Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-30

61. Tag: 44 Kilometer (Gesamt: 3910); 336 Höhenmeter; 431 Meter max. Höhe
Strecke: Reykjahlíð/Myvatn (10:45) – Grímsstaðir (17:30)
Wetter: stark bewölkt, 10°, 4 Bft. O

Entgegen der Wettervorhersage beginnt der Tag trocken, gelegentlich kommt sogar die Sonne durch. Da dunkle Wolken von Osten her nachziehen bin ich bestrebt, zunächst einmal das Zelt meine Sachen auf das Rad zu bekommen, ohne dass sie nass werden. Trotz gleichzeitiger Unterhaltung mit einem anderen Radler, der Mann ist nicht nur auf der Zeltwiese ein entfernter Nachbar, sondern als Meckenheimer auch in Köln, sind meine Handgriffe von Erfolg gekrönt. Zudem bekomme ich Erfahrungsberichte zu vor mir liegenden Streckenabschnitten sowie zum BSI, der Institution des Bundes, bei der der Meckenheimer arbeitet und die Bedarf an Informatikern zu haben scheint.
Im Anschluss wird im Küchenzelt des Campingplatzes gefrühstückt, trockenes gegen klammes T-Shirt getauscht und es geht auf der 1 weiter gen Osten.
Noch vor dem ersten Anstieg, nach knapp vier Kilometern, die erste Sehenswürdigkeit. Während es rechts die Straße ab zum Jarðböðin, zur Blauen Lagune des Nordens, geht, liegt direkt an der Straße links ein ähnlich gearteter See. Fast himmelblau wirkt die Oberfläche, Schilder am Ufer warnen jedoch davor, das Wasser zu berühren. Es sei heiß.
Nach Bewältigung steiler 150 Höhenmeter dann die nächste Attraktion. Námaskarð. Ein Solfatarenfeld, in dem es brodelt, zischt und faucht und zudem recht intensiv nach faulen Eiern riecht. Schwefelgelbe Ablagerungen sind hier neben grauen Schlammlöchern zu bewundern. Da es bereits auf 12:00 Uhr zugeht, wimmelt es entsprechend von Besuchern, die wie ich auf markierten Wegen über vulkanisch aktiven Boden spazieren.
Nur ein paar hundert Meter weiter zweigt nach rechts hin ein weiterer Weg ab zu einem weiteren Touristenanziehungspunkt. Zur Krafla, einem ebenfalls aktiven Vulkangebiet. Da ich mir den etwa neun Kilometer langen Stichweg mit weiteren 240 Höhenmetern ersparen will, radle ich nur ein kurzes Stück in die Asphaltpiste, parke mein Vehikel am Wegesrand, stelle mich an die Straße und halte den Daumen raus. Habe Glück. Bereits der erste Wagen, der vorbei kommt, hält. Ein Wohnmobil mit einem Pärchen aus dem sonnigen Süden der Schweiz, dem Tessin. Toni und Roberta. Die beiden zieht es, wie mich, zum Viti, einem weiteren fast kitschig blauen See, in einem Krater gelegen. Vorbei geht die Fahrt an einer warmen Dusche neben der Straße, einem Geothermalkraftwerk, dann liegt der Vulkankegel vor uns. Wir spazieren ein Stück herum, unterhalten uns nett, und als ich wieder vor meinem Gefährt stehe, ist eine weitere Stunde vergangen. 13:20 Uhr. Noch keine acht Kilometer geradelt, aber bereits jede Menge gesehen.
Die restlichen Kilometer des Tages sind dafür eintöniger. Bei starkem Gegenwind und tief hängenden Wolken lasse ich Lavafelder neben mir vorbei ziehen. Mondlandschaft. Wüchse kein Gras und gäbe es die gelben Fahrbahnbegrenzungen nicht, ich käme mir vor wie in einem Schwarz-Weiß-Film. Nach insgesamt 28 Kilometern, es ist mittlerweile 15:00 Uhr durch, dann die Kreuzung, an der ich abbiegen will. Auf die 862, die gute 20 Kilometer lang asphaltiert ist und ab dem Dettifoss, einem Wasserfall, in eine grobe Schotterpiste übergehen soll. Erkundigungen an der Rezeption des Campingplatzes ergaben, dass die Straße befahrbar sein sollte, in der Radlerkarte, Ausgabe Sommer 2016, ist eine Baustelle vermerkt, und am Straßenrand steht ein Sackgassenschild mit dem Hinweis, in 25 Kilometern. Was tun? Die Alternative, die 864, ist durchgängig geschottert, ein paar Kilometer länger, und nach dem, was ich bislang aufschnappte, eine üble Wellblechpiste. Dafür soll man einen besseren Blick auf die diversen Wasserfälle haben, die zwischen den beiden Pisten liegen.
Die Entscheidung vereinfacht sich, als mir drei Radler entgegen kommen. Engländer, die mit mir auf der Zeltwiese am Goðafoss campierten. Sie raten mir von der 862 ab – grobes Gestein als Fahrbahnuntergrund. Deckt sich jedenfalls mit der Aussage des Rezeptionisten, der mich darauf hinwies, dass diese Strecke eine alte sei. Aber notfalls könne ich ja schieben. Also die 864, was zunächst bedeutet, 11 Kilometer weiter auf der 1, nach einer kurzen Stärkung.
Als ich schließlich auf der Piste der Wahl dahin holpere, am Straßenrand der Hinweis auf einen Campingplatz. Da auf den nächsten 50 Kilometern kein weiterer in Aussicht steht, beschließe ich, das war es für den Tag. Bezüglich der Anzahl Kilometer keine Glanzleistung, aber um 20:00 Uhr vor dem Wasserfall zu stehen, dann ein abseits gelegenes Plätzchen zu finden und auf eine Dusche zu verzichten, da fällt die Wahl nicht schwer. Dass jedoch auch der Campingplatz nicht über eine Dusche verfügt, erfahre ich erst an der Rezeption. Auf mein Drängen hin lässt sich aber der Betreiber breit schlagen, mich gegen entsprechendes Entgelt in seinen privaten Gemächern über den ganzen Körper hinweg mit warmen Wasser in Kontakt kommen zu lassen, und so startet gegen 19:30 Uhr das Abendprogramm von Staub und Schweiß befreit sowie sauber in den Schlafsack gehüllt, während das Zelttuch vom Wind in Bewegung gehalten wird.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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