Reisetagebuch

2018-07-13
2018-07-14
2018-07-15
2018-07-16
2018-07-17
2018-07-18
2018-07-19
2018-07-20
2018-07-21
2018-07-22
2018-07-23
2018-07-24
2018-07-25
2018-07-26
2018-07-27
2018-07-28
2018-07-29
2018-07-30
2018-07-31
Bilder

2018-07-24

12. Tag: 52 Kilometer (Gesamt: 649); 1072 Höhenmeter; 1150 Meter max. Höhe
Strecke: Røldal (10:30) – Flothyl Camping (17:30)
Wetter: bewölkt, 23°

Dienstag. D-Day. Dicke Wolken, Demut, Dankbarkeit. Es wird einer der sentimentaleren Tage. Wer bereits einige meiner Reiseberichte gelesen hat, der weiß, das diese immer wieder vorkommen. Ich mag sie. Sie gehören für mich dazu wie atemberaubende Landschaften, Begegnungen oder nicht alltägliche Erlebnisse. Es beginnt mit der Lektüre einer E-Mail beim Frühstück. Jörg schrieb mir. Meine Gedanken zum vorangegangenen Tag inspirierten ihn. Er zollt uns Respekt für die bewältigten Höhenmeter und berichtet von seinen nächsten Vorhaben. Liegeradtreff, das Liebäugeln mit einem neuen fahrbaren Untersatz, erneut dreirädrig, sowie einer Augenoperation. Ich lernte Jörg kurz vor dem Aufbruch kennen. Bislang ebenfalls ausschließlich per Internet. Was ihn für mich zu etwas Besonderem macht: ein Arbeitsunfall brachte ihn um seine Sehkraft. Anstatt sich aber geschlagen seinem Schicksal zu ergeben, raffte er sich auf und sieht zu, soweit es die Behinderung zulässt etwas zu unternehmen. Unter anderem mit dem Rad. Seine Erlebnisse dokumentiert er auf einer Internetseite, deren Verlinkung an dieser Stelle jedoch letzten Reisevorbereitungen zum Opfer fiel. Wird aber noch nachgeholt. Zuhause. Nach der Rückkehr. Wenn es Jörg recht ist. Einstweilen bin ich dankbar, dass ich mit allen Sinnen genießen kann und mich keine Handicaps einschränken.
Bei tief hängenden, grauen Wolken hänge ich Jörgs Situation hinterher. Auf der Straße ist nicht viel zu verpassen. Die Gipfel um uns herum versinken im Dunst, der Verkehr nervt, rechts und links der Straße nichts Neues – Geröll, blanke Felsen, zunächst noch Birken und Nadelgehölz. Ute bläst Trübsal. Das Wetter sowie weitere 750 Höhenmeter am Stück schlagen ihr aufs Gemüt. Sie wäre lieber anderswo. Ich mag nicht tauschen. Auch Derartiges gehört für mich dazu. Beste Voraussetzungen, Gedanken ihren Lauf zu lassen.
Ab einem Tunnel wird es für uns ruhiger. Wir dürfen wieder außen herum, über die alte Straße. Immerhin ein kleiner Fortschritt. Dafür wird es ab dem Überschreiten der Baumgrenze nieselig. Begeisterung sieht anders aus. Die nächste Röhre durch den Berg dürfen wir befahren. Ich würde gerne außen rum, Ute nicht. Sie will sich die paar zusätzlichen Höhenmeter ersparen. Also durch den Tunnel. Ich will es meiner Frau nicht schwerer machen als es ist. Glücklicherweise haben wir auf dem Kilometer durch das Erdinnere niemanden direkt hinter uns, der Gegenverkehr bedrängt uns auch nicht.
Zurück am Tageslicht breitet sich das Fjell vor uns aus. Haukeliseter. Zunächst hellt sich die Stimmung auf, nach einer Weile auch der Himmel. Was wir zu sehen bekommen kann mit der Landschaft um Finse herum nicht konkurrieren, sieht aber auch nicht schlecht aus. Seen, Wasserläufe, Wiesen, Moos – die Vielzahl unterschiedlichster Grüntöne auf engstem Raum faszinieren mich immer wieder. Als auch die Wolkendecke mehr und mehr aufreißt, Blau sich durchsetzt sowie wärmende Strahlen der Sonne auf uns fallen, sind Trübsal blasen und Sinnieren abgemeldet. Lediglich die uns überholenden Fahrzeuge stören. Die meisten halten einen respektvollen Abstand, einige jedoch ziehen auf Handtuchbreite an uns vorbei.
An der Fjellstue auf halber Strecke sind wir halbwegs wieder versöhnt. Natürlich ist es viel zu voll und überlaufen, doch was eine Bäckerei anbietet, versöhnt. In der Sonne mit Blick über Teile der Hochebene genießen wir süße Teilchen, einen Kaffee und langsam zu trocknen. Selbst weitere Höhenmeter auf einer neuerlichen Tunnelumfahrung möchten wir nicht missen. Die Luft ist nicht gar so klar und frisch wie auf dem Rallarvegen, ebenso bietet das Panorama keinen Gletscher, doch die Weite, die Schneefelder und das Licht – zumindest für uns nichts Alltägliches.
Die letzten zwanzig Kilometer sind schnell abgespult. Von gut tausend Metern über dem Meeresspiegel zurück auf 650 können wir häufig genug die Räder laufen lassen. Ab 50 Stundenkilometern pfeift der Fahrtwind zwar gehörig durch die Klamotten, doch es ist nicht zu kalt. Ausklingen lassen wir den Tag schließlich auf einem kleinen Campingplatz an der Straße, an dem leider die Autos lauter vorbeirauschen als das Wasser im Fluss. Nicht perfekt, doch eine warme Dusche hat ihren Preis und es ist ein Klagen auf hohem Niveau, die einleitenden Gedanken in Erinnerung rufend.



Bericht zurück
2018-07-23
Seitenanfang
2018-07-24
Bericht vor
2018-07-25



Weitere Touren, größere wie kleinere, hier.




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit ist leider nichts geplant, die Liste unter Vorträge wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung und ich würde mich freuen, Sie persönlich kennen zu lernen!




Werbung - in eigener Sache

Wie alles anfing, 2011, mit dem Reiseradeln. Wie aus einer zündenden Idee ein Plan wurde und aus Vorbereitungen ein "Abenteuer". Erhältlich für kleines Geld als E-Book unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) beim Online-Buchhändler Ihres Vertrauens.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!