Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-16

47. Tag: 40 Kilometer (Gesamt: 2969); 108 Höhenmeter; 38 Meter max. Höhe
Strecke: Bolungarvík (10:30) – Súðavík (16:00)
Wetter: stark bewölkt, regnerisch, 12°, 1 Bft. N

Als ich vor wenigen Tagen in Þingeyri auf Emma und Herbert traf und von den bisherigen Erlebnissen berichtete, entgegneten sie, dass es nicht Island sei, das ich da kennen lerne. So viele Tage hintereinander mit blauem Himmel und bislang kaum Regen, das passt nicht. Geht es danach, so lerne ich an diesem Donnerstag Island kennen. Und hätte es die vergangenen Tage nicht gegeben, ich wäre von meiner Unternehmung möglicherweise enttäuscht gewesen.
Als ich das Zelt aufschlage, ist es grau und verhangen. Sandy ist ebenfalls gerade aufgewacht und berichtet, dass bereits der Versuch, die Sonne zu nächtlicher Stunde kurz unter- und wenig später wieder aufgehen zu sehen, ein hoffnungsloses Unterfangen blieb. Schon zu dem Zeitpunkt hatte es sich zugezogen. Zwei Stunden später folgt der Abschied von den lieb gewonnenen Reisebegleitern. Caroline und Sandy wollen noch in den Hot-Pot nebenan, ich will zusehen, Kilometer zu machen, ein größerer Einkauf ist auch fällig.
Zunächst finde ich bei einer kurzen Runde im Ort jedoch einen Kramladen. Alles, was es im Supermarkt nicht zu kaufen gibt, findet man hier. Gartenbedarf, Autozubehör sowie Dinge, die des Heimwerkers Herz höher schlagen lassen. Letzteres kommt mir insofern entgegen, als dass ich noch immer auf der Suche nach einem Schraubenschlüssel bin, mit dem ich die Improvisationen am Rad selbst auf festen Sitz prüfen kann. Und seit der letzten Reparatur in Þingeyri ist eine weitere Größe hinzu gekommen. In den Regalen werde ich fündig, und mit dem Isländer hinter der Kasse stoße ich auf jemanden, der Gesprächsbedarf hat. Über Köln kommen wir auf Karneval zu sprechen, es folgen hiesige Feiertage, dann klingelt das Telefon und die Interessenlage ändert sich. Ein kurzer Termin außer Haus. Sollte ich aber noch etwas benötigen, er sei gleich wieder zurück.
Mir kommt die Unterbrechung entgegen, sehe auch keinen Grund, die Rückkehr des Mannes abzuwarten und radle den Weg, den wir am Vortag noch zu dritt fuhren, zurück nach Ísafjörður. Nach kurzem Halt am Freilichtmuseum, in dem man besichtigen kann, wie in der Vergangenheit Islands der Fischfang stattfand, folge ich erneut der Strecke parallel zum Tunnel, die dem Anschein nach aber nicht mehr gepflegt wird. Steine und Felsbrocken unterschiedlicher Größenordnung liegen im Weg, an einigen Stellen ist der Asphalt weg gebrochen – und es beginnt zu regnen. Nicht heftig, aber immerhin. Im erstbesten Supermarkt Ísafjörðurs ist mir das Wetter gleichgültig. Ich erstehe einige Kleinigkeiten, die es bei der preiswerteren Konkurrenz am anderen Ende des Ortes nicht gibt, ein, dann ist der Bäcker auf der anderen Straßenseite dran. Es ist nach über drei Wochen meine Premiere, einen derartigen Laden zu betreten, und ich ärgere mich, es nicht schon eher getan zu haben. Es gibt richtiges Brot. Nicht nur das, was im Supermarkt angeboten wird und, ich nenne es mal vorsichtig, formstabil angesehen werden kann. Drückt man es zusammen, so gibt es unverzüglich nach, um unmittelbar nach dem Einwirken der Kräfte das vorherige Erscheinungsbild anzunehmen. Geschmacklich verhält es sich analog zur Konsistenz: labbrig. Liebhaber von Esspappe werden es mögen, ich bevorzuge handfeste Varianten, die ich beim Fachhändler entdecke. Es beschränkt sich aber nicht nur darauf, an einem der Tische sitzt auch eine Radlerin, die mich anspricht. Der Helm auf dem Schädel und die Kamera um den Hals weisen mich anscheinend als einen halbwegs Gleichgesinnten aus. So stellt sich heraus, dass die junge Osnabrückerin in den Westfjorden etwa die gleiche Strecke gefahren ist wie ich und nun auf der Suche nach Informationen ist, wie es weitergeht. Ich zeige ihr die Radlerkarte des Landes, die kostenlos in der Touristeninformation oder an der Tankstelle erhältlich sein sollte und erfahre im Gegenzug einiges über eine Radtour im vergangenen Jahr durch Chile und Argentinien, die in Patagonien endete. Viel Gegenwind, noch üblerer Untergrund und selbst bergab sei bei 7 km/h Schluss gewesen.
