Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-01

32. Tag: 87 Kilometer (Gesamt: 2217); 92 Höhenmeter; 86 Meter max. Höhe
Strecke: Nähe Kirkjubæjarklaustur (10:00 Uhr) – Vík (19:00 Uhr)
Wetter: bewölkt, 11°

Wer Abenteuer suchet, der findet. Zum Glück bin ich es nicht, der entsprechenden Herausforderungen hinterher jagt, denn tauschen möchte ich mit denen, die sich da in etwas hinein geritten haben, nicht. Zunächst aber beginnt der Tag recht harmlos. Beziehungsweise mit Nebel und Nieselregen. Kaum hatte ich den Reißverschluss des Zeltes am Vorabend zugezogen, fing es an. Und immer, wenn ich Nachts mal wurde, tröpfelte es leise auf das Zelt. Keine guten Voraussetzungen, um die Wäsche trocken zu bekommen und die Behausung gleichermaßen einzupacken. Bis hinter Kirkjubæjarklaustur hält sich die Berieselung, dann lässt sie nach. Die Landschaft passt dazu. Anstelle von Geröllwüsten kultivierte Weiden, auf denen Schafe grasen und das Grün sprießt. Anschließend Moos bewachsene Steine, Wälder, wenn man denn die überschaubaren Baumgruppen so nennen will, sowie Lupinienfelder, sofern ich den Namen der blau blühenden Pflanzen richtig in Erinnerung behalten habe. Nach gut 30 Kilometern die Abzweigung zur 208, die nach einigen Kilometern zur F208 und somit zu einer Hochlandpiste wird. Noch weist ein Schild darauf hin, dass ein Streckenabschnitt gesperrt sei. Geht alles gut, sollte ich nach einer ersten Umrundung dort abbiegen und nach Landmannalaugar gelingen, einer sehenswerten Gegend, die aber nicht gar so einfach zu erreichen ist. Einige Furten, Schotterpiste, Steigungen – das volle Programm. Das wäre dann mein Abenteuer. Noch aber ist es nicht so weit. Erst einmal einfach loslegen. Erfahrungen sammeln. An paar Kilometer weiter treffe ich den nächsten Radler. Olivier aus Kanada. Fünf Wochen hat er sich Zeit genommen, die erste liegt hinter ihm. Bei ihm hat die Verabschiedung mit „see you“ Potential, Wirklichkeit zu werden. Bleibt abzuwarten. Ein netter Kerl.
Was dann folgt, sind 30 Kilometer fressen. Am Stück, bei Gegenwind. Windstärke 4 stand hinter Kirkjubæjarklaustur auf einer elektronischen Anzeigetafel an der Straße. Als ich schließlich an einem weiteren Weg links rein vorbei komme, zu dem am Straßenrand ein Wegweiser in zwei Kilometer Entfernung eine Sehenswürdigkeit verspricht, überlege ich kurz. Abbiegen oder Weiterfahren? Ich entscheide mich für den Richtungswechsel. Liege noch gut in der Zeit. Es ist kurz vor 16:30 Uhr, bis Vík sind es noch knappe 10 Kilometer. Den Felsen, der mir nun zur Linken liegt, sah ich schon die ganze Zeit. Dachte, es sei bereits das Tagesziel. Gute 200 Meter hoch, mit steil emporsteigenden Flanken. Auf einer Hinweistafel ist zu lesen, dass Hjörleifshöfði der südlichste Punkt Islands sei. Per Wanderweg lässt sich der Fels erklimmen, außerdem gäbe es Richtung Strand eine Höhle. Die Kletterei erspare ich mir, schaue den beiden jungen Männern aus Kalifornien hinterher, die auf einem Serpentinen reichen Trampelpfad nach oben entschwinden. Als ich dann auf meinem fahrbaren Untersatz weiter in Richtung der Höhle rumpel, glaube ich schließlich meinen Augen nicht zu trauen. In einer größeren Pfütze, oder ist es ein Bachlauf, steckt ein Auto fest. Die Reifen sind fast komplett im Wasser. Auf meine Frage, ob ich behilflich sein kann, bekomme ich von der Rücksitzbank zu hören, dass die Freundin bereits Unterstützung herbei holt. Nun denn. Werfe einen Blick die Ecke 'rum, auf das Loch im Gestein. In der Felswand darüber nisten die Vögel, es ist ein munteres Geschnatter und Gekreische, alles mal wieder höchst beeindruckend. Auf dem Rückweg schließlich ist bereits Hilfe im Gange. Ein Pickup versucht den Wagen aus seiner misslichen Lage zu befreien, doch der Versuch scheitert – das Stahlseil reißt. Mich auch noch in das Nass zu begeben und zu versuchen, den Karren aus dem Dreck zu schieben, erachte ich als wenig zielführend. Die acht Hände, die bereits drücken, bewegen das Auto keinen Millimeter. Entsprechend verabschiede ich mich mit den besten Wünschen und sehe zu, ob ich von der Straße aus Gutes tun kann. Halte den nächstbesten Wagen mit Allradantrieb an, schildere die Situation und bekomme zu hören, dass man sein Bestes tun werde. Wie die Sache ausgeht? Wie so häufig – keine Ahnung. Aber die beiden, die ihr Abenteuer suchten, haben es mit Sicherheit gefunden. Wahrscheinlich wird kein preiswertes gewesen sein.
Für eine lange Nacht sorgt schließlich der Campingplatz. Er beherbergt viele Zelte, es gibt extra einen Bereich, auf den man mit Fahrzeugen wie Autos nicht gelangt, dafür sorgen auch hier Vögel in der Felswand, dass es nicht zu ruhig zugeht. Im Aufenthaltsraum sind es hingegen die Gäste, die plaudern, und so wird es weit nach Mitternacht, bevor der Schlafsack mich warm hält.



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