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Reisetagebuch

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2015-09-04

26. Tag: 78 Kilometer (Gesamt: 2528); 656 Höhenmeter; 2040 Meter max. Höhe
Strecke: Colle-di-Tenda (09:30 Uhr) - Ventimiglia (17:15 Uhr)
Wetter: unterschiedlich bewölkt, 24°

Den Schlafsack zu verlassen kostet mich an diesem Morgen Überwindung. Es ist kalt, trotz langer Unterwäsche. Hätte ich eher gewusst, was mich erwartet, hätte ich eine Lage Klamotten mehr angelassen, die ich am Vorabend noch trug und nun wieder überziehe. Nachts hatte ich noch mal einen kurzen Blick nach draußen geworfen und war fasziniert von dem Sternenhimmel über mir. Gerne hätte ich mir das ganze länger angeschaut, doch der eisige Wind hatte mich abgehalten. Dieser ist am Morgen weg, als ich um 07:00 Uhr auf ein Thermometer schaue. Die Quecksilbersäule steht in Höhe der 5° Markierung. Ich beschließe, erst einmal alles gut eingepackt zu erledigen, was zu tun ist, in der Hoffnung, dass die Sonne durch kommt, bis ich mich in meine Radler Kluft werfe, die größtenteils noch klamm auf der Leine hängt. Meine Rechnung geht auf. Die Sonne setzt sich mehr und mehr durch, ich erlebe ein beeindruckendes Farbspiel auf den Gipfeln, die mich umgeben, und als gegen 08:30 Uhr das Zelt in der Packtasche verschwunden ist, sind T-Shirt, Socken und Co auch gar nicht mehr sooo feucht. Auch die Hütte, vor der ich campierte, hat wieder geöffnet, ich beschließe, nach meinem kargen Frühstück, einem Brötchen mit Käse vom Vortag, mir noch einen Cappuccino zu gönnen, wobei ich mit der Bedienung ins Gespräch komme. Wir unterhalten uns in englisch, der Akzent der Dame hinter dem Tresen klingt gar nicht so südländisch, und als ich nachhake erfahre ich, dass die Gute aus Newcastle kommt. Lag auch schon mal auf dem Weg. Auf der anderen Seite bin ich nicht der erste Radreisende, der sich zu ihr verirrt hat. Hätte mich auch überrascht. Sie erinnert sich unter anderem an einen weltreisenden Kanadier, der mit dem Rad in Neuseeland gestartet war, einen Wanderer, sowie jemanden, der mit einem seltsamen Vehikel den Berg herauf gefunden hat. Ein Dreirad, in dem man fast liegt, mit einem Verdeck, das über und über mit Solarzellen besetzt war. Sie an, als ob ich so etwas in der Richtung nicht in einem Vortrag auf der Spezi gehört hätte.
Als ich aufbreche, ist es 09:30 Uhr. Der Himmel über mir ist blau, es folgen noch einige Höhenmeter auf holpriger Piste, dann dürfte der höchste Punkt der Tour erreicht sein - gute 2000 Meter. Die Landschaft ist umwerfend. Alle paar Meter bleibe ich stehen, um auf den Auslöser zu drücken. Die Ruhe hier oben, nur einige wenige Wanderer sind unterwegs, die Hänge und Gipfel, die wärmenden Strahlen der Sonne, trotz frischer Luft - ein Hochgenuss. Vögel zwitschern, ein paar dicke Brummer summen über das Gras, Rehe, die vor mir Reißaus nehmen, und wenn ich nach unten blicke, enge Serpentinen und ein Stau. Nur 10 Kilometer zieht sich der Höhenweg, der sich wegen meiner noch eine ganze Weile hätte fortsetzen können. Vor dem Abzweig runter nach Casterino entdecke ich so etwas wie einen Platz zum Picknicken. Er ist zwar bereits belegt, zwei Autos stehen dort, aber ich will mir noch eine Portion Müsli einverleiben. Die dort bereits Verweilenden wie auch ich staunen nicht schlecht als wir feststellen, dass wir Landsleute sind. Aus Berlin beziehungsweise Umgebung kommen die drei Herren, die sich hier für längere Zeit niedergelassen haben und in Tagestouren die Gegend erkunden. Das angebotene Bier lehne ich dankend ab, den Stuhl nehme ich aber gerne an - brauche ich den eigenen nicht auszupacken. Wir unterhalten uns noch ein wenig, dann bricht das Trio mit einem der Wagen auf, den ich später am Wegesrand noch einmal entdecke.
Die ersten Kilometer talwärts gestalten sich anstrengender als vermutet. Der Untergrund ist lose und bei waagerechten Kurbeln, den Hintern fast über dem Gepäckträger und mit angezogenen Bremsen holpere ich voran, ein wenig besorgt, dass Rad und Taschen den Parcours unbeschadet überstehen. Gedanken an Arbeitskollegen werden wach, als mir unterwegs Mountainbiker begegnen. Kollegen, die von der Tour zum Tegernsee begeistert waren, hatten oder haben einen weiteren Ausflug geplant, der im Harz stattfinden soll. Bestimmt auch ein Brocken, aber wann genau es los geht, oder ging, ich habe es vergessen.
