auf den Spuren von Ute & Dirk Prüter

Emsland Route

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Pfingsten liegt schon wieder ein paar Tage zurück, und ebenso der letzte Urlaub auf Formentera, da bietet sich mit dem verlängerten Wochenende über Fronleichnam eine weitere Gelegenheit zu einem Ausflug mit dem Rad. Erneut liefert ein ADFC Prospekt mit Touren die Idee – die Emsland Route, ein Rundkurs mehr oder weniger entlang der Ems zwischen Rheine und Papenburg.
Eine Anreise mit der Bahn von Köln aus ist eine halbe Weltreise. Also schaue ich nach, wo mit dem Auto ein einfacher Einstieg auf die Strecke möglich ist; meine Wahl fällt auf Salzbergen. Über die A3, A31 und A 30 sind es von Zuhause aus circa 180 Kilometer zu fahren, dann sollte sich ein Fleckchen finden, wo umgesattelt werden kann.
Wir warten ab, bis sich am Mittwoch Abend die Situation auf den Straßen entspannt, sind damit aber immer noch zu früh dran, wie wir nur kurze Zeit später feststellen können. Knapp drei Stunden sind wir unterwegs, dann halten wir nach einem Parkplatz Ausschau. Unsere erste Anlaufstelle ist ein Campingplatz, doch direkt mit dem Zeltaufbau zu starten überzeugt uns auch nicht so restlos. Ein paar Meter weiter befindet sich eine Reithalle, das Vereinsgelände eines Kanuclubs sowie Stellplätze für Wohnmobile; laut eines Hinweisschildes ist das Campieren drei Tage lang gestattet. Wir wollen jedoch vier Tage unterwegs sein und wie ein Wohnmobil sieht unser Golf auch nicht aus. Als uns ein Kanute über den Weg läuft fragen wir nach, wie eng man es sieht, ganz unverbindlich, mit der Auslegung der Auflagen. Sollte kein Problem sein, so die Antwort, und entsprechend dauert es nicht lange, bis Packtaschen und Räder neben dem Wagen stehen.
Bis wir los radeln ist die Wettervorhersage der Tagesschau verkündet – 20:15 Uhr. Wir wissen nicht, was der Meterologe prognostiziert hat, es herrscht jedenfalls ein laues Lüftchen, und zügig liegen Landstraße und Autobahnunterführung hinter uns. Asphalt und erdiger Boden wechseln einander ebenso ab wie Felder, Bäume und unmittelbare Nähe zur Ems. Eine knappe Stunde später entdecken wir nach 12 Kilometern ein ruhiges Fleckchen, das uns geeignet erscheint, als Zeltplatz herzuhalten. Von der Straße aus, über die nur alle halbe Stunde ein Auto zu hören ist, ist von uns nicht viel zu sehen, und vom Wasser aus werden wir noch weniger gestört. Ein Sportboot zieht Abends noch vorbei, ansonsten haben wir unsere Ruhe. Als es uns unter freiem Himmel zu frisch wird, siedeln wir um. Unter das schützende Tuch unserer mobilen Bleibe. Da es anschließend nicht mehr all zu spät wird, wir schmökern noch ein wenig in elektronischen Büchern beziehungsweise Ute tauscht noch ein paar Kurznachrichten mit Freundinnen über das Smartphone, kommen wir am nächsten Morgen einigermaßen zeitig aus den Federn, und noch vor 09:00 Uhr treten wir wieder in die Pedale.
Über ein paar Brücken nähern wir uns bei stark bedecktem Himmel den Kühltürmen, die bereits von unserem Schlafplatz aus zu sehen waren, wechseln einige Male das Ufer von Ems und Dortmund-Ems-Kanal, dann liegt Lingen hinter uns. Als es nach zwei Stunden Radelei auch noch zu regnen beginnt steht fest, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Frühstückspause. Neben einem Sportplatz entdecken wir einen Unterstand. Zwar stehen bereits zwei Räder davor, doch in der zur einen Seite offenen Holzhütte ist noch Platz für uns, und die beiden jüngeren Herren aus Münster, die dort pausieren, haben nichts dagegen, dass wir ihnen Gesellschaft leisten. Bei Cappuccino und Müsli tauschen wir Erfahrungen und Anekdoten, dann geht es mit über den Helm gezogener Kapuze weiter. Bis wir den Geester See erreichen, ein vom örtlichen Energielieferanten angelegtes Wasserbecken beträchtlichen Ausmaßes, bleibt uns das Nieselwetter erhalten. Entsprechend überrascht es nicht, dass die Freizeitmöglichkeiten am Ufer und auf dem Wasser ungenutzt bleiben. Es mag aber auch daran liegen, dass der Feiertag in Niedersachsen, wo wir uns befinden, nicht arbeits- oder schulfrei ist, und so bleibt es bei dem einen Taucher, der vor unseren Augen in voller Montur aus dem nassen Element an Land stiefelt.
