Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-07

38. Tag: 87 Kilometer (Gesamt: 2623); 584 Höhenmeter; 226 Meter max. Höhe
Strecke: Sjávarfoss (09:45 Uhr) – Brúarfoss (18:45 Uhr)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, 15°, 3 Bft. W

Die Nacht auf meinem Wildcampingplatz verbringe ich ruhig. Zwar bilde ich mir Morgens ein, krudes Durcheinander geträumt zu haben, wenn ich jedoch vom Wecker wach werden muss, kann es so schlimm nicht gewesen sein. Das Wetter knüpft zunächst nahtlos an dem des Vortags an. Meine Tasse Müsli löffel ich in der Sonne leer. Bevor ich die noch gut 20 Kilometer um den Fjord unter die Räder nehme, werfe ich jedoch einen Blick auf den Wasserfall, der in gut 500 Meter Entfernung meines Schlafplatzes die ersten Besucher anlockt. Liegt direkt an der Straße, trotzdem kann der geneigte Besucher über einen Trampelpfad näher heran. Und ich zähle mich dazu. Anschließend wartet Wellblechpiste auf mich. Zunächst die weit gestreckte. 50 Meter rauf, 50 Meter runter. Wie oft? Keine Ahnung – ich zähle es nicht. Einige Male. Den Aufzeichnungen des GPS-Gerätes entnehme ich später zumindest, dass der vorletzte Hügel 60 Meter hatte, der letzte 90. Dort, an einer Tankstelle, kurz bevor ich auf die Schotterpiste abbiege, begegne ich Christine. Christine ist Isländerin, lebt in Reykjavík und ist ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Als ich vorfahre ist sie im Begriff aufzubrechen, bleibt dann aber stehen. Rote Haare schauen unter Helm und Stirnband hervor, mit ihren leuchtend blauen Augen strahlt sie mich an. Ich strahle zurück. Dem Hej folgt die Feststellung, dass mein Gefährt im Moment genau das Richtige für sie sei. Sie stehe kurz davor, eine Runde um die Insel gegen den Uhrzeigersinn zu beenden, bereits seit Tagen nerven sie aber taube Fingerspitzen. Auch wenn es weder ihr noch mir hilft, es ist Balsam für meine Seele. Ich stehe also nicht allein da mit diesem Problem. Ja, darüber muss ich mich nun nicht mehr beklagen, entgegne ich ihr, und eine Unterhaltung nimmt ihren Lauf, die länger dauert als manch andere. Eine halbe Stunde verbringen wir plaudernd vor der Tankstelle. Häufig über die Karte der Insel geneigt, wo mir Christine zeigt, welche Wege ich einschlagen und welche ich meiden sollte. Sie ist nicht zum ersten Mal unterwegs, radelte auch schon den Jakobsweg und verbrachte einige Zeit auf Ibiza, wo sie Touristen auf Tagesausflüge nach Formentera begleitete. Und Köln kenne sie auch. Da hat sie eine Freundin. Beim Radio arbeitet die. Sieh an – der WDR lässt grüßen. Für die Verabschiedung benötigen wir einen zweiten Anlauf, dann tritt sie in die Pedale, ich in den Verkaufsraum der Tanke. Eine Limo sollte es werden, als ich auf der Theke den Kuchen sehe, kommt noch ein Stück mit Blaubeeren hinzu. Das ganze für den Preis einer Übernachtung auf einem durchschnittlichen Campingplatz des Landes. 10 Euro. Nicht schlecht. Nun denn, dafür habe ich am vorherigen Tag nicht eine Krone ausgegeben.
Auf der anschließenden Schotterpiste, Christine bestätigte diesbezüglich meine Überlegungen des Vortages, sind die Kalorien schnell wieder verbraucht. Der erste Anstieg bringt 100 Höhenmeter mit sich, ein zweiter, 10 Kilometer weiter, alles auf Wellblechpiste im Maßstab 1:1, zusätzliche 150 Höhenmeter. Bei Steigungen mit über 10 Prozent kapituliere ich schließlich, steige ab und stelle fest, dass Schieben schneller und weniger Kräfte zehrend ist. Auch wenn es mir gegen die Radlerehre geht – ich muss bei nächster Gelegenheit versuchen, eher daran zu denken. Gerade in den nächsten Tagen sollten noch genug derartige Abschnitte auf mich zukommen.
Borgarnes erreiche ich mit einer Stunde Verspätung. Bereits 20 Kilometer Schotterpiste haben meine Kalkulation mit 10 km/h zunichte gemacht. 15:00 Uhr hätte es werden sollen, 16:00 Uhr wird es. An sich noch zu früh für den Campingplatz, außerdem ist es mein Ziel, noch wenigstens 20 weitere Kilometer zurück zu legen. Dann sollte am nächsten Tag Stykkishólmur erreichbar sein, von wo aus ich mit einer Fähre rüber zu den Westfjorden übersetzen will. Da ich den Fährplan nicht kenne, wäre mir eine Ankunft am Vorabend nur recht. Problematisch wird es hingegen mit einem Platz für die Nacht. Entlang der Straße sind alle Grundstücke eingezäunt, ein Campingplatz weit entfernt, und auf Wasser für eine Dusche möchte ich nicht verzichten. An einem Wasserfall werde ich fündig. Davor knickt eine Straße ab, ein Haus nur wenige Meter entfernt. Ich klopfe an und frage, ob ich mein Zelt auf einer Wiese aufstellen dürfe und man mir mit Wasser weiterhelfen könne. Beides kein Problem. Während ich dann darauf warte, dass ich meinen Wasserbeutel mit Duschaufsatz gefüllt zurück erhalte, lasse ich mich von dem herbeigeeilten Hund erweichen und werfe sein Stöckchen, das er mir unverzüglich vor die Füße zurück legt. So witzig das ist, so wenig versteht das Tier anschließend, dass ich nun nicht mehr spielen sondern Zelt aufbauen mag. Dauert seine Zeit, dann zieht der Vierbeiner enttäuscht von dannen.
Darüber hinaus bleibt mir eine weitere Feststellung nicht erspart: zwei Liter Limo aus dem Supermarkt sind zwar nicht leicht auf dem voll gepackten Rad zu transportieren, dennoch aber bleibt Durst, als die Flasche längst geleert ist.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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