auf den Spuren von Ute & Dirk Prüter

Erft-Ahr-Rhein Tour

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Die letzte Proberunde vor dem "Ausflug" ans Mittelmeer. Ute sorgte sich noch immer hinsichtlich der zu bewältigenden Höhenmeter, welche die Überquerung der Pyrenäen mit sich bringen würden. Entsprechend wollten wir doch noch versuchen, die bereits ausgearbeitete Erft-Ahr-Rhein Tour abzuradeln, zumal auch Bekannte uns von der Runde begeistert berichtet hatten.
In einer ersten Etappe starteten wir Fronleichnam Nachmittags zum Liblarer See. Um wenigstens auf über 25 Kilometer zu kommen, fuhren wir über die Rheinbrücke anstatt per "Krokodil" Fähre quasi vor der Haustür den Strom zu überqueren. Bis auf die letzten paar Kurven war mir der Weg bereits bekannt und dementsprechend wenig aufregend verlief die Radelei. Am Heider Bergsee, an dem wir uns einige Wochen zuvor bzgl. der Zelte hatten beraten lassen, legten wir kurz vor dem Ziel und bei noch schönem Wetter einen Halt ein und wurden Zeuge, wie ein aufgeblasener Delphin vom Wind über das Wasser Richtung Uferböschung getrieben wurde. Der zurückgebliebene Besitzer (räumlich - alles andere entzieht sich unserer Kenntnis) fand in der Besatzung eines ebenso aufgeblasenen Gummibootes ein Rettungsteam, so dass wir uns mit unserer Hilfsbereitschaft zurückhielten und uns stattdessen von der Aktion unterhalten lassen konnten.
Auf dem Campingplatz angekommen schafften wir es gerade noch, unser Zelt im Trocknen aufzubauen. Anschließend wurden zunächst die sanitären Einrichtungen konsultiert, bevor es uns schließlich in das Restaurant verschlug.
Entgegen den Speisekarten der Ostfrieslandrunde, die reichlich Fischgerichte enthielten, fanden wir in der Kölner Bucht auf der ersten Seite ein knappes Dutzend Schnitzelvarianten. Angetan hatte es meiner Frau entweder das Stück Schwein mit Paprikarahmsauce oder selbiges mit Paprika- und Zigeunersauce. In unserer Entschlussfreudigkeit ließen wir uns vom Restaurantpersonal unterstützen und fragten, was denn der Unterschied zwischen den beiden Alternativen sei. Bereitwillig und fachkundig gab der von der Bedienung herbeizitierte Küchenspezialist Auskunft, dass die Paprikarahmsauce mit Sahne und die Zigeunersauce halt mit Zigeunerstückchen angemacht sei; neugierig geworden entschloss sich meine Frau frei von rassistischen Gedanken für die zuletzt genannte Variante, während ich ein leicht zähes Schweinefilet mit unmissverständlicher Pfeffersauce verdrückte.
Ein weiteres Highlight des Campingplatzes waren die Sanitäranlagen. In den Duschen gab es einen seltsam anmutenden Automaten, der entfernt an eine Parkuhr erinnerte und ebenso darauf wartete, mit Münzen gefüttert zu werden.
Eingefleischten Campern werden die ein wenig antiquiert wirkenden Kästen vertraut sein, uns hingegen kostete es einen Moment zu verstehen, welche Handgriffe erforderlich waren, um das Wasser fließen zu lassen. Einmal den Griff an den linken Anschlag drehen, dann zurück an den rechten, und zu guter Letzt noch einmal zur Dosierung der Wassermenge in die gewünschte Position - bis zum Ablaufen der Uhr.
Ohne zeitliche Limitierung wurde hingegen der gesamte Wasch- und Toilettenraum mit seichter Entspannungsmusik berieselt, die an sich zum Verweilen einlud. Dem entgegen sprach allerdings ein Energiesparmechanismus, der das Licht nach einigen Minuten selbsttätig abschaltete. Zudem war uns fremd, dass es in den WC Zellen kein Klopapier gab, sondern man sich mit diesem im Vorraum einzudecken hatte. Was passierte, wenn man dabei zu beherzt zugriff, konnte ich auf dem Boden der Nachbarkabine liegend bewundern, der andere Fall blieb die Ausgangsbasis für phantasievollere Vorstellungen.

