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Reisetagebuch

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Bilder

2019-08-19

120. Tag: 82 Kilometer (Gesamt: 7352); 913 Höhenmeter; 1041 Meter max. Höhe
Strecke: Rijeka Crnojevica (08:00) - Cetinje - Kotor - Donji Morinj (18:30)
Wetter: sonnig, 36°

Meine Träume sind mal wieder wirr. Hätte ich mich vor dem Zubettgehen doch nicht mit dem Münchener Weltenbummler über die bevorstehende Route unterhalten sollen? Im Unterbewusstsein vermischen sich allerlei Gedanken, irgendwann habe ich den Eindruck, was ich da unternehme sei Wahnsinn. Hier geht es nicht weiter, dort nicht, und überhaupt - wozu das alles?
Nach dem Aufwachen sieht es schon wieder ganz anders aus, dafür Stress an der nächsten Front. Die Technik spinnt. Beim Ausschalten des Rechners meinte dieser, es gäbe etwas zu aktualisieren und er dürfe nicht ausgeschaltet werden. Ich tat wie geheißen, acht Stunden später nach dem Aufklappen des Computers steht die Meldung noch immer da. Hallo? Ich schalte den Rechner aus, starte ihn neu, er will noch immer aktualisieren. Erst ein weiterer Neustart erlöst ihn aus seinen wirren Schleifen. Das Smartphone spielt gelegentlich ebenso schon mal verrückt. Hinterlässt die Reise Spuren? Wird es Zeit für ein Ende?
Auf der Straße hingegen keinerlei Komplikationen. Mit achtzig Umdrehungen die Minute kurbele ich die nächsten Kurven hoch. Morgens um acht bei frischer Luft noch erträglich, wenngleich dem Shirt kurz nach dem Start nicht mehr anzumerken ist, dass es zwischenzeitlich gewaschen wurde und trocknete.
Nach einigen Kilometern geht es weniger steil weiter, dafür wird die Fahrbahn schlechter. Eine alte Wegstrecke verläuft fünfzig Meter unterhalb einer neueren, der Asphalt ist porös, gelegentlich sind Abschnitte von losem Geröll überschüttet. Ziehen über mir deutlich mehr Fahrzeuge daher, sind es auf meiner Piste während der knapp zwei Stunden, die ich auf ihr verbringe, drei deutsche Motorradfahrer mit FN'er Kennzeichen, die kurz grüßend an mir vorbei ziehen. Später auf der Schnellstraße, auf jedoch weniger los ist als befürchtet, drei italienische Motorbiker, die mir den empor gestreckten Daumen zeigen. Bei den Autofahrern bin ich mir weniger sicher, ob jede Hupe der Bekundung von Respekt dienen soll.
In Cetinje eine kurze Unterbrechung des Bergsteigens auf Rädern. Über die Hälfte der mutmaßlich 1200 Höhenmeter sind geschafft. Kurze Talfahrt, Stopp an einem Supermarkt, Nachtanken. Eine Banane, ein Drittelliter Trinkjoghurt, ein Snickers sowie ein halber Liter Saft. Anschließend wird mit fünf Stundenkilometern weitergeklettert.
Auf gut tausend Metern dann eine Überraschung. An der Stelle, an der sich auf meiner Karte die Straße weitere 150 Meter einen Pass hoch schlängelt, ein Tunnel. Wahnsinn. Diesmal im positiven Sinne.
Auf das Ende der knapp fünfhundert Meter langen Röhre zu kurbelnd Spannung: was erwartet mich? Blicke ich bereits auf die Bucht von Kotor.
Augenblicke später bin ich zwar nicht direkt enttäuscht, doch vom Meer ist keine Spur zu sehen. Vor mir ein Talkessel sowie eine ebenfalls noch nicht lange existierende Straße, weiterhin kaum Verkehr. Ich komme mir vor wie ein Formel 1 Pilot. Steile Abfahrten bringen mich in Schwung, Fahrtwind pfeift mir um die Ohren, weite, einsehbare Kurven gestatten mir, diese nach Belieben auszufahren oder zu schneiden. Adrenalin pur, bis ein Dorf kommt, das mich an Mallorca denken lässt. Mitten durch führt eine Schinkenstraße. Kenne ich die der Baleareninsel nur vom Hörensagen, so ist die in Njeguši zwar explizit nicht derartig benannt, doch vor gefühlt jedem Haus steht eine Tafel mit einer entsprechenden Abbildung, zudem Souvenirläden, vor denen sich Busreisende tummeln. Da das was mich reizt anders aussieht, halte ich mich nicht lange auf. Einmal den Auslöser der Kamera betätigen, weiter.