Als wir Meppen erreichen, hat es sich ausgeregnet. Den Abstecher zur Freilichtbühne schenken wir uns trotzdem. Abweichend von der Richtung, die uns das Navi weist, radeln wir in den Ort, entdecken jedoch außer einem Supermarkt nichts, was uns fesselt – eine nette Kleinstadt halt, wo Hase und Ems aufeinander treffen, mehr aber auch nicht. Ebenso verhält es sich mit dem Umland: es bleibt ländlich, und flach. Hier und da Kühe auf den Weiden, ab und an auch mal ein Schornstein oder Kühlturm in der Landschaft, neben uns der Fluss, der der Region wie der Route den Namen verleiht, unter uns überwiegend Asphalt, und über uns dicke Wolken – alles in allem, angenehm unspektakulär.
Mit Haren durchqueren wir den letzten Ort des Tages. An einer Werft bleiben wir stehen, schauen zu, wie ein betagteres Frachtschiff einen frischen Anstrich erhält, dann geht es weiter, Lathen entgegen. An einem kleineren Zufluss mit Aussichtsplattform bleiben wir noch einmal stehen und kommen mit zwei Anglern ins Gespräch. Ihr Interesse gilt Aalen und anderem Getier mit Flossen und Kiemen. Für den Eigenbedarf. Sollten wir Appetit auf Fisch bekommen haben, so empfehlen sie uns das Restaurant an dem Campingplatz, den wir ansteuern. Bis dort hin lassen wir Pferdeweiden sowie einen größeren Reiterhof hinter uns, dann ist die nächste Tagesetappe geschafft. Auch wenn der zugewiesene Stellplatz nicht mit dem der vergangenen Nacht konkurrieren kann, was seine idyllische Lage betrifft, so ist die Dusche ein Opfer wert und auch die Küche des benachbarten Hotelrestaurants nicht zu verachten.

Am nächsten Morgen durchqueren wir als erstes Lathen. Wie andernorts auch zeigt man sich im Fussball Fieber – alles Mögliche ist Schwarz-Rot-Gold geschmückt, schließlich wird in Brasilien gerade die Vorrunde der WM bestritten, und die deutschen Kicker haben mit ihrem 4 zu 1 Sieg gegen Portugal einen fulminanten Auftakt geboten. Dass es trotzdem eher düster aussieht, dafür sorgen die tief hängenden Wolken, die uns bis Mittag noch erhalten bleiben. Erst dann klart es auf, bleibt aber windig. Und damit wir es mit dem Flachland nicht zu einfach haben, beim Kurbeln, bläst uns der Wind entgegen, hinter dem Damm, der dafür sorgt, dass die Ems uns nicht zu nahe rückt.
So erkämpfen wir uns Kilometer um Kilometer, bis schließlich die Meyer-Werft in das Blickfeld gerät. Bereits von Weitem unübersehbar ein langgezogenes Gebäude, links daneben noch einmal ein weißer Klotz, der wie ein Hochhaus aus der Ebene empor ragt. Als wir uns nähern, wird aus der Vermutung Gewissheit – ein neues Kreuzfahrtschiff ist im Entstehen. Zur Hälfte ist es fertig gestellt, zu welcher Seite Bug und zu welcher Heck angebaut werden, ist nicht so richtig erkennbar, dafür enthält aber ein Plakat vor den Werkstoren neben Modellbildern die wichtigsten Informationen über den Dampfer, an dem da herum geschweißt, geschraubt oder wie auch immer gearbeitet wird: „Quantum of the seas“ soll er heißen, über 18 Decks verfügen, 348 Meter lang sein, 4188 Passagiere sowie 1554 Besatzungsmitglieder beherbergen und mit 22 Knoten über die Weltmeere gleiten. Dazu zeigen die Bilder einen futuristisch anmutenden Schwenkarm, an dessen Ende etwas wie eine verglaste Kapsel angebracht ist, von dem aus wohl ein freierer Blick über die Wogen ermöglicht werden soll. Nun denn, wer es braucht …
Wir sind mit unserer Form des Reisens gar nicht so unzufrieden, und würden auch gar nicht tauschen wollen, aber imposant sieht es schon aus, was da im Schwimmdock liegt. Ein älteres Ehepaar aus dem Osten der Republik, unterwegs auf Taschen behängten E-Bikes, sieht es ähnlich. Sie stehen nicht zum ersten Male dort, wo wir sie treffen, und wir lassen uns ein wenig darüber aus was einander bewegt beziehungsweise wir an Eindrücken gesammelt haben. Es vergeht aber nicht all zu viel Zeit, dann ziehen wir in unterschiedlichen Richtungen weiter. Unser Interesse gilt zunächst weiterhin der Werft. Ob es Möglichkeiten der Besichtigung gibt? Gibt es, erfahren wir Augenblicke später, doch was in der Zwischenzeit aus unseren bepackten Rädern wird, darüber brauchen wir uns keinen Kopf zu zerbrechen. Die Führungen sind für die nächsten Tage bereits ausgebucht, und Tickets auch nicht vor Ort erhältlich, sondern in der Stadt, in Papenburg.