Tags drauf, ein Brückentagsfreitag, sollte es die Erft hinauf in die Eifel gehen. Wie der Wetterbericht es prophezeit hatte, war der Himmel reichlich mit grauen Wolken bedeckt. Um 10:15 Uhr saßen wir zwar bereits auf den Rädern, mussten aber vor dem Tor des Campingplatzes wieder absteigen, um zu bezahlen, und hatten auch noch nicht gefrühstückt.
Eine knappe halbe Stunde später erreichten wir nach 3 Kilometern Fahrt einen Supermarkt. Ute durfte sich der ehrenvollen Aufgabe widmen, uns mit belegten Brötchen und Kaffee zu versorgen, während ich aufpasste, dass weder Räder noch Ausrüstung unerwünscht den Besitzer wechselten.
Kaum war ich allein, fing es an zu regnen, wobei diese Formulierung dem mit Hagel vermischten Wolkenbruch nur ansatzweise gerecht wird. Der Spuk war aber ebenso schnell wieder vorbei, wie er hereingebrochen war, und kaum hatten wir das Frühstück verdrückt, waren wir mit unserer Regenbekleidung auch schon wieder "overdressed". Doch egal, wir radelten zunächst einmal weiter, bis wir bei Erftstadt das nach dem Ort benannte Flüsschen erreichten.
Bis dahin waren die Regenwolken einem stellenweise sogar blauen Himmel gewichen, so dass die wasserfeste Kluft einstweilen wieder abgelegt werden konnte.
Auf unserem weiteren Weg die Erft entlang kamen uns immer wieder mehr oder weniger große Grüppchen Radler entgegen. Man grüßte sich freundlich, sah, dass man nicht der einzig Verrückte war, und setzte seinen Weg fort. Bei einem Pärchen, welches auf einer Bank am Wegesrand Rast gemacht hatte, machten wir ebenfalls halt. Nach kurzem Hallo, wo kommt ihr her und wo geht es hin und so weiter boten uns die beiden von ihren Kirschen an, die sie genüsslich naschten. In diesem Zusammenhang stellte sich heraus, dass die Früchte aus eigener Ernte stammten, nur halt nicht aus dem heimischen Garten, sondern aus den Bäumen, die sich direkt hinter der Sitzgelegenheit reihten - so kann man es auch machen.

Bis hinter Euskirchen konnten wir unsere Fahrt trocken fortsetzen, bevor uns vor Bad Münstereifel der nächste Schauer erwischte und bis in den Ort hinein begleitete. Dort fanden wir mit dem "Café T" ein uriges Bistro, in dem wir uns mit Salat und überbackenem Käse im Fladenbrot stärkten, unsere Wasserflaschen auffüllten und uns selbst entleerten. Ute war ganz begeistert von dem kleinen Museum im Innern des Lokals, während mich eher der Veranstaltungskalender mit einigen Blues Konzerten ansprach, die sich aber leider nicht ganz mit unserer Terminplanung in Einklang bringen ließen.
Nach einer Stunde brachen wir abermals auf, schossen noch ein paar Fotos im Ort und setzen unseren Weg fort.
Noch nicht ganz aus Bad Münstereifel heraus bekamen wir einen Vorgeschmack dessen, wie es weiter gehen sollte - deutlich hügeliger als bis dahin.
Eine weitere gute Stunde und einige Drahtesel geschobene Meter später hatten wir die Quelle der Erft bei anhaltend nieseligem Wetter erreicht. Das Wasser sprudelte hinter einem Gitter aus dem Boden hervor und 2 andere Radler standen gerade im Aufbruch in die Richtung, aus der wir kamen.
Auch mit ihnen tauschten wir uns über unsere Strecken aus und nutzen die Gelegenheit, uns vor der Quelle gemeinsam ablichten zu lassen. Darüber hinaus folgte ich dem Rat der beiden, meine schon wieder leere Wasserflasche nun mit frischem Quellwasser zu füllen, während Ute der natürlichen Betankung ungerechtfertigterweise misstraute.
Um kurz vor 18:00 Uhr machten wir uns zur Schlussetappe des Tages auf, die zunächst darin bestand, weitere Höhenmeter zu bewältigen. Im Dörfchen Frohngau unterbrachen wir abermals unsere Fahrt, um Energieverluste mit Schokoriegeln und anderen dubiosen Präparaten zu kompensieren, nachdem die Steigungen steiler geworden waren und zum Schieben einluden.