Nachdem unsere Einkäufe verzehrt sind, trennen sich unsere Wege wieder. Ich will noch sehen, ob ich im Ort eine Ersatzspeiche bekomme, mittlerweile wohl wissend, dass ich keine zwingend benötige, da ich drei zur Reserve im Gepäck habe. Aber man kann ja nie wissen, was einem noch widerfährt. Anstatt auf der sicheren Seite zu bleiben stolpere ich im Radgeschäft Caroline und Sandy erneut über den Weg. Sie haben mehr Glück als ich, erstehen einen passenden Reifen für den Fall der Fälle auf den letzten Tagen ihrer Reise. Gemeinsam geht es anschließend zu einer Werkstatt im Ort weiter, bei der ich lediglich zwei selbstsichernde Kontermuttern für den Bolzen unter dem Sitz erstehe, während meine Begleiter den Reifendruck prüfen. Auch im zweiten Supermarkt stromern wir noch gemeinsam durch die Gänge, auf der Straße dann verlieren sich einstweilen unsere Wege. Sandy meint, ich solle nicht auf sie warten, irgendwo bin ich dann schneller, und auch wenn ich mittlerweile von einem weiter entfernt gelegenen Ziel Abstand genommen habe und den Campingplatz ansteuere, den die beiden ins Auge fassten, zumindest an diesem Tag sehe ich sie nicht wieder. So kommt es, dass ich bei zwischenzeitlich einsetzendem Dauerregen die Gelegenheit unter einem Unterstand nutze, die gebrochene Speiche an meinem Hinterrad zu ersetzen, womit ein kleines Drama seinen Lauf nimmt. Zunächst wehrt sich der Schlauch dagegen, über den Rand der Felge zu rutschen. Als nächstes stellt es sich mit dem Felgenband nicht anders da und schließlich kämpfe ich mit dem Speichennippel und der Hohlwand- oder Doppelkammerfelge oder wie man das Teil nennt. Einen Speichennippel bekomme ich letztendlich nicht mehr aus dem „doppelten Boden“ heraus, in den er entglitt, mit einem weiteren verbringe ich eine gefühlte Ewigkeit, dann ist das Werk vollbracht. Drei Stunden kostet mich die Aktion, das Zelt steht ebenso wenig wie ich geduscht bin, dafür sind die Klamotten wieder trocken und der Regen legt eine längere Pause ein. Ungeachtet dessen zeugen jedoch die Finger selbst nach gründlicher Wäsche sowie Dusche, womit nicht unwesentliche Teile des Tages verbracht wurden und es bleibt zu hoffen, dass die Wettervorhersage sich für die.nächsten Tage erfüllt. Dann lerne ich weiterhin das Island kennen, das anderen lange Zeit vorenthalten war und muss mich nicht nur mit dem motivieren, was mich bislang begeisterte.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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