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Reisetagebuch

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Bilder

2019-09-02

134. Tag: 78 Kilometer (Gesamt: 8202); 96 Höhenmetern (x 1.4?); 130 Meter max. Höhe
Strecke: Grado (09:15) - Udine (19:30)
Wetter: heiter, 24°

Verlief meine Route zwischen Sofia und Grado auf selbst gewählten Pfaden, so mache ich es mir ab dort einfacher. Bis Villach werde ich dem Ciclovia Alpe-Adria Radweg folgen. Klingt doppelt gemoppelt, Ciclovia und Radweg, doch ist nicht auf meinem Mist gewachsen.
Ähnlich halte ich es in der Lagunenstadt. Ich steuere die Touristeninformation an, frage nach einem Stadtplan, was man von dem Ort gesehen haben sollte und wie ich ihn mir am besten mit dem Rad erschließe – Informationen, die wahrscheinlich ein paar dutzend mal am Tag abgerufen werden. Die Übersichtskarte gibt’s vom Abreißblock, dazu noch eine weitere mit Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten sowie ein Faltblatt, das gleiches auch noch für Aquileia und Palmanova enthält, zwei Orte auf dem Festland, immerhin knapp dreißig Kilometer weit entfernt.
Trotz bedeckten Himmels bin ich von Grado begeistert. Zwar weder von Kanälen durchzogen wie Venedig, dafür aber an diesem Montagmorgen zumindest zwischen neun und elf nicht im geringsten überlaufen, in den engen Gassen der Altstadt mit viel Liebe zum Detail restauriert und einladend zum Verweilen, auch wenn ich mich nirgends hinsetze oder einkehre. Jedem, der den nördlichen Zipfel der Adria auf dem Weg hat, kann ich einen Besuch nur nahe legen, ebenso wie ich nur empfehlen kann, einen Tag dran zu hängen für einen Abstecher mit dem Boot nach Triest und per Rad durch das Naturschutzgebiet zurück in die Lagune. Ob die junge, fünfköpfige Familie meinem Rat folgt, die ich am Festland treffe, unmittelbar fünf Kilometer vor ihrem Ziel, dort, wo die Straße das Wasser teilt? Sie waren quasi die Strecke gefahren, die ich mir in entgegen gesetzter Richtung vorgenommen habe, und freuten sich über mein Angebot, auf den Auslöser ihrer Kamera zu drücken, so dass alle gleichzeitig auf dem Bild sind, die Lagune im Hintergrund. Ich bewundere ihre Leistung. Der kleinste des Nachwuchstrios ist vier, der große Bruder zehn, der andere liegt dazwischen. Alle fahren sie selbst, alle in Radlerhose und Trikot, alle strahlen sie - trotz der gut 250 Kilometer in den noch so jungen Beinen. Auch vor den Eltern habe ich größten Respekt. Motivationstalente. Stelle ich mir jedenfalls nicht immer einfach vor. In Anbetracht der Straße zwischen Triest und Grado wandle ich meine Empfehlung jedoch geringfügig ab. Vielleicht besser einfach nur in das Naturschutzgebiet, so lange sich die Kinder bei Laune halten lassen. Verzichten muss ich leider auf Tipps von den Fünfen, wo ich gut zelten könnte. Eine Campingausrüstung hat das Quintett nicht im Gepäck. Man bevorzugte allabendlich ein festes Dach über dem Kopf.
Vorstellungen davon, was für Geschichten die Kinder zu Ohren bekommen haben könnten, damit es nicht langweilig wird, bekomme ich in Aquileia, Palmanova und und Udine. Geschichte zum Anfassen. Die des Landes, begonnen bei den Römern. Ausgrabungsstätten, Festungsanlagen, Säulen verzierte Paläste - Stoff, der Fantasie auf die Sprünge zu helfen. Auch noch mit 56.
Kurzweilig ebenso eine Begegnung auf halber Strecke. Vor einer Bar sitzt Marcus. Auffällige Frisur, das Gegenteil von meiner, knapp zehn Jahre jünger und mit dem Rad reisend unterwegs. Wie so viele an diesem Tag, wie ich: allein. Wir kommen ins Gespräch. Zunächst einmal mehr über mein Gefährt. Marcus kennt einen der beiden Geschäftsführer, aus dessen Manufaktur es stammt und wohnt in dem Ort, in dem die Vehikel entstehen. Wir kommen von Hölzchen auf Stöckchen, als sich unsere Wege trennen, sein Ziel ist Bologna, ist eine gute Stunde vergangen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Seelenverwandte unterwegs sind. Bereits am Morgen hörte ich von einem anderen. Mein Zeltplatznachbar den ich bat, mir einen Akku aufzuladen, hatte ich Vorjahr mit einem anderen Reiseradler gesprochen. Überraschend für meinen Gegenüber bekam er von diesem ähnliche Sätze zu hören wie ich von mir und lasse ich Revue passieren, mit wie vielen weiteren ich sprach, so kommen noch eine ganze Reihe dazu - wie jüngst Marcus der mich auch direkt einlädt bei ihm Halt zu machen, wenn sein Zuhause in schätzungsweise zweieinhalb Wochen für mich auf dem Weg liegt.
Nicht so richtiges Glück habe ich mit meinem Schlafplatz. Mag daran liegen, dass ich mich zu sehr an diesem Tag verquatschte beziehungsweise von Sehenswürdigkeiten vereinnahmen ließ. Gegen halb acht, bei einbrechender Dämmerung, bin ich noch etwa dreißig Kilometer von dem Fluss entfernt, aus dem ich mein Wasser für eine Dusche holen wollte. Statt dessen finde ich am Stadtrand von Udine ein verstecktes Plätzchen. Unweit der Autobahn und ohne Wasseranschluss. Aber was soll's. Ist ja nicht das erste Mal auf dieser Tour, ungewaschen in den Schlafsack zu kriechen. Und die Alpen vor mir? Gab es ebenfalls schon. Da lagen sie für mich im Süden. Diesmal habe ich sie im Norden. Mit ganz eigentümlichen Wolkengebilden zwischen ihren Gipfeln. Ob sie so unheilvoll sind wie sie aussehen? Ich werde es erleben. Gehe ich zumindest erst einmal von aus.



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