Auch wenn damit kein kausaler Zusammenhang besteht und Papenburg unser nächste Ziel ist, ein Wendepunkt der Route ist erreicht; es geht quasi wieder zurück. Das, was wir von dem Ort sehen, gefällt uns. Der kleine Hafen, die Kanäle mit ihren altertümlichen Holzbrücken, die Fußgängerzone, alles schön ruhig und beschaulich, da stört noch nicht einmal die Bimmelbahn, die Touristen durch die Gassen kutschiert. Landesgartenschau und Zeitspeicher Museum nehmen wir nur am Rande wahr, dafür gönnen wir uns eine kulinarische Spezialität, die, zumindest in unseren Augen, ebenso mit Ostfriesland verankert ist wie das Moin als Begrüßung zu jeder Tages- und Nachtzeit – ein Fisch- beziehungsweise Krabbenbrötchen, auch wenn uns der Hinweis der Reklametafel vor der Verkaufsbude, dies sei die letzte Einkaufsgelegenheit dazu vor der Nordsee, etwas gewagt erscheint.
Der Weg aus der Stadt heraus führt uns eher in die entgegen gesetzte Richtung, nicht hin zur Küste, sondern gen Süden, beziehungsweise ein paar Grad nach Osten. Gut zwölf Kilometer verläuft die Strecke schnurstracks geradeaus, entlang eines künstlichen Wasserweges. Auf der einen Seite davon eine Landstraße, auf der anderen eine holperige Piste, an der ein Haus neben dem anderen liegt. Einfamilienhäuser, die meisten bereits etwas betagter, frei stehend, ein bisschen Grün vor der Tür, hinter dem Garten Moorlandschaft. An einer Kreuzung hinter Surwold verlassen wir den kurvenlosen Pfad. Ein Hinweis auf einen Campingplatz wie die Orientierungshilfe auf dem Bildschirm des Navigationsgerätes lotsen uns gen Westen, dann wird es unübersichtlich. Auf einem Parkplatz endet ohne weitere Beschilderung die Straße vor einem Freibad, irgendwo daneben ein Weg in einen Wald hinein, mit Sicherheit aber nicht für Wohnwagen geschaffen. Wir stehen ein wenig ratlos herum, als sich uns zwei Frauen nähern. Ich spreche sie an. Zum Campingplatz? Wir wollen es kaum glauben, aber – einfach hinein in den Wald und oben, an dem Pavillon, links; wenn wir es nicht eilig hätten, wir könnten uns den beiden auch anschließen, sie haben das gleiche Ziel. Zwar haben wir es nicht eilig, fahren aber dennoch vorweg. Dafür, dass es bislang nahezu ohne Erhebungen voran ging, erscheinen die 30 Meter aufwärts wie ein kleiner Berg – nicht unüberwindbar, aber immerhin, es geht aufwärts. Oben dann so etwas wie ein kleiner Freizeitpark. Märchenwald, Kletter Parcours, Waldhotel, Aussichtsturm, Grillhütte, Sommerrodelbahn – und ein wenig abseits davon, der Campingplatz.