Nach weiteren Kilometern mit leichtem Anstieg sowie kräftigem Gegenwind schließlich das Überwinden einer weiteren Kuppe und der Anblick, auf den ich mich freute: die Bucht von Kotor. Abermals Wahnsinn. Ein unglaubliches Bild. Aus gut 900 Meter Höhe der von Bergen eingeschlossene Meeresarm, hinter einem weiteren Höhenzug das Meer, die Adria. Und für diejenigen, denen der optische Reiz nicht ausreicht, direkt noch Stahlseil, an dem man sich in lichter Höhe auf einen gegenüber liegenden Fels gleiten lassen kann. Ich verspüre kein Verlangen, die verlangten zehn Euro für die paar Sekunden zu investieren. Zum einen reicht mir, was ich sehe, zum anderen habe ich das, was den nächsten Kick verspricht, im Rücken beziehungsweise unter meinem Hintern. Einstweilen aber genieße ich alle paar Meter das Panorama aus leicht anderer Perspektive und habe es gar nicht so eilig mit den vor mir liegenden knapp zwanzig Kilometern.
Bevor es an das Kurven schneiden geht komme ich an einem Restaurant mit Aussichtsplattform vorbei. Vier Motorradfahrer winken mir zu, ich möge anhalten und mich zu ihnen gesellen. Die drei Italiener sowie ein Einheimischer. Gerne komme ich der Aufforderung nach, kombiniert sie für mich ein wenig Unterhaltung mit der Szenerie als Hintergrund. Man besteht darauf, mich zu der Limo einzuladen, will alles Mögliche wissen und kann es kaum glauben - siebentausend Kilometer, 120 Tage, die nicht aufaddierten Höhenmeter. Dass letztere aus eigener Kraft mühsamer zu bewältigen sind als am Gasgriff ihrer Maschinen, das war für sie im Vorbeifahren zuvor nicht zu übersehen.
Die folgende Abfahrt ist ein Kompromiss. Auf Verkehr brauche ich kaum zu achten. Überraschend. In den durchnummerierten Haarnadelkurven bleibe ich anfangs in fast jeder stehen. Der Anblick. Ich kann mich nicht satt sehen. Die Landebahn des Flughafens von Tivat, auf dem ich zusammen mit Ute vor zig Jahren das erste Mal aus einem Flugzeug stieg, Kotor, die zwei Kreuzfahrtschiffe, die Kurven, die Höhe - ein Traum. Einer der nichts mit dem zu tun hat, der mich die Nacht fast um den Schlaf brachte.
Unten im Ort angekommen ein krasser Gegensatz. Chaos. Ich stehe im Stau, nur schleppend geht es voran. Stop and go. Abermals der Wahnsinn. Diesmal der nackte. Wo bin ich bloß hingeraten? Einen Schlenker hinter die alten Mauern der Stadt schenke ich mir. Der den Anleger entlang reicht mir. Ebenso wie die Straße überfüllt ist mit Fahrzeugen, wimmelt es auf den Gehwegen von Menschen. Ich will nur raus, irgendwo ein stilles Eckchen für mich allein, werde jedoch nicht fündig. Alles ist zugebaut, überall Hotels, Pensionen, Apartments.
An einer kleinen Terrasse am Meer mit Leitern und Stufen in das Meer halte ich an. Gegen halb fünf verspüre ich Hunger. Nachdem Brot und Käse verspeist sind, krame ich die Badehose hervor. Kurze Abkühlung in den Fluten. Abkühlung? Sie hält sich bei geschätzten 25 bis 27 Grad in Grenzen, doch ein wenig Schwimmen tut gut. Anschließend wieder in die feuchten Klamotten. Abtrocknen macht gar keinen Sinn.
Bei leicht nachlassendem Verkehr der Endspurt. Irgendwo im Norden der Bucht sollte sich ein Campingplatz befinden. Assoziiert der Begriff Küstenstraße möglicherweise, dass sich Steigungen in Grenzen halten, so verhält es sich damit relativ. Immer wieder geht es zwischen zehn und fünfzig Meter rauf und runter, für mich mit bereits gut tausend Höhenmetern in den Beinen den Tag hätte es gerne flacher bleiben dürfen.
Eine weitere Überraschung hält der angesteuerte Campingplatz für mich parat. Er ist einem Schild am Tor nach ausgebucht. Ich frage trotzdem nach. Für ein kleines Zelt sollte sich doch wohl noch ein Flecken finden. Grundsätzlich stimmt der Mensch, der mich begrüßt, zwar zu, will mich aber abwimmeln. Koste zwanzig Euro, nur wenige hundert Meter weiter sollte ich preiswerter und weniger beengt davon kommen. Von drei Plätzen empfiehlt er mir den mittleren. Ich komme dem Rat nach, nehme noch ein Bad im Meer, quatsche ein wenig mit den drei deutschen Nachbarn, dann ist mir der Kilometer zum nächsten Restaurant zu weit. Ich bekoche mich selbst. Eine Konservendose befindet sich noch im Proviantbeutel. Fettig suppiges mit Hähnchen aus Bulgarien. Dazu Brot, zum Nachtisch Chips. Wahnsinn.



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