Reisetagebuch

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Bilder

2015-09-02

24. Tag: 96 Kilometer (Gesamt: 2380); 565 Höhenmeter; 482 Meter max. Höhe
Strecke: Turin (09:00 Uhr) - Nähe Saluzzo (17:45 Uhr)
Wetter: leicht bewölkt, meist sonnig, 27°

Das im Angebot meiner Unterkunft enthaltene Frühstück hatte ich bereits am Vorabend gezeigt bekommen: eine Tüte mit einem abgepackten Croissant, ein Keks, eine Waffel sowie jeweils ein Portionsdöschen Marmelade und Honig. Tee und Kaffee stehen in einem dieser tollen Automaten zur Verfügung, in die ebenfalls das in Kunststoff portionierte Pulver der Wahl eingesetzt wird, Knopf drücken, Piepton abwarten, und fertig ist der Trunk; der Kühlschrank enthält dazu einen Liter Saft, den ich kräftig dezimiere. Die Esspappe lasse ich mir für schlechte Zeiten, so viel Platz nehmen die Tüten nicht weg, statt dessen gibt es Brötchen mit Käse sowie Banane aus meinen eigenen Beständen vom Vortag - soll ja auch nicht umsonst gekauft worden sein und schlecht werden.
Anschließend steht zur Abwechselung Frühsport auf dem Programm: drei mal aus der zweiten Etage in das Erdgeschoss, zwei mal wieder zurück; zunächst mit dem Fahrrad unter dem Arm, dann mit den Gepäcktaschen für das Vorderrad, zuletzt desgleichen für hinten. Dann folgt der Wechsel auf das andere Po Ufer. Wie in Köln befindet sich das Zentrum links des Flusses, aus Sicht der Strömung. Ute hatte mir noch einige Hinweise zugesandt, doch ich verfahre klassisch: ohne System, schauen, was kommt.
Zunächst ist es die Universität. Der moderne Gebäudekomplex sieht interessant aus, obwohl mein erster Eindruck ist, dass ich vor Juves Fußballtempel stehe. Von dort aus frage ich mich zum „Centro storico“, also der Altstadt, durch beziehungsweise folge den Hinweisschildern. Als erstes gelange ich auf den Markt. Klar, ist ja Mittwoch, doch wie es so aus sieht, ist es das jeden Tag der Woche. Ein kurzer Blick über die ersten Stände reicht mir, auf einen in die Markthallen verzichte ich direkt. Zu viele Menschen, zu eng, mit dem Rad kein Durchkommen, und ein Festival für Taschendiebe ohnehin, wie mir kurze Zeit später eine Dame vom Fremdenverkehrsbüro mitteilt. Dieses finde ich vor dem Königspalast, wo ich neben einem Stadtplan auch direkt Vorschläge für eine Route vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten erhalte - so in etwa hatte ich mir das vorgestellt.
Um 11:00 Uhr bin ich fertig mit meiner Kompromisslösung einer Besichtigungstour. Diverse alte wie neue Bauten sind bestaunt, die Fußgängerzone bin ich einmal rauf und wieder runter geradelt, habe ehrfürchtig die Feldherren bewundert, die sich in welchen Schlachten auch immer verdient gemacht haben, und mich hinsichtlich der Beachtung von Verkehrszeichen der einheimischen Bevölkerung angepasst; bei rot schaut man vielleicht einmal mehr, ob niemand kommt, der Vorfahrt genießt, ansonsten Augen zu und durch.
Bis auch der Speckgürtel der Stadt mit seinen Trabantensiedlungen hinter mir liegt, vergeht eine weitere Stunde und der Kilometerzähler zeigt noch keine 25 an. Es gab Tage, da stand an gleicher Stelle schon mehr als das Doppelte, aber es ist ja nicht meine erste Großstadt, die ich kennen lerne, und irgendwie scheint es immer auf das Gleiche heraus zu laufen. Hier ist es unübersichtlich, da kann man sich verfahren, und immer sind alle furchtbar in Eile; nichts, was einen voran bringt.
Im Grünen rollt es besser und es ist deutlich ruhiger. Im Gegensatz zu den voran gegangenen Tagen bin ich nahezu ausschließlich auf Asphalt unterwegs. Überwiegend sind es kleine Landstraßen, nur hin und wieder ein Auto, einige Kilometer eine zum Radweg umfunktionierte ehemalige Bahntrasse, es sind aber auch Abschnitte dabei, auf denen ich mich nicht sonderlich wohl fühle. Statt meditativem vor sich hin Kurbeln Überholmanöver auf Tuchfühlung. Wenn dann auch noch der LKW-Fahrer hupt, obwohl er mir ohnehin bereits im Nacken sitzt, kommt Freude auf; mag ja sein, dass in der Fahrerkabine die Geräuschkulisse eine andere ist, aber für mich sind die Transporter spätestens hundert Meter hinter mir wahrnehmbar. Meist versuche ich, mir meinen eigenen Sicherheitsabstand aufrecht zu erhalten, indem ich eine Armlänge Platz lasse zum Seitenstreifen, doch wenn ich mich aufgrund eines Flickenteppichs im Fahrbahnuntergrund dann fast in der Mitte der Spur bewegen würde, ziehe ich auch schon mal die weiße Linie selbst vor, von der aus dann meist kein Reserve besteht, noch weiter auszuweichen, weil direkt dahinter die Leitplanke oder Böschung existiert. Randstreifen? Fehlanzeige!
Je weiter ich komme, desto mehr nähern sich mir die Berge. Gut, der Berg ist ja in unseren irdischen Maßstäben eher immobil, also ich bin es, der eben diesen näher rückt. Respektabel sehen sie aus, aus der Ferne, hinter den Gipfeln tauchen weitere auf, doch auf die knapp 500 Meter Höhe, auf die ich vordringe, verläuft es harmlos. Keine gravierenden Steigungen. Dennoch ist es schön, von anderen Radlern oder Autofahrern voller Achtung gegrüßt zu werden. Der eine zeigt die Faust mit ausgestrecktem Daumen, der andere winkt, das freundliche Nicken oder ein „Salve“ im Vorbeifahren gab es auch bereits zuvor.
Eine Viertelstunde bevor die Porzer Radler ihre Feierabendrunde beginnen, beende ich meine Treterei für den Tag. Am Torrent Variata, einem aus den Bergen plätschernden Bach, finde ich ideale Bedingungen für die Übernachtung. Am Ende eines Pfades eine Wiese, auf der zwar die Spuren der letzten Grillfete noch unübersehbar sind, ein direkter Zugang zum Wasser, den nach meinem Bad ein Motorradfahrer nutzt, um mit seiner Geländemaschine über Geröll und sprudelndes Nass zu heizen, wenn er es nicht macht, wer dann, und an den Hängen über mir zwei Kirchen - da sollte doch einer friedvollen Nachtruhe nichts mehr im Wege stehen …



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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