Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-12

43. Tag: 60 Kilometer (Gesamt: 2853); 849 Höhenmeter; 505 Meter max. Höhe
Strecke: Bíldudalur (10:45) – Dynjandifoss (18:30)
Wetter: sonnig, 10°, 5 Bft. O

Lange genug vor in die Hose gemacht, an diesem Tag unter die Räder genommen: der Weg nach Dynjandifoss. Aufgrund eines Schwätzchens mit Caroline und Sandy zieht es sich noch etwas hin, bis ich loskomme, doch die Zeit ist gut investiert. Zwei nette Weggefährten mit denen es Spaß macht, zu quatschen.
Auch wenn die beiden das gleiche Ziel haben – da sie aufgrund ihrer Reifenpanne am Vorabend zu spät für Dusche und Hot-Pot eingetroffen waren, werden die kleinen Annehmlichkeiten nachgeholt, außerdem sind sie sich noch unschlüssig, ob sie die Strecke in ein oder zwei Etappen zurücklegen. Ihre „normale“ Tagesdistanz liegt bei 30 bis 40 Meilen. An sich somit machbar, doch die bisherigen Wegbeschreibungen klangen beschwerlich bis abenteuerlich. Entsprechend starte ich, während die beiden sowohl ihr Frühstück als auch Zeltabbau und Taschen packen noch vor sich haben. Für den Fall der Fälle hinterlasse ich noch eine Visitenkarte. Sollte Köln mal eines Tages auf einer ihrer Routen liegen, so wäre es schön, ihnen erneut zu begegnen. Gleiches gilt anders herum, falls es mich ein weiteres Mal nach Schottland verschlägt. Sie wollen mir nach ihrer Reise eine E-Mail schicken.
Die ersten zehn Kilometer fahre ich noch auf Asphalt. Immer den Fjord entlang, bis zur Landebahn für kleinere Flugzeuge. Dann wechselt der Straßenbelag. Es wird holpriger, jedoch nicht so wild wie befürchtet. Ist es anfangs noch flach, so ändert sich dies nach 15 Kilometern. Zuvor aber werde ich abermals von Seeschwalben attackiert, die ich mit meiner Anwesenheit aufscheuche, dann liegt ein natürlicher Hot-Pot am Wegesrand – gespeist von einer warmen Quelle. Drei Leute sitzen in Badezeug zwischen den Steinen im Wasser, ich ziehe es vor, weiterzufahren. Nach einer Stunde Fahrt noch etwas früh für ein entspannendes Bad. Habe zudem den Eindruck, dass es ohnehin ein längerer Radeltag werden könnte. Eine Begegnung mit anderen Touristen ein paar hundert Meter weiter bestätigt dies. Nur noch ein Stückchen weiter eben, die Piste, dann geht es den Hang hinauf. Steil. Und windig sei es oben. Ich solle mir noch etwas überziehen.
Letzteren Hinweis ignoriere ich, in Bewegung hält sich die Kälte in Grenzen, ansonsten behalten sie recht. Die Schotterpiste führt bisweilen in einem Maße an, dass es mich aus dem Sitz zwingt. Mehr als einmal muss ich schieben. Mit den Schlaglöchern habe ich keine Probleme. Bei Geschwindigkeiten im Schneckentempo kann ich bequem ausweichen, was jedoch zur Folge hat, dass die vom Navi angezeigte Strecke, die noch vor mir liegt, sich nur äußerst schleichend dezimiert. Die Bedenken hinsichtlich matschiger Abschnitte, in denen ich einsacke, erweisen sich hingegen als gegenstandslos. Dem ersten Überschreiten von 500 Metern Höhe folgt eine kurze Talfahrt, dann will der nächste Pass überwunden werden. Auch dieser auf etwa gleicher Höhe. Bei den Abfahrten sehe ich zu, nicht schneller als 20 km/h zu werden. Bei dem Gerappel will ich dem Rad nicht zu viel zumuten.
Auf 300 Metern Höhe, etwa acht Kilometer vor meinem Ziel, werde ich noch langsamer. Die Landschaft lässt mich vergessen, dass ich Hunger habe und eigentlich kurz vor der Erschöpfung stehe. Schneefelder, Wasserfälle, Seen, Bäche – einmalig. Auch wenn ich mittlerweile einiges gesehen habe, mir stehen vor Rührung fast die Tränen in den Augen, kann mich gar nicht satt sehen von dem, was mich umgibt. Um keinen Preis möchte ich trotz aller Anstrengungen mit einem Platz im Auto tauschen. Die Ruhe, vom Plätschern des Wasser, gelegentlichem Vogelgezwitscher sowie dem Geflatter meines Wimpels im Wind abgesehen, die klare Luft – ich kann gar nicht verstehen, wie die wenigen Wagen, die unterwegs sind, hier vorbeifahren ohne zu stoppen. Liegt wahrscheinlich daran, dass im Reiseführer nur der Dynjandifoss, der Wasserfall, der sich über sieben Kaskaden ergießt, erwähnt ist. 300 Meter höher jedoch, dort, wo das Wasser herkommt, das anschließend tosend den Fels hinunter stürzt, ist es für meinen Geschmack nicht minder sehenswert – eher mehr.
Auf der Wiese zwischen Fjord und gepriesener Sehenswürdigkeit liegt mein Tagesziel. Ein Campingplatz. Dass er nicht bewirtschaftet ist, weder über Strom, warm Wasser noch Duschen verfügt, weiß ich zunächst nicht. Es existieren lediglich drei Toiletten sowie zwei Waschbecken zum Geschirr spülen. Im Gegenzug wird eine Spende von 200 ISK, 1,50 Euro, zur Nutzung erbeten; ein Kasten für das Geld hängt an der Wand.
Neben einem Österreicher bin ich der einzige Gast mit Zelt, und während von der Felskante unter strahlend blauem Himmel unermüdlich das Wasser nach unten donnert, sitze ich in der Abendsonne, vor mir der Fjord, Wind im Rücken, im Sitz meines Fahrzeugs, genieße einmal mehr mein Nudelfertiggericht aus der Tüte, telefoniere mit Ute und hämmere diese Buchstaben in die Tastatur, bis der strahlende Planet gegen 22:30 Uhr hinter einem der Gipfel untertaucht, ohne dass es dunkel wird, und fühle mich einfach nur unendlich glücklich und dankbar, derartiges erleben zu dürfen!



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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