Das, was wir für die Rezeption halten, ist momentan eine Baustelle, und die Terrasse davor ebenso. Vom Betreiber der Anlage erfahren wir nicht nur, dass ein Café, Bistro oder Restaurant im Entstehen ist, sondern sind innerhalb einer halben Stunde auch darüber informiert, welche Problemen der Mann damit hatte, den Betrieb über die ersten Jahre zu bringen, und wie es weiter gehen könnte, spielen Kreditgeber und Kundschaft mit. Hören wir verständnisvoll zu, was die Gründerjahre an Engagement und Leidensfähigkeit erforderten, so bin ich ein wenig erschüttert als ich den Preis erfahre, den wir für die eine Nacht entrichten sollen – über 20 Euro, nur für ein paar Quadratmeter Stellplatz sowie der Gelegenheit, Toilette, Waschbecken und Dusche nutzen zu können. Zur Rechtfertigung des Preises werden wir noch einmal darüber in Kenntnis gesetzt, dass ja alles noch ganz neu sei, sauber sowieso, und dass man ohnehin nicht mit den Campingplätzen konkurrieren könne, die seit Jahrzehnten etabliert und häufig genug fest in der Hand von Dauergästen seien. Ein wenig unangenehm muss es dem Betreiber aber wohl selbst sein, was er uns da abknüpft. Mehrfach erkundigt er sich nach unserem Wohlergehen, ob er uns irgendwie weiterhelfen könne, und am nächsten Morgen bekommen wir gar einen Kaffee angeboten – ist selbstverständlich im Preis schon mit drin'.
Auch wenn wir neben der Platzmiete keinen Anlass zu Beanstandungen sehen und von dem großzügigen Angebot keinen Gebrauch machen, so richtig überzeugen kann uns der Zeltplatz nicht. Entsprechend hält uns nach dem Wachwerden nicht viel. Bei aufgelockerter Bewölkung setzen wir unsere Fahrt durch bewaldetes Gebiet fort, das Teil eines Übungsplatzes der Bundeswehr ist, wie uns Schilder am Wegesrand verraten. Von Begegnungen mit Vertretern der Streitkräfte bleiben wir jedoch verschont. Ungestört haben wir den Weg für uns allein, der aber auch bereits nach sieben Kilometern wieder im nächsten Ort endet. Von dort aus geht es entlang von Straßen weiter, bis wir den „Stern im Emsland“, Schloss Clementwerth, erreichen. Im entsprechend angelegten Garten sind emsige Helfer mit den Vorbereitungen eines Spektakels beschäftigt, das am nächsten Tag zahlreiche Bläser und Gäste anlocken soll. Uns kommt die Veranstaltung insofern entgegen, als dass wir von den aufgestellten Schirmen und Pavillons profitieren, die Schutz vor Regen geben sollen, denn der setzt ein, nachdem wir uns unserem Frühstück widmen.
Als uns das Abwettern dann aber doch zu lange dauert, kramen wir einmal mehr Anorak und Kapuze hervor und schwingen uns wieder auf die Räder. Einen nächsten Halt legen wir an einem Hünengrab ein. Vermögen erste Felsansammlungen uns noch nicht dazu zu veranlassen, dass Augenmerk auf diese zu richten, so bilden wir uns ein, am Königsgrab Respekt walten lassen zu müssen. Von der Straße aus lenken wir die Räder über einen holperigen Pfad, dann stehen wir davor, und es dauert nicht lange, da sind wir nicht die einzigen Besucher. Zunächst rückt ein Ehepaar nach, das von Meppen aus Tagestouren in die Gegend unternimmt, dann ein Pärchen aus dem Süddeutschen, das auf der gleichen Runde unterwegs ist wie wir – nur, dass die beiden in festen Unterkünften residieren.
So bestaunen wir nicht nur gemeinsam die Hinkelsteinsammlung mitten in der Landschaft, sondern teilen ebenso Erfahrungen und Erlebnisse. Auch wenn sich die Wege kurze Zeit später schon wieder trennen, die nächste Sehenswürdigkeit ist die Hüvener Mühle, und dort kreuzen sich unsere Wege erneut. Es bleibt jedoch bei einem flüchtigen Gedankenaustausch, dann zieht jeder in dem Tempo weiter, wie es ihm genehm ist, wobei nicht wir es sind, die voran preschen.
