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Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-18

49. Tag: 90 Kilometer (Gesamt: 3175); 686 Höhenmeter; 448 Meter max. Höhe
Strecke: Reykjanes (10:45) – Hólmavík (19:15)
Wetter: leicht bewölkt, sonnig, 13°, 5 Bft. NO

Eine Tasse Müsli, ein 0,2 Liter Päckchen Reismilch mit Schokolade, eine Banane, eine Tasse Cappuccino, zwei Riegel Snickers sowie eine Flasche Wasser mit einer halben Brausetabelle – das ist der Kraftstoff, mit dem ich diese Tagesetappe bewältige. Dass ich anschließend über ein kleines Stück Pizza, ein halbes Baguette, meine Tüte mit dem Nudelgericht für zwei Personen, eine Tüte Lakritze und eine zwei Liter Flasche Fanta herfalle wie ein ausgehungertes Tier? Wohl eher der Nachholbedarf, den Gegenwind und Höhenmeter hinterlassen haben.
Die ersten 20 Kilometer radeln sich wie von selbst. Fjord einwärts, den Wind im Rücken. Nach einer Stunde der Richtungswechsel. Für die annähernd gleiche Strecke am anderen Ufer sieht die Bilanz nur noch halb so rosig aus: zwei Stunden. Danach wird es richtig haarig. Die Geschwindigkeit halbiert sich abermals. Eine halbe Stunde benötige ich für vier Kilometer, dann stehe ich vor Silke. Sie ist die Osnabrückerin, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist und der ich zwei Tage zuvor in Ísafjörður in einer Bäckerei begegnete.
An dem Ort, an dem ich sie an diesem Samstag treffe, gibt es keine Bäckerei. Lediglich einen Rastplatz, der allerdings weder beheizt noch windgeschützt ist. Beides wäre nicht unangenehm. Zwar scheint die Sonne, doch der Wind ist frisch. Zudem bläst er so stark, dass Silke ihr Rad die letzten Meter schob, während ich mein Gewicht verlagerte, um nicht im Straßengraben zu landen. Wir wechseln ein paar Worte und ich erfahre, dass sie die Nacht in Heydalur verbrachte, wo auch Caroline und Sandy übernachteten. Ob die beiden uns nun aber voraus sind oder folgen, das vermag sie nicht einzuschätzen. Tut auch für den Moment nicht viel zur Sache, denn ich will weiter. Sofern möglich, Hólmavík erreichen. Silke hat das gleiche Ziel. Was uns verbindet ist die Ungewissheit, ob wir es bei dem Wind schaffen.
Während ich erneut leicht gegen den Wind gebeugt dahin strample, kann ich im Spiegel erkennen, wie Silke sich weiter schiebend versucht. Unter besseren Bedingungen hätte sie mich wohl hinter sich gelassen, in Anbetracht der Gegebenheiten habe ich leichte Vorteile. Nach der nächsten Biegung wird es besser. Ich hätte mir Silkes Telefonnummer geben lassen sollen. Dann hätte ich ihr Mut machen können, weiter zu schieben. Unter Umständen wollte sie abbrechen, ihr Zelt aufschlagen und die Nacht abwarten, in der Hoffnung, dass der Wind dann nachlässt. So treibt er mich leicht den Berg hoch, schnell ist von meiner Verfolgerin nichts mehr zu sehen. Kräftiger in die Pedale treten muss ich dann, als ein Verkehrsschild eine 10 prozentige Steigung ankündigt. Gehe ich nach dem Erklimmen davon aus, den Hügel bewältigt zu haben, so muss ich mich eines Besseren belehren lassen, als ich auf den Höhenmesser des Navis schaue, nachdem sich der Anstieg fortsetzt. Erst 280 von über 400 Metern sind geschafft, die Landschaft entschädigt jedoch einmal mehr mit ihren Schneefeldern, Seen und Wasserläufen.
Kurz vor der Talfahrt schließlich die lange vor mir her geschobene Pause mit den zwei Energieriegeln und der Flüssigkeitszufuhr. Komme mir vor, als fahre ich bereits auf Reserve. Der Weg hinunter geht wie immer viel zu schnell. Bei halsbrecherischem Tempo ist von dem, was am Wegesrand liegt, nicht viel zu sehen. Entsprechend halte ich zweimal an, um die Umgebung wahr zu nehmen. Nach dem Durchfahren des Tals bin ich gerade wieder trocken und denke, ich habe es geschafft, da warten die nächsten Klippen darauf, überfahren zu werden. Hätte wegen meines nicht sein müssen, ist aber ebenso wenig das erste wie wahrscheinlich das letzte Mal, dass dem so ist.
Ein Einkauf ist erledigt, dass Zelt steht noch nicht ganz und ich unterhalte mich gerade mit meinen Zeltnachbarn, einem Motorradfahrer Pärchen mit Recklinghausener Kennzeichen, da trudelt auch Silke ein. Nach Zeltaufbau, Dusche und Hot-Pot unterhalten wir uns weiter beim Essen und ich erfahre, dass ich auf eine etwa 10 Jahre jüngere Weltenbummlerin gestoßen bin, die seit fast zwei Jahre unterwegs ist. So wird noch weiter gefachsimpelt bis es uns zu kalt wird, dann packen wir unsere Sachen und ziehen uns in unsere Schlafgemächer zurück, die zwar das gleiche Modell vom gleichen Hersteller sind, jedoch jeder in sein eigenes. Auf mich wartet das übliche Abendprogramm. Die Erlebnisse des Tages sollen nicht in Vergessenheit geraten, Daten der Kamera und des Navis sollen auf die Festplatte des Rechners, und ein Blick auf die vor mir liegende Strecke kann auch nicht schaden. Abweichend vom ursprünglichen Vorhaben, zurück in den Süden zu fahren, fasse ich schließlich bei einsetzendem Nieselregen den Entschluss, von hier aus auf der 61 zu bleiben, dann auf die 68 zu wechseln und von dort aus den Norden Islands zu erkunden.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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