Reisetagebuch

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Bilder

2015-08-25

16. Tag: 0 Kilometer (Gesamt: 1549); 0 Höhenmeter; 0 Meter max. Höhe
Strecke: Venedig
Wetter: leicht bewölkt, überwiegend sonnig, 26°

Wie beabsichtigt, lege ich einen Tag Pause ein. Nicht, dass ich des Radelns überdrüssig geworden wäre, aber Venedig habe ich bislang noch nicht mit eigenen Augen gesehen, und so gibt es eine Besichtigungstour durch die Stadt.
Dass dafür das Rad ungeeignet ist, konnte ich bereits aufschnappen, entsprechend bleibt es angekettet am Hotel zurück. Der Weg zum Hafen, ich befinde mich schließlich auf der Insel Lido-Di-Venezia, also dem Strand der Stadt, ist mir bereits vom Vortag bekannt. Von dort aus starte ich meine Besichtigung mit dem Wasserbus. Ähnlich, wie es in anderen Großstädten Busrouten zur Erkundung der Sehenswürdigkeiten gibt, existieren diese hier in Bootsform, dienen aber gleichzeitig dem öffentlichen Personennahverkehr. Für 30 Euro erstehe ich ein Zweitagesticket, mit dem es mir möglich sein sollte, auch am nächsten Tag wieder das Festland zu erreichen. Zunächst aber wähle ich die Vaporetto Linie 1. Im Heck des Dampfers erwische ich einen Sitzplatz im Freien, und über den Canale Grande geht es vorbei an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Dogenpalast, Markusplatz und Rialtobrücke sind Orte, die ich dem Namen nach bereits kenne, der Rest ist Neuland für mich. Eine englische Familie neben mir ist besser informiert. Aus einem Reiseführer wird zitiert, was gerade zu sehen ist, mir reichen die Eindrücke als solche, ohne dass mir Namen und Geschichte bekannt sein müssen; ich fühle mich ohnehin Reiz überflutet. Es ist alles sehr beeindruckend, ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst blicken soll. Rechts, links, überall gibt es etwas zu entdecken, und sei es nur die Armada von Taxis, Bussen, Gondeln und was sonst noch alles unterwegs ist; ob Ordnungshüter, Getränkelieferant, Müllabfuhr, Paketdienst - sie alle bewegen sich auf dem Wasser. Am Piazzale-Roma ist Endstation. Ich muss aussteigen. Schade, ich hatte mich schon auf die Rückfahrt gefreut, um die Motive mit der Kamera einzufangen, die für mich bislang auf der „falschen“ Seite lagen. Doch egal, ich steige um auf die Linie 2, die über den Canale-della-Giudecca zurück nach San Marco, zum Markusplatz, führt. Wieder bekomme ich einen Sitzplatz im Heck und von dort aus auch die neuere Seite der Stadt zu Gesicht: den Bahnhof, eine Hochbahntrasse, am Horizont Industriegebiete, dem Anschein nach Petrochemie, sowie jüngere Wohngebiete - schließlich leben auch einige Tausend Menschen in der Lagune.
Als ich nach insgesamt über einer Stunde Bootstour wieder festen Boden unter den Füßen habe, bin ich Bestandteil eines nicht endend wollenden Stroms von Touristen. Um mich herum Menschen aus aller Herren Länder, ein bunter Mix an Sprachen, wenn ich Deutsch heraus höre, ist es auffallend häufig mit bayrischem Zungenschlag.
Ich lasse mich treiben und folge der Route, die mir die Rezeptionistin im Hotel empfohlen hatte. Alles zu sehen, dass sei an einem Tag ohnehin nicht möglich. Sie sei 27 und kenne auch nicht alles. Sehr sympathisch. Mir geht es mit Köln ähnlich, kenne auch nur einen Bruchteil der Stadt, in der ich seit mittlerweile mehr als 20 Jahren lebe, und würde mich schwer tun, jemand anderem zu sagen, was er an Sehenswürdigkeiten gesehen haben sollte. Entsprechend geht es für mich, mit der Kamera in der einen und dem Navi in der