Von Haselünne aus bleiben wir ein wenig am Wasser, der Hase, das, anders als in Richtung Norden, nicht zum ständigen Begleiter zählt. In zwei Dörfern stoßen wir noch auf ein paar Jugendliche, die sich feuchtfröhlich auf einem Anhänger vom Trecker durch die Gegend schaukeln lassen und sich auf das Fußballspiel am Abend, Deutschland gegen Ghana, einstimmen, wobei es schon mehr als grenzwertige Züge annimmt. So werden Straßenschilder abmontiert, die sich kurze Zeit später in der Gegend weggeworfen wieder finden. Ansonsten wird es mit voran schreitender Zeit auf den Straßen und in den Dörfern immer ruhiger, wenn man nicht gerade im Kreise der Nachbarschaft zum Public Viewing strömt. Uns hingegen bleibt das Erlebnis in der Gruppe verwehrt. Zwar treffen wir um 19:00 Uhr noch eine Stunde vor Spielbeginn auf dem nächsten Campingplatz ein, doch gibt es auch hier kein Restaurant oder Aufenthaltsraum, in dem wir mit anderen Gästen den Kickern des Landes bei ihrer Arbeit zuschauen könnten. Überhaupt können wir noch von Glück reden, einen Stellplatz zugewiesen zu bekommen. Am Sallersee sind so gut wie alle Parzellen verpachtet, lediglich für sechs Zelte hat man noch eine Wiese belassen, die wir uns an diesem Abend mit niemanden teilen müssen. Das Vergnügen kostet uns noch nicht einmal die Hälfte dessen, was wir für die voran gegangene Übernachtung zahlen durften, dafür sieht man den Sanitäranlagen an, dass sie ein wenig in die Tage gekommen sind. Ansonsten zeigt man sich auch hier hilfsbereit: in einem Aufenthaltsraum, der einst als Jugendtreff fungierte, bietet man uns an, den Fernseher einzuschalten, doch mit dem Einzug digitaler Signale hat die Technik nicht Schritt halten können, so dass nur Schnee vor uns flimmert, bis wir die Bemühungen aufgeben und uns per SMS über das Ergebnis informieren lassen.
Bei der Abreise erfahren wir schließlich noch, dass uns nichts entgangen sei. Langweilige Partie, in der ersten Halbzeit sind unserem Berichterstatter fast die Augen zugefallen, und von zwingender Überlegenheit wie noch im Auftaktspiel der deutschen Mannschaft keine Spur zu erkennen. An sich gar nicht mal so schlecht, denke ich mir im Stillen, die überschäumenden Emotionen der Jugendlichen vom Vortag vor Augen.
Die letzten 55 Kilometer führen uns wieder zurück an die Ems. Weiterhin verläuft die Route überwiegend entlang von Feldern, in einem der zahlreichen Dörfer finden wir eine Bäckerei, so dass wir nicht nur vom Müsli leben müssen, und bei unserer Frühstückspause werden wir ein weiteres Mal von dem Pärchen überholt, dem wir am Vortag schon begegneten und deren Wagen in Rheine stehen sollte. Nach kurzer Runde um eine Burg Venhaus nähern auch wir uns gegen Mittag über eine Schotterpiste am Ufer des Dortmund-Ems-Kanals der zweitgrößten Stadt im Münsterland. Das Wetter meint es an dem Sonntag gut mit uns, und so legen wir am Dom noch mal einen Stopp ein, um uns das Bauwerk anzuschauen und aus einigen Perspektiven auf den Chip der Kamera zu bannen.
Von dort aus ist die Ems nicht mehr fern, die von zahlreichen Spaziergängern und Radfahrern umlagert wird; auf das Wasser selbst zieht es zumindest in diesem Abschnitt niemanden. Schildern und anderen Ausflüglern folgend stellt eine alte Saline die abschließende Sehenswürdigkeit der Tour da. Auch wenn Salzgewinnung und Badebetrieb seit Jahrzehnten eingestellt sind, noch immer rieselt die Sole durch das Reisig im Gradierwerk und man kommt sich vor, als habe man die Atemmaske eines Inhaliergerätes vor Mund und Nase.
Entsprechend gedopt fällt auch der Endspurt nicht schwer. Kurz vor 15:30 Uhr erreichen wir die Stelle, an der wir vier Tage zuvor starteten und an der sich auch unser Wagen unversehrt vorfindet. Eine gute halbe Stunde später schließlich zeigt nur noch ein Blick hinter die Vordersitze, womit wir zuvor unterwegs waren, und im Anschluss daran geht es motorisiert zurück Richtung Köln, Stoßstange an Stoßstange im Pulk derer, die sich mit uns die Autobahn teilen.