Reisetagebuch

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2016-07-30
Bilder

2016-07-30

91. Tag: 10 Kilometer (Gesamt: 5674); 33 Höhenmeter; 39 Meter max. Höhe
Strecke: Ibiza (05:45) – Formentera (08:45)
Wetter: sonnig, 28°

Die letzte Nacht schlafe ich wenig. Die Salons auf der Fähre mit mehr oder weniger bequemen Sitzen sind klimatisiert. Das ist schön, jedoch nicht, wenn sowohl Pulli als auch Schlafsack sich wohl verpackt in den Taschen am Rad hinter für mich verschlossenen Türen befinden. Wie einige der Mitreisenden an die roten Fleece Decken gelangt sind, unter denen sie zusammen gekauert vor sich hin dösen oder schlafen, erschließt sich mir nicht. Als ich, nachdem an Bord Ruhe eingekehrt ist, ein Besatzungsmitglied darauf anspreche, ob auch ich eine Decke bekommen könnte, erhalte ich weder die gewünschte Antwort geschweige denn das erhoffte Stück Stoff.
Trotzdem muss es mir irgendwie gelingen, einzuschlafen. Als ich nämlich aufwache, bewegt sich der Kahn nicht mehr sondern liegt bereits auf Ibiza vertäut an der Mole. Ich bin jedoch nicht der einzige, der vom Anlegen nichts mitbekommen hat. Auch um mich herum wird noch mit geschlossenen Augen ruhig vor sich hin geatmet, während andere an den Ausgängen bereits darauf warten, dass die Türen geöffnet werden. Um kurz nach 05:30 Uhr ist es dann soweit. Zwischen ein paar Autos rolle ich die drei Decks mit angezogener Bremse abwärts, dann lasse ich den erleuchteten Bootsrumpf hinter mir und habe wieder festen Boden unter den Rädern.
Draußen ist es noch stockfinster. Lediglich die Luft ist geringfügig feuchtwärmer als im Innern des Dampfers. Außerdem bin ich mal wieder allein auf weiter Flur. Zumindest die ersten paar hundert Meter. Dann liegt der Yachthafen zur Linken sowie Hotels zur Rechten und auf beiden Seiten der Straße tummeln sich die Nachtschwärmer. Die einen sind auf der Suche nach einem Taxi, andere noch nicht so weit, dass es sie fort treibt. Auch an dem Hafengebäude, in dem die Schalter für die Fähren nach Formentera untergebracht sind, bin ich nicht der erste, der eintrifft. Das Café ist bereits geöffnet, einige Tische sind besetzt, andere laufen umher und vertreiben sich die Wartezeit bis zur Abfahrt. Ich rangiere an den Rand, greife zum Rechner und nutze die anderthalb Stunden anders. Die Erinnerungen zum Vortag gilt es noch festzuhalten.
Um kurz vor 07:30 Uhr schließlich schiebe ich mein Vehikel über die schmale Gangway auf das nächste Schiff. Es ist eine reine Personenfähre. Einer der Katamarane, der für die zwanzig Kilometer Seeweg eine halbe Stunde benötigt. Bis Espalmador ist die Überfahrt schaukelig, danach liefert die dem Ziel vorgelagerte Insel Schatten gegenüber Wind und Wellen und der Hafen La Sabinas rückt ruhiger näher. Durch die getönte Scheibe sehe ich Ute und Tim, meinen jüngeren Sohn bereits, während die beiden noch nach mir Ausschau halten. Augenblicke zuvor legte erst eine weitere Fähre an und sie rätseln, auf welcher ich mich befinde, dann entdecken sie mich.
Wir winken einander zu, wenig später liegen wir uns in den Armen – und auch das hat etwas Überwältigendes. Fast ein Vierteljahr lang haben wir nur miteinander telefoniert, uns nicht gesehen, nun haben wir einander wieder, auch wenn es zum Haus auf getrennten Wegen geht. Ute knattert hinter Tim sitzend auf dem Motorroller, ich pedaliere – bin es noch immer nicht leid.
Da auch Formentera erst langsam erwacht, wähle ich nach San Francisco den Weg über die Straße. Will auf der sonst bevorzugten Strecke über das Schwimmbad niemanden im Wege stehen, zu Ausweichmanövern nötigen. Doch selbst die letzten Meter zum Haus, wo die Asphaltpiste an vielen Stellen nur breit genug für ein Auto ist, bringe ich niemanden in Verlegenheit, auf mich Rücksicht nehmen zu müssen. Das ist erst einen Tag später anders, als ich mit Ute vom sonntäglichen Ausflug zur Mola hoch zurück komme. Muss ja schließlich wissen wie es ist, das Referenzmaß für Steigungen im Liegen kurbelnd zu bewältigen.
Kaum ist die Reise zu Ende, sehe ich mich mit alltäglichen Problemen konfrontiert. Das Internet funktioniert nicht. Auf jeden Fall nicht für uns. Dass die Verbindung per Mobilfunk am Haus streikt, ist ja nichts Neues. Wir residieren in einem Funkloch. Dass aber auch der Router über die Strippe sich weigert, Daten hin und her zu schieben, ist nicht nachvollziehbar. So dauert es noch zwei Tage und kostet einige Nerven um schließlich festzustellen, dass das Kabel mit einem Filter, das bislang immer zwischen Frequenzweiche und Anschlussdose steckte, nun den Datentransfer blockiert. Sachen gibt’s …

Ob diese Reise nun, wie ich zwischenzeitlich zu hören bekam, die meines Lebens ist – ich vermag es nicht zu beurteilen. Noch „bin“ ich und ebenso wie ich hoffe, dass das noch eine Weile so sein wird, so würde es mich freuen, noch die eine oder andere Tour unternehmen zu dürfen. Es war auf jeden Fall erlebnisreich, beeindruckend, einige Male recht intensiv und bewegend sowie alles andere als zu behaupten, dass es nun reichen sollte, mit der Radelei. Selbst ein weiteres Mal Island möchte ich dabei nicht ausschließen. Es gibt noch viel zu sehen, ich weiß noch nicht wie es ist, durch Schmelzwasser von Gletschern zu furten oder das Flackern von Polarlichtern mit eigenen Augen zu sehen.
Das klingt undankbar in Anbetracht dessen, was ich erleben durfte?
Nicht auszuschließen, doch mein Empfinden ist ein anderes. Vom Glück mit dem Wetter bis hin zum gesunden Erreichen des Ziels, die netten Begegnungen, Kontakte, Erlebnisse und Unterstützungen, in all dem sehe ich keine Selbstverständlichkeit. Mein besonderer Dank gilt Ute, die nicht nur Verständnis für mein Fernweh aufbrachte, sondern mich im Ausleben eines Traumes unterstützte. Unerwähnt lassen möchte ich jedoch ebenso wenig diejenigen, deren E-Mails mich unterwegs erreichten oder die versuchten, mich anderweitig zu erreichen, was nicht immer einfach und von Erfolg gekrönt war. Ich werde in Zukunft versuchen, auch Rückmeldungen an die Newsletter E-Mailadresse nicht ungelesen im digitalen Papierkorb landen zu lassen, sondern in geeigneter Weise an mich weiterzuleiten. Sollte nun noch jemand oder etwas unbedacht geblieben sein, so ist dies keine böse Absicht und sei ebenfalls mit eingeschlossen in ein aufrichtiges Danke aus tiefstem Herzen!



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2016-07-29
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2016-07-30



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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