anderen Hand, vom Markusplatz durch enge Gassen sowie über schmale Brücken und versteckte Plätze vorbei an der Kunstakademie zur Rialtobrücke. Sind es mir 15 Euro Eintritt nicht wert, die weltweit größte Sammlung venezianischer Malerei zu bestaunen, so investiere ich die gute Hälfte dessen, um die in einer Kirche untergebrachte Ausstellung von Werken nach Skizzen Leonardo-da-Vincis anzuschauen; schon interessant, welche Gedanken sich das Universalgenie zum Traum der Menschheit, dem Fliegen, aber auch zu anderen ingenieurwissenschaftlichen Themen gemacht hat. Neben Flaschenzügen und diversen Getrieben gibt es Kanonen sowie ein Video zu sehen, das das Leben des Mannes beschreibt. Leider wird es irgendwann zu unruhig, um weiter zu verfolgen, was Da-Vinci mit Venedig verbindet, und so zieht es mich wieder zurück an die frische Luft.
Frische Luft? Nun ja, ganz so frisch ist sie nicht, in den engen Häuserschluchten, das Wetter meint es an diesem Dienstag gut, und so komme ich auch ohne Radeln ins Schwitzen. Kommt davon, wenn man in zu dickem T-Shirt und mit langer Hose herum läuft. Erfrischung verschafft ein, zumindest in original Venezia gekauftes Eis, während ein Menü für 14 Euro dafür sorgt, dass weder Hunger noch Durst aufkommen. Was Erfrischungen oder Stärkungen am Markusplatz gekostet hätten, erspare ich mir in Erfahrung zu bringen. Dem Anschein nach aber, macht man es vom Erscheinungsbild der Kellner und gedeckten Tische abhängig, dürfte es deutlich darüber liegen.
An der Rialtobrücke angekommen schwindet mein Interesse, weitere Straßenzüge zu erkunden. Ich schlendere noch über den Markt, der zum frühen Nachmittag abgebaut wird, wechsele einmal auf die andere Seite des Kanals, von der ursprünglichen Brücke sieht man übrigens wenig, sie ist eine Baustelle, dann besteige ich den nächsten Wasserbus und fahre bis Giardini, wo es laut Hoteldame ruhiger zugehen soll, und in der Tat, in einer Parkanlage folge ich dem Beispiel zahlreicher anderer, die da ausgestreckt im Schatten auf Wiesen und Bänken liegen. Ich schließe ein wenig die Augen, frage mich, ob heutige Zentren der Macht in ein paar hundert Jahren ebenso Scharen von Touristen anziehen, oder ob von den Glaspalästen und Stahlkonstruktionen nicht mehr viel übrig bleibt, und bereue den Tag Auszeit in der Auszeit in keinster Weise. Sicher, man könnte noch tiefer eintauchen, in die Stadt, aber der Tag reicht mir. Eindrucksvoll war es, aber ich nehme ein Bild einer Stadt mit, die heute einzig und allein vom Fremdenverkehr lebt.
Auf dem Rückweg zum Hotel mache ich Halt am Supermarkt, mein Bedarf an überzogenen Preisen ist gedeckt, nehme mir einen Salat, etwas Brot und ein paar Flaschen Radler mit, um nicht erneut Opfer raffgieriger Halsabschneider zu werden - 16 Euro kosteten mich am Vorabend zwei große Gläser des Erfrischungsgetränks, was das Budget deutlich sprengte und einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Abschließend folgt eine kleine Inspektion des Rades, die Bremsbeläge des Hinterrades werden ersetzt, Schrauben und Speichen auf festen Sitz überprüft, die Haarschneidemaschine kommt zum Einsatz (nicht am Rad), und ich schaue, wo ich am nächsten Tag landen könnte, sofern nichts dazwischen kommt. Laut Karte lässt das Po Delta auf Sehenswürdigkeiten ganz anderer Art hoffen, und entsprechend der Wettervorhersage sollten die Aussichten nicht getrübt sein …



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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