Aber wie auch immer, den Anstiegen folgten Abfahrten, und über Landstraßen und Waldwege erreichten wir schließlich gegen 19:30 Uhr den Freilinger See und damit den Campingplatz für die Nacht. Das Gelände erstreckt sich entlang eines Hügels und wir hatten die Wahl, uns auf der Sommer-, der Grill- oder der Indianerwiese niederzulassen. Nach eingehender Besichtigung der Zeltgründe entschieden wir uns, unser Tipi bei den Rothäuten unter dem Marterpfahl aufzuschlagen, neben einem Ross aus Plaste und Elaste auf 4 Rädern - ein Trabi mit Kölner Kennzeichen.

Die Waschräume dieses Campingplatzes zeichneten sich hier zu Utes Freude dadurch aus, dass es Kabinen mit Klo und Dusche hinter einer Tür gab, sowohl Klopapier als auch Licht und Wasser ohne künstliche Beschränkung zur Verfügung standen und es auch sonst keinen Anlass zur Beanstandung gab.
Nach Zeltaufbau und Duschen ging es in das Restaurant des Campingplatzes. Während wir uns für Spareribs entschieden, erbettelte ich eine Ladung Strom für den Rechner, auf dass dieser uns auch für den Rest der Tour zur Verfügung stehen sollte.
Was die anschließende Nachtruhe anbelangte, so gingen die Empfindungen meiner Frau und mir abermals auseinander. Die Nacht zuvor störte uns am Liblarer See anfangs eine nahe gelegene Autobahn oder Schnellstraße bzw. der daraus resultierende Autolärm. Hier fiel ich recht zügig in einen komatösen Schlaf, wohingegen Ute den dumpfen Bässen einer vermeintlichen Dorfdisko bis kurz vor Sonnenaufgang ihre Aufmerksamkeit schenkte. Beim morgendlichen Frühstück im Restaurant erfuhren wir allerdings, dass weit und breit kein entsprechendes Etablissement existiere, sondern dass wahrscheinlich Jugendliche am See für die Beschallung verantwortlich gewesen sein dürften.

Nachdem wir uns unsere Brötchen einverleibt und das Gepäck auf die Räder verteilt hatten, sahen wir unser Vertrauen unseren Mitmenschen auf dem Campingplatz entgegen vorheriger Einschätzung als erschüttert an - Utes Fahrradhelm war verschwunden!
Wir suchten den von uns okkupierten Platz weiträumig ab, befragten unsere Nachbarn und stellten wildeste Vermutungen an, doch der Kopfschutz blieb verschollen. Beim Verlassen des Platzes hakte ich an der Rezeption vorsichtshalber noch einmal nach - und wurde belohnt!
Meine Frau dürfte ihn auf der Bank vor dem Gebäude in ihrer Erschöpfung liegen gelassen haben und ein ebenso aufmerksamer wie ehrlicher Zeitgenosse hatte sich des guten Stücks angenommen - das Vertrauen in die Gesellschaft war wiederhergestellt.
Abermals wurde es so fast wieder 11:30 Uhr, bevor es richtig losging. Nach einigen Metern über Wald- und Feldwege fanden wir uns mit einem Mal auf einer zugewucherten Treckerspur wieder, die auf den Google Earth Bildern noch deutlich befahrbarer erschien. Vollends zugewachsen war schließlich die Strecke, die uns zurück auf die Straße und hin zum Ahrtalradwanderweg führen sollte. Da der Nieselregen angehalten hatte, stiefelten wir also in unseren Regenklamotten und die Räder schiebend den Hang hinunter durch das fast kniehohe Gras.
Auf dem Radweg ging es hingegen zügig weiter.
Leichtes Gefälle und eine gut ausgebaute Piste sorgten trotz zahlreicher einladender Rastplätze, die wir Wetter bedingt ohne schlechtes Gewissen ungenutzt links liegen lassen konnten, für ein gutes Vorankommen. Irgendwann lösten Weinberge die bewaldeten Hügel ab und die Dichte der Weinstuben in den Dörfern entlang der Ahr nahm zu.
