Reisetagebuch

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Bilder

2016-07-18

79. Tag: 34 Kilometer (Gesamt: 4708); 282 Höhenmeter; 316 Meter max. Höhe
Strecke: Bilbao/Flughafen (15:00) – Cotorrio (20:00)
Wetter: sonnig, 36°, 3 Bft. O

Auch wenn der Flug von Island nach Stuttgart ruhig verläuft, alles planmäßig verläuft und ich drei Plätze für mich allein habe – der Schlaf kommt zu kurz. Egal wie ich es anstelle, mich in den Sitz am Fenster drücke, die Beine dorthin, wo sie hin gehören, über die beiden anderen Sitze ausgestreckt oder mich komplett darauf in die Horizontale begebe, bequem ist was anderes. Irgendwo drückt immer etwas. Entsprechend gerädert geht es am Ankunftsort erst einmal in eine Toilette, nach einer Hand voll Wasser im Gesicht sowie dem Kontakt mit Zahnpasta und -bürste sowie anschließend mit einer Tasse Kaffee und einem Brötchen sieht die Welt schon wieder anders aus.
Kaum ist die letzte Zeile des letzten Tagesberichts getippt, geht es auch schon weiter nach Bilbao. Mit einem Sitznachbarn zur Linken sowie einer Dame zur Rechten, geschätzt meine Altersklasse und Typ Lehrerin, döst es sich schon besser. Ab dem Hinweis aus dem Cockpit, dass gerade Toulouse unter uns liegt, komme ich mit der Frau ins Gespräch. Sie will wandern, Richtung Westen, nach Santiago de Compostela. Wie weit, das weiß sie noch nicht, übernachtet werden soll jedenfalls in Herbergen. Sie hat nur kleines Gepäck dabei. Ab 15:00 Uhr, so hat sie aufgeschnappt, sollte sie ein Quartier haben, sonst wird es schwierig. Dafür heißt es dann um 06:00 Uhr Aufstehen. 06:00 Uhr, das ist auch so in etwa meine Zeitvorstellung, sofern es dann schon hell ist. Abends will ich länger unterwegs sein, bis etwa 19:00 Uhr, so dass mit einbrechender Dunkelheit um 22:00 Uhr der Tag sein Ende findet. Zwischendurch eine ausgiebige Siesta, in der ich mich dem Reisetagebuch widmen will. Zumindest ist das der Plan – wie er sich umsetzen lässt, bleibt abzuwarten und ist nicht zuletzt von den Sonnenstunden abhängig. Wenn es geht, will ich ohne Taschenlampe auskommen und mich nicht die erwarteten Mittagshitze auf der Straße aussetzen.
Zunächst aber heißt es erst einmal Ankommen, was ohne Verspätung gelingt. Die Landung zwischen den Hügeln ist aufgrund heftigen Windes eine deutlich wackeligere Angelegenheit, letztendlich legt sich das mulmige Gefühl in der Magengrube zügig. Ebenso verhält es sich mit dem Gepäck. Ich brauch nicht lange warten, da dreht mein dreiteiliges Gepäckstück, die Taschen, die Runde zu mir, der Karton mit dem Rad kommt zum Schluss. Die Frischhaltefolie ist zwar an ein paar Stellen gerissen, hat aber ansonsten ihren Zweck erfüllt. Alles scheint unversehrt. Mit einem hoch bepackten Trolli begebe ich mich vor das Gebäude. Den Verpackungsmüll soll ich einfach liegen lassen, was dann um 15:00 Uhr auch die einzigen Spuren sind, die ich am Flughafen hinterlasse, von den neugierigen Blicken der Taxifahrer mal abgesehen. Raus aus dem Schatten und rein in die Sonne. Bevor es richtig los geht, folgt noch ein Stopp an der Tankstelle, den Reifendruck prüfen. Wenig später rolle ich schließlich mit gut vier bar auf jedem Rad unter der Sonne Spaniens.
Was mir im Vergleich zu Island auffällt: es ist deutlich grüner um mich herum, dafür liegt aber auch wieder mehr Müll am Straßenrand. Die Straßen, auf jeden Fall die, die ich meide, dennoch aber quere, sind voller, und im Supermarkt bekomme ich für 10 € mehr, als ich ohne Tüte tragen könnte. Andere Reiseradler hingegen bleiben Mangelware, der eine, der mir entgegen kommt, grüßt mit einem zackigen Olé im Vorbeifahren, stehen bleibt er nicht. Wie schon bei der Landung zu spüren bekommen, windstill ist es auch hier nicht, bei einer Anzeige von 46° auf einem Thermometer dürfte der Wind nun hingegen gerne frischer sein.
Der ausgearbeiteten Route bleibe ich halbwegs treu, was zwar zur Folge hat, dass ich von Bilbao nicht zu sehen bekomme, mich im Gegenzug jedoch auch nicht über Schnellstraßen quälen muss. Lediglich einmal biege ich falsch ab, was zur Folge hat, dass ich auf eine zum Radweg umfunktionierte ehemalige Bahntrasse herab blicke als Höhenmeter sparend auf ihr zu fahren. Seltsam hingegen der Tagesausklang. Die Herberge, auf dessen Grundstück ich mein Zelt aufschlagen will, hat geschlossen und die Nachbarn zeigen sich nur wenig kooperativ, mir weiter zu helfen. Entsprechend schiebe ich das Rad den steilen Weg zurück auf die Route, wobei mir gegenüber der Herberge ein Brunnen ins Auge fällt. Also – Wassersack auspacken und das zu stemmende Gewicht erhöhen. Vielleicht hilft es ja, die Straßenlage des Vehikels zu verbessern. Ist jedoch falsch gedacht. Das Gegenteil tritt ein. Irgendwo verliert das Rad das Gleichgewicht, es fällt auf die Seite und die Fahne bricht ab.
Hätte ich gewusst, dass nur ein paar hundert Meter weiter der nächste Brunnen wartet, ich hätte es mir einfacher gemacht. So aber schlage ich vor dem Tunnel, an einer kleinen Kreuzung dreier Schotterwege, mein Zelt auf und mache schon bald die Bekanntschaft mit einem Herrn auf Feierabendrunde auf Rennrad und im adäquaten Radlerdress. Ob ich denn wüsste, dass der Weg hinter dem Tunnel gesperrt sei.
Nein, woher, bin ja schließlich zum ersten Mal hier.
Der Hang sei abgerutscht, ich müsse mir also etwas anderes einfallen lassen.
Hört sich zwar nicht prickelig an, zunächst einmal will ich aber in Ruhe die Nacht verbringen, worum es aber im Gespräch mit der nächsten Begegnung geht. Eine Gruppe von Nachbarn trifft sich auf der Kreuzung zum abendlichen Pläuschchen. Mich lässt man wissen, dass ich mein Rad hinter das Zelt stellen sollte, es abschließe und am besten den Inhalt aller Taschen in meiner Behausung unterbringe. Es wären schon mal komische Gestalten unterwegs. Na, das klingt ja richtig zuversichtlich.
Einstweilen habe ich allerdings ganz andere Bedürfnisse. Ich habe Hunger. Auf sanfte Umstellung der Ernährung bedacht öffne ich eine Nudelfertiggerichte aus Island, gönne mir eine anschließend eine nicht gar so warme Dusche mit dem Brunnenwasser und steige in T-Shirt und Unterhose in den Baumwollschlafsack, um mich zwei Stunden später des Oberteils zu entledigen und die wärmende Hülle als Unterlage zu benutzen. So viel zu den Unterschieden zwischen Island und Spanien.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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