Ein Trupp Motorradfahrer weckt die nächsten Erinnerungen. Ein Freund hat das gleiche Hobby. Ihm würde die Strecke wahrscheinlich auch gefallen, wenngleich bei der höheren Geschwindigkeit die landschaftlichen Reize untergehen dürften, ich würde da eher mit Wanderern tauschen, die dürften noch mehr von der Natur haben.
Casterino, auch wenn es nicht so klingt, ist der erste Ort in Frankreich, der auf dem Weg liegt. Es gibt nur wenige Häuser, ein paar Restaurants, Pensionen und Hotels sowie den jungen Mann, der mir mit zwei Eseln fast im Wege steht. Ob er auch Reisender ist? Nein, Einheimischer, der die Leute auf der Alm mit Nachschub versorgt.
Nach kurzem Stopp geht es weiter, nun auf glatterem Asphalt. Ich lasse das Rad rollen, nur vor den Kurven wird gebremst. Kilometer fliegen dahin. Es geht viel zu schnell, wobei mir durch den Kopf geht, dass ich den Weg in umgekehrter Richtung nicht fahren möchte – er kommt mir deutlich steiler vor. Vielleicht aber auch einfach nur ein Eindruck aufgrund der höheren Geschwindigkeit. Nach einem Staudamm am Weg mit Saint-Dalmas-de-Tende der nächste Ort. Im Vorbeifahren stelle ich fest, dass die Preise für eine Mahlzeit deutlich über denen in Italien liegen, also nur ein paar Bananen aus dem Supermarkt, ein Anruf zu Hause, dass weiterhin alles in Ordnung ist, ab Limone-Piemonte gab es nämlich keinen Funkkontakt mehr für das Mobiltelefon, dann folge ich auf einer Landstraße der Roya (der Fluss trägt im französischen wie italienischen den Artikel „la“). Die Kreuze, Blumensträuße und Bilder Verunglückter am Straßenrand fördern mal wieder nicht gerade das Vertrauen in die Strecke, bei einem Überholmanöver kommt mir ein Autofahrer auch bedrohlich nahe auf meiner Spur entgegen. Am Rand nehme ich teils bizarre Formationen an Felswänden wie im Flussbett wahr, doch mit dem Verkehr im Nacken, bei fehlendem Seitenstreifen und durch teils enge Schluchten sowie heftigem Gegenwind fehlte mir der Mut, stehen zu bleiben und zu fotografieren.
Nach circa 30 Kilometern bin ich froh, die Piste auf italienischem Boden wieder zu verlassen und dem ehemaligen Straßenverlauf zu folgen, bevor man den Verkehr durch einige Tunnels lenkte. Jetzt, wo ich die Möglichkeit habe, schlängelt sich das Wasser verhältnismäßig unspektakulär durch das Tal. Auch ein Verpflegungsstopp bleibt mir erspart. Die Küchen der Restaurants haben geschlossen, und so erreiche ich Ventimiglia und damit die Mündung der Roya gegen 15:30 Uhr. Zunächst gelange ich auf verworrenen Pfaden durch Gegenden, die man nicht gesehen haben muss, dann liegt das Meer wieder vor mir. Anstatt der Adria diesmal im weiteren Sinne die Bucht von Genua, wobei die Stadt 120 Kilometer Luftlinie entfernt ist. San Remo mit 20 Kilometern in östlicher Richtung ist der für mich nächste Ort mit bekannterem Namen; nach Nizza, über die Autobahn, gen Westen, sind es keine 50 Kilometer mehr, dazwischen liegt mein nächstes Etappenziel - Monaco.
Bevor ich mich jedoch zu den Reichen und Schönen geselle, zwischen denen ich natürlich nicht fehlen darf, als Kontrastpunkt, sozusagen, verbringe ich eine letzte Nacht in Italien. Auf einem Campingplatz. An sich soll ich 16 Euro zahlen, doch ohne zu Feilschen reduziert sich der Betrag um 20 Prozent. Es folgt noch der Besuch einer Pizzeria, der mich insofern etwas enttäuscht, als dass ich mit meiner Wahl eines „San Petro“ Fisch Gerichtes etwas anderes erwartet hatte als die frittierten und panierten Fischstückchen, die man mir auf einer Schieferplatte serviert. Einer meiner Söhne, der den Abend auf Formentera ankommen sollte, könnte im Sa-Platjeta am Strand sich da schon eher über das freuen, was ich vor Augen hatte, aber wenn alles nach Plan läuft, ist das Ziel der Reise ja auch gar nicht mehr sooo fern, wobei nichts überstürzt werden soll.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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