Reisetagebuch

2013-04-...
2013-05-...
2013-06-01
2013-06-02
2013-06-03
2013-06-04
2013-06-05
2013-06-06
2013-06-07
2013-06-08
2013-06-09
2013-06-10
2013-06-11
2013-06-12
2013-06-13
2013-06-14
2013-06-15
2013-06-16
2013-06-17
2013-06-18
2013-06-19
2013-06-20
2013-06-21
2013-06-22
2013-06-23
2013-06-24
2013-06-25
2013-06-26
2013-06-27
2013-06-28
2013-06-29
2013-06-30
2013-07-...
2013-08-...
2013-09-...
Bilder

2013-06-24

59. Tag: 100 Kilometer (Gesamt: 4306)

Dank zeitigem Aufstehen gelingt es uns an diesem Montag Morgen, den Campingplatz in einem Vorort von Alta noch vor 09:45 Uhr zu verlassen. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und es ist warm genug, um im T-Shirt zu starten. Die ersten sieben Kilometer sind entlang des Fjordes schnell und mühelos zurück gelegt, dann liegt der Supermarkt auf dem Weg, nach dem wir uns noch einmal an der Rezeption bei der Abgabe des Schlüssels unserer Hütte erkundigt hatten. Der Laden ist klein und überschaubar, dafür gibt es aber auch noch nicht einmal frisches Brot. Da wir noch alte Brötchen im Gepäck haben, trifft uns dies nicht gar so sehr, was mich hingegen belustigt sind die Preise für ein wenig Belag. Der Kilo Preis für die Salami liegt bei über 50 Euro, den Lachs gibt es für etwas weniger Geld – also kaufe ich den Fisch.
Die nächsten fünfeinhalb Kilometer halten uns bereits deutlich länger auf als die bisherigen Aktivitäten nach dem Start. Ein Straßenschild versprach eine sieben prozentige Steigung, und die meiste Zeit verbringen wir in den unteren Gängen, brauchen allerdings nicht mehr abzusteigen, um die Räder zu schieben. Es folgen noch ein paar weitere Anstiege, dann finden wir uns in einer anderen Welt wieder, die alle Sinne anspricht. Wasser plätschert und rauscht, die Vögel zwitschern, um uns herum eine umwerfende Landschaft; einzig die Autos wirken etwas deplatziert, doch ohne die gäbe es wahrscheinlich auch nicht die Straße, über die wir fahren. Darüber hinaus nerven Stechfliegen, die an den blanken Waden Blutspuren hinterlassen. Als Flachländer sind wir von den uns umgebenden Hügeln total begeistert. Nach weiteren Hügeln eine erneute Steigerung. Wir durchfahren ein Fjell, eine Hochebene, die uns den Eindruck vermittelt, was wir uns unter der Tundra vorzustellen haben. Die Weite verschlägt mir die Sprache, ich habe das Gefühl, von Endorphinen durchströmt zu werden. Das, was uns umgibt, erinnert mich an die Landschaft in dem Film „Der Herr der Ringe“, der in Neuseeland gedreht wurde, nur, dass ich mich hier leibhaftig mitten drin befinde. Wir können die Erde berühren, später trinken wir an einem Wasser aus einem rauschenden Fluss, ständig bleiben wir stehen, um erneut die Kamera auszupacken und die Eindrücke zumindest ansatzweise optisch festzuhalten. Kamen wir sonst im Durchschnitt auf 40 Bilder pro Tag, so drücke ich mehr als doppelt so häufig auf den Auslöser. Dazu kommt, dass die äußeren Bedingungen perfekt sind. Am Himmel befinden sich nur vereinzelt ein paar weiße Wolken, die Sonne wärmt und der Wind schiebt uns vor sich her. Gegen 14:15 Uhr legen wir nach 55 Kilometern eine Pause auf einem Rastplatz ein und gönnen uns nach den Lachsbrötchen ein Nickerchen auf den Holzbänken, auf denen wir zuvor saßen. Als wir aufwachen, ist der Himmel deutlich bedeckter und wir sehen einige Meter weiter ein weiteres Pärchen, das sich gerade stärkt. An ihren Rädern hängen die gleichen Packtaschen wie an unseren und wir sprechen sie an. Das Nordkap haben sie bereits hinter sich, und auf ihrer zehntägigen Reise wollen sie weiter durch Norwegen touren. Die beiden sind etwa so alt wie wir und ihre Planung sieht ähnlich weite Tagesetappen vor wie die unsrige. Als wir von unserem weiteren Vorhaben berichten, stöhnen sie – fast jeder, mit dem sie sprechen, hat in ihren Augen unendlich viel Zeit, nur sie müssen sich mit knapp zwei Wochen zufrieden geben. Nur wenige Stunden zuvor trafen sie auf einen Wanderer, der mit seinem Buttler Richtung Gibraltar unterwegs ist, was uns aufhorchen lässt, da die britische Kolonie auch auf unserem weiteren Weg liegen soll. Sie zeigen uns einen Flyer, den sie erhielten, und versichern uns, dass wir den zu Fuß reisenden Herrn eigentlich gar nicht verfehlen können. Um 16:00 Uhr hat uns die Straße dann wieder, neben dem sich zu ziehenden Himmel hat sich auch der Wind die Richtung gewechselt, wir bekommen ihn nun mehr oder weniger von vorne, und wenig später begegnen wir einem uns entgegen marschierenden Mann. Wir halten an, tauschen Visitenkarten und erfahren mehr über das Projekt, das unseren Gegenüber dazu bewegt, über 7000 Kilometer durch Europa zu stiefeln (mehr dazu siehe www.nordkap-gibraltar.eu). Als wir uns auch von ihm verabschieden, stoßen wir als nächstes auf ein paar Rentiere, die sich in aller Seelenruhe über die Fahrbahn trollen, bevor den nächsten Hügel hinauf ein bekanntes Gesicht aus einem Wohnmobil uns entgegen strahlt. Es sind Norweger, die vom Nordkap zurück kommen, und die wir Tags zuvor an der Pizzeria in Alta kennen lernten. Der Mann bestaunte unsere Räder und bekam sich kaum ein über das Gewicht, das auf den Gepäckträgern lastet. Nach kurzer Blockade der einen Richtungsfahrbahn geht es dann weiter nach Skaidi, wo wir an einer Kreuzung den nächsten Supermarkt aufsuchen und Getränke Vorräte auffüllen. Die letzten 20 Kilometer beginnen dann ein weiteres Mal anstrengend, als es hoch in das nächste Fjell geht. Es stellt sich nicht mehr so aufregend dar wie das vorherige, möglicherweise liegt es aber auch daran, dass die bislang geradelte Strecke doch nicht ganz spurlos an uns vorbei gegangen ist. Die allerletzten Meter fallen dann in rasanter Talfahrt um so leichter. Ohne Rücksicht auf das Material bremsen wir erst ab 40 km/h und erreichen den Camping von Olderfjord um kurz nach 19:00 Uhr. Dort lernen wir einen weiteren Wanderer kennen, den es ohne Zeitdruck nach Sizilien treibt. Was ihn hingegen bedrängt sind die 28 Kilogramm, die er auf dem Rücken mit sich herum trägt. Aus diesem Grund will er als nächstes nach Hammerfest, um nicht gar so wichtiges Gepäck nach Deutschland zurück zu schicken.
Wir investieren erneut in eine Hütte, werden auch insofern belohnt, dass das Zelt im herein brechenden Gewitter nicht nass wird, ansonsten enttäuscht die Unterkunft jedoch. Haus wie Sanitäranlagen sind in einem äußerst renovierungsbedürftigem Zustand, doch wir fühlen uns nach 5 Molas beziehungsweise 861 bewältigten Höhenmetern, die uns auf knapp 400 Meter empor kommen ließen, ausreichend beansprucht, dass uns dies keinen Schlaf kosten sollte.




