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Reisetagebuch

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Bilder

2019-08-01

102. Tag: 63 Kilometer (Gesamt: 5895); 143 Höhenmeter; 109 Meter max. Höhe
Strecke: Lacul Sinoe/Cetatea Histria (08:15) - Navodari - Konstanza (15:45)
Wetter: heiter, 28°

Mit gemischten Gefühlen starte ich in den Tag. Die Nacht war ruhig, brachte mir allerdings keine Erleuchtung, wie es weiter gehen sollte. Zwischendurch ein paar Tropfen Regen, gegen zehn verstummte die Musik aus dem Restaurant nebenan, von dem Pärchen nebenan im Wohnmobil war ohnehin nichts zu hören. Franzosen. Aus Grenoble. Pensionäre. Über Griechenland reisten sie an, für sie geht es nun dorthin, wo ich her komme. In das Donaudelta. Für mehr Details reicht der gemeinsame Sprachschatz nicht.
Nach vier Kilometern auf der Straße die nächste Begegnung. Eine Schildkröte. Wo sie herkommt oder hin will? Schwer zu sagen. Jedenfalls über den Asphalt. Kein ungefährliches Unterfangen. Wie viele Schlangen, Vögel, Frösche, Füchse, Eidechsen, Hunde, Katze und was sonst noch so alles kreucht und fleucht unter die Räder kam (nicht unter meine!), dort, wo es mich her zog? Keine Ahnung. Täglich kommen weitere hinzu. Ich nehme mir ein wenig Zeit, fotografiere das Tier aus unterschiedlichen Perspektiven und turtle mit ihm herum. Ist ja eine Schildkröte. Mit denen darf man das. Während unserer gemeinsamen Zeit auf der Fahrbahn haben wir diese für uns allein. Kann ich von dem Tier etwas lernen? Kopf einziehen, wenn es brenzlig wird? Diesbezüglich habe ich meine Zweifel. Abwarten wie es weiter geht, immer mit der Ruhe, planlos umher ziehen - das vielleicht schon eher.
Zurück auf meiner ausgearbeiteten Route nicht viel Neues. Es geht ein paar Hügel herauf, kurz darauf wieder runter, ich genieße die Weite, am Horizont zur Linken zeichnet sich mittlerweile das Meer ab, das schwarze, in den Ortschaften hocken Männer vor manchem Magazin, wie die kleinen Geschäfte hier heißen, zwischendurch freundliche Grüße. Gelegentlich lachen auch Leute, wenn ich an ihnen vorbei fahre. Ich freue mich mit ihnen. Lachen ist gesund. Regt den Körper an, Glückshormone auszuschütten. Glückliche Menschen haben keinen Anlass, anderen Leid zuzufügen. Auch ohne Nachrichten zu schauen bekam ich mit, dass es da in Deutschland einen Zwischenfall gab, der die Nation erschütterte. Ein Afrikaner wohl stieß ein Kind vor einen Zug. Traurig. Was kann jemanden zu einer derartigen Tat bewegen? Nicht weniger traurig: direkt nehmen sich ein paar Verblendete den Vorfall zum Anlass, zu pauschalisieren, Hass und Fremdenfeindlichkeit zu sähen. In neun Ländern dieser Reise war ich der Fremde. Der, der sich freute und freut, wenn man ihn freundlich grüßt, dem man Hilfe anbot und ihm respektvoll begegnete. Kann es nicht immer und überall so sein? Es macht das Leben so viel angenehmer, bereichert. Etwas, das ich am Reisen so schätze.
Nach einer fünf Kilometer langen Abfahrt habe ich schließlich das schwarze Meer vor mir. Der erste Anblick ist kein erbaulicher. Anstatt ein wie auch immer geartetes Ufer bewundern zu können schaue ich auf eine Raffinerie. Grotesk geradezu der mir wohl bekannte Schriftzug auf einem Tanklastanhänger. Alles super. Unglaublich.
Mit der Hässlichkeit, mit der man die Landschaft verunstaltete, nimmt der Verkehr zu sowie der glatte Asphalt ab. Irgendwann dann zur Linken Strand. Sand beziehungsweise feiner Kies. Viel schöner anzusehen als die Industrieanlagen allerdings auch nicht. Aus den Bausünden andernorts hat man nichts gelernt. Eine Bettenburg steht neben der nächsten, dreireihig nach links, ein- bis zweireihig rechts neben der Straße. Wo noch Platz ist, Baustellen. Schrecklich. Etwa 15 Kilometer lang. 15 Kilometer, auf denen die Straße je Richtung mal zwei, mal drei Spuren hat und der Verkehr nicht weniger wird. Ich tippe auf zehn- bis zwanzigtausend Fahrzeuge pro Stunde. Am Strand selbst ist es nicht viel besser. Während es regnet, setze ich mich an einen der Kioske, die im Abstand von maximal zwanzig Metern stehen. Bei einem Burger und einem Radler lasse ich die Schauerwolke vorbei ziehen. Wie viele Reihen Schirme und Liegen hintereinander stehen? Ich versuche es am Abend auf einem der Bilder nach zu zählen. Sechs, sieben, acht? In der Größenordnung. Nebeneinander? Wahrscheinlich Tausende. Über zwei Kilometer entlang einer gepflasterten Promenade überall das gleiche Bild. Anschließend verhindert eine Baustelle, dass ich meine Fahrt abseits des Verkehrs fortsetzen kann.
Nachdem diverse Vergnügungsparks, eine Seilbahn, Praxen von Schönheitschirurgen und Wohnblocks hinter mir liegen, so etwas wie ein alter Stadtkern. Schon ansehnlicher, altehrwürdige Gebäude, eine im Aufbau befindliche Konzertbühne, eine Moschee, Flottenkommandantur, Leuchtturm sowie das Casino, welches, wie könnte es anders sein, man gerade renoviert.
Quasi am Ziel der Reise angekommen treffe ich ein weiteres Radlerpärchen. Österreicher. Aus Kärnten. Wir plaudern ein wenig, dann steuere ich meine Unterkunft an - ein Wohnung, die man zimmerweise vermietet. Ich nutze den schnellen Weg ins Internet und schaue, wie ich den Rückweg antreten könnte. Auf einem der Flusskreuzfahrtsschiffe? Scheidet aus. Zu teuer und Fahrräder werden nicht mit transportiert. Auf einem Frachtschiff? Auf die Schnelle finde ich niemanden, der adäquates anbietet. Werde ich wohl zunächst einmal das Verkehrsmittel nutzen, das mich hierher trug. Die Route? Ich habe immer noch keinen Plan und werde es machen, wie die Schildkröte. Immer einen Schritt nach dem anderen.



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