Reisetagebuch

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Bilder

2018-07-23

11. Tag: 60 Kilometer (Gesamt: 597); 1403 Höhenmeter; 1065 Meter max. Höhe
Strecke: Eikhamrane Camping (09:30) – Røldal (18:30)
Wetter: bewölkt, 23°

Ist es Liebe, wenn Sie vor Ihm aufsteht, dass Er in Ruhe wach werden kann, wenn Sie das Zelt auf- und abbaut, damit Er mehr Zeit im Bad hat, sich für Sie schön zu machen, wenn Sie Ihm das Rad den Hügel hinaufschiebt, wenn Er am Ende seiner Kräfte ist? Sofern ja, dann ist es das wohl ebenso, wenn Er das Essen zubereitet, den Abwasch erledigt und Er sich nicht beklagt, was Sie da wieder für eine Route ausgesucht hat. Ob nun aber Zeichen zwischenmenschlicher Zuneigung oder nicht und ob es das immer noch ist, wenn die Rollen vertauscht sind, Er hat jedenfalls seinen Spaß dabei, Sie auch. Sagt Sie wenigstens. Wenngleich Sie sich an diesem bevorzugt an bequemeren Aktivitäten erfreuen könnte. Er fühlt sich jedoch auch am Rande der Erschöpfung noch pudelwohl dabei, sich auf diesem riesigen Abenteuerspielplatz austoben zu können.
Schrieb Er am Vortag, dass es erneut ins Fjell gehen würde? Sah zwar nach einem Blick in die Karte so aus, war aber vielleicht doch etwas voreilig. Es geht hoch. Unbestritten. Zunächst verlassen wir das Fjordland und bekommen noch einmal alles präsentiert, was die Region zu bieten hat: Wasserfälle, hoch empor ragende Felswände, Wolken über umliegenden Gipfeln. Lediglich ein wenig mehr Sonne wäre reizvoll. Doch nach dem Wetter der bisherigen Tage wollen wir nicht unverschämt sein. Wir starten immer noch im T-Shirt und werden nicht von oben nass. In Odda decken wir uns neu mit Proviant und Barem ein, dann folgt der erste Anstieg um hundert Meter. Entlang des Sandvinvatnet bleiben wir auf gleichbleibendem Niveau, bekommen jedoch schon einmal einen Vorgeschmack, was uns verkehrstechnisch erwartet: auf der 13 sind wir nicht allein. Wie bereits um den Fjord herum am Vortag ist die Straße schmal, nicht immer können wir gefahrlos überholt werden und immer wieder werden wir die ersten kleinerer Staus. Großartige Gedanken machen wir uns jedoch nicht. Auch Wohnmobile, Gespanne, Lastwagen und Busse müssen aufeinander warten, wenn sie sich an Engstellen begegnen. Andere Verkehrsbremsen sind Sehenswürdigkeiten. Am Låtefossen, einem Wasserfall, existiert ein Aussichtspunkt mit Parkplatz sowie Souvenirshop und auch hier gerät der Verkehrsfluss ins Stocken.
Einen guten Kilometer weiter werden wir erlöst. Die Straße Richtung Oslo knickt links ab, unsere Route führt geradeaus weiter. Wenig später Stirnrunzeln. Ein erstes Verkehrsschild untersagt das weitere Passieren, ein zweites weist auf eine Schranke hin, schließlich versperrt eine derartige den Weg. Ein Drum-herum gibt es nicht, die Räder drunter her zu schieben scheidet auch aus. Da nicht das erste Mal mit derartigen Widrigkeiten konfrontiert und zumeist ganz gut damit gefahren, diese zu ignorieren, nehmen wir die Taschen ab und hieven unsere Fahrzeuge über die Barriere. Ein vages Gefühl bleibt jedoch. Endet der Asphalt irgendwo? Immerhin sind wir auf der alten Verbindungsstraße unterwegs, die offenkundig nicht weiter instandgehalten wird. Ist sie irgendwo weggebrochen? Endet sie vor einem Grundstück? Gibt es eine Baustelle, an der wir nicht vorbei kommen? Wäre ärgerlich. Das ganze Prozedere rückwärts, die mühsam erkämpften Höhenmeter opfern und auf die neue Piste zurück?
Erlöst werden wir, als ein Mountainbiker und ein Motorradfahrer nahen. Muss letzterer kehrt machen, trägt ersterer seinen fahrbaren Untersatz an der Schranke vorbei. Ich spreche ihn an: „kommst du von hier? Kennst du dich hier aus? Kommen wir hier weiter?“
Drei Fragen, dreimal die gleiche Antwort: Ja.
Erleichterung macht sich bei uns breit. Beflügelt geht es weiter, wenngleich der stetige und nicht nur selten moderate Anstieg Ute aus dem Sattel treibt. Das Vergnügen, einen Weg nur für uns zu haben, währt jedoch nicht lange. Nach vier Kilometern sind wir zurück auf der 13. Außer, dass wir wieder zum nahezu stehenden Hindernis werden, ändert sich jedoch nichts. Ute quält sich Meter um Meter empor.
Nach weiteren sechs Kilometern vor einem Tunnel für uns dann ein weiterer Abzweig. Wieder führt unsere Route uns auf die ältere Strecke. Diesmal ohne Schikanen, von dem durchschnittlich sechs prozentigen Anstieg abgesehen.
Weitere vier Kilometer muss Ute noch leiden, dann wird sie erlöst. Die bislang längste Steigung am Stück ist bezwungen. Richtige Freude kommt bei der Frau meiner Wahl dennoch nicht auf. Die Strapazen stecken ihr in den Gliedern. Wäre sie zuvor bedenkenlos bei wildfremden Menschen in den Wagen gestiegen, hätte jemand angehalten und gefragt, ob er sie mitnehmen könne, so ist sie sich mit dem zwölf Kilometer entfernten Campingplatz in Aussicht jedoch ebenso sicher, dass sie nicht auf der Passhöhe übernachten will. An sich schade – mich hätte die ruhige Ecke mit jeder Menge fließend Wasser um uns herum durchaus gereizt. Wie aber auch immer: auch der Campingplatz hat seinen Charme. Neben einer warmen Dusche siedeln wir zu vorgerückterer Stunde um in einen Aufenthaltsraum, wo eine Tüte Chips geleert wird und mit fettigen Fingern auf der Tastatur diese Zeilen entstehen. Das Ganze verbunden mit der Perspektive, dass es am nächsten Tag erneut aufwärts geht. Diesmal sollte es tatsächlich das Fjell sein. Ob Sie will oder nicht. Er freut sich jedenfalls schon wieder. Und lieb haben sie sich trotzdem.



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