Reisetagebuch

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2015-08-17

8. Tag: 115 Kilometer (Gesamt: 853); 850 Höhenmeter, 648 Meter max. Höhe
Strecke: Donauwörth (08:30 Uhr) – Ellighofen (Nähe Lech; 18:15 Uhr)
Wetter: Regen, Nachmittags nachlassend, 16°

Die Nacht bleibt trocken, doch laut Wettervorhersage soll es ab 09:00 Uhr regnen. Entsprechend beeile ich mich meine Sachen einzupacken, bevor sie nass werden, und gewinne den Wettlauf mit der Zeit. Anschließend habe ich es nicht mehr gar so eilig, schlendere noch rüber zu dem Liegedreirad Fahrer, um ihn bezüglich seiner Erfahrungen mit dieser Form des Reisens zu interviewen. Er habe das Gefährt seit drei Jahren und ist bislang zufrieden. Der aufgezogene Regenschutz sei recht effektiv, einzig auf losem Boden empfinde er die dreispurige Fahrweise als anstrengender - hört sich nachvollziehbar an. Und ein paar Mal umgekippt sei er auch schon, wenn auf unebenem Boden das eine Rad in eine Senke laufe, während das andere gerade über einen Stein rumpelt. Wir fachsimpeln noch ein wenig über sinnvolle Ausstattung, die Stromversorgung unterwegs sowie das Fahren nach Navi. Es ist mal wieder beruhigend festzustellen, dass ich mit meinen bisherigen Erkenntnissen nicht alleine da stehe.
Ein wenig schweren Herzens verlasse ich anschließend die Zeltwiese. Es sind noch so viele Radler dort von denen ich gerne noch erfahren, wo es sie herum treibt, doch die Zeit schreitet voran und alle sehen zu, los zu kommen. Wer auf der Suche nach Gleichgesinnten ist, dem sei der Kanuclub Donauwörth nur empfohlen. Zumindest ich kann mir durchaus noch eine weitere Route vorstellen, die mich hier vorbei führen könnte.
Dem Aufbruch folgt eine kurze Stadtbesichtigung. Ein weiteres Mal Bewundern der alten Gemäuer, ein kleines Frühstück in einem Café, dann ist es 09:00 Uhr und ich rolle auf dem Römerweg weiter, der Via Claudia Augusta. Einige Abschnitte verlaufen identisch mit der vorherigen Route, der D9, der Romantischen Straße, andere weichen ab.
Die Donau bekomme ich nur einmal kurz zu Gesicht, als ich sie an der Mündung der Wörnitz überquere, anschließend geht es über die Dörfer und Felder weiter zum Lech. Unterwegs bewahrheitet sich dann die Prognose der Meteorologen - es beginnt zu regnen. Ich verzichte diesmal von Anfang an darauf, die Regenjacke über zu ziehen. Die Windbreaker Weste hält mir die Brust frei vom Wind, aber sobald ich nicht strample, wird es frisch. Bis Augsburg jedoch bin ich ausreichend in Bewegung, was nicht zuletzt dem grob geschotterten Radweg entlang des Lech geschuldet ist und ich denke an die Worte des Liegedreirad Fahrers, wie er sich erst über den Untergrund freuen dürfte; über 10 Kilometer lang dauert das Vergnügen. Zumindest bleibe ich dabei von Steigungen und Gegenwind verschont und rede mir immer wieder ein, dass, wäre ich auf Island unterwegs, es vielfach auch nicht besser aussähe. Und für die anstehende Passage über die Berge können ein wenig forderndere Bedingungen auch nicht schaden.
Dem Lech sieht man an, worüber die Einheimischen klagten - es sei zu lange kein Regen gefallen. Das Kiesbett ist häufig sichtbar, wird nur am Rande vom Wasser umspült, und wäre es sonniger und wärmer, es wäre sicherlich ein Vergnügen, sich in den Fluten abzukühlen. Dass es aber auch so nicht langweilig wird, dafür sorgt die Begegnung mit einem entgegen kommenden Radler Pärchen. Kurzer Plausch unter einer Brücke, Informationen darüber, wie lange sich die Reifen noch durch den Kies drücken müssen, dann fährt jeder, begleitet von den besten Wünschen, seines Weges.
Kurz vor Augsburg dann noch eine Schikane, die mir die jüngste Bekanntschaft verschwieg und mich an einen Tag in Frankreich erinnert - ein umgestürzter Baum auf dem Weg. Die Ausweichstelle drum herum führt durch stacheliges Gestrüpp, und kurze Zeit später bin ich in der Stadt. Wachtürme, Dom, Rathaus, diverse andere historische Bauten, das Schaufenster der Puppenkiste - alles schön anzuschauen, doch mit den Regentropfen auf der Linse fange ich nur verschwommene Eindrücke ein, außerdem fehlen Licht und Farben.
In einem Sportgeschäft werde ich fündig auf der Suche nach einem Paar Socken, die ich unter den Sandalen tragen kann, um das Scheuern an den Zehen zu minimieren, in einer Metzgerei wärme ich mich beim Mittagsmenü auf, und nach knapp zwei Stunden liegt eine weitere namhafte Stadt hinter mir.
An einem Wehr, an dem der Lech gestaut wird, eine weitere Sehenswürdigkeit am Wegesrand: die Wettkampfstrecke der Kanuten, 1972 Austragungsort der olympischen Spiele. Ist schon beeindruckend sich vorzustellen, wie die Paddler sich durch Fluten kämpfen. Leider ist, solange ich einen Blick auf das Wildwasser werfe, niemand unterwegs.
Ansonsten bleibt der Tag eher ereignislos. Landschaftlich dominieren Felder und Wälder, die Strecke ist eben, und von dem, was sich hinter dem bayrischen Alpenvorland befindet, ist keine Spur zu sehen. Zu tief hängen die Wolken, aus denen ich immer wieder nass werde. Versuche, zum Tagesabschluss ein preiswertes Zimmer in einer Pension zu bekommen, scheitern, Einkaufsbemühungen, eine Tüte Soja- oder Hafermilch für ein morgendliches Müsli zu erstehen ebenso, dafür gewährt mir aber ein Bauer, das Zelt auf einer Wiese aufzustellen. Dort, wo das Clubhaus eines Segelflieger Vereins steht, kann ich mich breit machen, ein Bach rauscht auch in der Nähe, so dass die tägliche Wäsche nicht zu kurz kommt, dass einzige, was ich vermisse, während im heimischen Porz der Radlertreff tagt, ist die Begegnung mit einem eben solchen - und wenn es nur die kühle erfrischende Variante wäre ...



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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