Wir wählten jedoch ein Einkaufszentrum außerhalb der Orte für einen etwas längeren Verpflegungsstop und trugen zum kargen Überleben des Bäckers bei.
Kurz vor Bad Neuenahr, unserem Etappenziel des Tages, legte ich schließlich meine Regenhose ab, nachdem sich andeutete, dass es trotz grauen Himmels wohl nicht mehr regnen sollte, und wurde prompt mit einem kräftigen Insektenstich in die verschwitzte Wade belohnt.
Den direkt an der Ahr und gegenüber des alten Stadtkerns gelegenen kleinen Campingplatz erreichten wir um kurz nach 18:00 Uhr. Das kräftige Geläut der Kirchenglocken ließen uns ebenso um die Nachtruhe fürchten wie der Lärm, der von einem Schützenfest nur wenige hundert Meter entfernt zu uns herüber drang: das Gehupe und Getöse einer Kirmes wurde gelegentlich von der Schützenkapelle und der Liveband im Festzelt übertönt, während das Flüsschen schon eher beruhigend durch den Ort plätscherte.
Doch die Wirtin des Campingplatzes zerstreute unsere Bedenken - hoch her ginge es auf dem Schützenfest nur alle 3 Jahre, und 2011 zähle zu den anderen beiden.
Entsprechend beruhigt und wie bereits am Vortag gestaltete sich der weitere Tagesablauf. Meine Frau zog sich zum Duschen zurück, während ich unser Lager errichtete. Nachdem auch ich mich anschließend hatte berieseln lassen, hielten wir noch ein kurzes Gespräch mit zwischenzeitlich ebenfalls per Rad eingetroffenen Nachbarn aus den Niederlanden, um uns nachfolgend in den Mauern der Altstadt den Bauch voll zu schlagen.
Ich tendierte eher zu Pizza oder Deftigem vom Griechen, ließ mich aber auch gern von Ute zu Gediegenerem in edlerem Ambiente überreden, so dass sich letztendlich ein Steak auf dem Teller vor mir befand. Erneut waren wir es, die das Restaurantpersonal in den Feierabend entließen, um danach noch eine kleine Runde über den Festplatz des Schützenfestes zu drehen.
Zu unserer Überraschung verstummte die Musik tatsächlich gegen Mitternacht und sowohl Ute als auch ich erwachten einigermaßen ausgeruht am nächsten Morgen - ob durch Kirchengeläut aufgeweckt oder nicht geriet vor der Niederschrift in Vergessenheit.
Der Sonntag dann brachte tatsächlich die angekündigte Unterbrechung des Schmuddelwetters. Nach einer erneuten Runde durch die Altstadt, diesmal zum Erwerb belegter Brötchen, ging es weiter den sich langsam füllenden Radweg hinab Richtung Rhein. Vorbei war die Zeit des freundlichen Grüßens und der kleinen Pläuschchen, stattdessen fuhr jeder für sich und sah zu, dass er dabei möglichst zügig vorankam.
So erreichten wir gegen Mittag die Ahrmündung, ließen uns dort kurz nieder, um die Morgens erlangten Brötchen zu vertilgen, und setzen unseren Weg entgegen vorheriger Planung linksrheinisch fort gen Bonn, vorbei an der nicht mehr existierenden Brücke von Remagen, dem Drachenfels und den diversen Burgen und Schlössern. In der Stadt des ehemaligen Regierungssitzes suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen am Rhein und breiteten die Zeltunterlage aus für ein Mittagsschläfchen auf der Wiese. Der Rest der Strecke führte uns über bereits bekanntes Terrain: die Kennedybrücke rüber und zurück auf "unsere", d.h. die kontinentale Rheinseite, Überquerung der Sieg mittels Einmann-Gierfähre an der langen Leine, Zwischenstop auf eine Entleerung der Gedärme, eine Apfelschorle sowie eine Fassbrause in der Mondorfer Strandbar "km 660.50" und schließlich den Rhein entlang bis in heimische Gefilde.
Abschließend war festzuhalten, dass die bisherigen Touren ohne Beeinträchtigung von Ross und Reiter verliefen, die Gestaltung des Tagesablaufs noch optimiert werden konnte, auch der im Nachhinein ein wenig mutierte Insektenstich kein Zeckenbiss zu sein schien und dass uns kaum noch etwas am Erreichen des größeren Ziels hindern sollte ...