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Reisetagebuch

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Bilder

2019-07-31

101. Tag: 75 Kilometer (Gesamt: 5832); 250 Höhenmeter; 89 Meter max. Höhe
Strecke: Sarichioi (09:15) - Lacul Sinoe/Cetatea Histria
Wetter: heiter, 36°

Kurz vor sechs werde ich wach. Draußen ist es hell. Ich öffne das Zelt. Wow. Verschlafe ich Sonnenaufgänge regelmäßig, so ist es diesen Morgen anders. Wobei, noch strahlt die Sonne irgendwo hinter dem Horizont.
Anderthalb Stunden später treibt es mich aus dem Schlafsack beziehungsweise dem Baumwoll-Inlet. Die Sonne hat es geschafft, das Zelt steht nicht länger im Schatten. Ein 1a Rausschmeißer.
Sehe ich zu, schnell an die frische Luft zu kommen, so hält auch das Frühstück nicht lange auf. So schön Rumänien landschaftlich ist, es hat einen gravierenden Haken: weder in größeren Supermärkten noch in den kleineren Magazinen gibt es die von mir gesuchten Trinkpäckchen mit Kakao oder entsprechendem Sojadrink. Auf die Ein-Liter Packs will ich nicht zurück greifen. Zu sperrig in den Taschen, einmal geöffnet zu schnell verdorben. So gibt es trockenes Brot vom Vortag sowie ein paar Müsli-Kekse zu Eistee.
Auch auf der Straße komme ich gut voran. Der Wind bläst mir in den Rücken, die Anstiege bleiben überschaubar und unter fünf Prozent. Auch mal ganz nett. Auf einer der lang gezogenen Abfahrten ein seit einer Woche seltener Anblick: ein Pärchen mit bepackten Rädern quält sich mir entgegen. Sie haben Gegenwind. Auf die Frage nach der Herkunft geht es in deutsch weiter. Ich erfahre, dass die beiden aus Konstanz kommen und dort starteten. Mitte Juni. Was nicht passt? Ihr Dialekt. Er verrät sie eindeutig als Kinder des Ostens. Sachsen, wie sie mir auf meine Frage bestätigen. Tut aber natürlich nichts zur Sache. Zwei Tage zuvor nächtigten sie in Konstanza, in anderthalb Wochen soll es von Bukarest aus zurück gehen. Per Flieger. Die Räder wollen sie in Rumänien lassen. Sie hätten ausgedient. Wir tauschen uns über die vor uns liegenden Kilometer aus, dann die obligatorischen Wünsche.
Zurück im Tritt rasselt es bei mir im Hinterkopf. Konstanza - dem Gehörten nach könnte ich das Ziel meiner Reise an diesem Tag erreichen. Gute hundert Kilometer. Komme ich weiterhin so zügig voran, müsste ich es trotz Pause bis sechs schaffen. Die Frage ist lediglich: will ich das? Nach gut sechzig Kilometern weiß ich es. Nein. Ein Stück weiter schließlich das Ende eines Etappenabschnitts. Nach links ein Abzweig. Sieben Kilometer sind es laut Straßenschild zur Spitze der Halbinsel im nächsten See. Ich biege ab. Karte und Hinweis an der Straße kündigen eine Ausgrabungsstätte von Fundstücken aus der Römerzeit an. Gut, die sind es weniger, die mich reizen, eher die Aussicht auf einen ruhigen Flecken für die Nacht. Irgendwie ist mir nicht nach Plauderei zumute. Das Ziel eine knappe Tagesdistanz vor Augen verbunden mit der Frage: wie soll es weiter gehen? Lange genug schob ich sie vor mir her, so langsam wird sie konkret. Fliegen scheidet aus. Soviel ist für mich klar. Das wäre mir zu schnell. Gen Osten weiter, um in Köln irgendwann aus dem Westen anzukommen? Hätte seinen Charme, kann ich aber Ute und meinen Eltern nicht antun. Meine Mutter fragt bereits seit zwei Wochen besorgt, wie lange ich denn noch unterwegs sein will. Bleiben an sich nur die Alternativen, auf ein Schiff umzusteigen und mich Donau aufwärts schippern zu lassen oder verschiedene Varianten auf der Straße. Luftlinie knappe 1800 Kilometer. Unter der Berücksichtigung, dass ich die nicht gefahren bekomme, wahrscheinlich eher 3000. Bei zügigem Fortschritt und ohne Umwege bequem sechs weitere Wochen. Da mir das Radeln weiterhin mehr Spaß macht als ein wo-auch-immer-Ankommen, noch kein Grund, in Melancholie zu verfallen.
Am Ende der sieben Kilometer ein zweigeschossiges Ausstellungsgebäude sowie ein Restaurant. Übernachtungsmöglichkeiten? Keine. Zumindest nichts entsprechend vorbereitetes. Auch einen Zugang zum See entdecke ich nicht. Egal, Vorrang hat ein kalter Schluck zu trinken sowie eine Kleinigkeit für den Bauch. Kurz vor vier sind die beiden Bananen verdaut und auch die Tüte mit den gesalzenen Kartoffelchips leer. Den weißen Rändern in den Textilien nach muss ich aufpassen, auf die Elektrolyte zu achten. Bestimmt nicht die ausgewogenste Ernährung, die ich da wähle, doch bislang erkenne ich auch keine Mangelerscheinungen, von tagesformabhängigen Schwächegefühlen vielleicht abgesehen.
Das Schöne auf der Speisekarte: es gibt Salatgerichte. Was hingegen fehlt: alkoholfreies Bier oder Radler ohne Prozente. Muss halt ein halbwegs leichtes Gerstengebräu her.
Wenig später wird es gleichgültig. Auf meine Frage hin, ob ich über Nacht bleiben könne, erfahre ich: klar. Kein Problem. Solange ich ein Zelt hätte. Lediglich auf ein Bad oder eine Dusche muss ich verzichten. Ansonsten könne ich auf die Toilette im Restaurant zurück greifen.
Kaum steht die Behausung, werde ich nochmals durchgefüttert. Ein junger Vater kommt auf mich zu und fragt, ob er mir mit der Portion seiner Tochter einen Gefallen machen könne. Die kleine hatte gespielt, einstweilen keinen Appetit und das Reisgericht mit Fisch und Fleisch befindet sich in einer der dafür vorgesehenen Warmhaltebehältnisse. Ich freue mich. Schmeckt vorzüglich. Lediglich eine Sache ärgert mich. Ich stellte mein Zelt wie angewiesen hinter einer Bühne mit Alugestänge in lichter Höhe auf, an dem sich Lautsprecher und Scheinwerfer befestigen lassen. Und auf dem Schwalben sich wohl fühlen. Scheiße. Mal schauen, ob am nächsten Morgen meine Rolle Klopapier reicht.



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