Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-11

42. Tag: 38 Kilometer (Gesamt: 2793); 836 Höhenmeter; 506 Meter max. Höhe
Strecke: Patreksfjörður (09:45) – Bíldudalur (15:30)
Wetter: bewölkt, 12°, 1 Bft. O

In meiner noch nicht ausgelesenen Reiselektüre „Laufen, Essen, Schlafen“, in der Christine
Thürmer von ihren Erlebnissen auf amerikanischen Langstreckenwanderwegen berichtet, heißt es immer wieder „the trail provides you“ - der Weg unterstützt dich. Ließe sich für diesen Tag auch auf Island münzen, obwohl zunächst alles ganz unverfänglich startet.
Der Wecker geht um 07:00 Uhr, noch immer nieselt es, auf dem Campingplatz sowie drum herum herrscht friedliche Stille. Einzig die Fliegen, die es in Augen, Ohren, Nase und sonst wohin treibt, wo sich Schleimhäute befinden, nerven. Das morgendliche Programm ist in gewohnter Zeit absolviert, gut zweieinhalb Stunden später rollen die Räder nach einem Tag Stillstand wieder. Bereits nach wenigen hundert Metern nicht mehr gar so schnell. Zehn Kilometern stehen 369 Meter Anstieg bevor, zwei Molas, neun Prozent Steigung. Das Gefälle ist auch direkt auf einem Schild neben der Straße vermerkt: 12 Prozent. Eine Stunde lang bin ich mit durchschnittlich 6 km/h unterwegs, danach die gleiche Strecke in einem Fünftel der Zeit. Höchstgeschwindigkeit dabei: leicht über 50 km/h, mit den bereits bekannten Begleiterscheinungen, dass die Talfahrt fast Zähne klappernd endet. Der frische Fahrtwind und die Schweiß gebadete Kleidung vertragen sich nicht so richtig. Dazu kommt, dass ich das, was am Wegesrand liegt, nur beiläufig wahrnehme. Die Geschwindigkeit erfordert die volle Konzentration auf das Lenken und Bremsen.
Nach 16 Kilometern dann erst einmal Durchatmen. Auch wenn mich der Abstecher drei Kilometer von der Route abbringt, ich lege einen kurzen Stopp in Tálknafjöður ein. Auch wenn der Reiseführer auf dem gegenüber liegenden Fjordufer Reste einer Walfangstation anpreist, sonderlich sehenswert ist für meinen Geschmack nichts. Bestenfalls mal wieder die moderne Kirche, die auf einer kleinen Anhöhe errichtet ist. Zweckdienlich hingegen der kleine Supermarkt an der Tankstelle. Preislich zwar wieder einmal deutlich über dem der Konkurrenz in besiedelteren Regionen, trotzdem aber für ein Zweitfrühstück nach dem Kraftakt über den ersten Hügel gut. Die Kalorien sind gerade zugeführt und ich bin dabei aufzubrechen, da rollen bekannte Gesichter heran. Sandy und Caroline. Das englisch/schottische Pärchen, das mir am ersten Abend in Patreksfjörður den Ausflug nach Látrabjarg nahe legte. Ich berichte ihnen von der Umsetzung und danke nochmals für den Tipp, dann eile ich ihnen voraus. Die beiden wollen noch einen Kaffee trinken, haben aber ansonsten das gleiche Tagesziel wie ich: den keine zwanzig Kilometer entfernten Campingplatz von Bíldudalur. Dass er nicht in gut einer Stunde erreicht ist, dafür sorgt der nächste Pass. Diesmal 500 Meter hoch gelegen, abermals mit abschnittweise neun Prozent Steigung. Für die Hälfte der Strecke sind es diesmal zwei Stunden, die ich benötige. Zwischenzeitlich sehe ich meine Gefolgsleute aus UK weiter unten in den Serpentinen, dann verlieren sie sich wieder aus dem Blickfeld. Am Scheitelpunkt angekommen beschließe ich, das Eintreffen des Pärchens abzuwarten. Die Dreiviertelstunde nutze ich für einen Griff in den Proviantbeutel sowie ein Gespräch mit Ute. Zusammen mit Gabi, einer Freundin, ist sie seit einem Tag ebenfalls mit dem Rad unterwegs. Von Bamberg nach München. Als ich sie erreiche, ist ihr Tagesziel bereits erreicht – Nürnberg. Bevor steht ein Stadtbummel. Die wesentlichsten Neuigkeiten sind ausgetauscht, da trudeln die