Reisetagebuch

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Bilder

2015-08-31

22. Tag: 99 Kilometer (Gesamt: 2181); 427 Höhenmeter; 99 Meter max. Höhe
Strecke: Pavia (09:30 Uhr) - Nähe Casale Monferrato (17:45 Uhr)
Wetter: sonnig, 33°

Der vierte Montag meiner Reise - es kommt mir vor wie eine kleine Unendlichkeit, seit ich gestartet bin. In etwa dürfte die Hälfte der Strecke bis Dénia hinter mir liegen. In etwa, Turin ist mein gedanklicher Mittelpunkt. Ob es stimmt, werde ich am Ende sehen; einstweilen fehlen mir noch zwei Tagesetappen bis dorthin. Die Stärkung für die erste hole ich mir am Hotel Buffet. So reichlich ist das Angebot nicht, statt Brötchen, wie noch in Venedig, gibt es in Pavia nur geschnittenes Baguettes, doch bis zum Mittag soll es reichen.
Bis ich los komme, das Rad aus dem verschlossenen Raum befreie, alles bereit ist für die Abfahrt, vergeht eine ähnliche Zeit wie mit dem Zeltabbau, doch hatte ich mir den Wecker eine Stunde später gestellt. Am Vorabend war es doch etwas später geworden - die späte Ankunft im Hotel, das Abendessen, der Reisebericht, und zu guter Letzt ein wenig amüsanter Gute-Nacht-Lektüre. Die ersten Seiten Tom Liehrs jüngsten Romans, Nachttankstelle, herunter geladen auf das Smartphone, ließen Mitternacht verstreichen, bevor das Licht verlosch.
Die ersten Kilometer zurück auf die Route führen mich an den Stellen Pavias vorbei, die ich am Vorabend auf der Suche nach dem Hotel im Eiltempo links liegen ließ. Die Burg, die Kathedrale, die Altstadt, dann bin ich zurück am Fluss. Es ist noch nicht der Po, sondern der Ticino; vom erstgenannten trennen mich weitere Kilometer, wobei ich diesen nur selten zu Gesicht bekomme. Häufig geht es in einiger Entfernung über Felder und vorbei an Wäldern. Die Abstände zwischen den Ortschaften werden dabei größer, die Wege schlechter, misst man die Qualität am Untergrund, der häufig genug aus losem Schotter besteht. Auch nehmen die Hügel zu. Keine großen Erhebungen, jedoch nicht mehr so flach wie auf den voran gegangenen Abschnitten. Auch die Berge im Süden zeichnen sich klarer ab. Mal sind drei hintereinander liegende Höhenzüge auszumachen, die ersten davon laut Karte in etwa 20 Kilometer Entfernung, doch 20 Meter Anstieg am Stück bleiben einstweilen die Ausnahme.
Keine Probleme bereiten Verpflegung und Wasserversorgung. Im vorletzten Dorf des Tages, Sartirana, gibt es sogar eine Luxusversion des Durstlöschers. Die Bewohner bekommen gegen kleines Entgelt einen Chip zur Verfügung gestellt, mit dem sie gekühltes Wasser mit oder ohne Kohlensäure, je nach Geschmack, in beliebigen Mengen zapfen können. Der Chip ist schnell gezückt, und so profitiere auch ich von der Erfrischung. Den Wassersack zum Duschen fülle ich im Nachbarort, in Breme, ohne zu wissen, dass ich mir den Aufwand hätte sparen können. Zehn Kilometer weiter komme ich nämlich an einem Restaurant vorbei. Es scheint geschlossen, doch um die Ecke herum gibt es ein Freibad. Mit dem Gedanken, dort eine warme Mahlzeit und etwas Trinkbares mit Geschmack zu bekommen, mache ich Halt und frage auch direkt nach, ob ich mein Zelt nach Beendigung des Badebetriebs auf der Wiese aufschlagen könne. Nein, auf dem Gelände des Freibades nicht, aber auf dem nebenan gelegenen Parkplatz, da sei es kein Problem, und ein Wasseranschluss existiert dort ebenso. Hört sich schon mal nicht schlecht an, doch es kommt noch besser. Ob ich denn das Rad mit dem Gepäck zunächst einmal neben dem Schwimmbad stehen lassen könne, dann würde ich nämlich gerne eine Kleinigkeit am Imbissschalter erstehen und mich im Bad erfrischen. Kein Problem. Als ich mich mit einem Radler und einem Stück Pizza an den Tisch des Betreibers der Anlage setze, erneut hilft mir das Spanisch weiter, erfahre ich, dass dies der letzte Tag der Saison sei, für übermorgen Regen angekündigt ist, und insofern könne ich eigentlich doch mein Zelt auf der Liegewiese aufschlagen. Man zeigt mir die Toiletten, die ich benutzen kann, und kurze Zeit später stehe ich unter der Dusche beziehungsweise erfreue mich der Abkühlung im Schwimmerbecken.
Als die Gäste so langsam abrücken, schlage ich meine Unterkunft unter leicht neugierigen Blicken einiger Jugendlicher auf, und kaum stehe ich vor dem Waschbecken und knete meine tägliche Wäsche durch, da steht die Frau des Betreiber in der Tür, weist mich darauf hin, dass das Essen angerichtet sei und was ich denn dazu trinken möchte, ob ein Bier recht sei? Ich fasse es nicht! Das angebotene Getränk nehme ich gerne an, und auf dem Tisch warten bereits Tintenfisch, ein Meeresfrüchtesalat mit Reis sowie ein Korb Brötchen auf mich, Erinnerungen an die Hilfsbereitschaft in Schweden werden wach und ich weiß gar nicht, wie ich meiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen kann. Ob das Mil-Mil-Grazie rüber bringt, was ich sagen will?



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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