Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-10

41. Tag: 0 Kilometer (Gesamt: 2755); 0 Höhenmeter; 0 Meter max. Höhe
Strecke: Patreksfjörður – Látrabjarg – Rauðasandur – Patreksfjörður
Wetter: bewölkt, 12°, 2 Bft. NO

Wie viele Kilometer ich diesen Tag zurück gelegt habe? Das Navi meint 156. Wie verlässlich die Angabe ist? Schwer zu sagen. Schaue ich mir die Aufzeichnung an, so enthält sie einige Sprünge. Komisch – dabei war das Gerät die ganze Zeit an der gleichen Stelle in der Jackentasche. Tut aber auch nicht viel zur Sache. Das Rad bleibt den ganzen Tag über unbewegt, die Muskeln, die es vorantreiben, weitestgehend ebenso.
Als ich am Morgen aufstehe, habe ich noch keine Ahnung, wie ich den Tag verbringe. Nach Látrabjarg soll es gehen, soviel steht fest. Eine Anfrage bei der Rezeptionistin des Campingplatzes, was mich der Spaß mit dem Bus kosten soll, wirft Zweifel auf. 20.000 ISK. 140 Euro. Und mindestens eine zweite Person müsste mitziehen. Der Preis versteht sich je Teilnehmer. Dankend gebe ich zu verstehen, dass das Interesse damit erloschen ist. Die Fahrt mit dem Rad scheidet für mich gleichfalls aus. Islands Radlerkarte verzeichnet einige knackige Steigungen, zudem ist kein Rundkurs möglich, was das Unterfangen nicht attraktiver macht. Zu guter Letzt würde mich der Spaß locker zwei Tage kosten. Bleibt an sich nur eine Alternative, die nicht ganz aussichtslos klingt: Hitch-Hiking, Trampen.
Mit gelber Warnweste an, Rucksack mit Tagesproviant auf den Schultern und, entsprechend der Tipps eines englisch/schottischen Pärchens, den Fahrradhelm in den Händen begebe ich mich auf die Straße. Bereits eines der ersten Autos, die vorbei kommen, stoppt, man fährt aber in die falsche Richtung. Laufe ein Stück weiter. Hinter der nächsten Kreuzung hält der nächste Wagen. Am Steuer eine junge Dame. Waliserin. Die Richtung passt, das Fahrtziel nicht. Macht aber nichts, bringt mich immerhin schon mal ein Stück weiter. Das Mädel könnte vom Alter her meine Tochter sein. Ihr mp3-Player versorgt das Autoradio mit Musik aus der Konserve und ich erfahre, dass dies bereits ihr zweiter Island Urlaub ist. Sie übernachtet in Hostels, klappert mit dem Leihwagen Sehenswürdigkeiten ab und empfindet die Kosten für Unterkunft und Verpflegung gar nicht so hoch wie ich. Liegt aber daran, dass England diesbezüglich auch nicht gerade günstig für Deutsche ist. Über Schotter dahin rumpelnd erfahre ich zudem, dass die Piste, auf der es für mich aus eigener Kraft weiter gehen soll, „four times worse“, also viermal schlimmer sein soll. Stimmt mich bedenklich, deckt sich die Aussage immerhin mit dem, was ich bereits am Vorabend aufschnappte. Zunächst einmal liegen aber noch gute 40 Kilometer Asphalt sowie etwa 900 Höhenmeter vor mir, auf denen ich mir etwas einfallen lassen kann, wie ich die Strecke bis Þingeyri bewältige. Einstweilen endet die Mitnahme für mich jedoch vor einer Weggabelung. Die junge Frau aus Wales zieht es weiter den Fjord entlang, mich die nächsten Hügel empor, zu Klippen über dem Atlantik.
Ich brauche jedoch nicht lange zu gehen, da hält jemand, der das gleiche Ziel hat wie ich. Eine Berlinerin in meinem Alter. Petra. Seit einem Tag erst ist sie auf der Insel, zwei Wochen lang soll sie dauern, ihre Island Premiere, und sie will sie auch sehen, die Puffins. Der erste Versuch bei einem Aufenthalt auf der Insel Flatey am Vortag war nicht gerade von Erfolg gekrönt. Sie setzte mit der gleichen Fähre über wie ich, verbrachte dann aber die Zeit bis zur Nachmittagsfähre auf dem Eiland, wo Felsen, auf denen die Vögel nisten, für Besucher gesperrt waren. Auf der Steilküste von Látrabjarg haben wir mehr Glück. Die Papageientaucher sind überhaupt nicht scheu, bis auf knappe zwei Meter kommt man an sie heran, darüber hinaus nisten in den Klippen Möwen sowie andere Vogelarten.
Nach ausgiebiger Fotosession begeben wir uns auf den Rückweg, brechen einen Abstecher zu einem Keflavík ab, das nichts mit dem Flughafen zu tun hat. Der Kleinwagen ist für die Piste ungeeignet. Die Holperstrecke bei nächster Gelegenheit ist befahrbarer. Auch hier hätte ich mit dem Rad meine Probleme, es geht steil rauf und runter, doch motorisiert gerät niemand ins Schwitzen. Landschaftlich ist die Strecke mal wieder äußerst reizvoll, erfordert aber Konzentration. Wasserfälle, Sturzbäche und Täler, bis die Straße an einem 10 Kilometer langen und recht breiten Sandstrand ausläuft. Je nach Gezeiten sollen sich interessante Wasserläufe bilden, so die Hinweise der Dame auf dem Campingplatz, die den Weg hierher empfohlen hatte. Bei grauem Himmel und begrenzter Sicht bedarf es jedoch einer Portion Fantasie, um sich die malerischen Bilder vorzustellen. Nichtsdestotrotz laufen wir ein wenig Richtung Strand, werden zwischenzeitlich von Seevögeln attackiert, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen. Weniger als eine Hand breit fliegen die Tiere über unsere Köpfe hinweg, berühren uns aber ebenso wenig wie sie etwas auf uns klecksen lassen. Letztendlich liegt mein Campingplatz auf Petras Rückweg zu ihrer Unterkunft, ich bedanke mich mit einem Kaffee für das Mitnehmen und die nette Unterhaltung, während der ich viel über andere Reiseziele sowie das Tauchen erfahre. Natürlich ist auch Formentera Thema unserer Plauderei, und wie es der Zufall will, ist auch ihr das Endziel meiner Tour nicht fremd. Petra lebte vor über zwanzig Jahren neun Monate lang mit ihrem damals einjährigen Sohn dort, und so tauchen plötzlich Strände wie Illetas, Llevante und Migjorn auf Island auf – wenn auch nur vor dem geistigen Auge. Bei dem nasskalten Wetter aber durchaus nicht unangenehm, was den Reiz Islands jedoch in keinster Weise schmälern soll.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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