Reisetagebuch

2016-05-...
2016-06-01
2016-06-02
2016-06-03
2016-06-04
2016-06-05
2016-06-06
2016-06-07
2016-06-08
2016-06-09
2016-06-10
2016-06-11
2016-06-12
2016-06-13
2016-06-14
2016-06-15
2016-06-16
2016-06-17
2016-06-18
2016-06-19
2016-06-20
2016-06-21
2016-06-22
2016-06-23
2016-06-24
2016-06-25
2016-06-26
2016-06-27
2016-06-28
2016-06-29
2016-06-30
2016-07-...
Bilder

2016-06-20

51. Tag: 88 Kilometer (Gesamt: 3324); 576 Höhenmeter; 178 Meter max. Höhe
Strecke: Snartartunga (09:30) – Hvammstangi (17:15)
Wetter: bewölkt, 13°, 3 Bft. NO

Als ich die ersten Kilometer zurücklege habe ich ziemlich genau vor Augen, worüber ich am Abend schreiben will. Eine Mail von Guido, einem Formentera Bekannten, lenkte meine Gedanken in eine andere Richtung. Doch bis ich vor dem Rechner sitze, gibt es eine Fülle von Trivialitäten, die mich anders entscheiden lassen.
Meine Angst hinsichtlich des flatternden Zeltes erwies sich als unbegründet. Kaum bettete ich mich zur Nachtruhe, da bekam ich auch schon nichts mehr mit. Erst das Geräusch des Weckers um 07:00 Uhr lässt mich aufhorchen und ich stelle fest, der Wind hat sich gelegt. Beim Zähne putzen dafür andere ungewohnte Töne. In einer Senke der Wiese liegt ein Lamm. Mit Bronchitis. Hört sich für mich zumindest so an. Normalerweise sind das Muttertier sowie ein weiteres Junges nicht fern, dieses hier ist scheint verlassen. Bereits aufgegeben? Es fehlt mal wieder die Antwort, aber was ich bislang von den Einheimischen aufgeschnappt habe: das Leben auf Island ist rau und zeitweise hart.
Nach dem Aufbruch steht direkt ein Mola mäßiger Anstieg an. Es soll diesbezüglich der Höhepunkt des Tages bleiben. An sich kaum der Rede wert, der Hügel, wäre da nicht auf der anderen Seite der Hund, den ich bereits hinter mir glaubte. Das Tier, vor dem mich die Recklinghausener Motorradfahrer am Vortag warnten. Ich wähnte es bereits eine Abfahrt zuvor, doch als ich über ein paar hundert Meter eine Begleitung habe, revidiere ich die bisherige Einschätzung. Der Vierbeiner ist schneller als ich, steht dann irgendwann vor mir, macht jedoch einen erschrockenen Satz zur Seite, als ich mein Horn erschallen lasse. Beim zweiten Anlauf ist der Überraschungseffekt nicht mehr gar so groß, doch die über 100 Dezibel sind als Abstandshalter durchaus nicht zu verachten.
Weniger aufdringlich ist die nächste Begegnung. Auf steiniger Piste hält neben mir ein Wagen, in dem ein australisches Pärchen sitzt. Zuhause fahren sie auch Rad, hier interessieren sie sich für das Gefährt unter meinem Hintern. Wir quatschen ein paar Minuten, dann kommt das nächste Auto von hinten und die Aussies verabschieden sich.
Ein wenig irritiert bin ich hingegen, als der Campingplatz, den ich nach 70 Kilometern erwartete, bereits nach 40 Kilometern am Wegesrand liegt. Da war mir wohl ein Fehler unterlaufen. Doch besser so als anders herum. Kann ich den nächsten oder übernächsten ansteuern.
Zunächst führt mich die neue Route auf die Ringstraße, auf die 1 zurück. An einer Tankstelle lege ich eine kurze Pause ein, kann ich mich dort immerhin mit einem Vitamindrink versorgen und Sachen aus dem Proviantbeutel auf einem Tisch ausbreiten. Unterhaltsam wird der Verpflegungsstopp aufgrund abermaligen Interesses an meinem Fahrzeug. Diesmal sind es Stuttgarter die wissen wollen, wie sich so etwas fährt. Im August soll es aus eigener Kraft auf zwei Rädern nach Korsika gehen, im Moment bevorzugt man das Auto, um mit einer Freundin, die in Reykjavík studiert, die Insel zu erkunden.
Auf der 1 stelle ich anschließend fest, dass ich versuchen werde, sie so weit wie möglich zu meiden. Viel Verkehr, riskante Überholmanöver, die Ruhe beim Radeln ist dahin.
Entsprechend bietet sich der Zeltplatz von Hvammstangi an, dem zu entkommen. Die Umrundung der Halbinsel Vatnsnes ist zwar eine recht lange Ausweichstrecke für nur wenige Kilometer auf der 1, aber vielleicht entschädigt sie ja auch noch ganz anders. Was zunächst jedoch den Campingplatz angeht, so ist er nicht frei von Tücken. Die Duschen sind stillgelegt und die Zufahrt geht 50 Meter steil einen Hügel empor. Dafür bietet er einen Aufenthaltsraum, eine Waschmaschine, Jacke und Hose sind überfällig, sowie nette Nachbarn. Angelika und Burkhard, mit dem Wohnmobil seit einer Woche auf Island unterwegs, laden mich zum Essen ein. Spagetti Bolognese. Ich hoffe, ich verderbe ihnen mit meinen Ausdünstungen nicht den Appetit. Mir jedenfalls kommt die Abwechselung zu den Nudelfertiggerichten aus der Tüte entgegen, anschließend geht es noch einmal Hügel abwärts, wo im Schwimmbad des Ortes fließend Wasser von oben sowie ein Hot-Pot warten, bevor ein kurzes Gespräch mit Ute stattfindet. Sie schrieb, sie freue sich, meine Stimme zu hören, und mir geht es nicht anders. Es ist jedoch leider derart unruhig und windig vor der Tür, dass wir einen längeren Austausch vertagen. Sie ist nach ihrer Rückkehr aus München müde, auf mich wartet noch die Tipperei. Hinter dem Fenster, von dem aus auch um 23:30 Uhr die Sonne noch zu sehen ist. Mittsommernacht!



Bericht zurück
2016-06-19
Seitenanfang
2016-06-20
Bericht vor
2016-06-21



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit sind 2 Veranstaltungen geplant, die Liste unter Vorträge, in der Sie Details zum Wann, Wo und Worüber finden, wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung.
Ich freue mich über Ihren Besuch und bin gespannt darauf, Sie kennen zu lernen!




Werbung in eigener Sache

Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!