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Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-23

53. Tag: 59 Kilometer (Gesamt: 3509); 224 Höhenmeter; 81 Meter max. Höhe
Strecke: Blönduós (10:30) – Nähe Skagatáarviti (18:00)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, 16°, 3 Bft. N

Es gibt Themen, über die spricht man nicht. Oder so gut wie nicht. Man macht es, hat es, gut ist – geht keinen 'was an. Eines davon ist der finale Schritt der Verdauung. Wenn es geht, erledige ich das an dem Ort, den man sich in unseren Kulturkreisen dazu ausgedacht hat. Auf der Toilette. Gibt es auf jedem Campingplatz, manchmal auch dazwischen. Über die Benutzung will ich nicht viele Worte verlieren. So, wie es sich gehört. Inklusive Beseitigung der Spuren. Blöd wird's, wenn einen der Drang überkommt, jedoch kein Abort in der Nähe ist. Grundsätzlich auch nicht das Riesenthema, die Frage, die sich jedoch stellt ist, wie sieht es dann mit der Beseitigung der Spuren aus. Die eigene Hinterlassenschaft ist dabei ein Ding, das benutzte Klopapier ein anderes. Hatte ich mir in der Vergangenheit für derartige Fälle eine kleine Schaufel zugelegt, so greife ich auf Island auf eine andere Alternative zurück: ein Feuerzeug. Der Grund ist, dass bei hiesigen klimatischen Bedingungen der Zersetzungsprozess des Papiers Jahre bis Jahrzehnte dauern kann.
Ein anderes Tabuthema ist der Sex. Mag es daran liegen, dass ich zuletzt diverse weibliche Vornamen erwähnt hatte oder eine ungeschickte Formulierung wählte, dass eine Reisebekanntschaft das gleiche Zelt besaß wie ich – da lief nichts! Ich bin verheiratet, habe so etwas wie Treue geschworen, und daran halte ich mich. Dazu kommt, dass Kilometer wie Höhenmeter des Tages ein entsprechendes Bedürfnis zumindest bei mir zunichte machen. Manch einer soll ja zur Unterdrückung sexuellen Verlangens kalt duschen, mir reicht Abends das warme Wasser, nachdem mich der auf Island in der Regel frische Wind ausreichend durch pustete, um mich anschließend wieder wohl zu fühlen. Entsprechend werden auch mit den Vertretern des anderen Geschlechts keine Streicheleinheiten ausgetauscht sondern Erlebnisse und Erfahrungen des Reiseradelns oder andere unverfängliche Anekdoten.
An diesem Tag aber muss ich sowohl auf Reisebekanntschaften wie auf warmes Wasser verzichten. In dem Bestreben, mich der 1 fern zu halten, schlage ich den Weg über die nächste Halbinsel ein. Skagi. Bis kurz hinter Skagaströnd ist die Straße noch asphaltiert, danach wird es staubig. Unterwegs werde ich bei aufgelockerter Bewölkung von dem Rentnerehepaar überholt, das mich vor einigen Tagen auf ein Bier einlud. Gewinke im Vorbeifahren, dann bin ich wieder allein. Die Landschaft: weiterhin ein wenig an die Alpen erinnernd. Sanfte grüne Hügel, irgendwo tatsächlich Kühe auf der Weide, ansonsten Pferde und Schafe. In Skagaströnd, einer der kleineren Orte, aber immerhin mit Supermarkt, noch ein kurzer Verpflegungsstopp, dann wird es richtig ruhig. Die Abstände zwischen den Gehöften werden größer, manchmal liegen sie kilometerweit auseinander, die Verkehrsdichte reduziert sich auf maximal eine handvoll Fahrzeuge pro Stunde. Entgegenkommende Wagen sind bereits von weitem zu erkennen. So wie Flugzeuge am Himmel einen Kondensstreifen hinterlassen, ziehen die Autos eine Staubschleppe hinter sich her. Die Strecke ist überwiegend flach. Nur zweimal sind kurze Anstiege derartig steil, dass ich schieben darf. Entsprechend der Karte hatte ich mir die Gegend jedoch tiefer vorgestellt, zudem Wasser reicher. So aber bewege ich mich überwiegend 30 bis 40 Meter über dem Meeresspiegel, sehe rechts noch die Schnee bedeckten Gipfel der Westfjorde, links aber weniger Flüsse und Seen als angenommen. Gegen 16:00 Uhr schließlich eine zweite Pause.
Auf weichem Moos und Flechten mache ich es mir am Wegesrand bequem, verdrücke das restliche Baguette des Vortags, dazu Camembert, und schaffe es sogar in und auf Island, ein wenig die Augen zu schließen und vor mich hin zu dösen, ohne zu erfrieren. Die Sonne macht's möglich. Zumindest bis zu dem Moment, an dem ich wieder aufbreche. Über dem Nordmeer zeichnete sich die ganze Zeit schon ein dunstiger Streifen ab, nun rückt er näher und schlagartig wird es frischer. Nichts desto trotz ziehe ich am nördlichen Zipfel der Halbinsel in Betracht, die Sonne unter- und Minuten später wieder aufgehen zu sehen. Laut GPS-Gerät sollte dies um 01:18 Uhr beziehungsweise 01:30 Uhr der Fall sein. Schlage entsprechend neben der Straße mein Zelt auf, leider ohne frisches Wasser in Sichtweite, hole mir dabei kalte Hände, dann wird gekocht. Kartoffelpüree. Ein karges Mahl, aber es erfüllt seinen Zweck. Das Loch im Bauch wird gestopft und mir wird langsam wärmer. Um vollends aufzutauen krieche ich anschließend in den Schlafsack, stelle mir vorsichtshalber den Wecker und bin Augenblicke später für eine halbe Stunde tief und fest weg. Während des Tippens dieser Zeilen kommt die Sonne dann wieder durch. Mal hoffen, dass sie sich durchsetzt und die Bewölkung sich zurück hält, zu den zuvor genannten Zeiten.



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