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Reisetagebuch

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Bilder

2015-09-10

32. Tag: 92 Kilometer (Gesamt: 3136); 226 Höhenmeter; 22 Meter max. Höhe
Strecke: Beauduc (09:00 Uhr) - Villeneuve-Lès-Maguelone (18:30 Uhr)
Wetter: sonnig, 27°

Noch bevor der Wecker geht, um 07:00 Uhr, werde ich wach. Da es bereits ein wenig hell ist, werfe ich einen Blick durch den Spalt des Zeltes, durch den Luft gelangen soll. Wow, welche Farben am Himmel. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, doch über den Horizont gelangen schon die ersten Strahlen. Nicht schlecht, was man so als Schlafgestörter zu sehen bekommen kann.
Was nach dem Aufstehen kommt, ist weniger berauschend, zumindest für mich - die Moskitos, die sich an mir laben, mögen das anders sehen, doch ich bin nicht das einzige Opfer. Kiter aus der Nachbarschaft laufen in dicken Jacken vermummt herum, die Kapuze über den Kopf gezogen, während ich das erste Mal zu dem Netz greife, das wenigstens den Kopf bedeckt und die Viecher von Mund, Nase, Augen und Ohren fern hält. Ein anderes Detail ist da schon bedeutend amüsanter. Einer nach dem anderen der Nachbarn schreitet mit großer Schaufel in der Hand in Richtung Dünen - Spatengang. Da bekomme ich mit meinem kleinen Schüppchen im Gepäck fast Minderwertigkeitskomplexe, aber ich unterstelle mal, dass die Größe des Gerätes, mit dem das Loch für die Hinterlassenschaften ausgehoben wird, in keiner Relation zu eben diesen steht. Na ja, ich belasse es mal besser dabei - ist wieder ein Scheiß Thema, das nicht jedermanns Geschmack ist.
Hatte ich mich auf ein ruhiges Frühstück mit Meerblick gefreut, so vergeht mir der Appetit bei den um mich herum surrenden Plagegeistern und ich begnüge mich mit dem übrig gebliebenen Stück Baguette vom Vortag. Anschließend sehe ich zu, dass ich weg komme. An sich eine Schande, aber selbst jeden Halt für ein Foto bezahle ich mit meinem Blut. Auf der Strecke, die ich vor vier Jahren bereits mit Ute geradelt war, erreiche ich den Leuchtturm Phare-de-la-Gacholle. Von dort an wird nicht nur der Weg weniger holperig, auch die Anzahl der Mücken lässt nach, die anderer Radler hingegen zu. Saintes-Maries-de-la-Mer schließlich wirkt auf mich genau so desillusionierend wie beim ersten Mal, aus dieser Richtung kommend. Gerade noch weitestgehend abgeschnitten von der Zivilisation in diesem herrlichen Naturschutzgebiet, ohne fließend Wasser, Strom, Gas oder Internet, und doch geradezu berauschend, platzt mit einem Male so etwas wie eine Seifenblase. Verkehr, Lärm, eine Vielzahl von Menschen. Nach dem Aufstocken der Verpflegung im Supermarkt und dem Absenden des letzten Reiseberichtes geht es den Weg zurück, den ich am Vortag gekommen war, bis zu der Kreuzung, von der aus es bis Aigues-Mortes noch zehn Kilometer sind.
Nach gut 50 Kilometern mache ich dort am Kanalhafen Rast - Mittagspause, sozusagen. Ein Baguette mit Käse sowie eine Melone sind gerade vertilgt, da kommen zwei Herren auf ebenfalls bepackten Rädern um die Ecke. Ein Moin wird mir zugerufen, ich erwidere den Gruß, und Augenblicke später stehen sie vor mir, die beiden Hamburger, 20 Jahre älter als ich, und seit einem Tag von Marseille aus auf Tour Richtung Marrakesch. Dass sie das Naturschutzgebiet umfahren haben, bedauern sie, nachdem ich ihnen davon vorschwärme, aber als sie von geplanten Stationen ihrer Route berichten, kann ich sie trösten - es sollten noch einige schöne Abschnitte dabei sein, die ich vor zwei Jahren kennen lernen durfte. Mit dem Abstecher durch die Sierra Nevada nach Cordoba hingegen werden sie mir etwas voraus haben, wenngleich sie auch sonst noch Regionen im Repertoire haben, die ich noch nicht kenne, wie zum Beispiel eine Reise nach Istanbul. Wir hätten uns wahrscheinlich noch eine ganze Weile weiter austauschen können, doch nach einer guten Viertelstunde erwacht das Bewusstsein, dass ohne weiterzufahren nicht viel von dem zu sehen ist, was man sich da so vorgenommen hat. Da ich noch ein wenig zusammen räumen muss, trennen sich einstweilen unsere Wege, doch wer weiß, ob und wo sie sich noch einmal kreuzen.
Entlang des Canal-Du-Rhône-À-Sète geht es für mich weiter. Würde ich die Verkehrsschilder beachten, müsste ich einen anderen Weg einschlagen, statt dessen holpere ich einmal mehr über Schotter und Schlaglöcher. Sicher, Qualitätsstandards erfüllt die Piste nicht, doch ich gelange in die gewünscht Richtung, und andere Verkehrsteilnehmer brauche ich auch nicht zu beachten - die handvoll Kapitäne, die mir auf dem Wasserweg begegnen, fahren auf einer anderen Trasse als ich.
An einem Supermarkt in La-Grande-Motte treffe ich einen weiteren Reiseradler. Ein Italiener, der 7000 Kilometer hinter sich hat und auf dem Rückweg nach Rom ist. Im Gegensatz zu den bisherigen Pedalisten praktiziert er die absolute Low-Budget Alternative. Anstelle von Packtaschen hängen Kanister an seinem Vorderrad, am Hinterrad befestigt ist ein einspuriger Anhänger mit dem Rest seiner Ausrüstung; ein Wurfzelt sowie Reservemäntel sind oben auf festgeschnallt. Der junge Mann selbst ist in zerfetzten Klamotten unterwegs und beschmiert, als hätte er beim Zement Mischen nicht aufgepasst, doch auch mit ihm vergeht ein Viertelstündchen wie im Flug, bevor ich zum Endspurt für den Tag aufbreche. Zunächst warten bestens asphaltierte Radwege entlang der Strände, später wieder die Holperpiste entlang des Kanals. Einige Orte erkenne ich wieder, trotz geringfügig anderer Route, andere Abschnitte sind entsprechend Neuland, doch die Landschaft wirkt vertraut. An einem Kloster, mit dem ich einige Anläufe verbinde, um den rechten Weg zu finden, endet meine Route für den Tag. In der Nähe ist ein Campingplatz, als ich jedoch davor stehe, die fünf Sterne sehe und die Aufmachung der Rezeption, da befürchte ich bereits, die drei Kilometer hätte ich mir sparen können. Trotzdem stelle ich mich an, um nach 15 Minuten zu erfahren, dass ein Platz im Sand 25 Euro kosten soll. Nein danke, nicht mit mir. Zwanzig Euro hätte ich ja noch gezahlt, wäre nicht das erste Mal, aber irgendwo ist eine Grenze. Ich will keinen Pool und keine Belustigung mit bezahlen, die ich nicht in Anspruch nehme beziehungsweise woran mir noch nicht einmal gelegen ist. Also zurück zum Strand, dort erst einmal kostenlos duschen, dem Kocher eine weitere Dose Essen aus der Konserve zuführen und ab in die Prärie, um das Zelt aufzuschlagen - erneut zum Gefallen der kleinen, surrenden Tierchen.



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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