Reisetagebuch

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Bilder

2013-07-08

73. Tag: 69 Kilometer (Gesamt: 5202)
Strecke: Thorpe Thewles/Stockton on Tees (10:15 Uhr) - Hinderwell/Staithes (19:00 Uhr)
Wetter: vormittags bewölkt, nachmittags sonnig, max. 22°

Trotz luxuriöser Unterkunft ist es an diesem Montag Morgen nicht der Wecker, der uns erwachen lässt. Zunächst bekommen wir mit, wie ein Nachbar vor uns den Tag beginnt, dann läutet das Telefon. Verschlafen schaue ich auf das Display und erkenne die Nummer meiner Eltern, die mir wohl zum Geburtstag gratulieren wollen. Als ich die Taste zur Annahme des Rufes drücke, verstummt das Gerät. Ob ich zu langsam war oder es an dem schwachen Empfangssignal liegt, bleibt offen. Kurz vor 08:00 Uhr Ortszeit dann der Weckruf, der uns daran erinnert, dass wir ein weiteres Mal eine halbe Stunde später frühstücken wollten. Anstelle des full-english-breakfast haben wir uns auf der Wunschliste, die unsere Gastgeber eigens für diesen Zweck ausgelegt hatten, für die kontinentale Variante entschieden, und so bedienen wir uns am Müsli und Cornflakes Buffet. Dazu erhalten wir ein paar Scheiben Toast, Butter und Marmelade steht bereits in kleinen Portionspackungen auf dem Tisch.
Keine zwei Stunden nach dem Frühstück radeln wir weiter auf unserer Route gen Süden. Auf der ehemaligen Bahntrasse nerven weiterhin die Barrieren – einmal sind wir gar gezwungen, die oberste Tasche vom Gepäckträger zu nehmen, um weiter zu kommen.
Auch der Weg durch Middelsbrough ist nicht wirklich der Reise wert. Mit dem Charme von Leverkusen, Duisburg, Gelsenkirchen oder Mannheim passieren wir triste Industriegebiete, Schornsteine dampfen und der graue Himmel passt wunderbar zum Ambiente. Aus der Stadt heraus Richtung Redcar kommen wir auf der Straße mit einem Radfahrer aus England ins Gespräch. Wie es sich für ein Smalltalk gehört, landen wir schnell beim Wetter. Mittlerweile hat sich ein blauer Himmel durchgesetzt, doch es weht ein eisiger Wind aus Südost, was unsere Begleitung zu der noch mehrfach zitierten Phrase hinreißt, dass alle schlechten Dinge aus Deutschland kommen. Wir ignorieren den Kommentar und widmen uns unverfänglicheren Themen – schließlich sind wir nicht als Missionare unterwegs. Ein paar Kreuzungen später trennen sich auch unsere Wege wieder und wir bekommen eine uns bislang nur überlieferte Spezialität des Landes zu Gesicht: Schuluniformen. Zunächst sind es Jungen und Mädchen in gleichen Hosen und Sweatshirts, wenig später tragen die Schüler einer offensichtlich anderen Einrichtung Anzüge, Hemden und Krawatten.
Schon einmal bei ortsüblichen Bräuchen angelangt werden wir in Redcar mutig und bestellen uns in dem Badeort Fish & Chips. Am Meer auf einer Bank sitzend klärt uns ein älteres Ehepaar darüber auf, dass der nicht vegetarische Anteil des Morgens noch quicklebendig im Meer seine Runden gedreht habe, doch auch diese Erkenntnis kann helfen, Begeisterung aufkommen zu lassen. Alles trieft vor Fett, ein Eigengeschmack ist kaum auszumachen, doch zumindest haben wir es probiert.
Nach wenigen Kilometern eben entlang der Küste wird es ab Saltburn hügelig. Nicht nur einmal pendeln wir zwischen Meeresspiegel und Mola Niveau hin und her, was halb so schlimm wäre, gäbe es nicht Anstiege beziehungsweise Gefälle mit 25% Steigung (in Worten: fünfundzwanzig Prozent, kein Komma Fehler). Bergauf wird geschoben, abwärts Bremsbeläge verschlissen. Es gibt Haarnadelkurven, die nicht eingesehen werden können, und auch der Boden ist nicht immer so, dass man ungebremst in halsbrecherischem Tempo schauen mag, wo man landet. Als wir gerade einen Hügel erklommen haben, kommt uns ein einsamer Reiseradler entgegen. Im Gespräch erfahren wir, dass der Mann aus Hamburg kommt und wie wir nicht begeistert ist von dem, was englische Planer Leuten wie uns zumuten. An sich wollte die neue Bekanntschaft weiter hoch bis auf die Orkney Inseln, doch nach den bisherigen Erfahrungen ist eine vorzeitige Beendigung der Reise in Newcastle wahrscheinlicher. So weit sind wir noch nicht, England wird uns noch circa zwei Wochen lang auf seinen Straßen ertragen müssen, doch die Liste der Dinge, die uns stören, ist lang und identisch: die Landschaft ist nicht sonderlich attraktiv, zu dicht die Besiedlung, zu wenig Weite, Campingplätze für Zelter sind Mangelware, die Radwege in schlechtem Zustand, die Beschilderung auch nicht immer hilfreich, die Barrieren eine Katastrophe und die Steigungen eine Zumutung. Ob wir hingegen die Strecke von London nach Dover aus eigener Kraft bestreiten, wird auch für mich immer unwahrscheinlicher. Um zwei oder drei Tage ein Industriegebiet zu durchfahren, dazu ist auch mir die Zeit zu schade, und jeden Engländer, den ich darauf anspreche, bestätigt bislang meine Einschätzung.
Herzlich ist hingegen die Aufnahme auf dem Campingplatz, den wir ansteuern. Als Ute den jungen Mann, der uns Willkommen heißt, über meinen Geburtstag informiert, will er uns etwas Gutes tun und weist uns einen Stellplatz in der Abendsonne zu. Der Haken dabei: die Hecke hinter uns wird am nächsten Morgen für Schatten sorgen, doch ob überhaupt die Sonne scheinen wird, ist noch ungewiss. Zunächst einmal verschwindet sie gegen 21:00 Uhr am Horizont, als Ute und ich uns zu einem Aufenthaltsraum des Campingplatzes aufmachen. Neben einer komfortablen Sitzgelegenheit finden wir dort einen Zugang zum Internet, über den mich eine Reihe von Geburtstagsglückwünschen erreichen. Allen Gratulanten, auch denen, die mich über Utes Handy per SMS bedachten, an dieser Stelle vielen Dank für die lieben Grüße!



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Mit dem Rad von Köln nach Formentera - es geht auch anders ...




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