ein, deren halber ich mit der Abfahrt wartete. Man schiebt. Im Entgegenkommen gratuliere ich – sie haben es geschafft! Höher geht es nicht mehr. Die Begeisterung hält sich jedoch in Grenzen. Ein Platten ist zu beklagen. Und damit es nicht zu einfach ist: der Mantel von Carolines Hinterrad ist direkt mit hinüber. Ein Riss in der Flanke. Letztendlich ist sie aber froh, den Schaden auf dem Weg Hügel aufwärts zu haben. Nicht auszudenken, welche Auswirkungen das auf der stark abschüssigen Piste zur Folge haben könnte. Da eine Reparatur ausschließlich mit Flickzeug ausscheidet, ein Ersatzmantel nicht zur Verfügung steht, überlegen wir, was getan werden kann. Wir einigen uns darauf, dass ich vorfahre, nach Bíldudalur, versuche, Hilfe zu organisieren, dann werden Telefonnummern getauscht und ich mache mich auf den Weg. Abermals ist die Talfahrt kein Vergnügen, zieht sich diesmal aber länger. Zwischendurch ein Fotostopp, dann geht es mit heiß gebremster Bremsscheibe weiter.
Im Ort spreche ich den erstbesten an, der mir über den Weg läuft. Eine Frau, die denjenigen ansprechen will, der sich mit derlei Dingen auskennt. Außerdem solle ich im Geschäft des Ortes nachfragen. Dann steigt sie in ihren Wagen und fährt davon, ohne dass ich eine Gelegenheit hätte, ihr zu folgen oder mit ihr auszumachen, wie ich von ihr wieder erfahre. Im „Geschäft“, das aus ein paar Regalen im Restaurant besteht, erreiche ich mehr. Ein junges Pärchen macht sich unverzüglich auf den Weg, um zumindest Caroline schon einmal in das Dorf zu holen. Ein Radgeschäft gibt es nicht, wer mit Rat und Tat weiterhelfen könnte, weiß man auch nicht, und überhaupt – es ist Samstag Nachmittag, da haben die meisten Läden bereits geschlossen.
Als ich Sandy über den Teilerfolg informiere, ist er bereits ebenfalls talwärts unterwegs. Wenig später kommt er mir auf der Straße entgegen, will dann an den Ortsanfang zurück radeln und seine Frau dort erwarten. Da ich einstweilen nicht mehr für die beiden tun kann, schlage ich mein Zelt auf dem Campingplatz auf und begebe mich in das angegliederte Schwimmbad. Lasse dort einige Zeit im Hot-Pot vergehen, den ich für mich alleine habe. Einfach eine Weile da bis zum Hals im warmen Wasser zu sitzen ist herrlich. Vor mir liegt der Fjord, dahinter steigt die nächste gut 500 Meter hohe Felswand empor, darüber ziehen graue Wolken. Als ich mit meinen Klamotten unter dem Arm zurück zum Zelt gehe, sind Sandy und Caroline gerade dabei, sich auf der Wiese breit zu machen. Freude strahlend winken sie mir mit einem Reifen entgegen. Bei ihnen angekommen bedanken sie sich für die eingeleitete „Rettungsaktion“ und berichten, wie sie in den Besitz eines neuen Mantels gelangt sind. Per Internet kamen sie nicht weiter, dann gab es im Restaurant aber jemanden, der jemanden kannte, der einen anderen kannte, und der konnte gerade einen passenden Reifen günstig überlassen. Nach dem Essen werden unter freiem Himmel noch reichlich Anekdoten ausgetauscht und wir sind uns einig – irgendwie geht es meistens immer weiter. Und wenn es mit dem Reifen auf die Schnelle nicht geklappt hätte, dann wäre man noch eine Weile hier geblieben, wäre gewandert, und früher oder später hätte auch ein Reifen den Weg nach Bíldudalur gefunden. Man lebt ja nicht ganz abgeschnitten von der Zivilisation. So aber bleibt die Feststellung, dass auch auf Island durchaus etwas dran ist an der Weisheit „the trail provides you“. Bleibt abzuwarten, wie er sich auf den vor uns liegenden Kilometern Richtung Dynjandifoss bewahrheitet, die nicht einfach sein sollen.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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