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Reisetagebuch

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2015-09-08

30. Tag: 125 Kilometer (Gesamt: 2947); 489 Höhenmeter; 361 Meter max. Höhe
Strecke: Nähe Céreste (09:15 Uhr) - Saint Gille (18:45 Uhr)
Wetter: sonnig, 26°

Obwohl der Wecker mich erst um 07:00 Uhr dazu bewegt, aufzustehen, bislang war es zumeist eine halbe Stunde früher, ist es noch arg frisch um mich herum - geschätzt etwa 10°. Der Himmel ist zwar bereits ein wenig blauer als Tags zuvor, aber von der Sonne ist noch nichts zu sehen. Ich hoffe, dass es die nächsten Tage, in der Nähe des Meeres, nicht mehr ganz so schattig ist wie auf gut 300 Metern Höhe, auf denen ich mich befinde.
Angenehmer als die Temperaturen sind meine Nachbarn, die auch am Morgen dafür sorgen, dass einem kraftvollen Start in den Tag nichts mehr im Wege stehen soll. Sie bringen mir auf einem Tablett eine Tasse Tee, einen Joghurt sowie ein fruchtigen Vitaminstoß. Einmal mehr schätze ich diese Komponente menschlichen Miteinanders und Entgegenkommens, die ich erleben darf. Da werden für die Menschen vor den Fernsehern Daily-Soaps inszeniert, um sie zu unterhalten, und hier, im wirklichen Leben, gibt es so viel mehr zu entdecken. Man nimmt Teil an den Erlebnissen anderer, gibt eigene Begebenheiten weiter, und wird mehr als ein Mal mit Hilfe, Unterstützung und Vertrautheit überrascht.
Die ersten fünf Kilometer gehen weiter wie gehabt. Rauf, runter, immer nur kleine Höhenunterschiede, maximal 50 Meter, doch trotz des Frühstücks sind die Beine erst einmal noch schwer. Mir geht der Vergleich mit einem Motor durch den Kopf, wo das Öl auch erst einmal warm werden muss, bevor es seine Wirkung voll entfalten kann. So ähnlich muss es mit der Muskulatur wohl auch sein. Anders als die Tage zuvor dann aber das folgende Höhenprofil. Es geht abwärts. Nicht so, wie in den höheren Regionen der Alpen, wie ich es bisher kennen lernte, steile Abfahrt, auf der noch gebremst werden muss, nein, ab Apt verliere ich ganz gemächlich an Höhe: über etwa 70 Kilometer erstrecken sich 250 Meter Gefälle, die erste Hälfte davon auf einer ehemaligen Bahntrasse, die als Euroveloroute 8 ausgeschildert ist. Die asphaltierte Piste ist gut genutzt, es sind jede Menge Radler unterwegs, unter ihnen auch ein jüngeres Pärchen aus Freiburg/Breisgau, das eine gut einwöchige Rundreise bei einem Veranstalter gebucht hat. Das Gepäck wird von Unterkunft zu Unterkunft transportiert, man legt 50 Kilometer pro Tag zurück, wobei die Route nebst Sehenswürdigkeiten in einem kleinen Heftchen beschrieben ist. Der Spaß kostet wenig mehr als 100 Euro pro Tag und Person, etwa das dreifache meiner gegenwärtigen Ausgaben. Hätte ich auch diese beiden nicht kennen gelernt, wir unterhalten uns während der Fahrt eine gute halbe Stunde lang, wäre ich achtlos über eine Brücke hinweg gefahren, die laut Tourenbeschreibung meiner Begleiter gut 2000 Jahre alt sein soll - von einstigen römischen Besatzern errichtet, mit Hilfe einiger klobiger Steine. Entweder ist es das fehlende Vertrauen heutiger Statiker oder der Zahn der Zeit, der an dem Bauwerk nagte, zumindest sind an einigen Stellen Renovierungsarbeiten nicht zu übersehen.
Zu übersehen oder nicht existierend ist hingegen die Beschilderung des Radweges ab Cavaillon. Dort endet die gut ausgebaute Trasse und der Fernreisende muss selbst zu sehen, wie er weiter kommt. Eine Weiterfahrt auf dem einstigen Bahndamm ist nicht möglich, an der Fortsetzung wird wohl gearbeitet, zwischendurch sind von einem parallel verlaufendem Weg aus immer wieder tiefe Gräben oder Schotterhaufen zu sehen.
Zwischen zwei Orten gibt es dann noch einmal eine knapp 10 Kilometer lange gleichartige Strecke, ansonsten führt mein Weg über mehr oder weniger stark befahrene Landstraßen und Wirtschaftswege bis ich dorthin gelange, wo ich bereits vier Jahre zuvor, am 31'sten Juli, zusammen mit Ute her geradelt bin - an die Rhône. Die Stelle auf der D99, an der sich beide Routen überschneiden, kann ich zwar nicht wieder erkennen, aber bei Saint Etienne kreuzen sie sich definitiv.
Entgegen dem damaligen Streckenverlauf überquere ich diesmal zwischen Tarascon und Beaucaire den Fluss. Um die Städte herum gelange ich zunächst durch wenig sehenswerte Industrie- und Gewerbegebiete, dann ist die Landschaft geprägt von Obst- und Weinanbau, bis mein Tagesziel, Saint Gilles, erreicht ist. Dort hatte ich in der Karte einen Campingplatz entdeckt. Wie vermutet hält sich der Tourismus in der Region in Grenzen, was sich entsprechend im Preis für die Übernachtung bemerkbar macht - 10 Euro nimmt man mir ab. Mein Zelt schlage ich eher zufällig neben dem eines anderen Herrn ab, der ebenfalls mit dem Rad unterwegs ist. Er kommt aus Berlin, war in La-Rochelle gestartet, folgte zunächst der Atlantikküste, bevor es über Toulouse an das Mittelmeer ging, und steht kurz vor dem Ende seiner Tour in Avignon. Wir tauschen noch ein wenig Erfahrungen, dann zieht es mich in die nächste Pizzeria, während meine jüngste Bekanntschaft vor den Mücken in das Zelt flüchtet.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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