Reisetagebuch

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Bilder

2016-06-26

57. Tag: 77 Kilometer (Gesamt: 3692); 570 Höhenmeter; 128 Meter max. Höhe
Strecke: Hofsós (10:15) – Ólafsfjörður (17:15)
Wetter: bewölkt, zeitweise Regen, 12°, 2 Bft. N/W

Nun habe ich schon einige Sehenswürdigkeiten gesehen, in diversen Hot-Pots gesessen, Skyr sowie Eiscreme probiert – da sollte ich Island doch einigermaßen kennen gelernt haben. Schenke ich jedoch den Worten Glauben, die ich von Wiederholungstätern hinsichtlich des Inselbesuchs aufschnappte, so fehlt eine nicht ganz unbedeutende Kleinigkeit. Das sei nicht Island, das ich da erlebe, bekam ich zu hören. Ich fürchte, nun auch mit dem Bekanntschaft zu machen, was sie meinten. Dem typischen Wetter. Die Vorhersage für die kommenden Tage ist trüb. Bereits der Vortag war es, und es soll nicht besser werden. Eher schlimmer. Blauer Himmel ade.
So gelangt der Zeltabbau noch trocken, kaum bin ich jedoch auf der Straße, sitze ich im Nieselregen. Mal ist er intensiver, mal weniger. Gab es zwar auch schon vor einigen Wochen im Süden, doch das Aufklaren bleibt aus. Je weiter ich mich der Spitze der Halbinsel Tröllaskagi nähere, desto nebliger wird es. Von der Landschaft ist kaum noch etwas zu sehen. Am Fuße von Fünfhundertern geht es zunächst im sanften Rhythmus rauf und runter. Dass dahinter 1000 Meter hohe Gipfel liegen, sehe ich nur in der Karte. Dass diese Riesen Schnee bedeckt sind, weiß ich von Vortagen, als sie von der anderen Seite des Fjords aus noch sichtbar waren.
Zum Kap hin nimmt aber nicht nur der Nebel zu. Im gleichen Maße, wie die Hügel steiler werden, wird auch die Straße schlechter. Zwischendurch immer wieder geschotterte Abschnitte, zum Glück sowohl Anstiege wie Holperpisten nie besonders ausgedehnt. Ein paar hundert Meter nicht asphaltierter Bodenbelag, 50 Höhenmeter, dann ändert sich das Bild. Bis zur nächsten Schikane. Ungeachtet dessen komme ich relativ zügig voran. Die Sichtverhältnisse geben nur selten Anlass zu Fotostopps und auch Begegnungen am Wegesrand beschränken sich auf eine. Als ich an einem Aussichtspunkt stehe, gesellen sich Alejandro aus Mexiko, der aber wert darauf legt, dass er in Texas lebt, sowie ein Freund aus London hinzu. Wieder einmal gilt das Interesse meinem Fahrzeug. Ich lasse den texanischen Mexikaner eine Runde auf dem Parkplatz drehen und habe den Eindruck, ihm den Höhepunkt des Tages beschert zu haben. Ist ja bei dem Wetter auch nicht gar sooo schwierig.
Nach dem Nebel sehe ich schließlich gar nichts mehr von der Landschaft. Nicht etwa, dass vor lauter Luftfeuchtigkeit die Hand vor Augen nicht mehr zu sehen ist, die erkenne ich sehr wohl, nein, es folgen drei Tunnels. Der erste ist quasi zum Eingewöhnen. Einspurig, aber nur 800 Meter lang. Die nächsten beiden dann mit je einer Richtungsfahrbahn, dafür aber auch länger. 4 und 7 Kilometer. Zum Glück herrscht an diesem Sonntag nicht viel Verkehr, Lastenwagen sind noch weniger unterwegs, und so überstehe ich auch diese Passagen unbeschadet. An sich komme ich in den Röhren sogar sehr zügig voran. Zur Hälfte nur eine geringe Steigung, danach Gefälle, kein Wind – laut GPS bewältige ich die Distanz zwischen Tunnelein- und -ausfahrt mit 20 km/h. Das hörte sich nach den Ausführungen des Österreichers, der mich am Vorabend bei netter Plauderei vom frühen Schlafen gehen abhielt, noch anders an. Auf meine Frage, wie es mit Steigungen in den Bergdurchfahrten bestellt sei, erkundigte er sich, ob mir an einer ehrlichen Antwort gelegen sei. Auf mein Natürlich bekam ich daraufhin zu hören, dass es für ihn, mit dem Motorrad aus der Gegenrichtung kommend, abwärts ging. So sind sie, die Wiener. Oder war er gar Schlawiner?
Nach einem kurzen Halt am Supermarkt in Siglufjörður beende ich meine Tagesetappe in Ólafsfjörður keine Dreiviertelstunde später. Der Campingplatz dort hat zwar keine Duschen, doch das nebenan gelegene Schwimmbad noch eine halbe Stunde geöffnet. Entsprechend muss der Zeltaufbau warten. Als er dann aber an der Reihe ist, setzt auch der Regen wieder ein. Diesmal mehr als nur ein Nieselschauer, woraufhin ich den Rest des Abends im eigenen Refugium verbringe, denn einen Aufenthaltsraum gibt es ebenso wenig wie eine Küche. Trotz alledem bleibt es bislang dabei – während der Fahrt seit dem Start der Tour nicht mehr als drei Stunden Regen am Stück – wegen meiner muss sich das auch nicht ändern. Selbst wenn es mir die Kritik einbringt, ich hätte Island nicht richtig kennen gelernt.



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