Bericht zurück
2013-06-23
Seitenanfang
2013-06-24
Bericht vor
2013-06-25



Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




Newsletter

Sie wollen per E-Mail über neue Einträge auf dieser Seite informiert werden?
Kein Problem!
Klicken Sie auf Newsletter und folgen Sie den dort beschriebenen Anweisungen.




Live Vortrag

Zurzeit ist leider nichts geplant, die Liste unter Vorträge wird jedoch ständig aktualisiert.
Falls Sie selbst Interesse haben, mich einzuladen oder Sie einen Veranstalter kennen, treten Sie gerne mit mir in Kontakt. Es erwarten Sie unterhaltsame anderthalb bis zwei Stunden Fotoshow mit live vorgetragenen Erlebnissen und Anekdoten sowie Musik untermalten Passagen. Für Fragen oder einen kleinen Plausch stehe ich Ihnen während einer kurzen Pause oder im Anschluss gerne zur Verfügung und ich würde mich freuen, Sie persönlich kennen zu lernen!




Werbung in eigener Sache

Der Reisebericht der Radtour 2011 von Köln über Barcelona nach Formentera ist unter dem Titel "Urlaub, mal anders" (ISBN: 978-3-7309-0754-2) als E-Book für kleines Geld im Handel erhältlich.

Kennen Sie das?
Sie haben den Supermarkt gerade hinter sich gelassen da fällt Ihnen ein, was Sie unbedingt besorgen wollten - dann aber doch vergessen haben. Das ist nicht nur on tour blöd, sondern Zuhause ebenso. Und da Stift und Zettel sich häufig genug nicht in greifbarer Nähe befinden, der kleine elektronische Störenfried hingegen schon und weil es obendrein viel praktischer ist: verwenden Sie, sofern Sie es nicht bereits tun, Pruedis Einkaufsliste.
Die App für Ihr Android Smartphone, der Sie nicht nur vertrauen können, die Sie nicht mit Werbung belästigt, die auf das Wesentliche reduziert ist, die sich einfach bedienen lässt und die auch dort funktioniert, wo es vielleicht mal kein Internet gibt.
Sie kennen Pruedis Einkaufsliste noch nicht? Dann wird's aber Zeit - jetzt kostenlos testen!