarkt angesteuert und dann der Campingplatz. Trotz 10 Prozent Nachlass für Radler sprengt er mit 1800 ISK das Preisniveau der letzten Tage, doch man kann es sich leisten: Zeltwiese wie Parkplätze sind gut gefüllt.
Nach Zeltaufbau, Plauderei mit einem Radler, der zusammen mit mir auf der Fähre war und Dusche drehe ich noch eine erste Runde in das Zentrum. Gönne mir eine Mahlzeit in einem Restaurant, wird zwar nur ein Burger mit Fritten, dann folgt ein Bummel über die Flaniermeile der Stadt. Schwer was los, auch wenn ich keine Kneipe finde, in der Live Musik geboten wird. Mein erster Eindruck: man gibt sich selbstbewusst, weicht vom Mainstream ab. Insgesamt aber ein krasser Gegensatz zu den Tagen zuvor. Um den Kulturschock in Grenzen zu halten, werde ich wohl um eine Übernachtung verlängern und erst am Montag wieder raus in das Island, an dem mir an sich mehr gelegen ist. Andere deutsche Radler, die kurz vor ihrer Abreise stehen, sowie der Finne, der mit mir anreiste, jedoch über den Norden hierher fand, machten mir Appetit auf das, was es noch zu sehen gibt. Was die Deutsche vom Vortag hingegen an Reykjavík so schrecklich fand, kann ich bislang nicht nachvollziehen. Vielleicht hätte sie nicht den Hauptverkehrsadern folgen sollen.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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